Robert Bork, messerscharfer Jurist für Naturrecht und Lebensrecht, gegen politisierende Richter und Staatsomnipräsenz ist tot – 2003 konvertierte er zur katholischen Kirche

Robert Bork amerikanischer Jurist Justizminister Bundesrichter fast Höchstrichter Verteidiger des Lebensrechts ungeborener Kinder und des Naturrechts Gegner politisierender Richter richterlichen Aktivismus und staatlicher Omniprässenz und Einmischung 2003 Konvertit zur katholischen Kirche(Washing­ton) Am ver­gan­ge­nen 19. Dezem­ber ist der bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Jurist und Lebens­schüt­zer Robert Bork im Alter von 85 Jah­ren ver­stor­ben. Der Ver­tei­di­ger des Lebens­rechts und der Fami­lie wur­de von Richard Nixon 1973 zum Soli­ci­tor Gene­ral, und damit nach dem Justiz­mi­ni­ster und des­sen Stell­ver­tre­ter zum dritt­höch­sten Ver­tre­ter des Justiz­mi­ni­ste­ri­ums ernannt, der die Bun­des­re­gie­rung in Streit­sa­chen gegen­über dem Ober­sten Gerichts­hof ver­tritt. Ein Amt, das Bork bis 1977 inne­hat­te und in die­ser Zeit kurz sogar Justiz­mi­ni­ster war. Anschlie­ßend war er bis 1988 Rich­ter am Bun­des­be­ru­fungs­ge­richt für den District of Colum­bia mit der Bun­des­haupt­stadt Washing­ton.

Brillanter Jurist, Justizminister, Bundesrichter, fast Höchstrichter

1987 soll­te er wäh­rend der zwei­ten Amts­zeit von Prä­si­dent Ronald Rea­gan in den maß­geb­li­chen neun­köp­fi­gen Ober­sten Gerichts­hof der USA beru­fen wer­den. Sei­ne Geg­ner ver­hin­der­ten jedoch die Ernen­nung die in einem kom­pli­zier­ten Ver­fah­ren im Zusam­men­wir­ken zwi­schen Prä­si­dent und US-Senat zustan­de­kom­men muß. Borks intel­lek­tu­el­ler und akti­ver Ein­satz für das Natur­recht mach­te ihm die ame­ri­ka­ni­sche Lin­ke zum Feind bis hin­ein in den lin­ken Flü­gel der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei. Zu sei­nen lau­te­sten Geg­ner gehör­ten femi­ni­sti­sche, abtrei­bungs­be­für­wor­ten­de und ande­re gesell­schafts­po­li­tisch links­ste­hen­de Grup­pen. Zu deut­lich brach­te er sei­ne Über­zeu­gung öffent­lich zum Aus­druck, daß der Staat kei­ne höhe­re mora­li­sche Instanz sei und es Gren­zen für den Staat gebe sowie Berei­che, in die sich der Staat nicht ein­zu­mi­schen habe.

Ted Kennedy führte Front gegen Bork an — Borks Vorstellungen standen linker Gesellschaftsveränderung im Weg

Es fiel dem demo­kra­ti­schen US-Sena­tor Ted Ken­ne­dy, einem Katho­li­ken zu, den Wider­stand gegen Borks Ernen­nung anzu­füh­ren. Ken­ne­dy kri­ti­sier­te unter ande­rem Borks Kri­tik am Urteil Roe gegen Wade, mit dem der Ober­ste Gerichts­hof de fac­to die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der in den USA lega­li­siert hat­te. Die gegen Bork ent­fach­te Kam­pa­gne führ­te dazu, daß ihn der mehr­heit­lich demo­kra­ti­sche Senat mit 42 gegen 56 Stim­men ablehn­te. An sei­ner Stel­le wur­de spä­ter Antho­ny Ken­ne­dy in den Ober­sten Gerichts­hof beru­fen, ein Höchst­rich­ter mit einer deut­lich weni­ger aus­ge­präg­ten kon­ser­va­ti­ven Hal­tung.

Richard Bork kri­ti­sier­te vor allem einen anma­ßen­den rich­ter­li­chen Akti­vis­mus sowie schlam­pi­ge und wider­sprüch­li­che Urteils­be­grün­dun­gen. Er wehr­te sich, solan­ge es sei­ne kör­per­li­chen und gei­sti­gen Kräf­te zulie­ßen, dage­gen, daß die USA nicht mehr von Geset­zen und recht­mä­ßig gewähl­ten Ver­tre­tern, son­dern von einem nicht gewähl­ten, nicht reprä­sen­ta­ti­ven Kreis von Rich­tern regiert wer­de, die ihren eige­nen Wil­len durch­set­zen woll­ten.

Borks geistreicher intellektueller Kampf gegen politisierende Richter und staatliche Einmischung

Bork war ein schar­fer Kri­ti­ker sei­ner libe­ra­len Rich­ter­kol­le­gen, in Euro­pa wür­de man deren Posi­tio­nen als links bezeich­nen, die sich, sei­ner Über­zeu­gung nach, zu weit von ihrer ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rol­le ent­fernt hat­ten, um dem Staat und den Men­schen ihre poli­ti­schen Ideo­lo­gien mit­tels Rich­ter­spruch auf­zu­zwin­gen. Er kämpf­te mit uner­müd­li­chem, stets geist­rei­chem intel­lek­tu­el­len Ein­satz dafür, den sei­ner Mei­nung nach für die Rechts­ord­nung schäd­li­chen lin­ken Ein­fluß an den rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten der USA zurück­zu­drän­gen. Er zähl­te zu den talen­tier­te­sten und akzen­tu­ier­te­sten rechts­wis­sen­schaft­li­chen Autoren der jüng­sten ame­ri­ka­ni­schen Geschich­te. Sei­ne Bücher und Auf­sät­ze tru­gen nicht unwe­sent­lich dazu bei, die Rol­le der Gerichts­bar­keit in der moder­nen Welt zu ver­ste­hen. Das, was deren Auf­ga­ben aus­macht, aber auch das, was nicht in deren Zustän­dig­keit gehört.

 Der deutschstämmige Jurist, der Bill und Hillary Clinton unterrichtete, konvertierte 2003 zum katholischen Glauben

Robert Bork kam 1927 in Pitts­burgh zur Welt. Sein Vater war deutsch-iri­scher, sei­ne Mut­ter deut­scher Abstam­mung aus Penn­syl­va­ni­en. Von 1962 bis 1981 unter­rich­te­te er fast unun­ter­bro­chen an der Juri­sti­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Yale. Sowohl Bill Clin­ton als auch des­sen Frau Hil­la­ry Rod­ham Clin­ton zähl­ten zu sei­nen Stu­den­ten.

Der kon­ser­va­ti­ve Höchst­rich­ter Anto­nin Sca­lia bezeich­ne­te Bork nach des­sen Tod „als einen der ein­fluß­reich­sten Juri­sten der ver­gan­ge­nen 50 Jahre„und „einen guten Mann und loya­len Bür­ger“. 2003 kon­ver­tier­te Bork zum katho­li­schen Glau­ben und trat in die katho­li­sche Kir­che ein. Ein Schritt, den er auch mit der zen­tra­len Bedeu­tung des Natur­rechts für die katho­li­sche Kir­che begrün­de­te.

Zu sei­nen bekann­te­ren Schrif­ten gehö­ren:
— The Temp­t­ing of Ame­ri­ca: The Poli­ti­cal Seduc­tion of the Law (1990)
— Slou­ch­ing Towards Gomor­rah. Modern Libe­ra­lism and Ame­ri­can Decli­ne (1996)
— Coer­cing Vir­tue. The World­wi­de Rule of Jud­ges (2003)
— A Coun­try I Do Not Reco­gni­ze. The Legal Ass­ault On Ame­ri­can Values (2005)

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

3 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, ob Roland Freisler das zu sei­ner Zeit bestehen­de Gesetz so gebeugt hat, wie es Rich­ter am BVG immer wie­der tun. Wenn ja, dann aller­dings aus den glei­chen Grün­den: eine Ideo­lo­gie zu beför­dern oder einem gei­sti­gen Geg­ner zu scha­den.

    Der Ehren­schutz wur­de umge­lei­tet, weg von den Ver­leum­dern (Sol­da­ten sind Mör­der) hin zu den Tätern: Abtrei­ber. Das GG-wid­ri­ge und eigent­lich hoch­ver­rä­te­ri­sche Abtrei­bungs­recht. Das vor­sätz­li­che (!) Kru­zi­fix-Urteil, das jeder demo­kra­ti­schen Gepflo­gen­heit wider­spricht. Das glei­che Prin­zip läßt man in der Schu­le nicht gel­ten, wenn Eltern den Sexu­al­kun­de­un­ter­richt ableh­nen.
    usw.
    Den ein­zi­gen, für mich erkenn­ba­ren Unter­schied zwi­schen Freisler und unse­ren Rich­tern sehe ich in der Art der Ver­hand­lungs­füh­rung. Der böse Wil­le herrscht bei Ideo­lo­gen.

  2. Auf­ge­weck­ten Leu­ten war schon immer klar, war­um Ideo­lo­gen so ver­ses­sen Ein­fluß neh­men auf die Beset­zung von ent­spre­chen­den Posten.

    Und die ver­trot­tel­te Mas­se sieht kei­nen Grund, die Hin­ter­häl­tig­kei­ten von Ideo­lo­gien zu beach­ten, die nicht im Par­tei­pro­gramm ste­hen.

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