Wenn sich der Islam in Europa ausbreitet, „ist das auch Schuld der Kirche“

(Mai­land) Der ägyp­ti­sche-ita­lie­ni­sche Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te Mag­di Cri­stia­no Allam kri­ti­siert in einem gestern in der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Il Giorna­le ver­öf­fent­lich­ten Auf­satz die Isla­mi­sie­rung Euro­pas. Als „deut­li­chen Beweis“ nann­te er Staats­bür­ger euro­päi­scher Staa­ten, die zum Islam über­tre­ten. „Wuß­ten sie, daß es in Ita­li­en bereits 70.000 mos­le­mi­sche Staats­bür­ger gibt?“, fragt Allam in sei­nem Bei­trag. Die Gesamt­zahl der in Ita­li­en leben­den Mos­lems betra­ge laut Innen­mi­ni­ste­ri­um der­zeit mehr als 1.583.000. „Wuß­ten Sie, daß in Ita­li­en durch­schnitt­lich jeden vier­ten Tag eine neue isla­mi­sche Gebets­stät­te ent­steht?“

Mit­ver­ant­wort­lich für die­se Ent­wick­lung sei die katho­li­sche Kir­che, die das Phä­no­men „zu wenig ernst“ neh­me und „zu wenig“ den eige­nen Glau­ben und die Kul­tur Euro­pas „ver­tritt“ und „ver­tei­digt“. Vie­le katho­li­sche Prie­ster sei­en zu sehr dar­auf bedacht, „isla­misch kor­rekt“ zu erschei­nen, so Allam.

Aus­lö­ser für Allams Stel­lung­nah­me war eine Erklä­rung von Ezze­di­ne Elzir, dem Vor­sit­zen­den der Uni­on der Isla­mi­schen Gemein­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen in Ita­li­en. Elzir erklär­te, daß es in Ita­li­en „70.000 zum Islam Zurück­ge­kehr­te“ gebe. Laut Elzir bevor­zu­ge man es unter Mos­lems, nicht von Kon­ver­ti­ten zu spre­chen, son­dern von „Zurück­ge­kehr­ten“, weil es sich um eine „Wie­der­ent­deckung des wah­ren Glau­bens“ hand­le.

Die­se Stel­lung­nah­me brach­te Mag­di Cri­stia­no Allam auf. Statt den Mos­lems Chri­stus zu ver­kün­di­gen, ant­wor­te Euro­pa auf das Phä­no­men des Islams, der Reli­gi­on ernst­neh­me, mit „ver­stärk­tem reli­giö­sem Rela­ti­vis­mus“ so Allam. Das sei eine „Defen­siv­po­si­ti­on“, die „bereits im Ansatz eine Bank­rott­erklä­rung“ ent­hal­te.

Die Kir­che sol­le sich an Papst Bene­dikt XVI. aus­rich­ten und des­sen „Wor­te lesen und ernst­neh­men“. Bene­dikt XVI. habe mehr­fach in der „Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus“ das „ent­schei­den­de Übel der Zeit“ aus­ge­macht, das es „zu bekämp­fen“ gel­te. Die­se „Dik­ta­tur ver­langt, daß die Ver­nunft am Dach­bo­den ver­stau­ben soll“, so Allam, um behaup­ten zu kön­nen, alle Reli­gio­nen und Kul­tu­ren sei­en unab­hän­gig von ihren Inhal­ten gleich.

„Das elo­quen­te Bekennt­nis des reli­giö­sen Rela­ti­vis­mus steckt in der Lita­nei der ‘drei gro­ßen mono­the­isti­schen, abra­ha­mi­ti­schen Offen­ba­rungs­re­li­gio­nen, die alle den­sel­ben Gott anbe­ten wür­den“, so Allam. Die­ser „Irr­tum“ spieg­le sich im Ver­hal­ten nicht weni­ger Katho­li­ken, auch katho­li­schen Prie­stern wider, die „sich ein­bil­den“, um „die Mos­lem als Men­schen zu lie­ben, müß­ten sie bedin­gungs­los auch deren Reli­gi­on aner­ken­nen und den Islam legi­ti­mie­ren unab­hän­gig von der Tat­sa­che, daß er unver­ein­bar ist mit den unver­han­del­ba­ren Wer­ten von der Hei­lig­keit des Lebens, der glei­chen Men­schen­wür­de von Mann und Frau, der Reli­gi­ons­frei­heit jedes Men­schen“, so Allam.

„Wachen wir auf!“, so der Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te. „Der Islam ist schon in unse­ren Häu­sern. Befrei­en wir uns von der Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus und stop­pen wir die isla­mi­sche Inva­si­on! Wir müs­sen unse­re See­le wie­der­ent­decken und den Gebrauch der Ver­nunft wie­der­ge­win­nen.“

Mag­di Allam wur­de 1952 in Ägyp­ten als Sohn mos­le­mi­scher Eltern gebo­ren. Sei­ne Aus­bil­dung erfuhr er in katho­li­schen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen in Ägyp­ten. Sein Stu­di­um der Sozio­lo­gie absol­vier­te er in Ita­li­en und ent­schied sich in Euro­pa zu blei­ben. Als Jour­na­list arbei­te­te er für gro­ße ita­lie­ni­sche Tages­zei­tun­gen, zuletzt als stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur des Cor­rie­re del­la Sera in Mai­land. 2006 wur­de er Trä­ger des mit einer Mil­li­on Dol­lar dotier­ten Den-David-Prei­ses für Ver­stän­di­gung und Tole­ranz. Er kon­ver­tier­te zum katho­li­schen Glau­ben und wur­de in der Oster­nacht 2008 von Papst Bene­dikt XVI. getauft und die katho­li­sche Kir­che auf­ge­nom­men. Durch die Fern­seh­über­tra­gung der Oster­lit­ur­gie wur­de das Ereig­nis welt­weit bekannt und führ­te zu teils wüten­den Reak­tio­nen in der isla­mi­schen Welt. Seit 2009 ist er Mit­glied des Euro­päi­schen Par­la­ments. Gewählt wur­de er auf der Liste der ita­lie­ni­schen Christ­de­mo­kra­ten. Wegen deren Zusam­men­ar­beit mit der Par­tei des tür­ki­schen Mini­ster­prä­si­den­ten Erdogan grün­de­te Allam sei­ne eige­ne Par­tei. Im Euro­päi­schen Par­la­ment ist er Mit­glied der natio­nal­kon­ser­va­ti­ven, euro­pa­skep­ti­schen Frak­ti­on Euro­pa der Frei­heit und der Demo­kra­tie.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Mes­sa in lati­no

7 Kommentare

  1. Auch ich ken­ne eini­ge katho­li­sche Prie­ster, die alle „vom sel­ben Gott“ faseln. Von sog. „Katho­li­ken“ erst gar­nicht zu reden. Unter der Lei­tung unse­rer Hir­ten schau­feln wir uns unser eige­nes Grab. Und das der nach­fol­gen­den Genera­tio­nen gleich mit. Wenn schon Kle­ri­ker so dumm sind, dann soll­ten weng­stens die Frau­en in Euro­pa auf­wa­chen, demon­strie­ren und mis­sio­nie­ren. Denn sie und ihre Nach­fol­ge­rin­nen wer­den das alles aus­ba­den müs­sen. Dann ist defi­ni­tiv Schluß mit Gleich­be­rech­ti­gung und Eman­zi­pa­ti­on. Dann fängt für die Damen (wie­der) die Stein­zeit an.

    • Wer will denn was von euch? Küm­mert euch doch nicht um den Glau­ben ande­rer. Wich­tig ist, was wir glau­ben.

  2. @Quer: Die „Damen“ wer­den even­tu­ell mal das Züng­lein an der Waa­ge sein! Und außer­dem, was inter­es­sie­ren mich den irgend­wel­che Kon­ver­ti­ten? Nun, sehr wenig, denn nur wer zwei­felt, glaubt nicht rich­tig. Und schau­en Sie mal rüber zu Evan­ge­li­schen Kir­che, da ist es noch viel schlim­mer

    Zitat Bischof Bed­ford-Strohm: „Ich emp­fin­de es als tie­fe Berei­che­rung, wenn ich bei einer mul­ti­re­li­giö­sen Fei­er neben mei­ner eige­nen Glau­bens­tra­di­ti­on auch Musik, Tex­te und Gebe­te ande­rer Reli­gio­nen höre und dabei erfah­re, was ande­ren in ihrem Glau­ben und Leben wich­tig und wert­voll ist. Ich emp­fin­de das nicht als Ver­wi­schen der vor­han­de­nen Dif­fe­ren­zen, son­dern als Ein­la­dung zum Ver­ste­hen der Ande­ren und zur Wert­schät­zung der eige­nen Tra­di­ti­on. Die Begeg­nung mit dem Reich­tum ande­rer Glau­bens­tra­di­tio­nen – so habe ich es wie­der­holt erfah­ren – macht mich zu einem glück­li­che­ren Men­schen.“

    Tja, was hät­te Luther wohl dazu gesagt, er, der den Islam ver­teu­fel­te!

    B.

  3. Die „Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus“, bezo­gen auf Reli­gi­on und Kul­tur ist in fast allen euro­päi­schen Län­dern Staats­rä­son.
    Die­ser Rela­ti­vis­mus, aus­ge­drückt in der ekel­er­re­gen­den Anbie­de­rung an den Islam, wird sowohl von der katho­li­schen, als auch der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land in viel­fäl­ti­ger Art und Wei­se betrie­ben.
    Die­ser Rela­ti­vis­mus wird von allen Par­tei­en in der BRD, die wie eine ein­zi­ge lin­ke Block­par­tei (CSU/CDU/FDP/SPD/GRÜNE/PIRATEN/LINKE) agie­ren, und durch ihre Mas­sen­me­di­en, die eine höchst ten­den­ziö­se Bericht­erstat­tung im Sin­ne die­ser „Dika­tur des Rela­ti­vis­mus“ ver­brei­ten, der Bevöl­ke­rung als ein­zig wahr­haft rich­ti­ge Gei­stes­hal­tung indok­tri­niert.
    Hin­zu kommt die seit Jahr­zehn­ten von allen eta­blier­ten (EU) Par­tei­en focier­te Mas­sen­zu­wan­de­rung aus isla­mi­schen Staa­ten.
    Jed­we­de Abwei­chung von die­ser heuch­le­ri­schen, selbst­zer­stö­re­ri­schen und zer­set­zen­den Gei­stes­hal­tung wird besten­falls mit Dif­fa­mie­rung und schlimm­sten­falls mit roher Gewalt­an­wen­dung bestraft.

  4. Vie­le katho­li­sche Prie­ster sei­en zu sehr dar­auf bedacht, „isla­misch kor­rekt“ zu erschei­nen, so Allam. mE kann die­ses Ver­hal­ten der Chri­sten im All­ge­mei­nen als Chri­sten­fun­da­men­ta­lis­mus bezeich­net wer­den. Unter­drückt zu wer­den bedeu­tet ja: Zurück zum Ursprung (im Jah­re nul).

    • Mit Ver­laub, die­se Aus­sa­ge ist unhalt,- und trag­bar.

      Ein selbst­be­wuss­tes Sen­dungs­be­wußt­sein bis hin zum christ­li­chen Mär­ty­rer­tum im ursprüng­li­chen und heu­ti­gen Chri­sten­tum gleich zu set­zen mit der schänd­li­chen Anbie­de­rung an den Islam als Zei­chen feh­len­der Iden­ti­tät und feh­len­dem Glau­bens­be­kennt­nis zeugt von Reli­gi­ons­re­la­ti­vis­mus.

  5. Erst wenn der Ruck einer all­ge­mei­nen „Erweckung“ durch Euro­pa geht (das Glei­che gilt auch für die USA), wenn wir uns erin­nern der „Einen, hei­li­gen, katho­li­schen, apo­sto­li­schen Kir­che“, die im
    ersten Mil­le­ni­um allen Häre­si­en erfolg­reich Wider­stand lei­ste­te, wird es mög­lich sein, der her­auf-zie­hen­den „Pan­hä­re­sie“ des glo­ba­li­sie­ren­den Isla­mis­mus Herr zu wer­den. Erst wenn wir uns besin­nen, dass unser Herr und Hei­land, unser Schöp­fer, Erhal­ter, Erlö­ser Jesus Chri­stus ist, und
    nicht ein Papst, Welt­kir­chen­rat oder öku­me­ni­sti­scher Patri­arch, wird es gelin­gen, den fal­schen
    Gott Allah (von den Stein­an­be­tern in Mek­ka ver­ehrt) zu ent­lar­ven, und dem Himm­li­schen Vater,
    dem Ursprung der Aller­hei­lig­sten Drei­heit, die gebüh­ren­de Lie­be ent­ge­gen­zu­brin­gen. Die Ein­heit der Chri­sten darf kein „welt­li­ches“ Band sein, kei­ne „pol­ti­sche“ Kir­chen­front, son­dern
    muss ruhen auf Leben und Leh­re Chri­sti, den apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­tio­nen, den Beschlüs­sen
    der frü­hen öku­me­ni­schen Kon­zi­li­en und ihren Kano­nes.

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