Der Präfekt der Glaubenskongregation gegen Benedikt XVI.? — Anfrage zum Konzil als „Superdogma“ von Roberto de Mattei

(Rom) Der katho­li­sche Intel­lek­tu­el­le und Kir­chen­hi­sto­ri­ker Rober­to de Mattei wirft die Fra­ge auf, ob sich der neue Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kuri­en­erz­bi­schof Ger­hard Lud­wig Mül­ler in der Inter­pre­ta­ti­on des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils gegen Papst Bene­dikt XVI. stellt. In einem „erstaun­li­chen“ Bei­trag im Osser­va­to­re Roma­no vom 29. Novem­ber 2012 (Sei­te 5) erhob Kuri­en­erz­bi­schof Ger­hard Lud­wig Mül­ler, der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil gewis­ser­ma­ßen „zum ein­zi­gen und abso­lu­ten Dog­ma unse­rer Zeit“, so de Mattei. Erz­bi­schof Mül­ler bie­tet in dem Bei­trag eine ganz per­sön­li­che Les­art der berühm­ten Anspra­che Bene­dikts XVI. an die Römi­sche Kurie vom 22. Dezem­ber 2005 zur „Her­me­neu­tik der Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“. Der Glau­bens­prä­fekt bezeich­net sie als „ein­zig mög­li­che“ Inter­pre­ta­ti­on, um hin­zu­zu­fü­gen, daß neben die­ser Inter­pre­ta­ti­on „lei­der“ auch eine „häre­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on“ exi­stiert, näm­lich eine „Her­me­neu­tik des Bruchs“ und das sowohl auf der Sei­te der Pro­gres­si­sten als auch auf jener der Tra­di­tio­na­li­sten. Bei­de sei­en sich in der „Ableh­nung des Kon­zils“ einig, so Mül­ler. Die Pro­gres­si­sten, weil sie es ein­fach hin­ter sich las­sen möch­ten, als wäre es ein abge­schlos­se­nes Kapi­tel, um zu einer „ande­ren Kir­che“ zu gelan­gen. Die Tra­di­tio­na­li­sten, weil sie nie dort ankom­men möch­ten, so als wäre das Kon­zil der Win­ter der Kir­che.

Stellt sich Kurienerzbischof Müller mit „persönlicher“ Interpretation des Konzils gegen Papst Benedikt XVI.?

Zur Unter­stüt­zung sei­ner „Dog­ma­ti­sie­rung“ kon­stru­ie­re Erz­bi­schof Mül­ler eine „abso­lu­te Kon­ti­nui­tät“ zwi­schen der heu­ti­gen Posi­ti­on des Pap­stes und jener Joseph Ratz­in­gers, des jun­gen Kon­zils­theo­lo­gen von Kar­di­nal Frings. Msgr. Mül­ler ver­schwei­ge dabei fünf Jahr­zehn­te der theo­lo­gi­schen Ent­wick­lung und Ver­tie­fung des Theo­lo­gen, Erz­bi­schofs und Kar­di­nals Ratz­in­ger. Wie will­kür­lich das Aus­klam­mern die­ser theo­lo­gi­schen Ent­wick­lung ist, bewei­se, so de Mattei, eine nicht min­der erstaun­li­che Tat­sa­che: Im vom Erz­bi­schof Mül­ler betreu­ten deut­schen Gesamt­werk Joseph Ratz­in­gers fehlt die wich­ti­ge Rede des Kar­di­nals Ratz­in­ger an die Bischö­fe Chi­les vom 13. Juli 1988. Dar­in bezeich­ne­te der Kar­di­nal es als

„ein­fa­che Tat­sa­che, daß nicht alle Doku­men­te des Kon­zils den glei­chen Rang haben“.

Er stell­te zudem fest:

„Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil behan­delt man nicht als Teil der leben­di­gen Tra­di­ti­on der Kir­che, son­dern direkt als Ende der Tra­di­ti­on und so, als fan­ge man ganz bei Null an. Die Wahr­heit ist, daß das Kon­zil selbst kein Dog­ma defi­niert hat und sich bewußt in einem nied­ri­ge­ren Rang als rei­nes Pasto­ral­kon­zil aus­drücken woll­te; trotz­dem inter­pre­tie­ren es vie­le, als wäre es fast das Super­dog­ma, das allen ande­ren die Bedeu­tung nimmt.“

Wichtiges Dokument fehlt im Konzilsband der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers

Kar­di­nal Ratz­in­ger wei­ter:

„Die­ser Ein­druck wird beson­ders durch Ereig­nis­se des täg­li­chen Lebens ver­stärkt. Was frü­her als das Hei­lig­ste galt — die über­lie­fer­te Form der Lit­ur­gie — scheint plötz­lich als das Ver­bo­ten­ste und das Ein­zi­ge, was man mit Sicher­heit ableh­nen muß. Man dul­det kei­ne Kri­tik an den Maß­nah­men der nach­kon­zi­lia­ren Zeit; wo aber die alten Nor­men oder die gro­ßen Glau­bens­wahr­hei­ten — zum Bei­spiel die leib­li­che Jung­fräu­lich­keit Mari­as, die kör­per­li­che Auf­er­ste­hung Jesu, die Unsterb­lich­keit der See­le etc. — im Spiel sind, da reagiert man ent­we­der über­haupt nicht, oder nur in extrem abge­schwäch­ter Form. Ich selbst habe als Pro­fes­sor sehen kön­nen, wie selbst der Bischof, der vor dem Kon­zil einen ein­wand­frei­en Pro­fes­sor wegen sei­ner etwas unge­ho­bel­ten Reden ablehn­te, sich nach dem Kon­zil nicht in der Lage sah, einen ande­ren Pro­fes­sor abzu­leh­nen, der offen eini­ge fun­da­men­ta­le Glau­bens­wahr­hei­ten leug­ne­te. Das führt bei vie­len Men­schen dazu, daß sie sich fra­gen, ob die Kir­che von heu­te wirk­lich noch die glei­che ist wie gestern, oder ob man sie nicht ohne War­nung gegen eine ande­re aus­ge­tauscht hat. Der ein­zi­ge Weg, das Vati­ka­num II glaub­wür­dig zu machen, besteht dar­in, es klar als das dar­zu­stel­len, was es ist: ein Teil der gan­zen und ein­zi­gen Tra­di­ti­on der Kir­che und ihres Glau­bens.“

Aus­ge­rech­net eine so grund­le­gen­de Ana­ly­se des Zwei­ten Vati­ka­nums, der damit ver­bun­de­nen Erwar­tun­gen und der Rea­li­tät sei­ner Fol­gen fehlt im dem Kon­zil gewid­me­ten Band der von Erz­bi­schof Mül­ler ver­ant­wor­te­ten „Gesam­mel­ten Schrif­ten“ Joseph Ratz­in­gers, so de Mattei.

Konzil an seinem eigenen Anspruch messen — Benedikt XVI. spricht von „geistlicher Wüste“

In sei­ner Pre­digt in der hei­li­gen Mes­se zur Eröff­nung des Jahrs des Glau­bens am 11. Okto­ber 2012 sprach der Papst von der heu­ti­gen Welt als einer „geist­li­chen Wüste“. Bene­dikt XVI. woll­te, daß die Eröff­nung des Jahrs des Glau­bens mit dem 50. Jah­res­tag der Eröff­nung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils zusam­men­fiel und erklär­te dazu:

„Wenn die Kir­che heu­te ein neu­es Jahr des Glau­bens und die neue Evan­ge­li­sie­rung vor­schlägt, dann nicht, um ein Jubi­lä­um zu ehren, son­dern weil es not­wen­dig ist, mehr noch als vor fünf­zig Jah­ren! Und die Ant­wort auf die­se Not­wen­dig­keit ist die­sel­be, die von den Päp­sten und Vätern des Kon­zils beab­sich­tigt war und die in den Doku­men­ten ent­hal­ten ist. […] In die­sen Jahr­zehn­ten ist eine geist­li­che ‚Ver­wü­stung‘ vor­an­ge­schrit­ten. Was ein Leben, eine Welt ohne Gott bedeu­tet, konn­te man zur Zeit des Kon­zils bereits aus eini­gen tra­gi­schen Vor­fäl­len der Geschich­te ent­neh­men, heu­te aber sehen wir es lei­der tag­täg­lich in unse­rer Umge­bung. Es ist die Lee­re, die sich aus­ge­brei­tet hat. Doch gera­de von der Erfah­rung der Wüste her, von die­ser Lee­re her kön­nen wir erneut die Freu­de ent­decken, die im Glau­ben liegt, sei­ne lebens­not­wen­di­ge Bedeu­tung für uns Men­schen. In der Wüste ent­deckt man wie­der den Wert des­sen, was zum Leben wesent­lich ist; so gibt es in der heu­ti­gen Welt unzäh­li­ge, oft impli­zit oder nega­tiv aus­ge­drück­te Zei­chen des Dur­stes nach Gott, nach dem letz­ten Sinn des Lebens. Und in der Wüste braucht man vor allem glau­ben­de Men­schen, die mit ihrem eige­nen Leben den Weg zum Land der Ver­hei­ßung wei­sen und so die Hoff­nung wach hal­ten.“

Benedikt XVI.: „Dafür bedurfte es nicht eines Konzils“

Bene­dikt XVI. erin­ner­te zudem dar­an, wie Johan­nes XXIII. das Haupt­ziel des Kon­zils dar­stell­te:

„Dies betrifft in höch­stem Gra­de das Öku­me­ni­sche Kon­zil: daß das hei­li­ge Gut der christ­li­chen Leh­re bewahrt und in wirk­sa­me­rer Form wei­ter­ge­ge­ben wird […] Das Haupt­an­lie­gen die­ses Kon­zils ist also nicht die Dis­kus­si­on über das eine oder ande­re The­ma der Leh­re … Dafür bedurf­te es nicht eines Kon­zils … Es ist nötig, daß die­se siche­re und unver­än­der­li­che Leh­re, an der in Treue fest­ge­hal­ten wer­den muß, ver­tieft und in einer Wei­se vor­ge­tra­gen wird, die den Erfor­der­nis­sen unse­rer Zeit ent­spricht.“

Das „Pro­pri­um“ des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und der Nach­kon­zils­zeit war daher, so de Mattei, nicht „dog­ma­tisch“, son­dern „pasto­ral“, wie Bene­dikt XVI. beim sel­ben Anlaß zum Kon­zil dar­leg­te:

„Was den Gegen­stand des Glau­bens betrifft, hat sich das Kon­zil nichts Neu­es aus­ge­dacht, noch hat es Altes erset­zen wol­len. Es hat sich viel­mehr dar­um bemüht dafür zu sor­gen, daß der­sel­be Glau­be im Heu­te wei­ter gelebt wer­de, daß er in einer sich ver­än­dern­den Welt wei­ter­hin ein geleb­ter Glau­be sei. […] Die Kon­zils­vä­ter woll­ten den Glau­ben wie­der wir­kungs­voll prä­sen­tie­ren; und wenn sie sich zuver­sicht­lich dem Dia­log mit der moder­nen Welt öff­ne­ten, so geschah dies, weil sie sich ihres Glau­bens, des siche­ren Fel­sens, auf dem sie stan­den, sicher waren. In den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren haben hin­ge­gen vie­le die herr­schen­de Men­ta­li­tät ohne Unter­schei­dungs­ver­mö­gen ange­nom­men und die Fun­da­men­te des depo­si­tum fidei selbst in Fra­ge gestellt, die sie lei­der in ihrer Wahr­heit nicht mehr als geeig­net emp­fan­den.“

Joseph Ratzinger: Entwicklungen seit dem Konzil „in eklatantem Widerspruch zu den Erwartungen“

Die Not­wen­dig­keit, eine neue Spra­che für die Welt zu fin­den, ent­sprang dem Wunsch, den Glau­ben aus­zu­brei­ten und konn­te auch nur die­sem Wunsch erwach­sen, so de Mattei. Aus die­sem Grund sei auch anhand der kon­kre­ten Ergeb­nis­se zu beur­tei­len, ob die Mit­tel zur Errei­chung die­ses Ziels geeig­net und ange­mes­sen waren. „Die Fak­ten der ver­gan­ge­nen fünf­zig Jah­ren sagen uns, lei­der, daß das Kon­zil die Zie­le, die es sich selbst gesteckt hat­te, nicht erreicht hat, wie Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger selbst 1985 im berühmt gewor­de­nen Buch Zur Lage des Glau­bens erklär­te“, so de Mattei.

„Es ist unbe­streit­bar, daß die letz­ten zwan­zig Jah­re für die katho­li­sche Kir­che äußerst nega­tiv ver­lau­fen sind. Die Ent­wick­lun­gen seit dem Kon­zil schei­nen in ekla­tan­tem Wider­spruch zu den Erwar­tun­gen aller, ange­fan­gen von Johan­nes XXIII. und Paul VI., zu ste­hen. Die Chri­sten sind von neu­em eine Min­der­heit, mehr als sie es seit der aus­ge­hen­den Anti­ke je gewe­sen sind. […] Man hat­te sich einen Schritt nach vorn erwar­tet, und man fand sich einem fort­schrei­ten­den Pro­zeß des Ver­falls gegen­über, der sich weit­ge­hend im Zei­chen der Beru­fung auf einen angeb­li­chen ‚Geist des Kon­zils‘ abge­spielt und die­ses damit immer mehr dis­kre­di­tiert hat.“

De Mattei: Konzilsdokumente nicht nachträglich „dogmatisieren“, sondern im Licht der Tradition prüfen

Das Kon­zil kön­ne nicht nur auf die Doku­men­te redu­ziert wer­den, so de Mattei. Die Histo­ri­ker haben bereits mit der Erfor­schung und der Ana­ly­se des Kon­zils in sei­nem Kon­text begon­nen. Die Doku­men­te des Kon­zils sei­en nicht zu „dog­ma­ti­sie­ren“, son­dern mit kri­ti­schem Geist im Licht der Tra­di­ti­on zu prü­fen, wie Papst Bene­dikt XVI. dies im Vor­wort zum genann­ten Kon­zils­band der deut­schen Aus­ga­be sei­ner Gesam­mel­ten Schrif­ten anregt.

Dar­in führt Bene­dikt XVI. ver­bun­den mit der Ein­la­dung, die Doku­men­te des Zwei­ten Vati­ka­nums erneut zu lesen, aus, daß die Kon­zils­kon­sti­tu­ti­on Gau­di­um et Spes nicht imstan­de war zu klä­ren, was an der Moder­ne essen­ti­ell und kon­sti­tu­tiv ist. Hin­ter der vagen For­mu­lie­rung „Welt von heu­te“ gehe es, so der Papst, um das Ver­hält­nis zur moder­nen Zeit. Um die­ses zu klä­ren, wäre es not­wen­dig gewe­sen, bes­ser zu defi­nie­ren, was denn an der moder­nen Zeit essen­ti­ell und kon­sti­tu­tiv ist. „Das ist im Sche­ma XIII nicht gelun­gen.“ Wenn die Pasto­ral­kon­sti­tu­ti­on Gau­di­um et Spes auch vie­le wich­ti­ge Din­ge zum Ver­ständ­nis der „Welt“ zum Aus­druck brin­ge und bedeu­ten­de Bei­trä­ge zur Fra­ge der christ­li­chen Ethik lie­fe­re, sei sie nicht imstan­de gewe­sen, zum Ver­hält­nis zur moder­nen Welt eine sub­stan­ti­el­le Klä­rung zu bie­ten, so Bene­dikt XVI. in sei­nem Vor­wort.

Gaudium et Spes ist „überholt“, da von Fortschrittsmythos und mondänem Geist durchdrungen

„Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ist nicht ein ‚Paket‘, das man als Gan­zes ent­we­der nimmt oder zurück­weist. Gau­di­um et Spes zum Bei­spiel erschei­ne heu­te wie ein nicht mehr aktu­el­les, über­hol­tes Doku­ment, da es vom Fort­schritts­my­thos des 19. und 20. Jahr­hun­derts durch­drun­gen ist und getränkt von jenem mon­dä­nen Geist, von dem sich die Kir­che so schwer tut, sich zu befrei­en“, so Rober­to de Mattei.

Zu den zur Bischofs­syn­ode in Rom ver­sam­mel­ten Bischö­fe sag­te Papst Bene­dikt XVI. am 8. Okto­ber 2012 in einer Medi­ta­ti­on:

„Der Christ darf nicht lau sein. Die Apo­ka­lyp­se sagt uns, daß dies die größ­te Gefahr für den Chri­sten ist: nicht »nein« zu sagen, son­dern ein sehr lau­es »Ja«. Die­se Lau­heit bringt das Chri­sten­tum gera­de­zu in Miß­kre­dit. Der Glau­be muß in uns zur Flam­me der Lie­be wer­den, zur Flam­me, die wirk­lich mein Dasein in Brand setzt, zur gro­ßen Lei­den­schaft mei­nes Daseins wird und so auch den Näch­sten ent­flammt. Das ist die Vor­ge­hens­wei­se der Evan­ge­li­sie­rung: »Accén­dat ardor pro­xi­mos«, daß die Wahr­heit in mir zur Lie­be wer­de und die Lie­be wie ein Feu­er auch den ande­ren ent­flam­me. Nur wenn der ande­re ent­flammt wird durch die Flam­me unse­rer Lie­be, wächst die Evan­ge­li­sie­rung, die Gegen­wart des Evan­ge­li­ums, das nicht mehr nur Wort ist, son­dern geleb­te Wirk­lich­keit.“

Appell des Papstes an alle Gläubigen laute: Nicht zurück zum Konzil, sondern zu Jesus Christus

„Die Chri­sten müs­sen heu­te dem Appell des Pap­stes fol­gen, indem sie auf radi­ka­le Wei­se die Unver­kürzt­heit ihres Glau­bens bezeu­gen. Das ist der Weg, den Bene­dikt XVI. allen Gläu­bi­gen auf­zeigt, ange­fan­gen bei den Bischö­fen: nicht eine Rück­kehr zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, son­dern zu Jesus Chri­stus, der ein­zi­ger Weg, Wahr­heit und Leben ist“, so der Kir­chen­hi­sto­ri­ker und bekann­te katho­li­sche Intel­lek­tu­el­le Rober­to de Mattei.

Text: CR/Giuseppe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

17 Kommentare

  1. Herr Nar­di, dan­ke für die­sen Bei­trag. Auch wenn es gera­de­zu schmerzt, die­se Zei­len zu lesen.

    Ich weiß, Jan: Nicht jam­mern, zum Rosen­kranz grei­fen und beten. Und zum Erz­engel Micha­el eben­falls, möch­te ich hin­zu­fü­gen…

  2. Als ich von der Beru­fung Msgr. Mül­lers in die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on erfuhr, hat­te ich so mei­ne Befürch­tun­gen. Sie schei­nen sich lei­der zu bestä­ti­gen!

  3. Sehr schön Cup­pa,

    alles jam­mern, argu­men­tie­ren und dis­ku­tie­ren hilft uns nicht
    den kata­stro­pha­len Nie­der­gang unse­rer hl. Kir­che und Gesell­schaft
    auf­zu­hal­ten.
    Das Reich Chri­sti wird erst kom­men, wenn man die voll­kom­me­ne Hin­ga­be
    an die Köni­gin des Him­mels in der Welt ken­nen wird.
    Maria ist es, die dem Kom­men des Rei­ches unse­res Herrn Jesus Chri­stus
    den Weg berei­ten wird, wie bei sei­nem ersten Kom­men.
    Der hl. Geist wird Wun­der der Gna­de wir­ken, wenn er Maria in den See­len fin­det.

  4. Ein sehr guter Bei­trag über die ange­ge­be­nen Tex­te von Se. Em. Kard. Ratzinger.Dieser könn­te eine Schlüs­sel­po­si­ton zur Annah­me des Kon­zils und gleich­zei­tig des­sen Rezep­ti­on des­sel­ben. Dies ist mei­nes Erach­tens ein guter Weg um auch die Ein­heit mit den Grup­pen der Tra­di­ti­on zu ver­wirk­li­chen, die lei­der noch in eini­gen Punk­ten vom Hl. Vater getrennt sind.

  5. War­um ließ Erz­bi­schof Mül­ler eine so grund­le­gen­de Rede in den Kon­zils­schrif­ten Joseph Kar­di­nal Ratzinger´s unbe­rück­sich­tigt?
    War es ein Ver­se­hen? Wohl kaum!
    War es Absicht? Ich möch­te ihm kei­ne unlau­te­ren Moti­ve unter­stel­len.
    Was wäre dann das dahin­ter­lie­gen­de Motiv?
    Ich fra­ge aber auch nach der Absicht Rober­to de Mattei´s.
    Ich hof­fe nicht, dass er einen Keil zwi­schen Papst Bene­dikt und sei­nen Prä­fek­ten trei­ben möch­te.

  6. Na Pri­ma! — Anschei­nend sieht Erz­bi­schof Mül­ler die prag­ma­ti­sche Lösung der Wahr­heits­fra­ge dar­in, zwi­schen zwei gegen­sätz­li­chen, sich glei­cher­ma­ßen katho­lisch behaup­ten­den Posi­tio­nen, der Ein­fach­heit hal­ber eine drit­te zu sta­tu­ie­ren. (Und die muss ja dann gezwun­ge­ner­ma­ßen die „wah­re“ katho­li­sche Kir­che sein, weil es doch Erz­bi­schof Mül­ler ist, der das behaup­tet. Das Mot­to des Lehr­amt nach dem Kon­zil ist und bleibt eben: „ICH will aber!“)
    Viel­leicht ist der Papst zu alt, um sich noch weh­ren zu kön­nen. Viel­leicht will er sich aber auch nicht weh­ren. Was hier gespielt wird, wer­den wir höchst­wahr­schein­lich erst am Jüng­sten Tag erfah­ren. Kei­ner von uns hat das Lehr­amt, aber das Lehr­amt ver­sagt. Das ist alles, was wir wis­sen. Manch­mal fra­ge ich mich, ob das Wort von Matt. 24,22 von der „Abkür­zung der Tage um der Hei­li­gen wil­len“ nicht auch auf die­se Glau­bens­ver­wir­rung zutrifft.

  7. kann mir wer sagen, war­um immer der Glau­bens­ab­fall wegen — und nicht trotz — des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils als gesche­hend dar­ge­stellt wird?

  8. Bischof Alfon­so de Galar­re­ta hat bei sei­nem Vor­trag am 13. Okto­ber 2012 bestä­tigt, dass Bischof Fel­lay auf sei­ne Anfra­ge vom Papst u. a. die For­de­rung erhal­ten hat, anzu­er­ken­nen, dasss das II. Vati­ka­num in per­fek­ter Über­ein­stim­mung mit der Tra­di­ti­on ste­he und dass man es des­halb akzep­tie­ren müs­se.
    Dann ist eine Dis­kus­si­on über das II. Vati­ka­num nicht mehr mög­lich, weil kein Bruch mit der Tra­di­ti­on besteht. Das Kon­zil, das kein ein­zi­ges Dog­ma defi­niert hat, ist dem­nach ein ein­zi­ges Dog­ma. Trotz sei­ner teils in sich wider­sprüch­li­chen Tex­te. Zwi­schen dem Papst und dem Glau­bens­prä­fek­ten besteht kein Wider­spruch mehr.
    Eine Ant­wort auf Fra­gen des Gene­ral­obe­ren der FSSPX ist kein öffent­li­ches Lehr­schrei­ben. Es ist aber auch nicht Nichts. Und die­se Ant­wort ist für die gan­ze Kir­che extrem wich­tig. Vom Papst selbst. Die rau­chen­den Köp­fe der Theo­lo­gen, die sich mit den ver­schie­de­nen Her­me­neu­ti­ken des Kon­zils befas­sen, sei­en geehrt.
    Doch sie erset­zen das Wort des Pap­stes nicht.

  9. Die Ein­ord­nung des Kon­zils in den geschicht­lich-theo­lo­gi­schen Kon­text durch den „Mozart der Theo­lo­gie“ erscheint klar, hell­sich­tig und hat eine gera­de­zu befrei­en­de Wir­kung, wäh­rend der Stand­punkt Mül­lers dem alten Den­ken der Nach­kon­zils­zeit ver­haf­tet zu sein scheint. Die­se pein­lich über­leb­te Kon­zils­re­zep­ti­on legt sich aller­or­ten wie Mehl­tau auf das neu erwa­chen­de Selbst­ver­stän­dis des Katho­li­schen. Welch eine Erneue­rung des Glau­bens­le­bens könn­te die­ses Pon­ti­fi­kat der Kir­che schen­ken, wenn es an der Kurie und in den Bis­tü­mern mehr Män­ner vom gei­sti­gen For­mat Bene­dikts gäbe, die bereit wären, des­sen Kurs offen­siv und krea­tiv zu unter­stütz­ten, anstatt ihn aus­zu­brem­sen und ihn gemäß den Denk­vor­ga­ben einer „theo­lo­gi­cal cor­rect­ness“ zurecht­zu­stut­zen .

  10. Fort­set­zung:
    Ohne ein öffent­li­ches Lehr­schrei­ben des Hei­li­gen Vaters sehe ich bald kei­nen Sinn mehr in wei­te­ren Dis­kus­sio­nen. Danach wer­den sie aller­dings auch nicht been­det sein. Lang­sam glau­be ich, dass das II. Vati­ka­num eine der schwer­sten Heim­su­chun­gen der Kir­che war.
    Veni, Sanc­te Spi­ri­tus…

  11. Ich bezweif­le, dass Msgr. Galar­re­ta es so dar­ge­stellt hat, denn so wur­de des vom Hei­li­gen Vater wohl kaum geäu­ßert. Letzt­lich kann es ja nur hei­ßen, dass das Kon­zil im Licht der Tra­di­ti­on zu prü­fen ist und die „per­fek­te Über­ein­stim­mung“ sich nur dar­aus erge­ben kann. Das Kon­zil ist ein Teil der Kir­chen­ge­schich­te, als sol­ches ist es zu akzep­tie­ren, eben als das, was sich die Kon­zils­vä­ter vor­stell­ten und dar­an ist es auch zu mes­sen. Papst Bene­dikt XVI. hat es bereits als Glau­bens­prä­fekt treff­si­cher dar­ge­legt.
    Viel­leicht wird die Rede vor den chi­le­ni­schen Bischö­fen ja in einem ande­ren Band der Gesam­mel­ten Schrif­ten „nach­ge­reicht“!?
    Gut wäre es schon, wenn aus unbe­ru­fe­nem Mund eine sol­che Emp­feh­lung erlaubt ist, wenn Erz­bi­schof Mül­ler weni­ger im Stil eines deut­schen Bischofs mit den Medi­en reden wür­de und mehr als Prä­fekt der hei­li­gen Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re. Auch dar­in soll­te ihm der Papst als Amts­vor­gän­ger ein Vor­bild sein.
    Beten wir für unse­ren Papst und Erz­bi­schof Mül­ler.

  12. @Montsalvage
    die Aus­sa­ge von Weih­bi­schof de Galar­re­ta ist wie­der­ge­ge­ben im Mit­tei­lungs­blatt des deut­schen Distrikts der Pius­bru­der­schaft Dezem­ber 2012, Sei­te 9. Sie kön­nen höch­stens die rich­ti­ge Über­set­zung bezwei­feln, ich tei­le die­se Zwei­fel nicht. Zumal sich Weih­bi­schof Fel­lay auch so geäu­ßert hat, ich hat­te nur die Quel­le nicht zur Hand, um ihn zu zitie­ren.

  13. Vie­len Dank für den Hin­weis, ich habe gleich nach­ge­le­sen. Anders for­mu­liert: Die von Msgr. Galar­re­ta gebrauch­te Dik­ti­on, „dass das II. Vati­ka­num in per­fek­ter Über­ein­stim­mung mit der Tra­di­ti­on ste­he“ und man es des­halb akzep­tie­ren müs­se, wur­de mit Sicher­heit von Papst Bene­dikt XVI. so nicht gebraucht. Was er zum The­ma seit Jahr­zehn­ten sagt (s.o.) ist bekannt. Wenn kann es nur hei­ßen: „dass das II.Vatikanum in per­fek­ter Über­ein­stim­mung mit der Tra­di­ti­on zu lesen ist“. Nur so kann es sich genu­in in die Kir­chen­ge­schich­te ein­fü­gen und das Abdrif­ten in eine Art „Super­dog­ma“, vor dem der Papst als Kar­di­nal schon in den 80er Jah­ren warn­te, über­wun­den wer­den.
    Von Erz­bi­schof Mül­ler feh­len bis­her lei­der auch die kri­ti­schen und deut­li­chen Wor­te sei­nes Vor­gän­gers als Glau­bens­prä­fekt zum Kon­zil.
    Wann immer wir uns ärgern, irri­tiert sind, beten wir für das Wah­re und Gute in die­sem Anlie­gen.

  14. Das der­zeit nicht lös­ba­re Pro­blem besteht dar­in, dass es Kon­zils­do­ku­men­te gibt, die Text­pas­sa­gen ent­hal­ten, die mit der Tra­di­ti­on unver­ein­bar sind. Und vie­le Ein­spreng­sel, die in sich nicht häre­tisch sind, die den­noch den Glau­ben ver­wäs­sern. Zumal sie in einer Viel­zahl in den ver­schie­de­nen Doku­men­ten immer wie­der auf­tau­chen und sich damit enorm ver­stär­ken. Wie oft taucht z.B. die Ver­pflich­tung zur Öku­me­ne auf in Doku­men­ten, die die­se gar nicht zum The­ma haben. War­um endet Dei Ver­bum „…mit der gestei­ger­ten Ver­eh­rung des Wor­tes Got­tes…“ wobei unmit­tel­bar vor­her von der „stän­di­gen Teil­nah­me am eucha­ri­sti­schen Geheim­nis“ die Rede ist? Dass sich die Offen­ba­rung aus zwei Quel­len speist, wird hier ver­schwie­gen, statt­des­sen eine Ver­bin­dung zur Eucha­ri­stie her­ge­stellt, die hier nicht hin­ge­hört. Nach­wei­sen lässt sich die Her­ab­min­de­rung der Ver­eh­rung des Altars­sa­kra­men­tes nicht, so cle­ver war man.
    Das ist die offe­ne Wun­de: Tex­te gegen die Tra­di­ti­on lasen sich nicht mit ihr lesen.

  15. Man muss auch dar­auf hin­wei­sen, was ver­schwie­gen wird in den ein­zel­nen Doku­men­ten. Ein syste­ma­ti­sches Ver­schwei­gen kommt einer Leug­nung gleich. Dass der „erha­be­nen Maje­stät“ Got­tes ein „rei­nes Opfer, ein hei­li­ges Opfer, ein makel­lo­ses Opfer“ dar­ge­bracht wird (Im fol­gen­den Gebet nach der Wand­lung „Unde et memo­res…“ der Alten Mes­se) fin­det sich so in der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um nicht wie­der. Statt­des­sen ist der Begriff „Pascha-Myste­ri­um“, der das Opfer ersetzt, zum Zen­tral­be­griff gewor­den.
    Es war dann leicht für Paul VI. und sei­ne Kom­mis­si­on, das Mess­op­fer in die Eucha­ri­stie­fei­er umzu­wan­deln. Und den Weg für die Öku­me­ne frei­zu­ma­chen, denn Luther ver­ur­teil­te den Süh­ne­cha­rak­ter der Mes­se gera­de­zu mit Hass.
    In einem Kom­men­tar kann das alles nur ange­deu­tet wer­den. Beim auf­merk­sa­men Lesen der Kon­zils­do­ku­men­te wird mir nicht klar, wie die „Her­me­neu­tik der Reform unter Ach­tung der Kon­ti­nui­tät“ auf Tex­te anzu­wen­den ist, die der Kon­ti­nui­tät wider­spre­chen.

    • Dan­ke, dass Sie das wie­der ein­mal so gut aus­ge­drückt haben. Ja, ein Ver­schwei­gen ist eine Leug­nung, weil man nur ver­schweigt, wozu man nicht ste­hen will. Ich mer­ke das immer wie­der im Gespräch: Die „vor­kon­zi­lia­re“ Kir­che ist den mei­sten Katho­li­ken, Geist­li­chen und Lai­en glei­cher­ma­ßen, irgend­wie „pein­lich“. Sie bestehen immer dar­auf nicht mehr so zu sein, wie die Katho­li­ken damals. Sie „klop­fen stän­dig an die Brust ihrer Vor­fah­ren“ (um es mit den Wor­ten eines klu­gen Man­nes zu sagen).

  16. Hat die Über­lie­fe­rung der Lit­ur­gie, also die Tra­di­ti­on einen Bruch erlit­ten? Wenn, liegt er tat­säch­lich im 2. Vati­ka­num. Zu fin­den wird er nur sein, wenn man zwi­schen den Zei­len liest und die Ent­ste­hung der ein­zel­nen Doku­men­te betrach­tet. Als Ver­gleich steht viel­leicht ein älte­rer Ver­lust der ech­ten Lit­ur­gie zu Rate. Die refor­mier­ten Kir­chen haben zum Teil die eucha­ri­sti­sche Wand­lung voll­stän­dig ver­lo­ren, wäh­rend zum Zeit­punkt der Spal­tung von der römi­schen Kir­che das unver­fälsch­te Wis­sen um das Altarsa­kra­ment noch vor­han­den war. Ver­lo­ren gegan­gen ist auch die apo­sto­li­sche Suk­zes­si­on, die Grund­la­ge der Tra­di­ti­ons­er­hal­tung.

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