Jungfräulichkeit in der Geburt — Zum Konflikt zwischen der FSSPX und Erzbischof Müller

von Klaus Obenau­er

„Steck dein Schwert in die Schei­de. Alle näm­lich, die das Schwert genom­men haben, wer­den durch das Schwert zugrun­de gehen.“ (Mt. 26,52)

Nur weil ich von ver­schie­de­ner Sei­te dar­um gebe­ten wor­den bin, neh­me ich Stel­lung zur Kon­tro­ver­se zwi­schen Erz­bi­schof Mül­ler, dem neu ernann­ten Prä­fekten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, und der Pius­bru­der­schaft, was das The­ma der Jung­fräu­lich­keit Mari­ens in der Geburt („vir­gi­ni­tas in par­tu“) angeht. Entspre­chend wäh­le ich das obi­ge Her­ren­wort zu mei­ner Losung und nicht als Mahn­spruch, der an ande­re gerich­tet sein soll.

Ich bit­te daher vor­ab um Nach­sicht für mei­ne Zurück­hal­tung, die den einen oder die ande­re irri­tie­ren mag.

1. Der Sachstand und die historischen Hintergründe

Schon die Pius­bru­der­schaft hat klar­ge­stellt, daß sie Erz­bi­schof Mül­ler nicht sel­ber einen Häre­ti­ker nennt, son­dern das, was er in sei­nem Dog­ma­tik-Hand­buch in Sa­­chen „virg­in­tas in par­tu“ vor­trägt, eine Häre­sie. Ich sage ganz klar: Erz­bi­schof Mül­ler ist nach dem, was sich uns in sei­nen Äuße­run­gen und Hal­tun­gen offen­bart, ganz sicher kein Häre­ti­ker. Denn: Das ein­deu­ti­ge Bekennt­nis zur Glau­bens­re­gel in deren for­ma­ler Ver­bind­lich­keit ist dem­nach unzwei­deu­tig vor­han­den, eben­so der ent­schie­de­ne Wil­le, ihr zu ent­spre­chen. Das Pro­blem ist im Gefäl­le von Dog­ma und Her­me­neu­tik des Dog­mas ange­sie­delt. Das Dog­ma sel­ber ist nicht die Streit­fra­ge, son­dern eben die Her­me­neu­tik des­sel­ben.

Selbst­re­dend kann eine Her­me­neu­tik des Dog­mas der­art will­kür­lich ver­fäl­schend sein, daß die Bekun­dung, der Glau­bens­re­gel unbe­dingt treu blei­ben zu wol­len, zum schie­ren Lip­pen­be­kennt­nis dege­ne­riert. Und tat­säch­lich – und hier wird´s dann span­nend – ist die Zen­sur der Pius­bru­der­schaft, wonach die in­kri­mi­nier­ten Aus­füh­run­gen im Dog­ma­tik­hand­buch zur vir­gi­ni­tas in par­tu häre­tisch sind, aus­weis­lich vie­ler unver­däch­ti­ger tra­di­tio­nel­ler Dog­ma­tik­ma­nua­li­en, ja der Stan­dards­en­tenz über die Jahr­hun­der­te hin­durch legi­tim. Allein: Die­se Legi­ti­mität ist nicht mehr unstrit­tig. Und sehr vie­les spricht dafür (sie­he unten!), daß dies lei­der nur de fac­to so ist. Nichts­de­sto­trotz muß man von die­ser Strit­tig­keit auf jeden Fall sagen, daß sie ein Aus­maß hat, das bedingt, daß die for­ma­le Or­tho­­doxie Mül­lers und aller, die ihm fol­gen, nicht suspekt wird.

Weder will ich mich mit die­sen Aus­füh­run­gen vor der Ein­deu­tig­keit drücken, noch will ich, aus wel­chen Grün­den auch immer, Erz­bi­schof Mül­ler „her­aus­pauken“. Der Hin­ter­grund ist nur dies: In der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts wur­de in Inns­bruck durch den ein­schlä­gi­gen Bei­trag Albert Mit­te­rers SJ eine (erneu­te) Dis­kus­si­on um die vir­gi­ni­tas in par­tu initi­iert. In Fra­ge stand – jeden­falls der Absicht nach – nicht das Dog­ma, son­dern die genaue Abgren­zung sei­nes Inhalts; ob zur wah­ren Jung­fräu­lich­keit Mari­ens auch „in der Geburt“ just jene kor­po­ra­len Sach­ver­hal­te (ana­to­mi­scher und phy­sio­lo­gi­scher Art) gehö­ren, die „kon­ven­tio­nell“ dar­un­ter sub­su­miert wer­den: Schmerz­frei­heit, kei­ne Öff­nung der Ge­burts­wege (inson­der­heit in bezug auf das Hymen), (u.U.) Aus­blei­ben der Nach­ge­burt; ob mit ande­ren Wor­ten der vol­le Sinn­ge­halt des Dog­mas ohne die­se „Ano­malien“ (selbst­ver­ständ­lich im neu­tra­len Sin­ne zu neh­men!) zu wah­ren sei. Do­kumen­tiert ist die­se Dis­kus­si­on unter ande­rem in dem bekann­ten Auf­satz „Vir­ginitas in par­tu“ Karl Rah­ners (abge­druckt in: Sämt­li­che Wer­ke 9, 653–678), auf den ja auch Mül­ler Bezug nimmt. Wäh­rend nun Mit­te­rer die The­se ver­trat, gera­de um der wah­ren Mut­ter­schaft Mari­ens wil­len müß­ten besag­te Ano­malien von der Bestim­mung der Jung­fräu­lich­keit in der Ge­burt ausgeschlos­sen wer­den (auf daß „Jung­fräu­lich­keit in der Geburt“ nichts ande­res besagt als die Geburt in bezug auf die jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis), be­schränkt sich Rah­ner im besag­ten Auf­satz dar­auf, den (frei­lich sei­nes Erach­tens) siche­ren Gehalt des Dog­mas ohne Rekurs auf die­se Ano­ma­lien zu benen­nen, ohne sich in der Sache selbst dage­gen ausspre­chen zu wol­len; wobei es ihm, im Unter­schied zu Mit­te­rer, oben­drein um einen eigen­stän­di­gen Sinn­ge­halt der vir­gi­ni­tas in par­tu zu tun ist, der nicht auf den Bezug zur jung­fräu­li­chen Emp­fäng­nis zu redu­zie­ren ist. Was nun Rah­ner dazu aus­führt, ist das, was in etwas ver­ein­fach­ter, weni­ger nuan­cierter Wei­se bei Mül­ler zu lesen ist; näm­lich in sei­ner Katho­li­schen Dog­matik (Son­der­auf­la­ge 2010, 497–499). – Aller­dings: Im Unter­schied zu Rah­ner im besag­ten Auf­satz scheint sich Mül­ler (hier eher wie Mit­te­rer) auf den Aus­schluß die­ser „Ano­ma­lien“, also der be­sag­ten ana­to­misch-phy­sio­lo­gi­schen In­haltsbestimmungen, fest­zu­le­gen: Der Wort­laut auf Sei­te 498 sei­ner Dog­ma­tik (mit eben den Sät­zen, an denen die Piusbru­derschaft Anstoß nimmt) scheint je­denfalls besag­te Inhalts­be­stim­mun­gen einer „gno­­­stisch-dua­li­sti­schen Mißdeu­tung“ zuzu­wei­sen. Damit geht er über Rah­ner hin­aus. Und damit wird er frei­lich auch objek­tiv angreif­ba­rer.

Nun gel­ten, mit Blick auf die „tra­di­tio­na­li­sti­schen“ Theo­lo­gen, Rah­ner und wohl auch Mit­te­rer kaum als unver­däch­ti­ge Garan­ten einer dem Dog­ma treu­en theo­logischen Dis­kus­si­on. Allein: Wie Rah­ner im besag­ten Auf­satz refe­riert (loc.cit., 653–656): Mit­te­rers The­se fand nicht nur Geg­ner, son­dern auch Re­zi­pien­ten, wennauch vor­sich­ti­ge Rezi­pi­en­ten. Und unter ande­rem erwähnt Rah­ner den wohl als unver­däch­tig gel­ten­den Lud­wig Ott. Ich bezie­he mich hier auf die elf­te und letz­te Auf­la­ge sei­nes berühm­ten Grund­ris­ses der Dog­ma­tik (Bonn 2005). Auf Sei­te 300sq. lesen wir dort: „Die nähe­re Bestim­mung, wor­in die jung­fräuli­che Unver­sehrt­heit in der Geburt nach der phy­sio­lo­gi­schen Sei­te be­steht, gehört nicht zum Glau­ben der Kir­che … Die theo­lo­gi­sche Erklä­rung bringt die körper­liche Unver­sehrt­heit bei der Geburt in Zusam­men­hang mit der Frei­heit von der unge­ord­ne­ten Begier­lich­keit. Die­se hat­te eine ein­zig­ar­ti­ge Herr­schaft der geisti­gen Kräf­te über die kör­per­li­chen Orga­ne und Vor­gän­ge zur Fol­ge. Dar­aus ergibt sich, daß sich Maria bei der Geburt Jesu voll­kom­men aktiv ver­hielt, wie es auch die hei­li­ge Schrift andeu­tet (Lk 2,7) … Die kör­per­li­che Un­ver­sehrtheit ist das mate­ri­el­le Ele­ment der Jung­fräu­lich­keit in der Geburt, wäh­rend das Feh­len se­xueller Affek­te das for­mel­le Ele­ment ist.“ – Ähn­lich äußer­te sich Alo­is Mül­ler im Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che (2. Auf­la­ge 1962, Band 7, 30).

Ich muß erneut um Nach­sicht bit­ten: Was ich hier vor­le­ge, ist kein wissen­schaftlicher Fach­auf­satz. Dazu müß­te sorg­fäl­ti­ge­re Recher­che­ar­beit gelei­stet wer­den. Aber die soeben ange­deu­te­ten Umstän­de schei­nen mir doch fol­gen­den Schluß zu er­lauben: Mül­lers Aus­füh­run­gen ste­hen in einer recht brei­ten Strö­mung der Gegen­warts­theo­lo­gie, deren Erstreckung bis hin zu ein­deu­tig unver­dächtigen Per­sonen reicht. Aller­dings kam es 1960 zu einem Moni­tum des Hei­ligen Offi­zi­ums, in der Dis­kus­si­on um die vir­gi­ni­tas in par­tu nicht Wege zu be­schreiten, die klar der über­lie­fer­ten Leh­re der Kir­che oder dem from­men Emp­finden der Gläu­bi­gen ent­ge­gen­ge­setzt sind. (Die­se Infor­ma­ti­on ver­dan­ke ich der Lek­tü­re von „Strai­ght ans­wers“ von Wil­liam San­ders: unter www.ewtn.de; unter AAS konn­te ich die­ses Moni­tum lei­der nicht veri­fi­zie­ren.) Jedoch beläßt es die­se Sen­tenz bei der Ambi­gui­tät: Die War­nung als sol­che spricht zwar sehr zu­gunsten des „kon­ven­tio­nel­len“ Ver­ständ­nis­ses, der Ver­zicht jedoch, den kon­kreten Inhalt durch ein­deu­ti­ge Zurück­wei­sung entspre­chender Sen­ten­zen zu schüt­zen, läßt dem neu­en Weg Mit­te­rer — Rah­ner (- Ott) hin­rei­chend Spiel­raum. Von daher kann aus die­sem Moni­tum sel­ber „unter´m Strich“ nichts gefol­gert wer­den. Und so hat sich fak­tisch erst ein­mal ein Kurs der still­schwei­gen­den Dul­dung durch­ge­setzt. – Und was den deut­schen Sprach­raum angeht: Wo man sich gegen­wär­tig über­haupt noch af­fir­ma­tiv auf den kirch­li­chen Glau­ben in Sa­chen „Jung­fräu­lich­keit Mari­ens“ ein­läßt (statt die­ses The­ma ein­fach zu umge­hen), geschieht dies wei­test­ge­hend auf der Linie Mitte­rer — Rah­ner. Von daher kann man zu kaum einem ande­ren Urteil kom­men, als daß Erz­bi­schof Mül­ler sal­viert ist; und zwar in einem Aus­maß, das über persön­liche bona fides, die man ihm noch zuge­ste­hen mag, weit hinaus­geht. Ich den­ke, die­se Fak­ten muß man ein­fach so hin­neh­men.

2. Zur Verbindlichkeit des traditionellen Verständnisses

Der auf­merk­sam Lesen­de merkt es an mei­nen Nuan­cie­run­gen: Es bleibt die un­erledigte Fra­ge, ob die­se (dog­men­ge­schicht­lich gese­hen) jüng­ste Strö­mung in der Bestim­mung der inhalt­li­chen Trag­wei­te der vir­gi­ni­tas in par­tu, wie sie sich sehr weit­ge­hend durch­ge­setzt hat, wirk­lich legi­tim ist. Dies, obgleich sie sich im Wind­schat­ten lehr­amt­li­cher Zurück­hal­tung bewegt, die näm­lich für sich nicht viel besagt, eher einer Ver­le­gen­heit Aus­druck gibt. Man kann eben auch an ein zeit­ge­schicht­lich be­ding­tes dog­men­her­me­neu­ti­sches Gast­spiel den­ken, das sich, bei Licht betrach­tet, nicht hal­ten läßt, auf daß es regel­recht vom Spiel­plan zu neh­men ist. Dem­nach ist der Aus­schluß der „kon­ven­tio­nell“ ge­lehrten kon­kreten (oben auf­ge­zähl­ten) kor­po­ra­len Umstän­de aus dem Gehalt der de fide (= als zum Glau­ben ge­hörig) zu hal­ten­den vir­gi­ni­tas in par­tu in Wahr­heit ille­gi­tim; mit­hin auch der Streit um die Qua­li­fi­zie­rung „de fide“ in bezug auf die­se Sach­verhalte. Dies frei­lich so, daß dem ein­zel­nen dar­aus kein Vor­wurf zu machen ist, wenn er sich die­se inzwi­schen fak­tisch weit­hin etab­lierte und gedul­dete Herme­neutik zu eigen macht.

Es wäre anma­ßend von mir zu beanspru­chen, ich könn­te hier mit mei­nen knap­pen Bemer­kun­gen gegen Rah­ners Argu­mentation zuun­gun­sten eben die­ser Qua­lifika­tion Rah­ner adäquat ent­geg­nen, eine Argu­men­ta­ti­on, die sel­bi­ger auf weni­gen Sei­ten in den­noch dog­men­geschicht­lich stu­pen­der Bele­sen­heit und dogmen­her­meneutischer Di­stinguiert­heit im oben erwähn­ten Auf­satz aus­brei­tet. Den­noch wage ich, „non sine ulla for­mi­di­ne alte­ri­us“ (nicht ganz ohne die Be­fürch­tung, ich könn­te Unrecht haben), die The­se, daß die­ser jün­ge­re dog­men­her­me­neutische Weg, der sich (allen vor­an) mit den Namen Mit­te­rer und Rah­ner ver­bindet, schlicht ille­gi­tim ist, besag­te Höchst­qua­li­fi­ka­ti­on („de fide di­vi­na et catho­li­ca“) also zutrifft: also nicht nur auf die vir­gi­ni­tas in par­tu, son­dern auch auf das besag­te ganz kon­kre­te kor­po­ra­le Ver­ständ­nis der­sel­ben; wenn es über­haupt einen Sinn macht, diesbe­züglich zu unter­schei­den. Und da­von ab­ge­se­hen: Mir stellt sich die Opti­on für die „kon­ven­tio­nel­le“ inhalt­li­che Aus­deu­tung als die „sen­ten­tia incom­pa­ra­bi­li­ter pro­balior“ („die ungleich pro­bablere Sen­tenz“) dar.

Eine patri­sti­sche Doku­men­ta­ti­on kann ich hier nicht lei­sten. Ich beschrän­ke mich von daher auf den schlich­ten Sach­ver­halt, daß mit Blick auf die Westkir­che, die mit dem gro­ßen Schis­ma von 1054 zur Allein­er­bin der Katho­li­zi­tät ge­worden ist, das patri­sti­sche Erbe ganz ein­deu­tig und (zumin­dest nahe­zu) ex­klu­siv rezi­piert wor­den ist im Sin­ne der kon­kret kor­po­ral ver­stan­de­nen vir­gi­ni­tas in par­tu, also im Sin­ne besag­ter „Ano­ma­lien“. Nur um der Illu­stra­ti­on wil­len wäh­le ich dazu drei Bei­spie­le: Ich set­ze ein mit dem hei­li­gen Tho­mas, dem Theolo­genfürsten. In der Sum­me behan­delt er die vir­gi­ni­tas in par­tu unter III, 28,2. Sein Stich­wort ist die „in-/cor­rup­tio“, die „Un-/Zer­stört­heit“ oder „Un-/Ver­­­letz­t­heit“. Und dabei faßt er die Ver­hält­nis­se bei Emp­fäng­nis und Geburt strikt paral­lel: wie ohne sol­che „Kor­rup­ti­on“ des Mut­ter­scho­ßes emp­fan­gen, so ohne sol­che „Kor­rup­ti­on“ des­sel­ben gebo­ren. Von daher ist es schon vom ersten An­satz her aus­geschlossen, die jung­fräu­li­che Geburt nach ihrer kon­kre­ten Kor­po­ra­li­tät min­der anzu­set­zen als die jung­fräu­li­che Emp­fäng­nis. Schließ­lich las­sen die Gegen­argumente 2 und 3 sowie deren Lösung nicht mehr den gering­sten Zwei­fel: Der zwei­te Gegen­ein­wand nimmt die moder­ne Anfra­ge vor­weg, ob der Her­vor­tritt „durch Ver­schlos­se­nes“ („per clau­sa“) nicht doch eine phan­ta­sti­sche, statt eine wah­re Geburt (an der ja fest­zu­hal­ten ist!) doku­men­tie­re. Tho­mas ant­wor­tet la­konisch: Die Mani­fe­sta­ti­on der Wahr­heit Chri­sti als des Gott-Men­schen ver­lange einer­seits die wah­re Geburt aus einer Frau (mit Blick auf den wah­ren Leib), an­dererseits die Geburt aus der Jung­frau auch in der Geburt (mit Blick auf die Gott­heit). Der drit­te Ein­wand behaup­tet, durch Ver­schlos­se­nes zu gehen, sei Impli­kat des ver­klär­ten Lei­bes (was Chri­stus bei sei­ner Geburt aber nicht zu­kam). In sei­ner Lösung lehnt Tho­mas den Ant­wort­vor­schlag, Chri­stus habe vor­über­ge­hend die Ver­klä­rungs­ga­be der Fein­heit („dos sub­ti­li­ta­tis“), die den kor­po­ra­len Wider­stand aus­schließt, ange­nom­men, ab, um auf ein eige­nes Wun­der „durch gött­li­che Kraft“ zu ver­wei­sen. Tho­mas sagt also nicht, es wer­de eine fal­sche Ant­wort auf eine fal­sche Fra­ge gege­ben, son­dern eine fal­sche auf die rich­ti­ge, näm­lich unter der kla­ren Vor­aus­set­zung, daß der Leib des Got­tes­soh­nes durch den ver­schlos­se­nen Schoß der Jung­frau her­vor­ge­tre­ten ist. – Fran­cis­co Suá­rez legt in der Dis­pu­ta­ti­on V,2 des zwei­ten Teils sei­nes Inkar­na­ti­ons­trak­tats (Ope­ra omnia 19, Paris 1866, 83–88) eine recht detail­lier­te Erör­te­rung der vir­gi­ni­tas in par­tu vor, die noch­mals auf ihre Wei­se doku­men­tiert, wie ernst man die be­sagten Ano­ma­lien nahm. – Als Ver­tre­ter schließ­lich der Neuschola­stik wäh­le ich mir den von mir sehr geschätz­ten Lou­is Bil­lot aus. Er behan­delt das Dog­ma von der Jung­fräu­lichkeit Mari­ens kurz und knapp in der 41. The­se von „De Ver­bo incar­na­to“ (Aus­gabe Rom 1895, 358–361). Gera­de aus der Feder die­ses sehr scharf­sin­ni­gen und klar­sich­ti­gen Den­kers besticht die lako­ni­sche Kür­ze folgen­der Sät­ze (in deut­scher Über­set­zung): „Und Jung­frau war sie so­wohl vor als auch nach der Ge­burt, da von einem Man­ne nicht erkannt; Jung­frau auch in der Geburt, da der Leib Chri­sti, der zu den Jün­gern bei ver­schlos­se­nen Türen ein­trat, mit der­sel­ben Macht aus dem ver­schlos­se­nen Mut­ter­schoß hin­aus­ge­hen konn­te.“ (Bil­lot über­nimmt hier bis in den Wort­laut die knap­pe Dar­le­gung aus dem Com­pen­dium theo­logiae des hl. Tho­mas im 225. Kapi­tel. Und wohl­ge­merkt: „mit der­selben Macht“ heißt nicht, Tho­mas und Bil­lot woll­ten sagen, Chri­stus habe bei der Ge­burt die Gabe der Fein­heit gehabt.) Also kurz und bün­dig: Zwi­schen „Jung­frau in der Geburt“ und „aus dem ver­schlos­se­nen Mut­ter­schoß“ steht das Gleich­heits­zeichen.

Ange­sichts die­ser über­evi­den­ten Tat­sa­che, wonach das Dog­ma von der virgi­ni­tas in par­tu eben im Sin­ne der Ano­ma­lien durch die Jahr­hun­der­te tra­diert wur­de, stellt sich mit Blick auf Rah­ners zwei­fels­oh­ne höchst gelehrt und sub­til ange­legte Erwä­gun­gen zur Dog­men­her­me­neu­tik die Fra­ge, ob man sich in jenem ma­riologischen Dis­kurs, wie er in den fün­zi­ger Jah­ren anhob, nicht doch schlicht auf die – ver­geb­li­che – Kunst ver­leg­te, die Gel­tung des Offen­kun­di­gen zu para­lysieren. Es scheint mir noch unter­trie­ben, daß Rah­ners Behaup­tung, das besag­te kon­kre­te Ver­ständ­nis der vir­gi­ni­tas in par­tu impli­zie­re noch nicht, daß die­se kon­kret inhalt­li­chen Fül­lun­gen ihrer­seits eben­so kon­sen­su­ell als Gegen­stand des Glau­bens gelehrt bzw. fest­ge­hal­ten wor­den wären (659–661), sehr bemüht wirkt. Es gibt ein­fach kei­nen Anhalt dafür, daß die­se Unter­schei­dung hier prag­ma­tisch Sinn macht: Man hat sich zur vir­gi­ni­tas in par­tu bekannt, und es war klar, daß damit jener Umstand gemeint ist, wonach Maria das Jesus­kind ohne die übli­chen Ver­let­zungserscheinungen und Ver­seh­run­gen zur Welt gebracht hat; so wie sie sich eben ana­to­misch und phy­sio­lo­gisch dar­stel­len.

Auch was Rah­ners Bemer­kun­gen zu den ein­zel­nen lehr­amt­li­chen Vor­ga­ben (656–658) angeht, legt sich im nach­hin­ein eher der Ein­druck nahe, hier wer­de eine Stra­te­gie der Para­ly­sie­rung aus erkennt­nis­lei­ten­dem Inter­es­se her­aus ver­folgt. Dies betrifft unter ande­rem die Later­an­syn­ode von 649, die gegen die Mo­notheleten unter Bestä­ti­gung der Lehr­po­si­ti­on des Maxi­mus Con­fes­sor abgehal­ten wur­de. Daß die im drit­ten Kanon (DS 503) gelehr­te „Inkor­rup­ti­bi­li­tät“ der Got­tes­mut­ter in der Geburt ihrem Gehalt nach nicht fest­ge­legt wer­de, scheint mir argu­men­ta­tiv nicht durch­schlä­gig für Rah­ners The­se: Die lehr­amt­li­che Aus­sage ist nach sehr pro­babler Aus­le­gungs­re­gel „sim­pli­ci­ter“ („ein­fach­hin“) zu neh­men, und das be­deutet: „unter Bei­be­hal­tung der vol­len kor­po­ra­len Integri­tät“. In die­sem schlich­ten Sin­ne ist dann auch die „Unauf­ge­löst­heit“ bzw. „Un­auflöslichkeit“ („in­dis­so­­lubiliter per­ma­nen­te vir­gi­ni­ta­te“) der Jung­fräu­lich­keit nach der Geburt zu neh­men. Rah­ners Zuge­ständ­nis (658), die Rede des Pap­stes auf dem­sel­ben Kon­zil do­kumentiere, daß Mar­tin I. die­se Unver­sehrt­heit eben im Sin­ne besag­ter Ano­malien ver­stan­den habe, legt ent­spre­chend eine Unterschei­dung von ver­pflich­tend gemach­tem Inhalt und des­sen kon­kre­ter Fül­lung zu­grunde, die an sich sinn­voll sein mag, für den vor­lie­gen­den Fall jedoch nicht nach­voll­zieh­bar ist. Die­se „Fül­lung“ war allem Anschein nach genau das, was mit „Unver­sehrt­heit“ gemeint war. Der Ver­dacht des Ver­su­ches einer „dis­cre­tio indis­cer­ni­bi­li­um“ (auf gut deutsch: Haar­spal­te­rei) legt sich hier mehr als nahe. – Und was die for­male Ver­bind­lichkeit die­ser Later­an­syn­ode angeht (657sq.): Sie und nicht das sech­ste Öku­me­ni­sche Kon­zil war der ent­schei­den­de Durch­bruch des dyothe­leti­schen Be­kennt­nis­ses, wonach die eine Per­son Chri­sti gemäß ihrer zwei Natu­ren auch zwei Wil­len hat, den gött­li­chen und den mensch­li­chen. Da­mit ist sie als Mark­stein der Leh­rent­fal­tung von kaum zu rela­ti­vie­ren­der Bedeu­tung: Auf die­ser Syn­ode hat­te sich der Römi­sche Stuhl fest­ge­legt, so daß ein gegen­tei­li­ger Ent­scheid auf Kon­stan­ti­no­pel nie­mals die römi­sche Zustim­mung gefun­den hät­te! Der Hin­weis dar­auf (sozu­sa­gen als letz­ter Flucht­weg), die­se Syn­ode sei nicht öku­me­nisch (sprich: kein gesamt­kirch­li­ches Kon­zil) gewe­sen, ist von daher mehr als dürf­tig.

Mit­hin: Ohne fun­dier­te­ren Urtei­len auf­grund ein­ge­hen­der Unter­su­chun­gen vor­greifen zu wol­len: Es legt sich der Ver­dacht nahe, daß bei jenem Paradigmen­wechsel ab Mit­te des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts in der Inhalts­be­stim­mung des Dog­mas von der vir­gi­ni­tas in par­tu, der sich allen vor­an mit den Namen Mit­te­rers und Rah­ners ver­bin­det, ein bestimm­tes gei­sti­ges Kli­ma Pate gestan­den hat­te. Dem­nach ging der sicher ehr­li­che Wil­le, das Dog­ma zu wah­ren, ein­her mit dem Bedürf­nis, „Ent­la­stun­gen“ zu schaf­fen von dog­ma­ti­schen Zumu­tun­gen, in denen der Fort­schritts­op­ti­mis­mus in vol­ler Fahrt nur Ent­le­gen­hei­ten erblicken konn­te; ein Fort­schritts­op­ti­mis­mus, der sich schwer tut mit der Durch­bre­chung welt­imma­nen­ter Gesetz­mä­ßig­kei­ten. Etwa im Sin­ne von: „Kann denn Maria nicht ganz nor­mal gebo­ren haben wie alle ande­ren Frau­en auch? Soll denn wirk­lich am weib­li­chen Hymen das katho­li­sche Dog­ma hän­gen?“ Ent­spre­chend sucht man nach den „tie­fe­ren“ und „eigent­li­chen“ Sinn­ge­hal­ten, wel­che die Pein­­lichkeit ver­meint­lich vor­der­grün­di­ger Kon­kret­hei­ten erspa­ren, um den­noch das Dog­ma wah­ren zu kön­nen, wo man doch jetzt erst zu sei­nem wah­ren Sinn vor­dringe bezie­hungs­wei­se letz­te­ren aus sei­nem Schlum­mer her­aus „reflex“ wer­­den las­se. In die­sem Sin­ne gab man sich bei Rah­ner und ande­ren der Illu­si­on hin, daß sozu­sa­gen jetzt erst (nach Hei­deg­ger etc.) das katho­li­sche Dog­ma „we­sent­­­lich“ wür­de. Daß man sich dabei der Gefahr aus­setz­te, das Offen­kun­di­ge mit Hil­fe un­haltbarer Haar­spal­te­rei­en und Sophis­men für unklar zu erklä­ren, über­sah man im Sog der eige­nen Ent­decker­freu­de.

Je mehr die­se Beob­ach­tun­gen und die­ses Urteil zutref­fen, desto mehr heben sie die Her­me­neu­tik des Dog­mas von der vir­gi­ni­tas in par­tu auf der Linie von Mit­te­rer, Rah­ner etc., was deren Legi­ti­mi­tät angeht, aus den Angeln. Desto mehr muß jenem Ver­ständ­nis des Dog­mas, wonach die besag­ten ana­to­misch-phy­si­o­­lo­­gi­­schen „Ano­ma­lien“ ihrer­seits zum Glau­ben gehö­ren (also „de fide“ sind), zu­ge­standen wer­den, de jure unstrit­tig zu sein.

3. Zum verstehenden Nachvollzug der virginitas in partu

Ich möch­te nun mei­ne Stel­lung­nah­me nicht der Öffent­lich­keit über­ge­ben ohne ein paar Hin­wei­se zur Sinn­ge­bung und zum nach­voll­zieh­ba­ren Ver­ständ­nis des Dog­mas. Die Argu­men­ta­ti­on des hei­li­gen Tho­mas zur Erhel­lung der Kon­ve­nienz des Sach­ver­hal­tes der vir­gi­ni­tas in par­tu (im kon­kret-kor­po­ra­len Sin­ne) mir ad hoc adap­tiv aneig­nend, möch­te ich sagen: Wenn Gott der Sohn, Heil und Er­lösung brin­gend, Mensch wird = Gott sein inne­res Wort, sei­nen Logos hei­­lend-ret­tend in die Welt hin­ein aus-sagt, ver­letzt er nicht. Ent­spre­chend kommt der Logos Got­tes sowohl beim Ein­tritt in den Schoß der Mut­ter (bei der Emp­fäng­nis) als auch beim Her­vor­tritt aus die­sem Schoß zur Welt ohne jene körper­liche Ver­seh­rung und Beein­träch­ti­gung, unter deren Vor­zei­chen die gewöhnli­che mensch­liche Fort­pflan­zung (bis hin zur Geburt) nun ein­mal steht; dahin­ge­hend, daß die­se Ver­seh­run­gen und Beein­träch­ti­gun­gen infol­ge des Sün­den­falls bestehen oder doch wenig­stens das Vor­zei­chen des De­fektiven an sich tra­gen bezie­hungs­wei­se auf­grund die­ser Defek­ti­vi­tät erst sol­che sind. (Damit will ich nicht das Gering­ste gegen die Sexua­lität und deren Voll­zug als Got­tes gute Schöp­fungs­ga­be gesagt haben; wie kei­nes­wegs ge­gen die unbe­fangene Freu­de im geord­ne­ten Gebrauch die­ses Gu­tes. Aber unge­ach­tet des­sen steht die sexu­el­le Fort­pflan­zung nach dem Sünden­fall unter einem sie ambiva­lent machen­den Vor­zei­chen, das dem mensch­lichen Umgang mit ihr noch vor­ausliegt.) Und des­halb: Ein­mal, als näm­lich das Heil der Welt sel­ber in die Welt als einer von uns ein­trat, durf­te es nicht „ganz nor­mal“ zuge­hen. Viel­mehr in einer Wei­se, wel­che den alten Äon über­win­det, den alten Äon, für den in sei­ner Hin­fälligkeit kaum etwas so „sym-bolisch“ ist wie die kon­kre­te Wei­se der Fort­pflan­zung mit ihren psychophysi­schen Versehrungs­erscheinungen. Damals, als das neue Gesetz be­gründet wur­de, derer, „die nicht aus dem Blut und nicht aus dem Wil­len des Flei­sches und nicht aus dem Wil­len des Man­nes, son­dern aus Gott gebo­ren sind“ (Joh 1,13). Nur die meta­physischen Nei­der, die alles auf das „Gemei­ne“ rück­buchstabieren wol­len, kön­nen wol­len, daß immer nur alles „ganz nor­mal“ zu­geht. Ich geste­he, daß es mich rührt, wenn ich öfters um die Weih­nachts­zeit in Rom auf dem Peters­platz die gro­ße Krip­pe sehe, wo uns die aller­se­lig­ste Jung­frau das wei­ße Laken ent­ge­gen­hält, in ihrer eige­nen seli­gen Er­griffen­heit davon, daß sie soeben das Licht der Welt ge­bo­ren hat, als wah­ren Men­schen, ohne daß es dar­in im gering­sten ver­letzt hät­te. – Damit kein Mißver­ständnis auf­kommt: Natür­lich nimmt das fleisch­ge­wor­de­ne Wort, nimmt Chri­stus in An­spruch, so in An­spruch, daß dies, in sei­ner Nach­fol­ge, gera­de nicht Leid und Tod aus­schließt. Und kon­kret gilt dies auch für die Jung­frau Maria. (cf. Lukas 2,35) Aber die­se Inan­spruch­nah­me, die Leid oder gar Tod ein­schließt, und zwar als von drit­ten Fak­to­ren bei­gefüg­te (!), ist etwas ande­res, als daß der gött­li­che Lo­gos sel­ber bei sei­nem erlö­sen­den Ein­tritt in die Welt ver­letzt.

Wie soll so etwas vor sich gehen? Eine wah­re, von Sei­ten der Mut­ter natür­li­che Geburt, aber auf nicht nor­ma­le Wei­se (ohne das Eröff­nen des Geburtska­nals, die Ver­let­zung des Hymen, ja ohne die Nach­ge­burt)? (Die Schmerz­frei­heit ist selbst kein Pro­blem.) Weit­hin ver­ord­nen sich die Autoren dazu Dis­kre­ti­on. Aber wenn ein Glau­bens­satz bezie­hungs­wei­se jene kon­kre­te Bestim­mung des­sel­ben, mit der er de jure steht und fällt, in sei­ner Ak­zep­tanz sol­chen Anfech­tun­gen aus­ge­setzt ist, die wohl mit zu sei­ner herme­neu­tischen Aus­dün­nung geführt haben, dann muß viel­leicht das dis­kre­te Schwei­gen ein­mal gebro­chen wer­den. Mit folgen­dem will ich daher auch nicht dem Vor­witz hul­di­gen, son­dern durch den Hin­weis auf tra­di­tio­nel­le Theo­re­me und die Ein­flech­tung eige­ner Über­le­gun­gen in etwa das ver­su­chen, was die angel­säch­si­schen Reli­gi­ons­phi­lo­so­phen „to give a model of“ nen­nen: Man prä­sen­tiert ein Modell für die Wei­se, wie sich ein be­stimmter Sach­ver­halt rea­li­siert, um durch die­sen Auf­weis der Andenk­bar­keit zu bele­gen, daß hier nichts Unsin­ni­ges ge­dacht, an­genommen etc wird. Es wird also nicht gesagt, wie es wirk­lich ist oder war, son­dern wie es andenk­bar ist, um in sei­nem wirk­li­chen Sein oder Ge­we­sen­sein annehm­bar zu erschei­nen. – Im ein­zel­nen: Fol­ge ich der instruk­ti­ven Dar­stel­lung bei Suá­rez (am besag­ten Ort), dann kommt ent­we­der (wie von Duran­dus gelehrt, jedoch mehr­heit­lich abge­lehnt) eine wun­der­ba­re Wei­tung der Ge­burtswege (ohne Rup­tur, eben auch des Hymens) in Fra­ge oder eine wunder­bare Anpas­sung des Kör­pers des Jesuskin­des oder schließ­lich eine Aus­wei­tung des Geburts­we­ges über die Vagi­na hin­aus, der­art, daß die Kör­per­tei­le der Jung­frau Maria (ein­schließ­lich des Hymens) ohne deren Ver­let­zung durch­schritten wer­den, also unter der wun­der­ba­rer Simultani­tät zwei­er Kör­per am sel­ben Ort. Letz­te­res scheint mir von den „ange­bo­te­nen“ klas­si­schen Ver­ste­hens­ver­su­chen der sinn­voll­ste. Die Wahr­heit der Geburt aus der Jung­frau Maria und so deren wah­re Got­tes-Mut­ter­schaft ist hier­bei dadurch sal­viert, daß zum Be­griff sol­cher Geburt nur die Ent­las­sung des aus­ge­wach­se­nen Fötus in die jetzt auch physiolo­gische Selb­stän­dig­keit gehört. Und dabei ist es eine wah­re natu­ra­le Geburt von Sei­ten der Mut­ter, wäh­rend es Got­tes Macht ist, die den wunderba­ren Aus­tritt ohne Ver­sehrung ermög­licht. Mei­ner­seits hege ich die Erwä­gung, daß die aus­bleibende Eröff­nung der Geburts­we­ge („aper­tio mea­tuum“: cf. STh III, 35,6 bei Tho­mas) im Sin­ne der irgend­wie gewalt­sa­men Ein­wir­kung zu neh­men ist, die sich dar­stellt als irgend­wie ver­let­zen­de Repres­sion des Umliegen­den in Gestalt von Auseinander-„Pressung“ und Zer­deh­nung; zumal Kar­di­nal Caje­tan im Kom­men­tar zur (soeben erwähn­ten) Stel­le (gemäß einer ande­ren Les­art) von der „Ge­walt der Eröff­nung der Wege“ („aper­tio­nis mea­tuum vio­len­tia“) spricht. Dem­nach wäre irgend­ei­ne exakt ange­paß­te „Wei­tung“ des Ge­burtskanals, aller­dings nicht gewaltsa­mer Art („dila­ta­tio mere adap­ti­va, sed in-vio­la­ti­va“), anzu­nehmen; und so erblick­te der Kör­per des Jesus­kindes (zu­gunsten der Wahr­heit natür­li­cher Geburt von Sei­ten der Mut­ter) auf just demsel­ben Wege wie wir das Licht der Welt, ohne sich sei­ner­sei­ti­gen (nicht unproble­matischen) Anpas­sun­gen unter­zie­hen zu müs­sen. Ich stel­le dies nur zur Disposi­tion, da ich mir nicht ganz sicher dar­über bin, ob ich damit mei­ner­seits dem Vollbe­stand des­sen gerecht wer­de, was nach der jahr­hun­der­te­lan­gen Tradi­tion zu wah­ren ist. Eini­ger­ma­ßen zuver­sicht­lich macht mich hier­bei, daß so ei­ner „dila­ta­tio in­viola­ti­va“ das ent­schei­dende Mo­ment der Kor­rup­ti­on abgeht, das allein den Ver­lust der korpora­len Jung­fräulichkeit aus­macht bzw. mit die­sem Ver­lust in sinn­vol­len Zusam­men­hang zu brin­gen ist. In bezug auf das Hymen den­ke ich mir im Rah­men die­ses Vor­schlags sowohl eine wun­der­sa­me Wei­tung, die mit besag­ter „dila­ta­tio mere adap­ti­va“ des Geburts­ka­nals untrenn­bar einher­geht, als auch vor al­lem eine wun­der­haf­te loka­le Simul­ta­ni­tät mit dem Kör­per des gebo­ren wer­den­den Gottessoh­nes: Erste­res ver­hin­dert die Rup­tur, letz­te­res die Per­fo­ra­ti­on. – Zur nähe­ren, an­satzweise Plau­si­bi­li­sie­rung des sol­cher­ma­ßen für sich allein Phanta­stisch Er­scheinenden gehe ich von fol­gen­der Erwä­gung aus, um damit erst zum Kern mei­nes „to give a model of“ zu kom­men: Nahe­zu alle die­se Ver­su­che, sich den Sach­ver­halt ver­ständlich zu machen, haben zum Angel­punkt die Auf­he­bung der Wider­stän­dig­keit des Kör­per­haf­ten. (Vgl. schon Suá­rez, ibd. n.13; loc. cit., 87) Die­se Wider­stän­dig­keit bedingt näm­lich sowohl, daß natür­li­cher­wei­se ein grö­ße­rer Kör­per sich nicht auf sich hin zurück­ziehen kann zugun­sten der Anwe­senheit am klei­ne­ren Ort, als auch, daß zwei Kör­per nicht orts­si­mul­tan sein kön­nen; als auch, daß eine Aus­wei­tung ab einem be­stimmten Grad eine Rup­tur mit sich bringt. Schließ­lich, was mei­nen eige­nen Vor­schlag angeht, bedingt die­se Wider­stän­dig­keit, daß bewe­gungs­haf­tes Ein­wirken eines ande­ren Kör­pers jene Repres­si­on des Umlie­gen­den besagt, die sich bei ent­spre­chen­der Nicht­ela­sti­zi­tät (wie beim Ge­burts­kanal im Unter­schied zur Gebär­mut­ter der Fall) als (irgend­wie ver­let­zen­de) Aus­ein­ander-„Pressung“ und Zer­deh­nung dar­stellt. Nun wis­sen wir aber heu­te, daß von den Ver­hält­nis­sen im mikro­phy­si­ka­li­schen Bereich her längst nicht jene Deter­mi­na­tio­nen für die Vor­gänge der phy­si­ka­lisch-kör­per­haf­­ten Welt gege­ben sind, die jene eher­ne Aus­nahmslosigkeiten begrün­den, wie sie für die makro­phy­si­­kalische Ebe­ne fak­tisch in Gel­tung sind (frei­lich von Got­tes Ein­grif­fen abge­sehen). Von daher: War­um soll der Kör­per des Jesus­kin­des zu sei­nem Aus­tritt aus dem Mut­ter­schoß nicht kraft der ihm per­son­haft geein­ten Gott­heit (also in instru­men­tel­ler Ursäch­lich­keit) dem Mut­ter­schoß (und ge­gebenenfalls angren­zen­den Mut­ter­leib) jene in den phy­sikalischen Gegeben­heiten begrün­de­te, aber von den mikrophysikali­schen Ge­gebenheiten her nicht ele­mentar zwin­gen­de Wider­stän­dig­keit genom­men ha­ben, wel­che den außeror­dent­lichen, in-kor­rup­ti­ven Aus­tritt gemäß der Band­breite mög­li­cher Vari­an­ten laut obi­ger Schil­de­rung bzw. Andeu­tung ver­hindert? (Die­se, frei­lich bloß vorüberge­hende, kor­po­ra­le Nicht­wi­der­stän­dig­keit wäre dann die leib­li­che Ent­sprechung zur geist­li­chen Nicht­wi­der­stän­dig­keit für die Emp­fäng­nis des Wor­tes im Gei­ste bzw. für die freie Zustim­mung zur leibli­chen Emp­fäng­nis des Wor­tes auf­grund der abso­lu­ten Sün­den­frei­heit der aller­seligsten Jung­frau von Anfang an.) Analo­ges gäl­te für die Selbstan­pas­sung (die man ja vom Menschge­worde­nen über sich ver­fügt den­ken kann mit instrumen­teller Wirk­sam­keit die­ser Ver­fügung kraft der Gott­heit). In eine mehr theologi­sche Arti­ku­la­ti­ons­wei­se in Karl Rah­ners Spra­che zurück­über­setzt, bedeu­tet dies für wun­der­sa­me gött­li­che Ein­griffe auf sei­ten der jung­fräu­li­chen Mut­ter: Das We­sen mensch­licher Leibhaf­tigkeit ist in der Di­men­sion sei­ner weib­li­chen Aus­prä­gung im tief­sten Ge­hor­samspotenz („poten­tia oboe­dientialis“) für das pas­si­ve Betrof­fen­sein von dem nicht-ver­le­t­­zen­den Ein­tritt des Got­tes­soh­nes als wah­rer Mensch in die Welt (ge­rade inso­fern die­se als zu erlö­sende genom­men ist). – Schließ­lich: Bei die­sem wun­der­ba­ren Vor­gang trennt sich das fleischge­wor­dene Wort bei sei­ner Geburt vom mater­na­len, unmit­tel­bar mit dem Fötus ver­binden­den Sub­strat ohne Verlet­zung, und zwar dahin­ge­hend, daß er die­ses Sub­strat eben­so wunderbarer­weise red­in­te­griert sein läßt in den Organis­mus der Mut­ter, so wie letz­te­rer zu deren indi­vi­du­el­lem Bestand in Funk­ti­on ist. Eine ausführli­che Erör­te­rung sowie Er­läuterung der Rei­hen­fol­ge die­ser Vor­gänge ist nun wirk­lich nicht mehr indi­ziert; ich hof­fe nur, damit auch noch einen einiger­maßen brauch­ba­ren Hin­weis in Sa­chen „Nabel­schnur“ und „Nach­ge­burt“ gege­ben zu haben.

Die­se umwe­gi­gen, hoch­wahr­schein­lich in man­cher Augen mehr als abwe­gi­gen Erwägun­gen sind ein Ver­such zur Plau­si­bi­li­sie­rung eben jener streng verstande­nen vir­gi­na­len Inkor­rum­piert­heit der Got­tes­mut­ter Maria auch in der Geburt, zu deren Be­griff dann eben die tra­di­tio­nell benann­ten ana­to­misch-phy­sio­lo­gi­schen Ex­zep­tionen besag­ter Art gehö­ren und die für mich zumin­dest „im drin­gen­den Ver­dacht“ steht, eben als so genom­me­ne zum unauf­gebba­ren Glau­bens­be­stand zu ge­hören. Ent­spre­chend wäre die Posi­ti­on Erz­bi­schof Mül­lers im Gegen­zug an sich als häre­tisch zu zen­su­rie­ren, die Pius­bru­der­schaft also im Recht. – An sich wohl­ge­merkt: Denn es muß die Fak­ten­lage berück­sich­tigt wer­den, wonach die Ansicht, die gegen­tei­li­ge Deu­tung des Dog­mas sei mög­lich, wie oben darge­stellt, fak­tisch einen gewis­sen offi­ziö­sen Sta­tus ange­nom­men hat, der es beizu­fügen gebie­tet, daß die Zen­sur „häre­tisch“ nicht „extra con­tro­ver­si­am“ ist, ein Sach­ver­halt, der jeden Ver­tre­ter die­ser Posi­ti­on erst ein­mal sal­viert (über das Zuge­ständ­nis von bona fides hin­aus). – Dog­men­ge­schicht­lich ist die­ser Fall nicht neu: Im 12. und 13. Jahr­hun­dert waren gemäß der enzy­klo­pä­di­schen Dar­stellung des Petrus Lom­bar­dus drei Theo­rien („tres opi­nio­nes“) zur nähe­ren Er­läuterung der Ein­heit der Per­son Chri­sti in den zwei Natu­ren bekannt. Wur­de die drit­te schon im zwölf­ten Jahr­hun­dert als hete­ro­dox ver­wor­fen, um im 13. ein­deutig als nicht mehr ver­tret­bar zu gel­ten, so setz­te sich mehr und mehr die „zwei­te“ durch, wäh­rend erst der rei­fe bis spä­te Tho­mas ent­deck­te, daß die alt­kirchlichen Kon­zi­li­en (allen vor­an das zwei­te Con­stantinopolitanum) die „erste Mei­nung“ ein­deu­tig als häre­tisch disqualifizie­ren bezie­hungs­wei­se die zwei­te als Glau­bens­satz aus­wei­sen (eine Per­son = ein Trä­ger zwei­er Natu­ren; eine aus zwei Natu­ren „zusam­men­ge­setz­te“ Hypo­sta­se). Sol­che zeit­wei­se wei­ter um sich grei­fen­de Irr­tü­mer über den Lehr­be­stand, die den einzel­nen des­halb nicht dis­kreditieren, sind also prin­zi­pi­ell mög­lich.

4. Zusätzliche Gesichtspunkte

Wenn­gleich ich mich somit in der Lage sehe, sowohl Erz­bi­schof Mül­ler als auch die Pius­bru­der­schaft, frei­lich jeden auf sei­ne Wei­se, ins Recht zu set­zen, so möch­te ich den­noch um der Sache wil­len – gera­de was die Aus­söh­nung der FSSPX angeht – noch ein klein wenig aus­ho­len. Immer­hin besagt das Ergeb­nis mei­ner Pro­blem­sich­tung, das ich frei­lich mit der gebo­te­nen Zurück­haltung vor­trage (aber nicht mit Rück­sicht auf die Per­son!), daß Mül­ler eine sach­lich un­haltbare Posi­ti­on ver­tritt; und zwar was den ver­bind­li­chen Lehrbe­stand betrifft. Und ein zusätz­li­ches Pro­blem ist damit gege­ben, daß er die gegen­tei­li­ge „An­sicht“, die ich als de fide ein­zu­stu­fen jeden­falls sehr geneigt bin, ziem­lich brüsk einer gno­sti­schen und somit ihrer­seits häre­ti­schen Mißdeu­tung zuweist; jeden­falls kann man sei­ne Aus­füh­run­gen auf Sei­te 498 sei­ner Dog­ma­tik kaum anders ver­ste­hen. Hier bestün­de dann schon Gesprächs­be­darf, zumal damit die Gefahr gege­ben ist, daß er sich im Recht sieht, sei­ner­seits die Linie Mit­te­rer — Rah­ner — Ott — Mül­ler als die allein legi­ti­me gel­tend zu machen.

In die­sem Zusam­men­hang ist dann auch auf das Pro­blem eines gewis­sen Her­meneutismus auf­merksam zu machen, wonach die „ver­heu­ti­gen­de“ Ausle­gung des Dog­men­be­stan­des ten­den­zi­ell die Ober­hand gegen­über der (gleich­wohl ge­wollten) kon­se­quen­ten Treue zum Wort­laut gewinnt; dies jedoch, was ger­ne über­se­hen wird, im Rah­men eines latent apo­lo­ge­ti­schen Duk­tus, der sich einer gewis­sen Beschwich­ti­gung bedient, um die­se jedoch in einem Gestus ins Spiel zu brin­gen, den man gleich­wohl als auto­ri­tär emp­fin­den kann. Dies nicht nur bei Mül­ler, jedoch gera­de auch bei ihm. Von daher möch­te ich noch knapp auf sei­ne Aus­füh­run­gen zur Euchari­stie ein­ge­hen, die von der Pius­bru­der­schaft eben­so inkri­mi­niert wer­den. Dazu hal­te ich mich jedoch an sei­ne Dog­ma­tik, wie sie 2010 sozu­sa­gen als sein „letz­tes Wort zur Sache“ ver­öf­fent­licht wur­de. Und dazu grei­fe ich bewußt die bei­den Klas­si­ker pro­gres­si­stisch-tra­di­tio­na­li­sti­scher Aus­ein­an­der­set­zung auf: Opfercha­rakter der Mes­se und Real­prä­senz.

Hier gäl­te es eigent­lich, die gan­ze Län­ge des Eucha­ri­stie­trak­tats bei Mül­ler zu wür­di­gen (680–713). Trotz­dem ent­hal­ten die „Per­spek­ti­ven einer Theo­lo­gie der Eucha­ri­stie“ (709–713), sozu­sa­gen als Quint­essenz des Syste­ma­ti­kers, wich­ti­ge Hin­wei­se zur Erschlie­ßung von Mül­lers Eucha­ri­stie­ver­ständ­nis. Was nun das The­ma „Meß­op­fer“ (709, 711) angeht, so mag ich alles in allem einen befriedi­genden Rea­lis­mus in der Ver­hält­nis­be­stim­mung Kreu­zes­op­fer — sakra­men­ta­le Hand­lung aner­ken­nen: „Die Eucha­ri­stie ist nichts ande­res als das Kreu­zes­op­fer im Modus sei­ner sakra­men­ta­len Gegen­wart, und zwar in der der Kir­che von Je­sus auf­ge­tra­ge­nen Sym­bol­hand­lung“ (709). An sich hät­te man sich aber kräfti­ge­re Aus­sa­gen dazu gewünscht, daß die Sakra­ments­voll­brin­gung („con­fec­tio sacra­men­ti“), kon­kret: in der Kon­se­kra­ti­on, in sich sel­ber wah­re Opfer­hand­lung ist (wenn­gleich dies nur im stren­gen Bezug auf das Kreu­zes­op­fer) und so (schon) die Früch­te des Kreu­zes­op­fers appli­ziert (vgl. dage­gen 711). Mül­lers „Mei­ster“ Karl Rah­ner war hier noch deut­li­cher. Noch in des­sen „Grund­kurs“ (Son­der­aus­ga­be Frei­burg 1984) fal­len die ein­deu­ti­gen Wor­te: „In die­sem von Jesus selbst gewoll­ten Nach­voll­zug des Abend­mah­les wird zugleich das blu­ti­ge Opfer Jesu Chri­sti am Kreuz gegen­wär­tig, weil ja Fleisch und Blut des leiden­den und ster­ben­den Got­tes­knech­tes als hin­ge­ge­ben und ver­gos­sen für ‚die Vie­len‘ prä­sent wer­den und nur als sol­che nach der Stif­tung Jesu selbst prä­sent wer­den kön­nen und weil die­se Gegen­wart des einen Opfers Jesu Chri­sti unter einer lit­ur­gi­schen Opfer-Hand­lung der Kir­che gege­ben ist. Somit ist die Eu­charistiefeier der Kir­che immer schon wirk­li­ches Mahl … und zugleich wirkli­ches Opfer“ (409). Ich ver­wei­se auch auf das Stich­wort „Meß­op­fer“ im „Klei­nen theo­lo­gi­schen Wör­ter­buch“ („unter einem Ritus, der selbst in der Dimen­si­on des Kul­ti­schen ein Opfer ist“!).

Zur Real­prä­senz: Der ent­schei­den­de Satz Mül­lers in besag­ten „Per­spek­ti­ven“ lau­tet: „In dem ana­lo­gie­lo­sen Fall der eucha­ri­sti­schen Real­prä­senz kommt es zu einer un­vergleichbaren Ein­heit und Unter­schei­dung von Brot und Leib Chri­sti“ (710). Trotz allem Pro­ble­ma­ti­schen an die­ser For­mu­lie­rung, noch mehr an ihrem Kon­text (und schließ­lich im Buch „Die Mes­se“): fai­rer­wei­se muß der zitier­te Satz erst ein­mal als Bekennt­nis zur Real­prä­senz gewich­tet wer­den (die „Unter­schei­dung“ wäre dann auf das objek­ti­ve Ver­blei­ben der Brots- und Weins­ge­stalt zu bezie­hen). Dies kann frei­lich, jeden­falls in der Per­spek­ti­ve des scho­la­stisch-dok­tri­nal Geschul­ten, nicht dar­über hin­weg­täu­schen, daß es sich gemäß den Er­fordernissen ei­gentlicher Rede, d.h. den Eigen­tüm­lich­kei­ten der Sache konse­quent ange­paß­ten Spre­chens („locu­tio pro­pria“) um eine alles ande­re als glückli­che For­mu­lie­rung han­delt. Zu einer sach­ge­mä­ßen Dar­stel­lung des katho­li­schen Eu­charistiedogmas in einem Lehr­buch reicht dies nicht aus. Oben­drein klingt die zitier­te For­mu­lie­rung in kaum bestreit­ba­rer Wei­se ten­den­zi­ös. Der Ein­druck ver­stärkt sich mit Blick auf die Bemer­kung, „der Glau­be an die Real­prä­senz“ resul­tiere u.a. „nicht aus … einer posi­ti­vi­sti­schen Unter­wer­fung unter die Auto­rität Chri­sti“ (710). Man ver­glei­che dazu nur das vier­te Kapi­tel im tridentini­schen Eucha­ri­stie­de­kret (DS 1642). – Ins­ge­samt ist es mei­nes Erach­tens nicht unge­recht, wenn man an Mül­ler die Fra­ge hat, ob er die Real­prä­senz nicht doch eher als eine dyna­mi­sche Ein­heit Chri­sti mit den Ele­men­ten kon­zi­piert, um dem schlich­ten wört­li­chen Sinn der Wor­te „Das ist mein Leib.“ qua „Das unter die­sen Gestal­ten Ent­hal­te­ne ist mein Leib.“ eher aus dem Wege zu gehen (cf. Tho­mas: III, 78,5).

Als Resü­mee: Auch in bezug auf die The­ma­tik „Eucha­ri­stie und Real­prä­senz“ reicht es nicht zu einem Häre­sie­vor­wurf an Mül­ler. Ver­hin­dert ist dies im we­sentlichen dadurch, daß Mül­lers Aus­füh­run­gen sich in einer eigen­tüm­li­chen Schwe­be zwi­schen dem ver­bind­li­chen Wort­laut des Dog­mas und einer sich da­von lösen­den Her­me­neu­tik hal­ten; eine Her­me­neu­tik mit latent apo­lo­ge­ti­schem Duk­tus zugun­sten der Anschluß­fä­hig­keit an die zeit­ge­nös­si­schen star­ken Spiri­tualisierungstendenzen (zumal in Sachen Real­prä­senz). Die zudem dezi­diert öku­me­ni­sche Ori­en­tie­rung tut das Ihri­ge.

5. Grundsätzlicheres zum Konflikt

Die­ses Resü­mee steht nun für mich nicht im luft­lee­ren Raum. Denn fest­zu­hal­ten bleibt eben die zu Lasten des Wort­lau­tes des Dog­mas über­bor­den­de Dogmen­her­meneutik, wel­ches Über­bor­den ich oben schon in das Stich­wort „Herme­neutismus“ gefaßt habe. Und die­ser ist nicht nur ein Signum der Theolo­gie Mül­lers, son­dern weit­hin der deutsch­spra­chi­gen Theo­lo­gie spä­te­stens nach dem Kon­zil (wenn­gleich hier und dort schon deut­lich vor­her). Von daher ist aber mit der recht star­ken deutsch­spra­chi­gen Prä­senz in der römi­schen Kurie, und zwar in Spit­zen­po­si­tio­nen (man den­ke nur an die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on), schon ein ge­wisser Anlaß zur kri­ti­schen Beob­ach­tung gege­ben. Ist zum Bei­spiel die angel­sächsische Theo­lo­gie mit ihren zum Teil ungleich stär­ke­ren An­knüpfungen an die scho­la­sti­sche, näher­hin tho­mi­sti­sche Lehrtradi­tion demge­gen­­über nicht pro­blematisch unter­re­prä­sen­tiert? – Vor allem aber, mit Blick auf die Auseinander­setzung mit der Pius­bru­der­schaft: Wenn nun ein­mal im Rin­gen um das Verhält­nis von Dog­ma und Her­me­neu­tik erste­res das unbe­dingt Maßge­bende ist, dann kann man kaum zu dem Schluß kom­men, die­se Bru­der­schaft und ihre Theo­lo­gen stün­den ins­ge­samt schlech­ter dar. Im Gegen­teil: In ganz zentra­len Fra­gen hal­ten sie den Maß­stab des rech­ten katho­li­schen Glau­bens ungleich zuver­läs­si­ger hoch als man­cher Theo­lo­ge in (auch römi­scher) Spit­zen­po­si­ti­on. Das muß in der kri­­tisch-sach­ge­mä­ßen Beglei­tung der Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen der FSSPX und den Inha­bern von Spit­zen­äm­tern an der römi­schen Kurie unbe­dingt im Auge behal­ten wer­den.

Und damit wage ich noch ein­mal einen Sprung zum Kon­zil: Denn auch es war in gewis­ser Wei­se ein her­me­neu­ti­sches Unter­neh­men. Jeden­falls ging es zu ei­nem ganz gro­ßen Teil um die „Über-Set­zung“ der Dok­trin und Pra­xis der Kir­che in das „Heu­te“, und in die­sem Zusam­men­hang um die prä­zi­se­re Umschrei­bung der Außen­be­zie­hun­gen mit Blick auf die Kom­ple­xi­tät der Ver­hält­nis­se. – Sicher muß hier dif­fe­ren­ziert wer­den: Nicht alles am Zwei­ten Vati­ka­num war ein­fach nur Her­me­neu­tik. Und gera­de bei rela­tiv hoch­ran­gi­gen Aus­sa­gen sehe ich auch kein Pro­blem in Sachen Anschluß­fä­hig­keit an die Tra­di­ti­on. Dies gilt gera­de auch für die Hier­ar­cho­lo­gie (ein­schließ­lich kon­se­quent papst-zen­triert verstan­dener Kol­le­gia­li­tät), in bezug auf die ich per­sön­lich den Opti­mis­mus hege, daß sich die Anstö­ße hier, rech­te Inter­pre­ta­ti­on vor­aus­ge­setzt, voll­stän­dig aus­räu­men las­sen. Aber je nie­der­ran­gi­ger die Erklä­run­gen anzu­set­zen sind, desto mehr ist das (im besag­ten Sinn) her­me­neu­ti­sche Vor­zei­chen des Kon­zils in Anschlag zu brin­gen. Und dies gilt dann gera­de auch für den Öku­me­nis­mus (ein Dekret, mit ins­gesamt jedoch mehr pro­gram­ma­ti­schem als dok­tri­na­lem Cha­rak­ter) und die Religi­onsfreiheit (eine blo­ße Erklä­rung). – Gera­de mit Blick auf den mäch­ti­gen deutsch­spra­chi­gen Ein­fluß auf dem letz­ten Kon­zil sehe ich hier schon einen Bo­gen zu dem, was ich oben „Her­me­neu­tis­mus“ genannt habe, geschla­gen. Und mit Blick auf die besag­te bedenk­li­che Gewichts­ver­la­ge­rung im Ver­hält­nis von Dog­ma und Her­me­neu­tik erscheint es mir schon eine frag­wür­di­ge Kon­stel­la­ti­on, wenn das kir­chen­amt­li­che Gegen­über der FSSPX in bezug auf höchst­ran­gi­ge Ver­tre­ter der Römi­schen Kurie einer Kon­fron­ta­ti­on gera­de auch mit der deutsch­spra­chi­gen nach­kon­zi­liä­ren Gegen­warts­theo­lo­gie gleich­kommt. Das ob­stinate Insi­stie­ren auf dem gan­zen Zwei­ten Vati­ka­num, und zwar samt Öku­mene und Religions­freiheit, er­scheint dann in einem ande­ren Licht. Es war Karl Rah­ner, der die Rede vom „frei­en Wort in der Kir­che“ präg­te: hier­mit erlau­be ich mir es. – Schluß­end­lich sei mir das persönli­che Be­kenntnis ge­stattet: Gera­de für den leb­haft Anteil neh­men­den Nachgebo­renen, der sich einen Sinn für Recht und Bil­lig­keit bewahrt hat und dabei kei­neswegs zur FSSPX ein distanz­los-un­­kri­ti­sches Ver­hält­nis hat, wäre es mehr als be­fremdlich, soll­ten jetzt die letz­ten Erben des Coe­tus inter­na­tio­na­lis aus dem Ring geboxt wer­den. Wäre es nicht Got­tes Kir­che, wür­de ich sagen: ich gebe mein Ein­tritts­bil­let zu­rück!

Dr. theol. Klaus Obenau­er ist Pri­vat­do­zent an der Katho­lisch-theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Bonn.

13 Kommentare

  1. Puhhh,
    ich bin noch nicht fer­tig. Aber dem Autor schon ein­mal ein ganz gro­ßes Dan­ke schön.

    Schon in einer Aus­ga­be von „Mario­lo­gi­sches“ bin ich auf den für mich son­der­ba­ren Sach­ver­halt gesto­ßen, daß

    die Jung­frau Maria und ihr Sohn Jesus nicht als para­die­si­sche Men­schen wahr­ge­nom­men und dem­entspre­chend ein­ge­ord­net wer­den.

    Des­wei­te­ren hal­te ich es für eine aus­ge­spro­che­ne Dumm­heit, Pri­va­tof­fen­ba­run­gen nicht auf ange­mes­se­ne (!) Wei­se ernst zu neh­men. Schließ­lich waren weder bei Mariä Ver­kün­di­gung, noch bei der „Ver­kün­di­gung an Moham­med“ Nota­re oder städ­ti­sche Urkunds­be­am­te anwe­send, die die Ereig­nis­se pro­to­kol­liert haben. Und trotz­dem sind bei­de welt­be­we­gend.
    Darf/muß man anneh­men, daß das Her­um­ge­eie­re um das Dog­ma und das „Über­se­hen“ von PO auf der sel­ben Ebe­ne lie­gen, wie auch bei der Auf­er­ste­hung. Hat Got­tes All­macht kei­ne Chan­ce gegen die Empi­rie?

  2. Soll­ten die „letz­ten Erben des Coe­tus inter­na­tio­na­lis aus dem Ring geboxt wer­den“, ich für mich weiß, was ich zu tun habe. Auch wenn es sehr weh tut.
    Aber noch ist es nicht so weit.
    Es reicht: Zwei „Kon­zilsher­me­neu­ti­ken“, wobei die „Bruch-Her­me­neu­tik“ zumin­dest den deutsch­spra­chi­gen Raum ein­deu­tig beherrscht. Mit allen üblen Früch­ten, die sich dar­aus erge­ben haben.
    Jetzt ist auch noch eine Her­me­neu­tik not­wen­dig, um den Glau­bens­prä­fek­ten ver­ste­hen zu kön­nen, um ihn nicht zu ver­däch­ti­gen, er ver­sto­ße gegen Leh­ren der Kir­che.
    Ist der katho­li­sche Glau­be nur noch eine Ange­le­gen­heit von Intel­lek­tu­el­len, von Theo­lo­gen? Muss man min­de­stens Diplom­theo­lo­ge sein, um über­haupt die Argu­men­ta­ti­ons­li­ni­en ver­ste­hen zu kön­nen, vom Glau­ben ganz zu schwei­gen?
    „Die Gläu­bi­gen sind ver­las­sen“, sag­te Erz­bi­schof Lef­eb­v­re ein­mal. Dar­an hat sich nichts geän­dert.

  3. Auch ich möch­te den Autor für sei­nen Bei­trag dan­ken.
    Möch­te aber den­noch Anfü­gen, das es in der heu­ti­gen Zeit lei­der üblich gewor­den ist nach dem Mot­to „und was nicht passt wird pas­send gemacht“ vor­zu­ge­hen. Und das betrifft nicht nur die Glau­bens­wahr­hei­ten (Dog­men) der Einen, Hei­li­gen, Katho­li­schen und Apo­sto­li­schen Kir­che zu, son­dern auch auf den „Hei­li­gen Wil­len Got­tes unse­res Herrn“ der uns allen in der „Hei­li­gen Bibel offen­bart wur­de.
    Man kann es aber zumin­dest leich­ter ver­ste­hen, wenn heut­zu­ta­ge die „Hei­li­gen Kom­mu­ni­on“ wie Kek­se aus­ge­teilt wer­den, wenn sogar sei­ne Exzel­lenz Erz­bi­schof Mül­ler schreibt oder bes­ser gesagt geschrie­ben hat.

    In Wirk­lich­keit bedeu­ten Leib und Blut Chri­sti nicht die mate­ri­el­len Bestand­tei­le des Men­schen Jesus wäh­rend sei­ner Lebens­zeit oder in der ver­klär­ten Leib­lich­keit. Leib und Blut bedeu­ten hier viel­mehr Gegen­wart Chri­sti im Zei­chen des Medi­ums von Brot und Wein.“

    Daher wäre nun eine öffent­li­che Rich­tig- Klar­stel­lung erfor­der­lich.

  4. Mei­ner Mei­nung nach über­geht die gan­ze Debat­te vor­schnell die eigent­li­che Defi­ni­ti­on der Jung­fräu­lich­keit. Auch gemäß St. Tho­mas ist die kör­per­li­che Inte­gri­tät in die­ser Hin­sicht nur akzi­den­ti­ell (ST II-II q.152 a.1 ad 3).

    Kann das Ein­tre­ten bzw. Nicht­ein­tre­ten eines (auch heils­ge­schicht­lich) völ­lig unbe­deu­ten­den kör­per­li­chen Zufalls irgend­wann im Leben der Got­tes­mut­ter tat­säch­lich Gegen­stand des gött­li­chen Glau­bens sein? Und wür­de es nicht wesent­lich kon­kre­te­rer lehr­amt­li­cher Defi­ni­tio­nen bedür­fen, um auch hin­sicht­lich die­ser kör­per­li­chen Akzi­den­tien letzt­gül­ti­ge Ver­bind­lich­keit her­zu­stel­len?

    • Im Zen­trum *mei­nes* Glau­bens steht Jesus Chri­stus, der durch sein Kom­men mich zur Erbin des Him­mel­rei­ches gemacht hat.
      Ist es denn ange­sichts des­sen wirk­lich soooo wich­tig, auf wel­che Wei­se er in die­se Welt ein­ge­ter­ten ist?
      Schei­nen hin­ter sol­chen „Pro­ble­men“ nicht Glau­bens­zwei­fel auf?

  5. @ Johan­nes P.
    Lan­ge habe ich auch so argu­men­tiert. Nur habe ich im Patch­work-Glau­ben damit ein Dog­ma geleug­net: § 5 Die immer­wäh­ren­de Jung­fräu­lich­keit Mari­ens. Maria war Jung­frau vor, in und nach der Geburt. De fide.
    L.Ott erklärt, dass die Jung­fräu­lich­keit Mari­ens die ste­te jung­fräu­li­che Gesin­nung, die Frei­heit von „unge­ord­ne­ten Regun­gen des geschlecht­li­chen Begeh­rens“ und die leib­li­che Unver­sehrt­heit ein­schließt. .„Das kirch­li­che Dog­ma bezieht sich zunächst auf die leib­li­che Unver­sehrt­heit“. (S. 298, 299).
    Auch wenn ich es noch unvoll­stän­dig ver­ste­he: Die Kir­che hat es als Dog­ma for­mu­liert. Stel­len wir ein Dog­ma in Fra­ge, war­um nicht gleich meh­re­re, die unmo­dern wir­ken. Das ist der Patch­work-Glau­be der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che, in die längst der theo­lo­gi­sche Rela­ti­vis­mus ganz selbst­ver­ständ­lich ein­ge­zo­gen ist.
    Ver­mut­lich hat die­se Leh­re mehr mit der Inkar­na­ti­on des Gott­men­schen zu tun, als mir bewusst ist. Ich wer­de lesen.

  6. Dem Autor vie­len Dank für sei­ne genau Aus­füh­run­gen. Er ver­tei­digt ja ganz wun­der­bar die tra­di­tio­nel­le Leh­re, auch wenn er selbst dem Dienst­be­trieb ver­pflich­tet ist, dem die­se in der Regel pein­lich ist.

    Ich bin auch dafür Erz­bi­schof Mül­ler von einer sub­jek­ti­ven Ver­ant­wor­tung für sei­ne The­sen frei­zu­spre­chen. Er hat sich ja nicht selbst zum Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on gemacht. Da liegt die Ver­ant­wor­tung lei­der bei jeman­den ande­rem. Und den soll­te man fra­gen, wie er das ver­ant­wor­ten kann.

    …und des­halb ste­he ich gefühl­mä­ßig lei­der auch dort wo „Cup­pa“ steht.

  7. Als Natur­wis­sen­schaft­ler akzep­tie­re ich die Jung­frau­en­geburt als Wun­der und brau­che kei­ne wei­te­ren tief­schür­fen­de Heb­am­men­be­trach­tun­gen. Karl Rah­ner, der ja von vie­len als ein wei­te­rer Kir­chen­va­ter betrach­tet wird, hat mei­nes Erach­tens in der Glau­bens­leh­re mehr Scha­den als Nut­zen ange­rich­tet. Wie soll man sol­che häre­ti­schen Fak­ten in Aus­sa­gen von Kir­chen­füh­rern denn sonst sehen: Leh­mann pre­dig­te, wäre eine Kame­ra bereits damals im Grab Jesu ange­bracht gewe­sen, hät­te sie kei­ne Auf­zeich­nun­gen von der Auf­er­ste­hung machen kön­nen! Zollitsch inter­pre­tier­te den Kreu­zes­tod Chri­sti als einen Akt der Soli­da­ri­tät.
    Und jetzt Mül­ler: Hat er, oder hat er nicht? Die dog­ma­ti­schen Eier­tän­ze tra­gen doch nicht zur Klä­rung, son­dern doch nur zur Ver­dun­ke­lung bei. Mal im Ernst, wer ist über­haupt an den Spit­zen der Kir­che dar­an inter­es­siert, die Pius­brü­der zurück­zu­ho­len?

  8. Dem Autor ist zwar zu dan­ken.
    Unbe­greif­lich ist jedoch sei­ne Scho­nung Mül­lers.
    Die­ser könn­te doch ein­fach wider­ru­fen. Dann wür­de sich die Unru­he in der Chri­sten­heit legen.
    Statt­des­sen tritt er mit bru­ta­ler Arro­ganz auf: „Man muss nicht auf jede Dumm­heit eine Ant­wort geben“ so Mül­ler.
    Auch wegen die­ser Aus­sa­ge ver­dient Mül­ler kei­ne Scho­nung, son­dern nur die kla­re katho­li­sche Kan­te!

  9. Zunächst auch ein­mal Dank an den Autor für den pro­fun­den Arti­kel!

    Eine Tat­sa­che die ger­ne und anschei­nend auch hier über­se­hen wird: Mül­ler geht klar über Ott hin­aus und lehrt etwas ande­res.

    Wäh­ren Ott zwar sagt, dass die genau­en Details (wel­che davon und wie genau…) nicht de fide sind bzw. die Kir­che hier kei­ne letzt­gül­ti­ge Ent­schei­dung vor­ge­legt hat, so bekräf­tigt er doch, dass das Dog­ma auf jeden Fall einen kör­per­li­chen Aspekt mit ein­schließt, dass es (auch) kör­per­li­che Unver­sehrt­heit meint (wie a. etwa der KKK dies sagt).

    Mül­ler hin­ge­gen schließt die­se kör­perl. Sei­te gänz­lich aus. Er sagt nicht, dass das ein o. ande­re Detail nicht ver­pflich­ten­der Glau­bens­in­halt sei, son­dern dass es hier schlecht­hin „nicht um abwei­chen­de phy­sio­lo­gi­sche Beson­der­hei­ten im natür­li­chen Geburts­vor­gang“ gehe. Damit haben wir also über­haupt kein leib­lich-phy­sio­log. Wun­der mehr u. kei­ne leib­li­che Unver­sehrt­heit. Er redu­ziert alles auf einen sozu­sa­gen „tie­fe­ren“, „spi­ri­tu­el­len“, nicht-bio­lo­gi­schen Sinn

  10. Und in der Tat, vgl. auch die Dis­kus­si­on etwa im Christ­li­chen Forum oder a auf ande­ren, engl.-sprachigen Sei­ten, zB:

    http://www.theanglocatholic.com/2012/07/more-commentary-on-gerhard-ludwig-muller-and-other-appointments/
    oder
    http://rorate-caeli.blogspot.com/2012/07/mgr-bux-on-muller-these-complainers-are.html

    auf http://renegadetrad.blogspot.ca/2011/12/our-ladys-virginity-in-partu.html
    habe ich fol­gen­des Zitat von Kard. Ratz­in­ger gefun­den — lei­der ohne Quel­len­an­ga­be (weiß jemand, wor­aus das ist?):

    „The cava­lier divor­ce of ‚bio­lo­gy‘ and theo­lo­gy omits pre­cise­ly man from con­si­de­ra­ti­on …The attempt to pre­ser­ve a spi­ri­tu­al, distil­led rema­in­der after the bio­lo­gi­cal ele­ment has been eli­mi­na­ted denies the very spi­ri­tu­al rea­li­ty which is the princi­pal con­cern of the faith in the God beco­me fle­sh.“

    Was ja genau auf Mül­ler zutrifft. — Wie­so die­ser dann von der glei­chen Per­son, wel­che die­se Kri­tik aus­ge­spr hat, zum Prä­fek­ten d Glau­bensk. gemacht wer­den kann, das ist e wirk­lich gute Fra­ge

  11. @H.P.Streibelt:
    „Leh­mann pre­dig­te, wäre eine Kame­ra bereits damals im Grab Jesu ange­bracht gewe­sen, hät­te sie kei­ne Auf­zeich­nun­gen von der Auf­er­ste­hung machen kön­nen!“

    Nun, das hat nicht nur Leh­mann so gesagt, auch bei sei­nem Schü­ler Ebf. Mül­ler fin­det man die­se Aus­sa­ge in sei­ner Dog­ma­tik — und laut Mül­ler bezieht sich das auch auf die spä­te­ren Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen: Weder Kame­ra noch Tie­re hät­ten Jesus auf­neh­men bzw. auch nur sehen kön­nen (so S. 300f. [1. u. 2. Aufl.; evtl. in spä­te­ren Aufl abw. Sei­ten­zahl])

    Mül­ler hul­digt ganz klar einer „Hyper­spi­ri­tua­li­sie­rung“ (vgl. oben im Obenau­er-Arti­kel „..zeit­ge­nös­si­schen star­ken Spiri­tualisierungstendenzen..“) — die, wie eben gepo­stet, von Ratz­in­ger selbst kri­ti­siert wur­de — obwohl sein eige­nes Werk „Einf. i d Chri­sten­tum“ eben­falls nicht frei davon ist, vgl. Abschn. zu Auf­er­ste­hung des Flei­sches.
    Nicht die FSSPX ist „kaphar­naistisch“, wie Bux meint, son­dern Mül­ler offen­kun­dig gnostisch-„hyperspiritualistisch“.

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