Piratenpartei — Der antireligiöse Kreuzzug des Schweizer Ober-„Piraten“ Thomas Bruderer

(Bern/Berlin) Die bei­den Bären-Städ­te an Spree und Aare haben eini­ges gemein­sam. Neu­er­dings noch eine Sache mehr: Sowohl in Ber­lin als auch in Bern möch­ten die Pira­ten im näch­sten Bun­des­par­la­ment sit­zen.

In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit ihrem ledig­lich nach links hin offe­nen, ins­ge­samt aber weit­ge­hend abge­schot­te­ten Par­tei­en­sy­stem schie­nen die Pira­ten als „Spaß­fak­tor“ ein duld­ba­rer Neu­ein­stieg in den par­la­men­ta­ri­schen Ring zu sein. Inzwi­schen läuft das Kor­sa­ren­boot leck und befin­det sich auf Ken­ter­kurs. So sagen es jeden­falls die Umfra­gen aller Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­te. In der Schweiz mit ihrem offe­nen und aus­dif­fe­ren­zier­ten Par­tei­sy­stem tun sich die Pira­ten wohl noch eine Spur schwe­rer. Für die mei­sten Bür­ger herrscht noch immer Unklar­heit, wohin die Rei­se der Pira­ten poli­tisch eigent­lich gehen soll­te.

Nörd­lich des Boden­sees fie­len die Pira­ten bald unan­ge­nehm auf, als sie am Kar­frei­tag zu einem Tanz­fest auf die Köl­ner Dom­plat­te luden. Die von ihnen gefor­der­te Tren­nung von Staat und Kir­che hat­te damit wenig zu tun. Mit Dro­gen­frei­ga­be, völ­li­ger Gleich­stel­lung der Homo-„Ehe“, „Öff­nung“ der Ehe von zwei auf mehr Per­so­nen, also Viel­wei­be­rei oder Viel­män­ne­rei und Auf­he­bung des Inzest­ver­bots ver­or­te­ten sie sich schnell in jenem Spek­trum links der Mit­te, in dem sich die Par­tei­en ohne­hin schon dicht drän­geln. Die Pira­ten­par­tei Schwa­ben betont sehr „men­schen­freund­lich“ auf ihrer Inter­net­sei­te zum The­ma Lebens­recht und Abtrei­bung: „Jede Frau hat das unein­ge­schränk­te Recht, eine Schwan­ger­schaft abzu­bre­chen, aus wel­chen Grün­den auch immer.“ Für Chri­sten waren die Pira­ten nie eine wähl­ba­re Alter­na­ti­ve.

Der Schwei­zer Able­ger der Frei­beu­ter fällt nicht min­der unan­ge­nehm auf und damit gleich­zei­tig inner­pi­ra­tisch nicht aus dem Rah­men. Ihr Vor­sit­zen­der Tho­mas Bru­de­rer, ganz staats­män­nisch Prä­si­dent genannt, läßt in einem Inter­net­fo­rum der Pira­ten kei­ne Gele­gen­heit aus, um alles anzu­grei­fen, was nur im wei­te­sten Sin­ne etwas mit Reli­gi­on und Tran­szen­denz zu tun hat. Die Schwei­zer Medi­en haben die­se radi­ka­le Reli­gi­ons­feind­lich­keit zum The­ma gemacht.

Für Bru­de­rer ist Reli­gi­on „eine Gei­stes­krank­heit“, eine Form von Mas­sen­psy­cho­se im Sin­ne von Sig­mund Freud. Bru­de­rer pro­pa­giert des­halb zum Schutz der psy­chi­schen Hygie­ne der Schwei­zer im Namen der Pira­ten einen mili­tan­ten Athe­is­mus, der an die mar­xi­stisch-leni­ni­sti­sche Dik­ti­on von Reli­gi­on als „Opi­um für das Volk“ erin­nert.

Für den Ober­pi­ra­ten, für den Wil­helm Tell und Bru­der Klaus offen­bar Gei­stes­ge­stör­te waren, sind alle Reli­gio­nen „gefähr­lich“, auch im Westen, obwohl sich auf dem Alten Kon­ti­nent ihre Bedeu­tung durch den Rela­ti­vis­mus abschwächt. „Gott ist ein Tyrann“, ist nur eine der harm­lo­se­ren Wort­mel­dun­gen Bru­de­rers, der damit die Defi­ni­ti­on des Athe­isten Richard Daw­kins zitier­te. Für den Schwei­zer Pira­ten-Chef sind Prie­ster, Ordens­leu­te und Gläu­bi­ge häu­fig „schi­zo­phren“.

Das Maxi­mum an „Öff­nung“ gegen­über der Reli­gi­on, zu der sich ein „auf­ge­klär­ter“ Athe­ist wie Bru­de­rer durch­rin­gen kann, klingt so: „Ich respek­tie­re, wer sei­nen Glau­ben pri­vat prak­ti­ziert, for­de­re aber Schutz vor allen, die uns ihre Dok­tri­nen auf­zwin­gen wol­len“. Die ein­zi­ge von Bru­de­rer gedul­de­te Form von Reli­gi­on ist die völ­li­ge Ver­ban­nung aus dem öffent­li­chen Raum und der Rück­zug in die vier Wän­de. Alles ande­re ist für den Prä­si­den­ten der eid­ge­nös­si­schen Frei­beu­ter uner­träg­lich.

Wäh­rend die Katho­li­ken sich zurück­hal­ten, ant­wor­te­te die Schwei­ze­ri­sche Evan­ge­li­sche Alli­anz dem Pira­ten. Bei Bru­de­rer kön­ne man nicht mehr von Reli­gi­ons­kri­tik spre­chen, er pro­pa­gie­re viel­mehr einen Reli­gi­ons­tot­schlag. Die Evan­ge­li­sche Alli­anz warf Bru­de­rer vor, alle Men­schen, die anders den­ken als er, zu belei­di­gen. Eine Lawi­ne an Pro­test­mails leg­te dar­auf die Mail­bo­xen der Pira­ten lahm.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Screen­shot piratenpartei.ch

10 Kommentare

  1. Wir sehen hier, daß die evan­ge­li­schen Chri­sten in der Schweiz deut­lich mehr Mut haben, als die schla­fen­de Chri­sten­heit in Deutsch­land. „Weck die tote Chri­sten­heit aus dem Schlaf der Sicher­heit…“

  2. War­um nur ist die katho­li­sche Kir­che so lei­se?
    Es tut weh, mit­an­se­hen zu müs­sen, wie Men­schen sich über sie lustig machen oder sie gar ver­höh­nen.
    Reli­gi­on als „Gei­stes­krank­heit“ zu bezeich­nen ist an sich schon falsch und dar­über­hin­aus extrem belei­di­gend.
    Tere­sa von Avi­la, Franz von Assi­si, Johan­nes vom Kreuz und all die vie­len wun­der­ba­ren Hei­li­gen waren also gei­stes­krank.
    Eben­so Maxi­mi­li­an Kol­be und die Phi­lo­so­phin Edith Stein.
    War­um nur ist die katho­li­sche Kir­che so stumm?
    Nennt sie das Klug­heit im Sin­ne von „man müs­se auch die ande­re Backe hin­hal­ten“?
    Nein, es ist nicht Klug­heit. Es gibt ande­re, weni­ger schmei­chel­haf­te Bezeich­nun­gen dafür.
    Wir, die Gläu­bi­gen, füh­len uns oft sehr allein­ge­las­sen von unse­ren Bischö­fen,
    zumin­dest emp­fin­de ich es so. Ich glau­be nicht, dass ich mit mei­ner Ein­schät­zung allein ste­he.
    Und so müs­sen wir uns immer wie­der täg­lich neu dem rau­en Wind stel­len, gegen Resi­gna­ti­on ankämp­fen und han­deln in Wort und Tat.
    Jeder nach sei­nem Ver­mö­gen und in sei­nem jewei­li­gen Umfeld.
    Wer sonst soll­te es tun?

  3. Sehr geehr­te Mari­en­zweig, aber die Kir­che oder soll­te ich schrei­ben die „Kör­per­schaft öffent­li­chen Rechts katho­li­sche Kir­che Öster­reichs“ brüllt doch sehr laut auf, wenn es um den Kampf gegen eine wahr­lich christ­li­che Par­tei geht, die als wich­tig­sten Punkt ihres Wahl­pro­gram­mes den „Leben­schutz“ und ande­re als wahr­lich katho­li­sche The­men wie die Fami­lie, Bil­dung usw. hat oder bes­ser gesagt hat­te (DIE CHRISTEN) . Denn die­se wur­de von gro­ßen Tei­len des Kle­rus mas­sivst bekämpft und wäh­rend des Prä­si­dent­schafts­wahl­kamp­fes wur­de den Spit­zen­kan­di­da­ten von der Erz­diö­ze­se mit schar­fen Wor­ten (die Kir­che lässt es sich nicht län­ger gefal­len Instru­men­ta­li­siert zu wer­den) nahe­ge­legt , wäh­rend das Wahl­kamp­fes, die Sonn- Fei­er­tags­pflicht NICHT mehr zu erfül­len. Soviel zu Kir­che, Poli­tik und deren Ver­welt­li­chung

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen

  4. Lie­ber Armin,
    ich kann zu Ihrem Bei­trag lei­der wenig sagen.
    Vor Jah­ren war ich sehr an Poli­tik und allem drum­her­um inter­es­siert.
    Aus vie­len Grün­den ist das heu­te nicht mehr so.
    Nach­rich­ten höre ich nur noch spo­ra­disch, um wenig­stens ober­fläch­lich infor­miert zu sein und mei­ne Hei­mat­zei­tung ist mir auch ent­behr­lich gewor­den.
    Dies mag Ihnen etwas abson­der­lich erschei­nen.
    Einer der Grün­de, war­um ich „nach­rich­ten-ent­halt­sam“ und dabei sehr gut lebe ist, dass ich den­ke, dass alles, was uns in den Nach­rich­ten ser­viert wird, erst durch eine offi­zi­ell geneh­mig­te „Tür“ geht.
    Wir wer­den mit reich­lich Infor­ma­tio­nen, auch völ­lig belang­lo­sen belie­fert, ja gefüt­tert, um uns das Gefühl zu geben, gut infor­miert zu sein.
    Wirk­lich Ent­schei­den­des fin­det ohne unser Wis­sen oder unse­re Zustim­mung statt.
    Wir erfah­ren das, was für uns bestimmt ist und was wir erfah­ren dür­fen.
    Und dar­um habe ich den Kon­flikt, wie Sie ihn beschrei­ben, gar nicht so rich­tig wahr­ge­nom­men, was sich jetzt als Man­gel her­aus­stellt.
    Es tut mir leid, dass ich also nicht näher auf Ihre Kla­ge ein­ge­hen kann.
    Auch Ihnen wün­sche ich Got­tes und Mari­ens Segen.

  5. Nach­trag
    Armin,
    ist die von Ihnen genann­te Par­tei „DIE CHRISTEN“ iden­tisch mit der „Par­tei Bibel­fe­ster Chri­sten“?

    Lebens­schutz in all ihren For­men (Kampf gegen Abtrei­bung, Eutha­na­sie, PID u.a.) ist mir sehr wich­tig.
    Ich bin Mit­glied der ALfA und befür­wor­te voll und ganz deren Anlie­gen.
    Auch auf die­sem The­men­feld ist ‑und damit gebe ich Ihnen Recht- die katho­li­sche Kir­che nicht gera­de laut, von ein­zel­nen Bischö­fen abge­se­hen.
    Von der evan­ge­li­schen Kir­che hört man dies­be­züg­lich noch weni­ger.

  6. Lie­be Mari­en­zweig: „Die Chri­sten“ wah­ren eine Ö- Par­tei gegrün­det von Dr. Adam Ö — Bun­des­vor­sit­zen­der des Ver­eins „Pro Vita“ die schon län­ger für den Lebens­schutz ein­tritt. Und in Deutsch­land ken­ne ich mich nicht so gut aus, das ich etwas über die „Bibefe­sten Chri­sten“ sagen könn­te. Und ver­mut­lich haben sie Recht, denn es ist viel­fach bes­ser nicht zuviel zu Wis­sen.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen

  7. Als Anhän­ger lin­ker idea­le stößt mir das auf, dass die Pira­ten als lin­ke Par­tei bezeich­net wer­den. Die­se Par­tei kennt kei­ner­lei Altru­is­mus in ihren Wer­ten, son­dern aus­schließ­lich Ego­is­mus und Ego­zen­trik. Sie sind viel­leicht radi­kal libe­ral, aber damit eben noch lan­ge nicht links.

    Aus die­sem grund tei­len wir im übri­gen die Hoff­nung, dass die­se „Par­tei“ bald wie­der von der Bild­flä­che ver­schwun­den sein wird.

    • Lie­ber @Heiko!
      Ich habe das immer so ver­stan­den, dass die Lin­ke sich als Par­tei ver­steht, die sich vehe­ment für die Inter­es­sen der klei­nen Leu­te ein­setzt; sich gegen den über­mäch­ti­gen Ein­fluss der Wirt­schaft wehrt, die den Men­schen nur als Ware bzw. Objekt sieht, über das man ganz nach Belie­ben ver­fü­gen kann.
      Die­se Idea­le der Lin­ken tei­le ich unein­ge­schränkt.
      Lei­der aber trans­por­tiert sie auch ande­re Ideen, die ich als Katho­li­kin nicht akzep­tie­ren möch­te und kann, ohne mei­nen Glau­ben und damit mich selbst zu ver­leug­nen.
      Wür­de die Lin­ke sich auf ihre urei­ge­ne Idee kon­zen­trie­ren, sich mit gan­zer Kraft gegen das alles beherr­schen­de Kapi­tal zu behaup­ten, hät­te sie mei­ne Stim­me.

    • Mal ehr­lich, wie kann man nur ein Anhän­ger der Lin­ken sein? Die Lin­ke hat so vie­le Men­schen ermor­det — und zwar im Namen des „Altru­is­mus“ den sie nicht näher defi­niert haben und schon gar kei­ne Basis noch Rea­li­tät hat.

      Nur sagen „ich will gut sein“ reicht nicht! Man muss auch wis­sen was „gut“ über­haupt ist. Die Lin­ke war noch nie gut und wird nie gut sein. Sie wird wie immer mas­sen­haft Men­schen ermor­den oder umer­zie­hen.

      Es ist noch gar nicht so lan­ge her. 1992..

      Wird mal Zeit „die Lin­ken“ kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und mal die Ergeb­nis­se ihres Wahns anzu­schau­en, auf­zu­zäh­len — und rea­li­sie­ren dass die Lin­ke ein mör­de­ri­scher selbst­ger­ach­ter Hau­fen ist.

      Tem­pla­rii

  8. War­um sie so stumm ist? die Kir­che? Weil sie vie­le Mit­glie­der hat die nicht an Jesus Chri­stus glau­ben son­dern an „die Gute Mei­nung irgend­wel­cher Leu­te“. Sie glau­ben auch an einen Pazi­fi­sti­schen Jesus wie Bud­dha und vor allem — weil es zu einem Katho­li­schen Heid­ni­schen Kult gewor­den ist. Dass Chri­stus Kai­ser Kon­stan­tin sag­te „unter die­sem Zei­chen wirst Du sie­gen“ ist völ­lig unter­ge­gan­gen. Und dar­um wer­den auch Chri­sten über­all auf der Welt abge­schlach­tet — weil Feig­heit und Lau­heit in die Kir­che ein­ge­drun­gen ist.

    Tem­pla­rii — recognoscere.wordpress.com

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