Das Zweite Vatikanische Konzil fünfzig Jahre später — Neues Pfingsten oder nicht?

Pater Raniero Cantalamessa Deutungsversuch des Zweiten Vatikanischen Konzils Neues Pfingsten Ja oder Nein Hermeneneutik der Kontinuität oder des Bruchs(Rom) Der Kapu­zi­ner­pa­ter Rani­e­ro Can­tala­mes­sa, seit 1980 Pre­di­ger des Päpst­li­ches Hau­ses, hält in die­ser Funk­ti­on jede Woche in der Advents- und der Fasten­zeit eine Pre­digt für den Papst und des­sen Mit­ar­bei­ter an der Römi­schen Kurie. Die Dis­kus­si­on um die Deu­tung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, des­sen Fol­gen und des­sen Ein­ord­nung in die Kir­chen­ge­schich­te ist in vol­lem Gan­ge. In sei­ner Medi­ta­ti­on für die zwei­te Advents­wo­che befaß­te sich auch der päpst­li­che Haus­pre­di­ger vor­dring­lich mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil und unter­nahm einen „Deu­tungs­ver­such“. In Anwe­sen­heit Papst Bene­dikts XVI., meh­re­rer Kar­di­nä­le und Kuri­en­bi­schö­fe sprach er in der Redemp­to­ris Mater-Kapel­le des Apo­sto­li­schen Pala­stes über die Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät oder des Bruchs und ging der Fra­ge nach, ob das Kon­zil das erhoff­te „neue Pfing­sten“ gebracht habe oder nicht. Eine Fra­ge, die Pater Can­tala­mes­sa mit einem kla­ren Ja beant­wor­tet.
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Das Zweite Vatikanische Konzil fünfzig Jahre später. Ein Deutungsversuch

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von Pater Raniero Cantalamessa OFMCap

Frei­tag, 14. Dezem­ber 2012
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ZWEITE ADVENTSPREDIGT

1. Das Konzil: Hermeneutik des Bruches und der Kontinuität

In die­ser Medi­ta­ti­on möch­te ich über den zwei­ten gro­ßen Grund zum Fei­ern spre­chen, den die Kir­che in die­sem Jahr hat: den fünf­zig­sten Jah­res­tag der Eröff­nung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils.
Über die ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te haben sich die Ver­su­che, eine Bilanz der Ergeb­nis­se des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils zu zie­hen, gera­de­zu expo­nen­ti­ell vervielfältigt[1]. Es wäre über­flüs­sig, dem vie­len Gesag­ten noch mehr hin­zu­zu­fü­gen; mir wür­de auch die Zeit dazu nicht rei­chen. Neben die­sen ana­ly­ti­schen Inter­pre­ta­ti­ons­ver­su­chen hat es aber auch Bestre­bun­gen gege­ben, eine zusam­men­fas­sen­de Bewer­tung des Kon­zils zu geben, oder anders gesagt, einen Schlüs­sel zu fin­den, der uns das Ver­ständ­nis die­ses epo­cha­len Ereig­nis­ses erschließt. Ich will mich lie­ber die­ser Art von Ver­su­chen anschlie­ßen und viel­leicht noch einen Schritt wei­ter gehen, indem ich eine Art Deu­tungs­ver­such der ver­schie­de­nen vor­ge­schla­ge­nen „Schlüs­sel“ unter­neh­me.
Die­se las­sen sich grob in drei Kate­go­rien auf­tei­len: man­che Beob­ach­ter betrach­ten das Kon­zil als eine Aktua­li­sie­rung, ande­re spre­chen von einem Bruch mit der Ver­gan­gen­heit, wie­der ande­re von einer „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“. Als Johan­nes XXIII. der Welt das Kon­zil ankün­dig­te, ver­wen­de­te er gleich mehr­mals das Wort „aggior­na­men­to“ (Aktua­li­sie­rung), das seit­dem zu einem geflü­gel­ten Wort gewor­den ist. In sei­ner Eröff­nungs­re­de zum Kon­zil erklär­te der Papst, wie er sich die­se Aktua­li­sie­rung vor­stell­te:

„Das ein­und­zwan­zig­ste Öku­me­ni­sche Kon­zil setzt sich das Ziel, die katho­li­sche Leh­re intakt, unge­schmä­lert und unver­än­dert wei­ter zu ver­mit­teln […]. Wir haben aber nicht nur die Auf­ga­be, die­sen kost­ba­ren Schatz zu hüten; wir müs­sen auch an dem Werk wei­ter­ar­bei­ten, das unse­re Zeit benö­tigt, indem wir den Weg wei­ter beschrei­ten, den die Kir­che seit fast zwan­zig Jahr­hun­der­ten geht […]. Es ist not­wen­dig, dass die­se gesi­cher­te und unab­än­der­li­che Leh­re, der man immer treu zustim­men muss, gemäß den Anfor­de­run­gen unse­rer Zeit ver­tieft und erläu­tert wer­de“ [2].

Als jedoch das Kon­zil vor­an­schritt, schäl­ten sich bald zwei ent­ge­gen­ge­setz­te Sicht­wei­sen her­aus, die nur den einen oder den ande­ren der bei­den Aspek­te beton­ten, von denen der Papst gespro­chen hat­te, näm­lich die Kon­ti­nui­tät oder das Neue gegen­über der Ver­gan­gen­heit. Unter denen, die sich zur zwei­ten Sicht­wei­se bekann­ten, wur­de der Begriff „Aktua­li­sie­rung“ schon bald mit „Bruch“ gleich­ge­setzt, wobei man die­sen Bruch posi­tiv oder nega­tiv bewer­te­te, je nach­dem, wel­che Ein­stel­lung man ver­trat. Die soge­nann­ten Pro­gres­si­sten begrüß­ten alles Neue als einen Sieg über ver­al­te­te Posi­tio­nen; die eher Kon­ser­va­ti­ven betrach­te­ten es jedes Mal als eine Kata­stro­phe für die gan­ze Kir­che.
Zwi­schen die­sen bei­den Par­tei­en – die sich dar­in einig waren, dass das Kon­zil einen Bruch dar­stel­le, im Urteil über die­sen Bruch jedoch ent­ge­gen­ge­setz­te Mei­nun­gen ver­tra­ten – liegt die Bewer­tung der Päp­ste, die immer von einer „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“ gespro­chen haben. In sei­ner Enzy­kli­ka „Eccle­si­am Suam“ greift Paul VI. das von Johan­nes XXIII. ver­wen­de­te Wort „Aktua­li­sie­rung“ wie­der auf und sagt, er wol­le es als „Leit­fa­den“ sei­nen Amtes nehmen[3]. Zu Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats wie­der­hol­te Johan­nes Paul II. die­ses Urteil sei­nes Vorgängers[4] und sprach sich bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten in die­sem Sin­ne aus. Aber vor allem unser jet­zi­ger Papst Bene­dikt XVI. mach­te deut­lich, was die Kir­che mit „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“ meint. In sei­ner bekann­ten Anspra­che an die Römi­sche Kurie am 22. Dezem­ber 2005, weni­ge Mona­te nach sei­ner Papst­wahl, erklär­te er:

„Die Fra­ge taucht auf, war­um die Rezep­ti­on des Kon­zils in einem gro­ßen Teil der Kir­che so schwie­rig gewe­sen ist. Nun ja, alles hängt ab von einer kor­rek­ten Aus­le­gung des Kon­zils oder – wie wir heu­te sagen wür­den – von einer kor­rek­ten Her­me­neu­tik, von sei­ner kor­rek­ten Deu­tung und Umset­zung. Die Pro­ble­me der Rezep­ti­on ent­spran­gen der Tat­sa­che, dass zwei gegen­sätz­li­che Her­me­neu­ti­ken mit­ein­an­der kon­fron­tiert wur­den und im Streit lagen. Die eine hat Ver­wir­rung gestif­tet, die ande­re hat Früch­te getra­gen, was in der Stil­le geschah, aber immer deut­li­cher sicht­bar wur­de, und sie trägt auch wei­ter­hin Früch­te. Auf der einen Sei­te gibt es eine Aus­le­gung, die ich »Her­me­neu­tik der Dis­kon­ti­nui­tät und des Bru­ches« nen­nen möch­te; sie hat sich nicht sel­ten das Wohl­wol­len der Mas­sen­me­di­en und auch eines Tei­les der moder­nen Theo­lo­gie zunut­ze machen kön­nen. Auf der ande­ren Sei­te gibt es die »Her­me­neu­tik der Reform«“.

Der Hei­li­ge Vater gibt zu, dass es eine gewis­sen Dis­kon­ti­nui­tät – einen Bruch also – gege­ben hat; die­ser Bruch aber hat nichts mit den Grund­sät­zen und Wahr­hei­ten des christ­li­chen Glau­bens zu tun; er betrifft gewis­se histo­ri­sche Ent­schei­dun­gen. Zu die­sen gehört zum Bei­spiel die Kon­flikt­si­tua­ti­on zwi­schen der Kir­che und der moder­nen Welt, die ihren Höhe­punkt erleb­te, als Pius IX. die Moder­ne im Block ver­ur­teil­te, jedoch auch in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit spür­bar wur­de, wie zum Bei­spiel im Ver­hält­nis zwi­schen Kir­che und Wis­sen­schaft, im neu­en Ver­hält­nis zu ande­ren Reli­gio­nen und der damit ver­bun­de­nen Fra­ge der Gewis­sens­frei­heit, nicht zuletzt auch im Dra­ma des Holo­causts, das eine neue Ein­stel­lung gegen­über dem jüdi­schen Volk erfor­der­lich mach­te. Bene­dikt XVI. schreibt:

„Es ist klar, dass in all die­sen Berei­chen, die in ihrer Gesamt­heit ein und das­sel­be Pro­blem dar­stel­len, eine Art Dis­kon­ti­nui­tät ent­ste­hen konn­te und dass in gewis­sem Sin­ne tat­säch­lich eine Dis­kon­ti­nui­tät auf­ge­tre­ten war. Trotz­dem stell­te sich jedoch her­aus, dass, nach­dem man zwi­schen ver­schie­de­nen kon­kre­ten histo­ri­schen Situa­tio­nen und ihren Ansprü­chen unter­schie­den hat­te, in den Grund­sät­zen die Kon­ti­nui­tät nicht auf­ge­ge­ben wor­den war – eine Tat­sa­che, die auf den ersten Blick leicht über­se­hen wird. Genau in die­sem Zusam­men­spiel von Kon­ti­nui­tät und Dis­kon­ti­nui­tät auf ver­schie­de­nen Ebe­nen liegt die Natur der wah­ren Reform.“

Wenn wir von der Ebe­ne der Grund­sät­ze und Wer­te auf die chro­no­lo­gi­sche Ebe­ne über­ge­hen, dann kann man sagen, dass das Kon­zil zwar einen Bruch und eine Dis­kon­ti­nui­tät mit der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit der Kir­che dar­stellt, jedoch eine Kon­ti­nui­tät mit ihrer frü­hen Ver­gan­gen­heit. In vie­ler­lei Hin­sicht, beson­ders in Hin­blick auf die zen­tra­le Idee des­sen, was die Kir­che eigent­lich ist, hat das Kon­zil eine Rück­be­sin­nung auf ihre Anfän­ge, auf die Quel­len der Bibel und der Patri­stik her­bei­füh­ren wol­len.
Die­se Betrach­tungs­wei­se des Kon­zils als „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“ hat einen wich­ti­gen Vor­gän­ger im Essay „Über die Ent­wick­lung der christ­li­chen Leh­re“ von Kar­di­nal New­man gehabt. Nicht zuletzt des­we­gen wur­de Kar­di­nal New­man oft als der „abwe­sen­de Vater des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils“ bezeich­net. New­man zeigt, dass man bei kei­nem gro­ßen Welt­bild, sei es eine Phi­lo­so­phie oder eine Reli­gi­on wie das Chri­sten­tum,

„von ihren Anfän­gen her sagen kann, wel­che Mög­lich­kei­ten sie erschließt und wel­che Zie­le sie anstrebt […]. Je nach­dem, wel­chen neu­en Bezie­hun­gen sie gegen­über steht, tau­chen Gefah­ren und Hoff­nun­gen auf und alte Grund­sät­ze erschei­nen in neu­er Form. Sie ver­än­dert sich mit ihnen, um doch immer sich selbst treu zu blei­ben. In einer über­na­tür­li­chen Welt gehen die Din­ge anders; aber hier auf Erden bedeu­tet Leben Ver­än­de­rung, und die Voll­kom­men­heit ist das Ergeb­nis zahl­rei­cher Anpas­sun­gen“ [5].

Papst Gre­gor der Gro­ße hat­te die­se Über­zeu­gung in gewis­ser Wei­se bereits vor­weg genom­men, als er über die Hei­li­ge Schrift aus­sag­te: „Cum legen­ti­bus cres­cit“ (Sie wächst mit denen, die sie lesen)[6], was bedeu­tet, dass sie umso mehr wächst, je mehr sie gele­sen und nach­ge­lebt wird, denn dadurch erhe­ben sich neue Fra­gen und neue Her­aus­for­de­run­gen. Die Glau­bens­leh­re ver­wan­delt sich also, aber nur, um sich selbst immer treu zu blei­ben; sie passt sich der histo­ri­schen Siteua­ti­on an, um im Inhalt immer gleich zu blei­ben, wie Bene­dikt XVI. es aus­drück­te.
Ein ein­fa­ches, aber kla­res Bei­spiel ist die sprach­li­che Anpas­sung. Jesus sprach die Spra­che sei­ner Zeit; nicht Hebrä­isch, denn das war die gelehr­te Spra­che der Hei­li­gen Schrift (ver­gleich­bar mit dem, was für uns Latein wäre), son­der Ara­mä­isch, die Spra­che des Vol­kes. Die­sem Grund­satz treu blei­ben kann selbst­ver­ständ­lich nicht bedeu­ten, dass man allen künf­ti­gen Genera­tio­nen das Evan­ge­li­um auf Ara­mä­isch ver­kün­det, son­dern das man es den Grie­chen auf Grie­chisch, den Römern auf Latein, den Arme­ni­ern auf Arme­nisch, den Kop­ten auf Kop­tisch ver­kün­det usw. bis auf den heu­ti­gen Tag. Wie New­man sag­te: gera­de indem man sich anpasst, bleibt man dem Geist der Ursprün­ge treu.

2. Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig

Bei aller Ach­tung und Bewun­de­rung für das gewal­ti­ge Pio­nier­werk von Kar­di­nal New­man, kann man andert­halb Jahr­hun­der­te spä­ter und nach allem, was die Chri­sten­heit in der Zwi­schen­zeit erlebt hat, doch auch einen Man­gel nicht über­se­hen, der sei­nem Essay inne­wohnt: das fast völ­li­ge Feh­len jedes Hin­wei­ses auf den Hei­li­gen Geist. In sei­ner Beschrei­bung des Wer­de­gangs der christ­li­chen Leh­re über­sieht New­man die über­ra­gen­de Rol­le, die Jesus dem Hei­li­gen Geist zuschreibt: den Jün­gern jene Wahr­hei­ten zu ver­kün­den, die sie im Moment „noch nicht tra­gen“ kön­nen und sie „in die gan­ze Wahr­heit“ zu füh­ren (vgl. Joh 16,12–13).
Denn was sonst ermög­licht es uns, das Para­do­xon zu lösen und von einer Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät, einem Ver­har­ren in der Aktua­li­sie­rung zu spre­chen, wenn nicht das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes in der Kir­che? Der hei­li­ge Ire­nä­us war sich des­sen voll­kom­men bewusst, als er schrieb, die Offen­ba­rung sei wie ein

„wert­vol­ler Stoff in einer kost­ba­ren Vase, der dank dem Geist Got­tes sich immer wie­der ver­jüngt und auch die Vase ver­jüngt, die ihn ent­hält“ [7].

Der Hei­li­ge Geist offen­bart uns kei­ne neu­en Wor­te und führt kei­ne neu­en Sakra­men­te und Insti­tu­tio­nen ein, son­dern erneu­ert und belebt immer wie­der die Wor­te, Sakra­men­te und Insti­tu­tio­nen, die Jesus geschaf­fen hat. Er schafft kei­ne neu­en Din­ge, aber er erneu­ert alle Din­ge!
Die man­geln­de Berück­sich­ti­gung des Hei­li­gen Gei­stes erklärt vie­le der Schwie­rig­kei­ten, die bei der Auf­nah­me des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils auf­ge­kom­men sind. Die Tra­di­ti­on, in deren Namen eini­ge Gläu­bi­ge das Kon­zil abge­lehnt haben, war eine Tra­di­ti­on, in der der Hei­li­ge Geist kei­ne Rol­le spiel­te. Sie war eine Ansamm­lung von Über­zeu­gun­gen und Hand­lun­gen, die ein für alle Mal fest­ge­legt waren; etwas ganz ande­res als die Wel­le der apo­sto­li­schen Ver­kün­di­gung, die durch die Jahr­hun­der­te zieht und, wie jede Wel­le, nur in Bewe­gung wahr­ge­nom­men wer­den kann. Die Tra­di­ti­on ein­frie­ren und die Wel­le an einem will­kür­lich gewähl­ten Punkt ihrer Bahn auf­hal­ten hät­te bedeu­tet, aus der „leben­di­gen Tra­di­ti­on“, von der Ire­nä­us spricht, eine tote Tra­di­ti­on zu machen. Der Dich­ter Charles Péguy hat die­se gro­ße theo­lo­gi­sche Wahr­heit in Ver­se gefasst:

„Jesus hat uns kei­ne toten Wor­te gege­ben,
die wir in klei­nen (oder gro­ßen) Schach­teln ver­schlie­ßen
und in ran­zi­gem Öl auf­be­wah­ren müs­sen
wie ägyp­ti­sche Mumi­en.
Jesus Chri­stus hat uns kei­ne Wort­kon­ser­ven zum auf­be­wah­ren gege­ben.
Er hat uns leben­di­ge Wor­te gege­ben, die wir ernäh­ren müs­sen […].
Wir kran­ke und welt­be­zo­ge­ne Men­schen sind es,
die jene lebend in die Zeit gebrach­ten Wor­te
pfle­gen und durch die Zeit am Leben erhal­ten müs­sen“ [8].

Ich muss aber gleich noch hin­zu­fü­gen, dass die Din­ge in der Gegen­par­tei kaum bes­ser lagen. Hier sprach man ger­ne vom „Geist des Kon­zils“; nur, dass damit lei­der nicht der Hei­li­ge Geist gemeint war. Unter „Geist des Kon­zils“ ver­stand man jenen Mut zur Inno­va­ti­on, von dem man bedau­ernd annahm, er wer­de auf­grund des Wider­stands der Kon­ser­va­ti­ven und dem dar­aus resul­tie­ren­den Zwang zum Kom­pro­miss nicht in die Kon­zils­tex­te ein­ge­hen kön­nen.
Und nun will ich über das spre­chen, was mei­ner Mei­nung nach der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Kon­zils ist. Der hei­li­ge Tho­mas von Aquin schreibt, indem er einen gewag­ten Gedan­ken des hei­li­gen Augu­sti­nus bezüg­lich der Wor­te des Apo­stels Pau­lus über den Buch­sta­ben und den Geist auf­greift (vgl. 2 Kor 3,6):

„Das Wort ‚Buch­sta­be‘ bezeich­net hier alle geschrie­be­nen Geset­ze, die außer­halb des Men­schen blei­ben, selbst die ethi­schen Vor­schrif­ten, die wir in den Evan­ge­li­en fin­den. Des­halb wür­de auch der Buch­sta­be der Evan­ge­li­en töten, wenn es nicht von der bele­ben­den Gna­de des Glau­bens erfüllt wäre“ [9].

Im glei­chen Zusam­men­hang schreibt der hei­li­ge Kir­chen­leh­rer auch:

„Das neue Gesetz besteht haupt­säch­lich in der Gna­de des Hei­li­gen Gei­stes, die den Gläu­bi­gen zuteilwird“[10].

Die Vor­schrif­ten des Evan­ge­li­ums sind auch „neu­es Gesetz“, jedoch in einem mate­ri­el­len Sinn, d.h. dem Inhalt nach; die Gna­de des Hei­li­gen Gei­stes hin­ge­gen ist die Form des neu­en Geset­zes, die uns über­haupt erst die Kraft gibt, die­se Vor­schrif­ten ein­zu­hal­ten. Sie ist das, was Pau­lus als „das Gesetz des Gei­stes und des Lebens in Chri­stus Jesus“ bezeich­net (vgl. Röm 8,2). Es han­delt sich hier­bei um einen uni­ver­sel­len Grund­satz, der für jedes Gesetz gilt. Wenn sogar die Vor­schrif­ten des Evan­ge­li­ums ohne die Gna­de des Hei­li­gen Gei­stes „töten­der Buch­sta­be“ wären, was müs­sen wir dann erst von den Vor­schrif­ten der Kir­che oder, in unse­rem Bei­spiel, von den Dekre­ten des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils hal­ten? Die „Umset­zung“ des Kon­zils darf also nicht durch eine wört­li­che und fast auto­ma­ti­sche Ein­hal­tung sei­ner Ent­schlüs­se statt­fin­den, son­dern „in sei­nem Gei­ste“, wor­un­ter wir den Hei­li­gen Geist und nicht irgend­ei­nen vage defi­nier­ten und sub­jek­tiv form­ba­ren „Kon­zil­geist“ ver­ste­hen müs­sen. Johan­nes Paul II. schrieb schon 1981:

„Das gan­ze Erneue­rungs­werk der Kir­che, das das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil so pro­vi­den­ti­ell vor­ge­legt und ein­ge­lei­tet hat – eine Erneue­rung, die ‚Aktua­li­sie­rung‘ und zugleich Festi­gung des­sen sein muss, was für die Sen­dung der Kir­che von blei­ben­der und kon­sti­tu­ti­ver Natur ist -, kann nur im Hei­li­gen Geist ver­wirk­licht wer­den, das heißt mit dem Bei­stand sei­nes Lich­tes und sei­ner Kraft“ [11].

3. Die Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils

Hat die­ses ersehn­te „neue Pfingst­er­eig­nis“ wirk­lich statt­ge­fun­den? Ian Ker, ein bekann­ter New­man-Exper­te, hat bewie­sen, dass Kar­di­nal New­man für das Ver­ständ­nis nicht nur des Kon­zils selbst, son­dern auch der Zeit danach einen wich­ti­gen Bei­trag gelei­stet hat. Als im Ver­lauf des Ersten Vati­ka­ni­schen Kon­zils 1870 das Dog­ma der päpst­li­chen Unfehl­bar­keit defi­niert wur­de, mach­te Kar­di­nal New­man eine Über­le­gung über den Sinn der Kon­zi­le im All­ge­mei­nen und ihrer Defi­ni­tio­nen. Er kam dabei zu dem Schluss, dass ein Kon­zil manch­mal Fol­gen nach sich zie­hen kann, die in ihrem Umfang von den Teil­neh­mern des Kon­zils selbst nicht abge­schätzt wer­den kön­nen. Man erwar­tet von den Ent­schei­dun­gen, die man trifft, eine viel grö­ße­re oder auch eine viel gerin­ge­re Wir­kung als die, die dann in Wirk­lich­keit ein­tritt.
Auf die­se Wei­se wen­de­te New­man sei­ne all­ge­mei­ne Idee von der Ent­wick­lung der christ­li­chen Leh­re auf den Spe­zi­al­fall der Kon­zi­le an. Ein Dog­ma, wie über­haupt jede gro­ße Idee, kann man erst ver­ste­hen, nach­dem man sei­ne Fol­gen und geschicht­li­chen Ent­wick­lun­gen gese­hen hat. New­man ver­wen­det hier das Gleich­nis eines Flus­ses, der erst nach einer Wei­le sein Bett fin­det: nie­mand könn­te an der Quel­le schon sagen, wie sein Ver­lauf sein wird [12]. So erging es auch dem Dog­ma der päpst­li­chen Unfehl­bar­keit, das vie­len Zeit­ge­nos­sen als viel fol­gen­schwe­rer erschien, als es sich dann in der Anwen­dung durch die Kir­che und die Päp­ste selbst erwie­sen hat. Nie wur­de durch die­ses Dog­ma jedes zukünf­ti­ge öku­me­ni­sche Kon­zil über­flüs­sig gemacht, wie man­che Zeit­ge­nos­sen befürch­te­ten oder hoff­ten: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ist der beste Beweis dafür[13].
All dies fin­det eine inter­es­san­te Bestä­ti­gung in Gada­mers her­me­neu­ti­schem Prin­zip der „Wir­kungs­ge­schich­te“, wonach man, um einen Text begrei­fen zu kön­nen, die Fol­gen berück­sich­ti­gen muss, die die­ser Text in der Geschich­te bewirkt hat[14]. Es ist das, was auf exem­pla­risch kla­re Wei­se mit der spi­ri­tu­el­len Inter­pre­ta­ti­on der Hei­li­gen Schrift geschieht. Die­se Inter­pre­ta­ti­ons­wei­se erklärt den Bibel­text nicht nur im Lich­te des­sen, was davor war, wie es die histo­risch-phi­lo­lo­gi­sche Betrach­tung tut, son­dern auch im Lich­te des­sen, was danach kam: Sie erklärt eine pro­phe­ti­sche Visi­on im Lich­te ihrer Ver­wirk­li­chung in Chri­stus, das Alte Testa­ment im Lich­te des Neu­en.
Die­se Gedan­ken wer­fen ein ganz uner­war­te­tes Licht auf die Zeit nach dem Kon­zil. Auch in die­sem Fall müs­sen wir die wich­tig­sten Fol­gen des Gesche­hens viel­leicht an einer ganz ande­ren Stel­le suchen als dort, wohin wir unse­re Blicke gerich­tet haben. Wir hat­ten unse­re Augen auf die Ver­än­de­rung der Struk­tu­ren und Insti­tu­tio­nen gerich­tet, auf die neue Ver­tei­lung der Macht­ver­hält­nis­se, auf die in der Lit­ur­gie zu ver­wen­den­de Spra­che, und haben dabei gar nicht gemerkt, wie unbe­deu­tend all die­se Ver­än­de­run­gen im Ver­gleich zu dem sind, was der Hei­li­ge Geist da vor­be­rei­te­te. Wir haben geglaubt, die alten Ton­krü­ge mit unse­ren eige­nen Hän­den zer­schla­gen zu kön­nen, wäh­rend Gott uns sei­ne eige­ne Art vor­führ­te, alte Ton­krü­ge zu erneu­ern: sie mit jun­gem Wein zu fül­len.
Auf die Fra­ge, ob es ein neu­es Pfingst­er­eig­nis gege­ben habe, müs­sen wir daher ohne Zögern ant­wor­ten: Ja! Und wor­an erken­nen wir dies am besten? An der Erneue­rung in der Qua­li­tät des christ­li­chen Lebens, die über­all dort ein­ge­tre­ten ist, wo die­ses Pfingst­er­eig­nis auf­ge­nom­men wur­de. Das dok­tri­när wich­tig­ste Fak­tum des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils sind die ersten zwei Kapi­tel der dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­ti­on „Lumen Gen­ti­um“, in denen die Kir­che defi­niert wird als Sakra­ment und Volk Got­tes, das unter der Lei­tung des Hei­li­gen Gei­stes vor­an schrei­tet, beseelt von sei­nen Cha­ris­men und unter der Füh­rung der Hier­ar­chie. Die Kir­che ist also Myste­ri­um und Insti­tu­ti­on; „Koi­no­nia“ und „Hier­ar­chia“. Johan­nes Paul II. hat die Ver­wirk­li­chung die­ser Visi­on als Haupt­auf­ga­be der Kir­che zu Beginn des neu­en Jahr­tau­sends bezeichnet[15].
Die Fra­ge, die wir uns stel­len, ist: Wo ist die­se Visi­on der Kir­che aus den Doku­men­ten her­aus ins Leben über­ge­gan­gen? Wo ist sie „Fleisch und Blut“ geworden[16]? Wo wird das christ­li­che Leben „nach dem Gesetz des Hei­li­gen Gei­stes“ gelebt, in Freu­de und Über­zeu­gung, aus frei­er Wahl und nicht aus Zwang? Wo wird das Wort Got­tes in höch­sten Ehren gehal­ten, wo zei­gen sich die Cha­ris­men, wo macht man sich am mei­sten Gedan­ken über die Neue­van­ge­li­sie­rung und die Ein­heit der Chri­sten?
Da es sich um ver­bor­ge­ne Din­ge han­delt, die sich in den Her­zen der Men­schen zutra­gen, kennt letzt­lich nur Gott allein die Ant­wort auf die­se Fra­gen. Wir müs­sen auf die­ses neue Pfingst­er­eig­nis die Wor­te bezie­hen, die Jesus über das Reich Got­tes sag­te:

„Man kann nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Got­tes ist mit­ten unter euch“ (Lk 17,21).

Aber wir kön­nen trotz­dem nach Zei­chen Aus­schau hal­ten, wobei uns auch die Wis­sen­schaft der Reli­gi­ons­so­zio­lo­gie zu Hil­fe kommt. Und wenn wir mit die­sen Mit­teln suchen, dann ist die Ant­wort, die sich von vie­len Sei­ten erhebt: in den kirch­li­chen Bewe­gun­gen!
Ich will von Anfang an eines klar­stel­len: zu den kirch­li­chen Bewe­gun­gen zäh­len, dem Wesen wenn auch nicht der Form nach, auch alle Pfar­rei­en, Glau­bens­ver­ei­ne und neue Gemein­den, in denen eben die­se Koi­no­nia, die­se christ­li­che Lebens­qua­li­tät ver­wirk­licht ist. Daher darf man kei­nen Kon­flikt zwi­schen kirch­li­chen Bewe­gun­gen und Pfarr­ge­mein­den sehen; sie kon­kur­rie­ren nicht, son­dern gehö­ren zusam­men; bei­de ver­su­chen, auf unter­schied­li­chen Wegen, das sel­be Vor­bild christ­li­chen Lebens zu ver­wirk­li­chen.
Ich lege Wert auf die kor­rek­te Bezeich­nung: „kirch­li­che Bewe­gun­gen“, nicht „Lai­en­be­we­gun­gen“! Die mei­sten die­ser Bewe­gun­gen zäh­len näm­lich Per­so­nen aus bei­den Armen der Kir­che zu ihren Mit­glie­dern: Lai­en, aber auch Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­män­ner und ‑Frau­en. Sie alle zusam­men sind „das Volk Got­tes“, wie es in der „Lumen Gen­ti­um“ gemeint ist. Wenn sich mit ihnen der Päpst­li­che Rat für die Lai­en befasst, dann aus einem rein prak­ti­schen Grund: Weil es eine Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus schon viel län­ger gibt.
Johan­nes Paul II. sah in die­sen Bewe­gun­gen und Pfarr­ge­mein­den einen ech­ten Früh­ling der Kirche[17]. Auch Bene­dikt XVI. hat sich bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten ähn­lich geäußert[18]. In der Chri­sam-Mes­se am Grün­don­ners­tag 2012 sag­te der Papst:

„Wer auf die Geschich­te der Nach­kon­zils­zeit hin­schaut, der kann die Dyna­mik der wah­ren Erneue­rung erken­nen, die in leben­di­gen Bewe­gun­gen oft uner­war­te­te Gestal­ten ange­nom­men hat und die uner­schöpf­li­che Leben­dig­keit der hei­li­gen Kir­che, die Anwe­sen­heit und die Wirk­sam­keit des Hei­li­gen Gei­stes gera­de­zu greif­bar wer­den lässt.“

Wer nach den Zei­chen die­ses neu­en Pfingst­er­eig­nis­ses sucht, kann das Phä­no­men nicht über­se­hen, das man als „Cha­ris­ma­ti­sche Erneue­rung“ bezeich­net, auch wenn es sich im enge­ren Sinn nicht um eine kirch­li­che Bewe­gung han­delt, da sie kei­nen Grün­der, kei­ne Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur und kei­ne eige­ne Spi­ri­tua­li­tät besitzt. Sie ist eher wie ein Strom der Gna­de, der sich auf den gesam­ten Kör­per der Kir­che ver­teilt.
Als Kar­di­nal Sue­n­ens, einer der Haupt­ak­teu­re des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, 1973 zum ersten Mal von der Cha­ris­ma­ti­schen Erneue­rung hör­te, war er gera­de dabei, ein Buch mit dem Titel „Der Hei­li­ge Geist – Quel­le unse­rer Hoff­nung“ zu schrei­ben. In sei­nen Memoi­ren erzählt er:

„Ich unter­brach mei­ne Arbeit an die­sem Buch. Es schien mir eine Fra­ge der ele­men­tar­sten Kon­se­quenz, dass ich erst beob­ach­ten müs­se, was der Hei­li­ge Geist gera­de wirk­te, so erstaun­lich es auch zu sein schien. Die­ses Neu­erwa­chen der Cha­ris­men inter­es­sier­te mich auf ganz beson­de­re Wei­se, weil das Kon­zil ein sol­ches Erwa­chen ja gewünscht hat­te.“

Und nach­dem er per­sön­lich die­se Erfah­rung gemacht hat­te, die heu­te von Mil­lio­nen von Men­schen geteilt wird, schrieb er:

„Plötz­lich schei­nen Pau­lus und die Apo­stel­ge­schich­te etwas Leben­di­ges und Gegen­wär­ti­ges gewor­den zu sein; was authen­tisch und wahr an der Ver­gan­gen­heit ist, scheint vor unse­ren Augen erneut zu gesche­hen. Es ist die Wie­der­ent­deckung des Wir­kens des Hei­li­gen Gei­stes, der immer am Werk ist, wie Jesus es ver­hei­ßen hat­te. Es ist ein neu­er Aus­bruch des Pfingst­gei­stes, eine Freu­de, die der Kir­che fremd gewor­den war“ [19].

Die kirch­li­chen Bewe­gun­gen und neu­en Gemein­den schöp­fen ganz gewiss die Mög­lich­kei­ten und Erwar­tun­gen nicht aus, die das Kon­zil ins Leben geru­fen hat. Aber sie sind eine Ant­wort auf eine die­ser Erwar­tun­gen, auf die wich­tig­ste viel­leicht, zumin­dest aus der Sicht Got­tes. Sie sind nicht frei von Schwä­chen und zum Teil auch Ver­ir­run­gen; aber wel­che gro­ße Erneue­rung hat es je in der Kir­che gege­ben, die nicht mit mensch­li­chen Feh­lern behaf­tet gewe­sen wäre? Ist nicht im 13. Jahr­hun­dert etwas ganz ähn­li­ches gesche­hen, als die Bet­tel­or­den auf­ka­men? Auch damals waren es die Päp­ste, allen vor­an Inno­zenz III., die als erste die Gna­de des Augen­blicks erkann­ten und auf­nah­men und alle Bischö­fe dazu auf­for­der­ten, es eben­so zu tun.

4. Ein eingehaltenes Versprechen

Wor­in also, so fra­gen wir uns, liegt die Bedeu­tung des Kon­zils und aller Doku­men­te, die es her­vor­ge­bracht hat: die Bedeu­tung der Kon­sti­tu­tio­nen „Dei Ver­bum“, „Lumen Gen­ti­um“, „Gau­di­um et Spes“, „Nostra Aeta­te“ usw.? Sol­len wir sie ein­fach bei­sei­te­le­gen und war­ten, dass der Hei­li­ge Geist für uns arbei­tet? Die Ant­wort fin­den wir in den Wor­ten, mit denen Augu­sti­nus das Ver­hält­nis von Gesetz und Gna­de erklärt:

„Das Gesetz wur­de uns gege­ben, damit wir die Gna­de suchen, und die Gna­de wur­de uns gege­ben, damit wir das Gesetz ein­hal­ten“ [20].

Der Hei­li­ge Geist ent­hebt uns also nicht von der Pflicht, dem Gesetz, das heißt in unse­rem Fall den Dekre­ten des Kon­zils, Fol­ge zu lei­sten. Im Gegen­teil, er selbst ist es, der uns den Ansporn gibt, die­se Dekre­te zu stu­die­ren und anzu­wen­den. Tat­säch­lich sind es, abge­se­hen von der aka­de­mi­schen Welt, für die die­se Doku­men­te ein Stu­di­en­ob­jekt sind, gera­de die oben erwähn­ten kirch­li­chen Bewe­gun­gen, die die Kon­zils­de­kre­te am mei­sten zu schät­zen wis­sen.
Ich habe das an mir selbst erfah­ren. Mein Vor­ur­teil gegen das Juden­tum und die refor­mier­ten Kir­chen, das sich in mir in den Jah­ren mei­ner Aus­bil­dung geformt hat­te, habe ich nicht des­halb über­wun­den, weil ich „Nostra Aeta­te“ gele­sen habe, son­dern weil auch ich im klei­nen und mit der Hil­fe eini­ger Mit­brü­der die Erfah­rung des neu­en Pfingst­er­eig­nis­ses gemacht habe. Erst danach habe ich das Bedürf­nis ver­spürt, „Nostra Aeta­te“ wie­der zu lesen, genau wie ich die Kon­sti­tu­ti­on „Dei Ver­bum“ erst dann auf­merk­sam gele­sen habe, als der Geist in mir eine neue Lie­be zu Got­tes Wort und zur Evan­ge­li­sie­rung erweckt hat­te. Die­sen Weg kann man jedoch in bei­de Rich­tun­gen gehen. Um uns der Spra­che des hei­li­gen Augu­sti­nus zu bedie­nen: die einen fin­den im geschrie­be­nen Wort einen Ansporn, den Hei­li­gen Geist zu suchen, die ande­ren wer­den vom Geist dazu ange­hal­ten, das Wort zu beach­ten.
Der Dich­ter Tho­mas S. Eli­ot hat Ver­se geschrie­ben die, wenn wir sie auf die 50-Jahr-Fei­er des Kon­zils bezie­hen, den Sinn der Umwand­lun­gen die­ses letz­ten hal­ben Jahr­hun­derts beleuch­ten kön­nen:

„Wir dür­fen in unse­rer Suche nie rasten
Und am Ende unse­rer Suche
Steht der Punkt, von wo aus wir began­nen
Und wir wer­den jenen Ort zum ersten Mal ken­nen ler­nen“ [21]

Nach so viel Suchen, so vie­len Debat­ten und ver­schie­de­nen Mei­nun­gen, wer­den auch wir dort­hin zurück­ge­führt, wo wir vor fünf­zig Jah­ren stan­den: zum Kon­zil. Aber die gan­ze Arbeit um das Ver­ständ­nis des Kon­zil­s­er­eig­nis­ses war nicht ver­ge­bens, weil wir in einem tie­fe­ren Sinn erst jetzt in der Lage sind, „den Ort zum ersten Mal ken­nen zu ler­nen“, das heißt, die wah­re Bedeu­tung des Kon­zils abzu­schät­zen, die den Kon­zils­vä­tern selbst ver­bor­gen blei­ben muss­te.
Wir dür­fen heu­te sagen, dass der Baum, der aus dem Kon­zil erwach­sen ist, tat­säch­lich zum Samen passt, dem er ent­sprang. Denn wor­aus ist das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ent­sprun­gen? Die Wor­te, mit denen Johan­nes XXIII. die Rüh­rung beschrieb, die „das Auf­blü­hen im Her­zen und auf den Lip­pen allein des Wor­tes ‚Kon­zil‘“ begleitete[22], tra­gen alle Anzei­chen einer pro­phe­ti­schen Inspi­ra­ti­on. In sei­ner Anspra­che zum Abschluss der ersten Peri­ode des Kon­zils bezeich­ne­te er das Kon­zil als

„ein neu­es, lang ersehn­tes Pfingst­er­eig­nis, das die Kir­che mit gro­ßen gei­sti­gen Kräf­ten berei­chern wird“ [23].

Heu­te, 50 Jah­re spä­ter, kön­nen wir nur fest­stel­len, dass Gott sein Ver­spre­chen ein­ge­hal­ten hat, das er der Kir­che durch den Mund sei­nes demü­ti­gen Die­ners, des seli­gen Johan­nes XXIII., damals gab. Wenn es uns manch­mal so scheint, als sei es über­trie­ben, von einem neu­en Pfingst­er­eig­nis zu spre­chen, ange­sichts der vie­len Pro­ble­me und Strei­tig­kei­ten, die nach dem Kon­zil und gera­de wegen des Kon­zils in der Kir­che auf­ge­keimt sind, dann müs­sen wir nur die Apo­stel­ge­schich­te noch ein­mal durch­le­sen und dabei fest­stel­len, dass Pro­ble­me und Strei­tig­kei­ten auch das erste Pfingst­er­eig­nis beglei­te­ten. Kaum weni­ger als heu­te!
***
[1] Vgl. Il Con­ci­lio Vati­ca­no II. Rece­zio­ne e attua­li­tà  alla luce del Giu­bi­leo, a cura di R. Fisi­chel­la, Ed. San Pao­lo 2000.
[2] Johan­nes XXIII., Eröff­nungs­re­de zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, Nr. 6,5.
[3] Paul VI., Enzy­kli­ka Eccle­si­am Suam, Nr. 52.
[4] Johan­nes Paul II., Gene­ral­au­di­enz vom 1. August 1979.
[5] J.H. New­man, An Essay on the Deve­lo­p­ment of Chri­sti­an Doc­tri­ne, I. Teil, n.1.
[6] Gre­gor der Gro­ße, Kom­men­tar zu Hiob XX,1 (CC 143 A, S. 1003).
[7] Hl. Ire­nä­us, Gegen die Irr­leh­ren, III, 24,1.
[8] Ch. Péguy, Le Por­che du mystà¨re de la deuxià¨me ver­tu, La Plé­ia­de, Paris 1975, S. 588 ff.
[9] Tho­mas von Aquin, Sum­ma Theo­lo­giae, I‑IIae, q. 106, a. 2.
[10] Ebd., q. 106, a. 1; vgl. auch Augu­sti­nus, De Spi­ri­tu et lit­te­ra, 21, 36.
[11] Johan­nes Paul II., Apo­sto­li­sches Schrei­ben A Con­ci­lio Con­stan­ti­no­po­li­ta­no I, 25. März 1981, Nr. 7.
[12] New­man, op. cit. S. 46.
[13] Ein noch deut­li­che­res Bei­spiel ist das, was beim öku­me­ni­schen Kon­zil von Ephe­sos im Jahr 431 geschah. Die Defi­ni­ti­on Mari­ens als die „Theo­to­kos“, die Mut­ter Got­tes, soll­te in den Absich­ten des Kon­zils und vor allem ihres Ver­fech­ters Kyrill von Alex­an­dria ein­zig und allein dazu die­nen, die Ein­heit der Per­son Chri­sti fest­zu­le­gen. Tat­säch­lich aber wur­de sie zum Auf­takt jener uner­mess­lich rei­chen Blü­te der Mari­en­ver­eh­rung und der Errich­tung der ersten Mari­en­kir­chen, dar­un­ter auch die Basi­li­ka San­ta Maria Mag­gio­re in Rom. Die Ein­heit der Per­son Chri­sti wur­de in einem ande­ren Kon­text und viel deut­li­cher dann im Kon­zil von Chal­ce­don 451 defi­niert.
[14] Vgl. H.G. Gada­mer, Wahr­heit und Metho­de, Tübin­gen 1960.
[15] Johan­nes Paul II., Novo mill­en­nio ine­un­te, Nr. 42.
[16] I. Ker, art. cit. S. 727.
[17] Johan­nes Paul II., Novo mill­en­nio ine­un­te, Nr. 46.
[18] Vgl. z.B. sei­ne Anspra­che an die kirch­li­chen Bewe­gun­gen zur Pfingst­vi­gil 2006 in: The Beau­ty of Being a Chri­sti­an. Move­ments in the Church. Pro­ce­e­dings of the Second World Con­gress on the Eccle­si­al Move­ments and New Com­mu­nities (Fra­sca­ti 31. Mai – 1. Juni 2006), Rom, Libre­ria Edit­ri­ce Vati­ca­na, 2007.
[19] Kard. L.-J. Sue­n­ens, Memo­ries and Hopes, Dub­lin, Veri­tas 1992, S. 267.
[20] Augu­sti­nus, De Spi­ri­tu et lit­te­ra ‚19,34.
[21] T.S. Eli­ot, Four Quar­tets V, The Com­ple­te Poems and Plays, Faber & Faber, Lon­don 1969, S.197:
“We shall not cea­se from explo­ra­ti­on
And the end of our explo­ring
Will be to arri­ve whe­re we star­ted
And know the place for the first time“-
[22] Johan­nes XXIII., Anspra­che zur Eröff­nung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, 11. Okto­ber 1962, Nr. 3,1.
[23] Johan­nes XXIII., Anspra­che zum Abschluss der ersten Kon­zil­s­pe­ri­ode, 8. Dezem­ber 1962, Nr. 3,6.

[Über­set­zung des ita­lie­ni­schen Ori­gi­nals von Alex­an­der Wagen­som­mer]
über­nom­men von www.cantalamessa.o

17 Kommentare

  1. Die Pre­digt rich­tet sich an den Papst und sei­ne eng­sten Mit­ar­bei­ter. Von daher ver­bie­tet es sich für mich, sie zu kom­men­tie­ren.

  2. Also da fragt man sich doch wann hat der Kapu­zi­ner­pa­ter Rani­e­ro Can­tala­mes­sa das letz­te mal den Vati­kan ver­las­sen und hat die­ser schon ein­mal mit einen der­je­ni­gen gespro­chen, die am besten mit den Wör­tern „Tauf- Sonn­tags­chri­sten“ umschrie­ben wer­den, oder einen Ver­tre­ter von WiSi­Ki, POA, Lai­en- Pfar­re­rinitia­ti­ve, ZdK, KFB, KA usw. usw. ? . Vie­le im Vati­kan kom­men mir vor wie ein Klein­kind das um einen LKW auf sich zura­ssen sieht ein­fach die Augen mit den Fin­gern zudeckt, um die­sen nicht mehr zu sehen. Und auch im Vati­kan hat man noch immer nicht ver­stan­den dass das Böse durch nicht sehen, hören und dar­über reden wol­len, und sich ein­fach wie die berühm­ten 3 Affen (Augen, Ohren, Muns) zu ver­hal­ten, das Böse nicht ver­schwin­den lässt, son­dern im Gegen­teil die­ses dadurch gestärkt wird.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen

  3. Das ist eine ziem­lich unaus­ge­wo­ge­ne und ein­sei­ti­ge Sicht auf das V2. Tief­grei­fen­de­re Gegen­ar­gu­men­te wer­den pfleg­lich ver­schwie­gen, oder irre ich mich?

  4. Wenn es nur so wäre, das mit dem Klein­kind und dem LKW (oder in ande­ren Wor­ten: Des Kai­sers neue Klei­der…).

    Aber es ist ja viel schlim­mer, der LKW wird uns als Ted­dy­bär ver­kauft…

    In den letz­ten Wochen und Mona­ten nimmt alles immer mehr Gestalt an. Erst Mül­ler bzw. vor­her schon Bux, dann wie­der Bux und auch Di Noia, nun Can­tala­mes­sa. Und wie ich schon vor­her gesagt habe — und ja auch hier auf katholisches.info in dem exzel­len­ten Arti­kel von Dr Obenau­er zum Aus­druck kam: Das Pro­blem des hier zuta­ge tre­ten­den Moder­nis­mus ist ein phi­lo­so­phi­sches.
    Vor allem eines der Tran­szen­den­tal­phi­lo­so­phie kom­mend von Kant über Rah­ner sowie des „Her­me­neu­tis­mus“ [Obenau­er], kom­mend von Schlei­er­ma­cher und Gada­mer.

    Und voilá: hier wird von Can­tala­mes­sa auf Gada­mer ver­wie­sen. — Purer Rela­ti­vis­mus, Moder­nis­mus.
    Ich emp­feh­le jedem außer dem OBENAU­ER-Art. den Art. v. Dr. BARTH über die moder­ne Hermeneutik/Gadamer in: „Die Lie­be Chri­sti drängt uns“ (Sato-Ver­lag bzw. Ed. Kirch­li­che Umschau)!!

  5. Pater Can­tala­mes­sa ver­brei­tet sehr viel Zweck­op­ti­mis­mus und stellt das 2.Vatikanische Kon­zil
    als Erfolgs­ge­schich­te dar.Der der­zei­ti­ge Zustand in unse­rer katho­li­schen Kir­che kann
    nur als chao­tisch bezeich­net werden.Denken sie nur an die katho­li­sche Män­ner-Frau­en­be-
    wegung,katholische Akti­on, Akti­on Leben,katholische Jugend in den ein­zel­nen Diö­ze­sen.
    Es wer­den in die­sen Gre­mi­en Mei­nun­gen vertreten,die moder­ni­stisch sind und Irr­leh­ren
    ver­brei­ten-die Ver­ant­wort­li­chen wer­den aber von den jewei­li­gen Bischö­fen bestä­tigt.

  6. Das Kon­zil als „Ein neu­es Pfing­sten“ zu bezeich­nen erin­nert mich an den sprich­wört­li­chen „neu­en Früh­ling erle­ben“. Das hat ja auch etwas bele­ben­des und erre­gen­des, so ein Ehe­bruch und Sei­ten­sprung akti­viert auf ganz eige­ne Wei­se. Untreue ist bestimmt nicht im Sin­ne des Herrn, aber wohl manch­mal unver­meid­lich. Die Welt ist ein­fach so anzie­hend in ihrer Schwer­kraft. Mit etwas Anstand glo­ri­fi­ziert man sei­ne Jugend­sün­den aber nicht im Nach­hin­ein. Lei­der kommt mit dem Alter nicht auch auto­ma­tisch die Demut zum Tra­gen.

  7. Ein neu­es Pfing­sten ist nir­gend­wo in der BIbel ange­kün­digt, außer­dem hat Gott der Hei­li­ge Geist es nicht not­wen­dig nach­zu­bes­sern, es ist ein­fach so dass sich Johan­nes XXIII. und wahr­schein­lich auch die Nach­fol­ger mit Gott Hei­li­gem Geist ver­wech­selt haben

  8. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass P. Can­tala­mes­sa sich bemüht hat das zu pre­di­gen, was den Hei­li­gen Vater zumin­dest nicht zur Kri­tik ver­an­lasst. Von daher ist die­se Pre­digt teil­wei­se bri­sant. Sie ent­hält Spreng­stoff. Das lässt sich sagen: Der Kon­flikt mit der Pius­bru­der­schaft ist dar­in ent­hal­ten. Die­se trägt ihn zwar fast am eigene­nen Lei­be (zumin­dest die Obe­ren und die Bischö­fe) aus, jedoch stell­ver­tre­tend für den über­lie­fer­ten Glau­ben.
    Es geht letzt­lich um das Ver­ständ­nis der Tra­di­ti­on. Es ist bereits defi­niert auf dem I. Vati­ka­num: Der Papst hat der Tra­di­ti­on zu die­nen, er hat sie zu bewah­ren. Der Glau­be, der bereits defi­niert ist, wird nicht mehr der Zeit ange­passt, er darf nicht mehr vom „leben­di­gen Lehr­amt“ neu inter­pre­tiert wer­den, denn er ist bereits defi­ni­tiv ver­kün­det. Dog­men, geof­fen­bar­te Glau­bens­wahr­hei­ten, sind leben­dig, sie dür­fen nicht als über­holt weg­ge­legt wer­den. Ver­tie­fen, ent­fal­ten, ist legi­tim, aber nur in unbe­ding­ter Kon­ti­nui­tät. Das ist katho­li­scher Glau­be.

  9. Die Situa­ti­on in der Kir­che ist teil­wei­se bizarr. Seit Paul VI. erlei­den die Päp­ste gegen­über den Bischofs­kon­fe­ren­zen einen Auto­ri­täts­ver­lust, den tra­di­ti­ons­treue Katho­li­ken gera­de­zu bekla­gen. Ande­rer­seits haben die Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste eine Ein­stel­lung der Tra­di­ti­on gegen­über, die ein Teil der tra­di­ti­ons­treu­en Katho­li­ken nicht mehr nach­voll­zie­hen kann.
    Um den Papst bes­ser zu ver­ste­hen, kauft sich cup­pa das Buch „Hen­ri de Lub­ac begeg­nen“, weil Papst Bene­dikt ihn sehr schätz­te schon wäh­rend sei­ner Stu­di­en. Das Buch ist ent­sorgt, zu viel Rhe­to­rik, zu wenig Inhalt. Und die päpst­li­che Mei­nung, das „leben­di­ge Lehr­amt habe die Tra­di­ti­on zu inter­pre­tie­ren“ bleibt für mich so nebu­lös wie die Bäu­me im dich­ten Nebel.

    • Bit­te, unter­schei­den Sie zwi­schen Tra­di­ti­on und Tra­di­tio­na­lis­mus, also der ideo­lo­gi­schen Aus­ga­be der Tra­di­ti­on.

      Der Kon­ser­va­ti­ve, und einen sol­chen Ein­druck hiner­las­sen die letz­ten Päp­ste, sieht die Ent­wick­lung immer zwi­schen Tra­di­ti­on und Inno­va­ti­on. Der Pro­gres­sist lehnt die Tra­di­ti­on und und der Reak­tio­när die Inno­va­ti­on ab, so daß für ihn die Tra­di­ti­on zum Tra­di­tio­na­lis­mus erstarrt, u. U. bis zum Epi­go­nen­tum, das über­haupt gegen jede Ver­än­de­rung ist.

      Die Tra­di­ti­on ist leben­dig, sie wächst und ent­wickelt sich fort, wohin­ge­gen für den Tra­dona­lis­mus die Ent­wick­lung irgend­wann abge­scn­los­sen ist, für die Pius­brü­der vor VATII.

      • „…für die Pius­brü­der vor VATII.“ — Das ist FALSCH!
        „Für die Pius­brü­der“ ist der Zeit­punkt vor dem 2. Vati­ka­num, der Punkt an dem die Kir­che NACHWEISLICH ganz sicher katho­lisch war. Das wäre das der Aus­gangs­punkt für eine wei­te­re mög­li­che Ver­tie­fung der katho­li­schen Leh­re. Von „Abschluss“ ist über­haupt kei­ne Rede!

  10. Vor fünf­zig Jah­ren waren die Kir­chen noch voll und jetzt sind sie leer. Die Ten­denz zeigt nach unten.
    Wie reimt sich das mit den Lobes­hym­nen auf das 2. Vati­ka­num zusam­men?
    Blin­de Blin­den­füh­rer?

    • „Vor fünf­zig Jah­ren waren die Kir­chen noch voll und jetzt sind sie leer. Die Ten­denz zeigt nach unten.
      Wie reimt sich das mit den Lobes­hym­nen auf das 2. Vati­ka­num zusam­men?
      Blin­de Blin­den­füh­rer?“

      Es bleibt ihnen nichts mehr ande­res übrig. Oder sie müß­ten die Höl­le irgend­wie unge­fähr­lich machen. Viel­leicht ein Zustand der von der Abwe­sen­heit Got­tes glänzt?
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Die sich lee­ren­den Kir­chen sind nicht der Ver­ant­wor­tung der Kon­zils­vä­ter zuzu­ord­nen, son­dern den­je­ni­gen, die — wohl schon unter dem Ein­fluß der auf­kei­men­den 68er ste­hend — die Auf­üh­rungs­be­stim­mun­gen ver­faßt haben.

        Bit­te, über­se­hen Sie nicht: Anlie­gen des Kon­zils war es, die katho­li­sche Kir­che her­aus­zu­füh­ren aus der (im 19. Jahr­hun­dert! ent­stan­de­nen) Ideo­lo­gie des Katho­li­zis­mus in die ursprüng­li­che Wei­te ihrer Katho­li­zi­tät. Es ist eine Tra­gik, daß in die vom Katho­li­zis­mus hin­ter­las­se­ne gei­sti­ge Lücke statt der Katho­li­zi­tät die 68er Ideo­lo­gie ein­ge­drun­gen ist.

        Es ist aller­dings beque­mer, statt sich sel­ber aus­ein­an­der­zu­set­zen, es sich in der beque­men gei­sti­gen Enge einer Ideo­lo­gie gemüt­lich zu machen.

        • „Die sich lee­ren­den Kir­chen sind nicht der Ver­ant­wor­tung der Kon­zils­vä­ter zuzu­ord­nen, son­dern den­je­ni­gen, die – wohl schon unter dem Ein­fluß der auf­kei­men­den 68er ste­hend – die Auf­üh­rungs­be­stim­mun­gen ver­faßt haben.“

          Wenn ich mich rich­tig erin­ne­re hat unse­rer jet­zi­ge Papst in einem sei­ner Bücher, ich glau­be es war „Salz der Erde“ geschrie­ben, das die­ses Kon­zil die 68er befeu­ert hat. Das ergibt vor Chri­stus Sinn. Denn alles was sei­ne Kir­che macht hat enor­me Aus­wir­kun­gen. Nicht nur auf die Katho­li­ken, son­dern auf die gesam­te Chri­sten­heit und auf die Mensch­heit.

          „Es ist eine Tra­gik, daß in die vom Katho­li­zis­mus hin­ter­las­se­ne gei­sti­ge Lücke statt der Katho­li­zi­tät die 68er Ideo­lo­gie ein­ge­drun­gen ist.“
          Rich­tig. Die 68er Ideo­lo­gie kam nach dem Kon­zil.
          Per Mari­am ad Chri­stum.

          • Die Kon­zils­theo­lo­gen Rah­ner , Küng und Ratz­in­ger haben das alles unheim­lich befeu­ert, man den­ke der jun­ge Theo­lo­ge Ratz­in­ger sprach sich in einem Buch 1970 für die Geschie­de­nen­kom­mu­ni­on aus, basie­rend auf der Gewis­sen­ent­schei­dung des Ehe­bre­chers. Dass man so jeman­den dann noch zum Erz­bi­schof von Mün­chen und zum Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on mach­te , kann ich mir nur so erklä­ren, dass man mut­wil­lig in den Abgrund fah­ren woll­te.

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