P. Uwe Michael Lang kehrt nach London zurück – Wichtiger „Architekt“ der liturgischen Erneuerung verläßt Rom

(Vati­kan) Pater Uwe Micha­el Lang CO hat den Vati­kan ver­las­sen. Nach sei­ner Tätig­keit an der Römi­schen Kurie zog es den bekann­ten deut­schen Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­ler wie­der in sei­nen Kon­vent der Ora­to­ria­ner nach Lon­don zurück. Pater Lang gehört zu den wich­tig­sten Mit­ar­bei­tern Papst Bene­dikts XVI. bei des­sen lit­ur­gi­scher Erneue­rung der katho­li­schen Kir­che. Der 1972 in Nürn­berg gebo­re­ne Ora­to­ria­ner lei­ste­te gemein­sam mit ande­ren Per­sön­lich­kei­ten, wie Albert Mal­colm Kar­di­nal Ran­jith, dem heu­ti­gen Erz­bi­schof von Colom­bo, und Don Nico­la Bux, Kon­sul­tor der Glau­bens- und Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on und des Amtes für die Lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes seit 2007 unter ande­rem wesent­li­che Auf­bau­ar­beit bei der Durch­füh­rung des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum.

Seit 2007 an die Römi­sche Kurie beru­fen, wirk­te Pater Lang seit dem Früh­jahr 2008 an der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung. Im Sep­tem­ber 2008 wur­de er von Papst Bene­dikt XVI. zum Kon­sul­tor des Amtes für die Lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes ernannt. Seit dem sel­ben Jahr war er Dozent für Lit­ur­gie, Sakra­le Kunst und Archi­tek­tur an der frei­en Uni­ver­si­tà  Euro­pea und an der Päpst­li­chen Hoch­schu­le Regi­na Apo­sto­lo­rum der Legio­nä­re Chri­sti, bei­de in Rom. Im Stu­di­en­jahr 2011/2012 hielt er zudem Vor­le­sun­gen in Lit­ur­gie­ge­schich­te und Hagio­gra­phie am Päpst­li­chen Insti­tut für Christ­li­che Archäo­lo­gie in Rom. Pater Lang ist auch Mit­glied des Römi­schen Insti­tuts der Gör­res-­Ge­sell­schaft.

Pater Lang, der 1999 in Wien der Gemein­schaft der Ora­to­ria­ner bei­trat, gehört seit 2002 dem Lon­do­ner Ora­to­ri­um der Kon­gre­ga­ti­on vom Ora­to­ri­um des Hei­li­gen Phil­ipp Neri an. Die von Phil­ipp Neri in Rom gegrün­de­te Gemein­schaft von Diö­ze­san­prie­stern wur­de 1575 durch Papst Gre­gor XIII., der den Gre­go­ria­ni­schen Kalen­der ein­führ­te, aner­kannt.

Das Lon­do­ner Ora­to­ri­um ist in beson­de­rer Wei­se durch den seli­gen John Hen­ry Kar­di­nal New­man geprägt, der zu den zen­tra­len Gestal­ten der Kon­gre­ga­ti­on zählt und die­se erneu­er­te. Wie Kar­di­nal New­man ist auch Pater Lang ein Kon­ver­tit, der aus dem Pro­te­stan­tis­mus zur katho­li­schen Kir­che kon­ver­tier­te. Die Ora­to­ria­ner Eng­lands, wie auch jene in Wien, nicht aber jene in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, pfle­gen neben der ordent­li­chen Form des römi­schen Ritus in beson­de­rer Wei­se auch die klas­si­sche Form, die soge­nann­te Alte Mes­se. Pater Lang ist Autor zahl­rei­cher Ver­öf­fent­li­chun­gen zu Fra­gen der Lit­ur­gie, Lit­ur­gie­ge­schich­te und der Patro­lo­gie. In deut­scher Spra­che erschien unter ande­ren das Buch Con­ver­si ad Domi­num. Zu Geschich­te und Theo­lo­gie der christ­li­chen Gebets­rich­tung, mit einem Geleit­wort von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger (Neue Kri­te­ri­en 5), Johan­nes Ver­lag Ein­sie­deln, Frei­burg 2003, das seit­her vier wei­te­re Aus­ga­ben erleb­te.

Das vom heu­ti­gen Papst in beson­de­rer Wei­se emp­foh­le­ne Buch betont die theo­lo­gi­sche Bedeu­tung, aber auch die histo­ri­sche Ver­wur­ze­lung der gemein­sa­men Hin­wen­dung aller Gläu­bi­gen in der Lit­ur­gie zum Herrn hin, und das heißt Rich­tung Osten oder zumin­dest zum Kreuz. Die theo­lo­gi­sche Dimen­si­on der gemein­sa­men Gebets­rich­tung ging im Rah­men der nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form fast voll­stän­dig ver­lo­ren. Pater Lang geht es in sei­ner wis­sen­schaft­li­chen und prie­ster­li­chen Tätig­keit dar­um, gemein­sam mit Papst Bene­dikt XVI., die­se Dimen­si­on wie­der­zu­ent­decken und für die Kir­che zurück­zu­ge­win­nen.

Über die Grün­de der Ent­schei­dung von Pater Lang ist nichts bekannt. Wie sei­ner­zeit sei­ne Beru­fung nach Rom von tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Krei­se der Kir­che leb­haft begrüßt wur­de, wur­de nun sei­ne Rück­kehr nach Lon­don mit Bedau­ern zur Kennt­nis genom­men.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Rora­te Caeli/30Giorni

5 Kommentare

  1. Die­sem Bedau­ern kann ich mich nur anschlie­ßen. Irgend­et­was scheint sich zu ändern in Rom, und ich fürch­te, für tra­di­ti­ons­treue Katho­li­ken kom­men wie­der här­te­re Zei­ten.
    Hof­fent­lich sind die­se Befürch­tun­gen unbe­grün­det. Zu wün­schen wäre es alle­mal.
    Doch lang­fri­stig gehört der authen­ti­schen Tra­di­ti­on die Zukunft. Wie immer nach Got­tes Rat­schluss die Gestalt der katho­li­schen Kir­che dann auch aus­se­hen mag. Doch jetzt ist die Gegen­wart zu bestehen.

    • @Doch lang­fri­stig gehört der authen­ti­schen Tra­di­ti­on die Zukunft. Wie immer nach Got­tes Rat­schluss die Gestalt der katho­li­schen Kir­che dann auch aus­se­hen mag. Doch jetzt ist die Gegen­wart zu bestehen.

      Das glau­be ich auch. Denn ich mei­ne es wird eine Art über­na­tür­li­cher Katha­ris geben und ich mei­ne die ist auch von Gott zumin­dest zuge­las­sen. Die Ver­ir­run­gen die heu­te oft in katho­li­schen Krei­sen zu bemer­ken sind wer­den heu­te in brei­ten Krei­sen moniert. Sogar lan­ge schon von Gläu­bi­gen die nicht direkt aus der sog. „tar­di­tio­na­li­sti­schen Ecke“ kom­men. Was Rom angeht, da den­ke ich wir kön­nen Gott und sei­nem Ver­tre­ter unse­rem Hei­li­gen Vater voll ver­trau­en. Die las­sen nichts anbren­nen. Mit Sicher­heit. 😉

  2. @nicht aber jene in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, pfle­gen neben der ordent­li­chen Form des römi­schen Ritus in beson­de­rer Wei­se auch die klas­si­sche Form, die soge­nann­te Alte Mes­se.

    Waum über­rascht mich das jetzt nicht?

  3. es wird sich nichts ändern den eine „Reform der Reform“ wird es nicht geben daß man Gott und dem hl. Vater ver­trau­en soll hört man als Man­tra bereits seit den 70er Jah­ren als der NOM kam es ist schlicht blöd­sinn von die­sem Pon­ti­fi­kat ist nichts mehr zu erwar­ten

    • War­um so pes­si­mi­stisch? Zu aller­erst gibt es eine Ver­hei­sung Chri­sti. Die Kir­che hat weit schlim­me­re Pha­sen durch­ge­macht. Man den­ke an die Ver­wir­rung, als es drei Päp­ste gab.
      Mei­nes Erach­tens tut sich sogar aus­ge­spro­chen viel. Das Erschei­nungs­bild der Kir­che von 2012 ist doch in wesent­li­chen Din­gen anders als noch im Jahr 1985, ja kaum wie­der­zu­er­ken­nen. Da mag es schon sein, daß man­che Berei­che noch mehr im Argen lie­gen als damals, aber heu­te besteht Aus­sicht auf Ände­rung. Es ist ein Erneue­rungs­pro­zeß ange­sto­ßen wor­den, der fort­schrei­tet und das ist wun­der­bar.

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