Tausende Gläubige bei Meßfeier im Alten Ritus im Petersdom — Tradition hat dank Piusbruderschaft wieder offiziell Heimstatt in der Kirche

(Vati­kan) Meh­re­re Tau­send Gläu­bi­ge nah­men am Sams­tag am Abschluß­got­tes­dienst der Inter­na­tio­na­len Wall­fahrt Una cum Papa nostro im Peters­dom teil. Ihre Pro­zes­si­on durch die Stra­ßen Roms und ihr Ein­zug in die päpst­li­che Basi­li­ka war ein kräf­ti­ges Zei­chen der Leben­dig­keit der katho­li­schen Tra­di­ti­on.

In den Jah­ren von der Lit­ur­gie­re­form von 1970 bis zur gül­ti­gen, aber unrecht­mä­ßi­gen Wei­he von vier Weih­bi­schö­fen durch Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re war es die von ihm gegrün­de­te Pius­bru­der­schaft, die das Ban­ner der Tra­di­ti­on mit dem vor­kon­zi­lia­ren Ritus als ihrem sicht­bar­sten Zei­chen hoch­hielt. Dafür galt sie in der Kir­che weit­ge­hend als Sek­te und war gera­de­zu mit dem Stig­ma des Unnenn­ba­ren behaf­tet.

Der lange Weg der Tradition zurück nach Rom

Als Fol­ge des 1988 erfolg­ten Unge­hor­sams gegen Papst Johan­nes Paul II., den Erz­bi­schof Lef­eb­v­re mit einem Not­zu­stand recht­fer­tig­te, ent­stand jedoch die Petrus­bru­der­schaft als klei­ne Abspal­tung der Pius­bru­der­schaft. Kei­ne fünf Pro­zent der Pius­brü­der folg­ten die­sem Weg. Auf Drän­gen Joseph Kar­di­nal Ratz­in­gers, der damals die erfolg­lo­sen Gesprä­che mit Erz­bi­schof Lef­eb­v­re führ­te, um doch noch zu einer Eini­gung zu kom­men, wur­de die Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei gebil­det. Sie soll­te in der Kir­che zur Heim­statt für tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Katho­li­ken wer­den, die den Bruch der Pius­bru­der­schaft nicht mit­ma­chen woll­ten. Sie ist seit­her für die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gläu­bi­gen und Gemein­schaf­ten in der Kir­che zustän­dig. Immer neue Gemein­schaf­ten ent­stan­den. Vie­len ist als Wesens­merk­mal gemein­sam, daß ihre Grün­der ursprüng­lich der Pius­bru­der­schaft ange­hör­ten, aber frü­her oder spä­ter den Weg nach Rom fan­den.

Das Paradox: Bruch der Piusbruderschaft verschaffte Tradition 1988 wieder Heimstatt in der Kirche

Die Tra­di­ti­on erhielt erst durch den Bruch der Pius­bru­der­schaft mit Rom wie­der eine offi­zi­el­le Heim­statt in der Kir­che und damit jenen aner­kann­ten, kano­ni­schen Rah­men, den sie bis dahin nicht mehr hat­te. Ihre Posi­ti­on schien mar­gi­na­li­siert, viel­fach nur gedul­det, aber es gab sie wie­der.

2007 been­de­te Papst Bene­dikt XVI. die Rand­stän­dig­keit der Tra­di­ti­on und gab der Welt­kir­che mit dem Motu pro­prio Summo­rum Pon­ti­fi­cum die tra­di­tio­nel­le Form des Römi­schen Ritus zurück. Seit­her nimmt die Zahl der Meß­or­te im Alten Ritus zu und wird neu­er­dings auch von Gemein­schaf­ten wie­der­ent­deckt und gepflegt, die nie in einer direk­ten oder indi­rek­ten Ver­bin­dung zur Pius­bru­der­schaft stan­den.

Rol­le und Bedeu­tung der Pius­bru­der­schaft sind aber noch in einem ande­ren Zusam­men­hang zu erwäh­nen. Sie orga­ni­siert seit vie­len Jah­ren eine Inter­na­tio­na­le Wall­fahrt der Tra­di­ti­on von Char­tres nach Paris. Seit Jah­ren gibt es eine zwei­te Wall­fahrt, betreut von der Petrus­bru­der­schaft, die gleich­zei­tig an Pfing­sten von Paris nach Char­tres führt. Die zwi­schen den bei­den Gemein­schaf­ten mit gemein­sa­mer Wur­zel herr­schen­den Span­nun­gen sind nicht The­ma die­ser Über­le­gun­gen. Viel­mehr geht es dar­um, daß in den ver­gan­ge­nen Tagen erst­mals eine Inter­na­tio­na­le Wall­fahrt der Tra­di­ti­on bis nach Rom in das Zen­trum der katho­li­schen Kir­che und das Herz der Chri­sten­heit führ­te. Ein abso­lu­tes Novum, an dem ein gro­ßer Ent­wick­lungs­strang sicht­bar wird: die Renais­sance der Tra­di­ti­on in der Kir­che.

Im Hei­li­gen Jahr 2000 orga­ni­sier­te die Pius­bru­der­schaft bereits eine Wall­fahrt nach Rom. Sie soll­te die Ver­bun­den­heit mit dem Nach­fol­ger Petri zei­gen, blieb aber durch den mehr theo­re­ti­schen Ansatz, dem die letz­te prak­ti­sche Kon­se­quenz fehlt, letzt­lich in einer gewis­sen Ambi­va­lenz stecken. Vor allem führ­te jene Wall­fahrt gewis­ser­ma­ßen nur bis vor die Tore des Peters­doms, des­sen mäch­ti­ge Por­ta­le für eine Zele­bra­ti­on im klas­si­schen Ritus ver­sperrt blie­ben.

2007 gab Benedikt XVI. der Kirche die Messe aller Zeiten zurück — Kardinal Brandmüller zelebrierte als erster an einem Hauptaltar des Petersdoms

Zwölf Jah­re spä­ter haben sich die­sel­ben Pfor­ten für die Wall­fah­rer geöff­net. Wal­ter Kar­di­nal Brand­mül­ler voll­zog 2011 den ersten „Tabu­bruch“, indem er am Ende einer Tagung über das Motu pro­prio Summo­rum Pon­ti­fi­cum ein Pon­ti­fi­ka­les Hoch­amt an einem der bei­den Haupt­al­tä­re der päpst­li­chen Basi­li­ka zele­brier­te. Kann es ein Zufall sein, daß aus­ge­rech­net ein Deut­scher auf dem Stuhl des Petrus sitzt und die Kir­che regiert und ein deut­scher Kar­di­nal nach 41 Jah­ren den Brücken­schlag voll­zog über einen Gra­ben, der in der Kir­che nach dem Kon­zil ohne Not auf­ge­ris­sen wor­den war? Aus­ge­rech­net ein Deut­scher, wo die Kir­che im deut­schen Sprach­raum beim Kon­zil zu den Wort­füh­rern der anti­rö­mi­schen Fron­de gehör­te und danach aus ihren Rei­hen mit die krea­tiv­sten Eife­rer des nach­kon­zi­lia­ren Kir­chen­um­baus kamen?

Gestern aber waren es nicht nur die Teil­neh­mer einer kir­chen­in­tern mehr oder weni­ger beach­te­ten Tagung, die in den Peters­dom ein­zo­gen und am Grab des Hei­li­gen Apo­stel­für­sten und Vikars Chri­sti dem hei­li­gen Meß­op­fer bei­wohn­ten. Gestern waren es Tau­sen­de Gläu­bi­ge, die aus ver­schie­de­nen Erd­tei­len und Staa­ten nach Rom gekom­men waren. Sie nah­men die Mühe einer teils sehr wei­ten Rei­se auf sich, um ihre Ver­bun­den­heit mit dem Papst zum Aus­druck zu brin­gen und ihm für die Gewäh­rung des Motu pro­prio Summo­rum Pon­ti­fi­cum zu dan­ken. Sie waren aus Lie­be zur hei­li­gen Kir­che und zur hei­li­gen Lit­ur­gie gekom­men.

Unter den anwe­sen­den römi­schen Prä­la­ten befand sich auch wie­der Kar­di­nal Brand­mül­ler, eben­so der Vize­prä­si­dent der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, Kuri­en­erz­bi­schof Di Noia, mit sei­nem gesam­ten Mit­ar­bei­ter­stab, so auch der frü­he­re Vize­prä­si­dent von Eccle­sia Dei, Msgr. Camil­le Perl, der frü­he­re Sekre­tär der Kom­mis­si­on und soeben zum Erz­bi­schof ernann­te Gui­do Poz­zo sowie Msgr. Mar­co Agosti­ni vom Amt für die lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes.

Sichtlich zufriedener Kardinal Cañizares: Priesterberufungen kommen heute aus Familien und Gemeinschaften der Tradition

Weit mehr als ein­hun­dert Prie­ster ver­schie­de­ner tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Gemein­schaf­ten zogen in die päpst­li­che Basi­li­ka ein. Die mei­sten von ihnen waren auf­fal­lend jung. Die­se Tat­sa­che, wie auch die gro­ße Zahl der Gläu­bi­gen, bleibt an der Römi­schen Kurie sicher nicht unbe­ach­tet. So war es auch der sicht­lich gerühr­te und hoch­er­freu­te Zele­brant Kar­di­nal Anto­nio Cañi­za­res, der in sei­ner Pre­digt beton­te, daß es gera­de die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten sind, die heu­te in den west­li­chen Staa­ten über Nach­wuchs ver­fü­gen. Daß es alt­ri­tu­el­le Fami­li­en, die mit vie­len Kin­dern im Peter­som ver­tre­ten waren, und Pfar­rei­en sind, aus denen Beru­fun­gen zum Prie­ster- und Ordens­stand erwach­sen. Die Pius­bru­der­schaft ist in die­sem Zusam­men­hang genau­so zu nen­nen.

Im Vor­feld gab es in der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gala­xie auch eini­ge Kri­tik. Nicht an der Sache, aber am Zeit­punkt. Man­che hiel­ten den Augen­blick für ver­früht. Ande­re hät­ten sich gewünscht, daß Papst Bene­dikt XVI. selbst das hei­li­ge Meß­op­fer zele­brie­ren oder zumin­dest dar­an teil­neh­men wür­de. Letzt­lich erwies sich der Zeit­punkt als rich­tig. Denn es braucht jeden Schritt, so brauch­te es auch die­sen, um – so Gott will – auch zu jenem zu kom­men, da der Papst im Peters­dom oder wo auch immer erst­mals wie­der im klas­si­schen Ritus aller Zei­ten zele­brie­ren wird. Die­ser letz­te Schritt steht noch aus, doch waren zumin­dest die Teil­neh­mer der Inter­na­tio­na­len Wall­fahrt zuver­sicht­lich, daß er bald fol­gen wer­de. Es sei eine Ent­wick­lung im Gan­ge, die ihre Zeit brau­che.

Gegen eine wirk­li­che Umset­zung der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on und des Motu pro­prio Summo­rum Pon­ti­fi­cum gibt es noch erheb­li­che Wider­stän­de in der Kir­che, unter Bischö­fen und einem Teil der Römi­schen Kurie. Er wird jedoch schwä­cher, je mehr die erwar­te­ten Früch­te nach­kon­zi­lia­rer Fehl­ent­schei­dun­gen aus­blei­ben und die har­te Rea­li­tät ver­deut­licht, daß der „Zug“ längst in eine ande­re Rich­tung fährt.

Man kann fast belie­big eine Diö­ze­se auch des deut­schen Sprach­raums aus­wäh­len und die Prie­ster­be­ru­fun­gen unter­su­chen, die seit dem Hei­li­gen Jahr 2000 aus der betref­fen­den Diö­ze­se her­vor­ge­gan­gen sind. Es sticht zunächst der Rück­gang der Prie­ster­wei­hen ins Auge, die offi­zi­ell für die Diö­ze­se erfolg­ten. Gleich­zei­tig wird aber auch sicht­bar, daß sich die Prie­ster­be­ru­fun­gen, wenn auch auf nied­ri­ge­rem Niveau als zu den Hoch­zei­ten der 50er Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts, neue Kanä­le gesucht haben. Es gibt sie, sie erwach­sen jedoch in neu­en Orden und tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten und dies nicht sel­ten fast völ­lig an den Diö­ze­sen vor­bei, von die­sen unbe­ach­tet und den offi­zi­el­len kirch­li­chen Medi­en igno­riert.

„Das nächste Mal zelebriert der Papst selbst“ — Das Ende einer langen Quarantäne

Die erste Inter­na­tio­na­le Wall­fahrt der Tra­di­ti­on nach Rom stellt ein viel­ver­spre­chen­des Hoff­nungs­zei­chen für die Kir­che dar. Dar­an ändert auch die nur schwa­che Medi­en­re­so­nanz auf das Ereig­nis nichts, denn kirch­li­che Ent­wick­lun­gen, die, wol­len sie posi­tiv sein, immer Ver­tie­fun­gen sein müs­sen, gesche­hen ohne­hin bes­ser abseits des media­len Inter­es­ses. Man braucht kein Pro­phet zu sein, um erah­nen zu kön­nen, daß viel­leicht schon bald bei einem ähn­li­chen und noch grö­ße­ren Anlaß das Tu es Petrus erklin­gen wird, als Zei­chen dafür, daß auch das von Chri­stus selbst ein­ge­setz­te Ober­haupt der Kir­che anwe­send sein und das hei­li­ge Meß­op­fer in der Form sei­nes Erst­lings­op­fers nach der Prie­ster­wei­he zele­brie­ren wird. Oder wie gestern mehr­fach zu hören war: „Das näch­ste Mal zele­briert der Papst selbst!“ Dann und erst dann wird die Mes­se aller Zei­ten wirk­lich aus der Qua­ran­tä­ne befreit sein, in die sie vor 42 Jah­ren ver­bannt wur­de. Dann wird die außer­or­dent­li­che Form des Römi­schen Ritus zur „nor­ma­len“ Form der katho­li­schen Kir­che, oder wie Kar­di­nal Cañi­za­res im Vor­feld der Wall­fahrt auf die Fra­ge meint, wes­halb er sich bereit erklärt habe, die hei­li­ge Mes­se im alten Ritus zu zele­brie­ren: „Weil dies etwas ganz Nor­ma­les ist.“

Piusbruderschaft fehlte — „Das nächste Mal wird Msgr. Fellay sicher anwesend sein“

Letzt­lich könn­te man sagen, daß die­se gan­ze Ent­wick­lung mit der Grün­dung der Pius­bru­der­schaft durch Erz­bi­schof Lef­eb­v­re ihren Anfang nahm. Daß aus­ge­rech­net sie gestern in Rom noch fehl­te, wur­de unter den zahl­rei­chen Teil­neh­mern viel­fach bedau­ert. Abbé Clau­de Bar­t­he schrieb heu­te auf Le Forum Catho­li­que: Ein sicht­lich zufrie­de­ner Kar­di­nal Cañi­za­res habe ihn nach dem Got­tes­dienst danach gefragt, ob auch jemand von der Pius­bru­der­schaft anwe­send gewe­sen sei: „Ich habe geant­wor­tet, zahl­rei­che Gläu­bi­ge der Pius­bru­der­schaft erkannt zu haben, was ihn sehr erfreu­te. Ich habe kei­ne Prie­ster der Pius­bru­der­schaft gese­hen, aber die Prie­ster waren zu zahl­reich, als daß ich sie alle ken­nen könn­te. Wir kamen zum Schluß, daß das näch­ste Mal Msgr. Fel­lay sicher anwe­send sein wird. Kla­ro!“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bil­der: Fr. Z’s Blog/Le Forum Catho­li­que

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11 Kommentare

  1. Das MP Summo­rum Pon­ti­fi­cum war ein wich­ti­ger Schritt. Der nicht genug zu schät­zen ist. Papst Bene­dikt gebührt hier­für Dank, unein­ge­schränkt. Und wenn „Alt­gläu­bi­ge“ nach Rom pil­gern, um zu dan­ken, ist das zu begrü­ßen.
    Es darf jedoch nicht den Blick auf die Rea­li­tät ver­stel­len. Noch nie hat der Papst den über­lie­fer­ten Ritus zele­briert, kein ein­zi­ges Mal. „Das nach­ste Mal kommt er bestimmt“ So? Wer weiß das?
    Und was die Pius­bru­der­schaft anbe­trifft: Der Papst soll For­de­run­gen nach­ge­scho­ben haben, die wei­ter­ge­hen als sei­ne Ver­hand­lun­gen mit Erz­bi­schof Lef­eb­v­re.
    Doch Genau­es weiß man nicht. Alles ist unter Ver­schluss. Die Prä­am­bel und auch die Ver­hand­lun­gen der vati­ka­ni­schen Theo­lo­gen und der Theo­lo­gen der Pius-Bru­der­schaft, bei denen es kei­ne Ein­heit gab.
    Ich wür­de es hier nicht erwäh­nen, wenn nicht der Ein­druck erweckt wür­de, die Pius­bru­der­schaft sei „stör­risch“. Sie tren­nen nur nicht den Glau­ben von der Lit­ur­gie. Weil sie den Glau­ben bis 1962 ver­tei­di­gen, des­halb sind sie „drau­ßen“.

  2. „Sicht­lich zufrie­de­ner Kar­di­nal Cañizares: Prie­ster­be­ru­fun­gen kom­men heu­te aus Fami­li­en und Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on.“
    Das war schon immer so. Dort wo der Glau­be stark ist kom­men auch die Prie­ster. In Fami­li­en wo über die Jung­frau­en­schaft der Mut­ter Got­tes kon­tro­vers dis­ku­tiert wird, wird es wohl eher umge­kehrt sein.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  3. Ein wun­der­ba­rer Arti­kel, der die geschicht­li­chen Pro­zes­se in ein kla­res Licht rückt und die Ver­dien­ste der bei­den Bru­der­schaf­ten — und mit ihnen jene aller der Tra­di­ton ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten und Gläu­bi­gen — in rech­ter Wei­se wür­digt. Mögen schon bald alle der Tra­di­ti­on ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten, Prie­ster und Gläu­bi­gen — durch eine geeig­ne­te kirch­li­che Struk­tur geeint — wahr­haf­tes und unein­ge­schränk­tes Hei­mat­recht in der Kir­che besit­zen, damit sie unge­hin­dert und frei ihre sep­zi­fi­sche Spi­ri­tua­li­tät zum Segen und Heil für die gan­ze Kir­che leben kön­nen. Möge es dem Hei­li­gen Vater, dem gro­ßen Erneue­rer der Kir­che aus dem Geist der Tra­di­ti­on, ver­gönnt sein, die­sen von ihm ein­ge­lei­te­ten Pro­zess zu einem glück­li­chen Abschluss zu brin­gen. Dann ist die Stun­de da, wo das Tu es Petrus macht­voll und aus unge­teil­ten Her­zen erschallt und der Hei­li­ge Vater höchst­selbst in aller Öffent­lich­keit das Mess­op­fer im Ritus der Väter voll­zie­hen kann.

  4. Es wäre wohl­tu­end, wenn nicht immer wie­der die Pius­bru­der­schaft am Ran­de mit erwähnt wür­de, weil das in der Regel zu unge­nau ist. Weil ihre Posi­tio­nen zu dif­fe­ren­ziert sind, um neben­bei erwähnt zu wer­den. Sie wer­den dann ent­stellt, bana­li­siert. Und zurück bleibt das Bild der Stör­ri­schen, die es irgend­wann auch noch schaf­fen wer­den, oder der Zurück­ge­blie­be­nen, die es irgend­wann auch noch begrei­fen, dass sie sich dem Papst in jeder Fra­ge unter­ord­nen müs­sen.
    Das haben weder Erz­bi­schof Lef­eb­v­re, noch sei­ne Nach­fol­ger, noch sein Werk ver­dient. Und wahr­schein­lich unse­re katho­li­sche Kir­che auch nicht, die sich in einer Glau­bens­kri­se befin­det, die an die Sub­stanz geht. Dass nur die Pius­bru­der­schaft zu wis­sen scheint, dass man mit Her­me­neu­ti­ken die­ser Kri­se nicht Herr wird, ist ein Trau­er­spiel.
    Des­we­gen hat die „inte­grier­te Tra­di­ti­on“ trotz­dem Grund, dank­bar nach Rom zu pil­gern. Die Aus­brei­tung der Mes­se aller Zei­ten ist Grund genug.

    • Liebe/r cup­pa, die FSSPX wird in die­sem Arti­kel eben nicht nur am Ran­de erwähnt, son­dern ein­deu­tig als die Bru­der­schaft ange­spro­chen, der das allei­ni­ge Ver­dienst zukommt, die Tra­di­ti­on unver­fälscht durch alle Kon­zils­wir­ren hin­durch am Leben gehal­ten zu haben. Dafür hat sie Jahr­zehn­te Ver­fol­gung erlit­ten und ist geprüft wor­den wie Gold im Feu­er­ofen. Sie ein wich­ti­ges Glied, wenn nicht das wich­tig­ste, inner­halb der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten und könn­te somit zum Bin­de­glied und Motor für eine Erneue­rung der Kir­che aus dem Geist der Tra­di­ti­on wer­den. Dafür bedarf die Tra­di­ti­on einer geeig­ne­ten Struk­tur, die es ihr erlaubt, unge­hin­dert und ohne fal­sche Kom­pro­mis­se die Tra­di­ti­on inner­halb der Kir­che zu leben. Die­se Struk­tu­ren zu schaf­fen, ist die Bring­schuld Roms. Dazu „Ja“ zu sagen und den Schul­ter­schluss unter­ein­an­der zu suchen, ist die Bring­schuld der Tra­di­tio­na­li­sten. Erst dann kann ein neu­er Früh­ling für die Kir­che anbre­chen. Dann hät­te sich die Mis­si­on EB Lef­eb­v­res erfüllt.

  5. so kann man vie­les schön reden tat­sa­che bleibt der hl. Vater hat die Wall­fahrt nicht ein­mal igno­riert weder eine Audi­enz noch ein Wort beim gest­ri­gen Ange­lus Mgr Fel­lay hat nicht den gering­sten Anlaß beim „näch­sten mal“ anwe­send zu sein solan­ge das Motu pro­prio die Anner­ken­nung der Mes­se Paul VI vor­aus­setzt

  6. Ich dach­te, ich bin auf der fal­schen Web-Sei­te; dann rieb ich mir die Augen: ich war tat­säch­lich auf „katholisches.de“. Es ist ver­wun­der­lich, gera­de hier eine so ten­den­ziö­se Bericht­erstat­tung lesen zu müs­sen. Da wird von aus­blei­ben­den Früch­ten „nach­kon­zi­lia­ren Fehl­ent­schei­dun­gen“ geschrie­ben, und zwar als Fest­stel­lung, nicht als Mei­nung der Tra­di­tio­na­li­sten. Genau­so wird das „hei­li­ge Meß­op­fer“ zur „Mes­se aller Zei­ten“ hoch­sti­li­siert.
    Wer die Theo­lo­gie des 16. Jahr­hun­derts für maß­ge­bend hält, muss sich vor­hal­ten las­sen, dass er unge­schicht­lich denkt. War­um nimmt man nicht die urchrist­li­chen Mahl­fei­ern zum Vor­blild? Die Kir­che wird nicht geret­tet, indem man Zuflucht zu For­men und For­meln sucht, zu denen die mei­sten Gläu­bi­gen heu­te kei­nen Zugang mehr haben. Die Kir­che der Zukunft muss sich mehr an der befrei­e­n­en­den Bot­schaft des Evan­g­li­ums vom Reich Got­tes ori­en­tie­ren: „Nicht wer zu mir sagt ‚Herr, Herr‘, wird in das Reich Got­tes ein­ge­hen, son­dern wer den Wil­len mei­nes Vaters tut.“

    • „Die Kir­che wird nicht geret­tet, indem man Zuflucht zu For­men und For­meln sucht, zu denen die mei­sten Gläu­bi­gen heu­te kei­nen Zugang mehr haben.“
      Wenn mei­ne Erin­ne­rung nicht trügt waren die Kir­chen­be­su­che bei den alten For­men und For­meln ganz ein­deu­tig bes­ser bestückt.
      „Nicht wer zu mir sagt ‚Herr, Herr‘, wird in das Reich Got­tes ein­ge­hen, son­dern wer den Wil­len mei­nes Vaters tut.“
      Und das war vor über 2000 Jah­ren und gilt heu­te immer noch.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

    • @ magnus

      Wer die Mess­fei­er geschicht­lich ver­or­tet und denkt, leug­net den Hei­li­gen Geist, der das Dies­seits mit dem Ewi­gen ver­bin­det und umge­kehrt.

    • Oh, da wer­den vie­le ja erschrecken, wenn man ihnen vor­hält, daß sie „unge­schicht­lich den­ken“. Aber war­um soll­te „Geschicht­lich­keit“ ein sinn­vol­les Kri­te­ri­um für einen Katho­li­ken sein? Die Beschlüs­se aller fol­gen­den Kon­zi­li­en müs­sen sich an denen der vor­her­ge­hen­den mes­sen, das ist katho­li­sche Geschicht­lich­keit — und nicht umge­kehrt. Soll­te ein Fol­ge-Kon­zil von der ver­bind­li­chen Leh­re eines vor­her­ge­hen­den Kon­zils abwei­chen, dann wäre es kein katho­li­sches oder bes­ser öku­me­ni­sches Kon­zil mehr. Aber bezüg­lich der Lit­ur­gie hat das II. Vat. Kon­zil nur in vol­ler Über­ein­stim­mung mit vor­he­ri­gen Kon­zi­li­en beschlos­sen. D.h., kei­ne Hand­kom­mu­ni­on, kein Mahl­tisch, kei­ne Umkeh­rung der Zele­bra­ti­ons­rich­tung, kein Ver­schwin­den des Latein. Anschei­nend eben auch „unge­schicht­lich“, und damit Pech gehabt, II. Vat. Kon­zil …? Und die befrei­en­de Bot­schaft des Evan­ge­li­ums liegt in des­sen Wahr­heit, denn (nur) die „Wahr­heit wird euch frei machen“. Und die Wahr­heit ist nicht geschicht­lich, son­dern wahr.

    • Unge­schicht­lich dach­ten die Kon­zi­lia­ri­sten, als sie mein­ten, sie könn­ten unge­straft und über Nacht den Ritus der Latei­ni­schen Kir­che und mit ihm deren gesam­te Theo­lo­gie zusam­men­strei­chen und zugun­sten eines Öku­me­nis­mus opfern, der rein­stes Wunsch­den­ken war und blieb. Man schnitt die Kir­che Chri­sti qua­si von ihren Wur­zeln ab, was dazu führ­te, dass sie nun, fünf­zig Jah­re danach, gänz­lich ohn­mäch­tig und wie Treib­sand vom Zeit­geist hin und her gewor­fen wird. Sie hat ihre in Jahr­tau­sen­den erwor­be­ne kul­tur­prä­gen­de Kraft voll­stän­dig ver­lo­ren und durch die­se ana­chro­ni­sti­sche und naiv-idea­li­sie­ren­de Aus­rich­tung auf ein soge­nann­tes Urchri­sten­tum nur eines erreicht: zur dama­li­gen Bedeu­tungs­lo­sig­keit jener Chri­sten­sek­te zusam­men­ge­schnorrt zu sein. Das ist weni­ger aus macht‑u.kirchenpolitischen Erwä­gun­gen, sd. viel­mehr im Hin­blick auf das Heil der See­len und die Ver­kün­di­gung der befrei­en­den Bot­schaft des Evan­ge­li­ums, also den gott­ge­woll­ten heils­ge­schicht­li­chem Auf­trag, eine furcht­ba­re Kata­stro­phe!

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