„Ich bin ein Gegner der Erscheinungen, die von einer Strafe Gottes sprechen“

Ein Maulkorb für die Gottesmutter?

Stefano Cecchin, Vorsitzender der Päpstlichen Marianischen Akademie, bekräftigte in Mexiko Positionen, die wiederholt Gegenstand von Kritik waren, aber wiederzugeben scheinen, was derzeit im Vatikan gedacht wird.
Stefano Cecchin, Vorsitzender der Päpstlichen Marianischen Akademie, bekräftigte in Mexiko Positionen, die wiederholt Gegenstand von Kritik waren, aber wiederzugeben scheinen, was derzeit im Vatikan gedacht wird.

Der Vor­sit­zen­de der Päpst­li­chen Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Aka­de­mie, der Fran­zis­ka­ner Pater Ste­fa­no Cec­chin, erklär­te in einem Vor­trag Ende August in Mexi­ko wört­lich: „Ich bin ein Geg­ner der Erschei­nun­gen, die von einer Stra­fe Got­tes spre­chen“. Damit steht nicht nur die Fra­ge im Raum, wel­che bis­her von der Kir­che nicht aner­kann­ten Phä­no­me­ne auf die Ableh­nung des ober­sten vati­ka­ni­schen Mario­lo­gen sto­ßen, son­dern auch, wel­che aner­kann­ten Mari­en­er­schei­nun­gen Pater Cec­chin ablehnt.

Eini­ge Beispiele:

„Gott wird auf bei­spiel­lo­se Wei­se stra­fen. Wehe den Bewoh­nern der Erde! Gott wird sei­nen Zorn aus­gie­ßen, und nie­mand wird sich so vie­len Übeln, die gleich­zei­tig über uns her­ein­bre­chen, ent­zie­hen können.“

Unse­re Lie­be Frau von La Salet­te
19. Sep­tem­ber 1846

„Wenn ihr eine Nacht seht, die von einem unbe­kann­ten Licht erhellt wird, dann wisst, dass dies das gro­ße Zei­chen ist, das Gott euch gibt: dass er die Welt für ihre Ver­bre­chen bestra­fen wird – durch Krieg, Hun­gers­not und Ver­fol­gun­gen der Kir­che und des Hei­li­gen Vaters.“

Unse­re Lie­be Frau vom Rosen­kranz von Fati­ma
17. Juli 1917

„Damit die Welt sei­nen Zorn erkennt, ist der himm­li­sche Vater im Begriff, eine gro­ße Stra­fe über die gesam­te Mensch­heit zu senden.“

Unse­re Lie­be Frau von Aki­ta
3. August 1973

Cecchins Hal­tung ist schon län­ger bekannt, und er hat es erneut getan: Bru­der Ste­fa­no Cec­chin, Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Aka­de­mie (PAMI), der auch das von ihr abhän­gi­ge Obser­va­to­ri­um für Erschei­nun­gen und mysti­sche Phä­no­me­ne unter­steht, hat sich expli­zit als Geg­ner jener Erschei­nun­gen bezeich­net, die von Stra­fen sprechen.

Stra­fen sieht Pater Cec­chin offen­bar als siche­ren Beleg dafür, daß ein angeb­li­ches Erschei­nungs­phä­no­men nicht echt sei, son­dern ein „Werk des Teu­fels“. Das wur­de von der Kir­che aller­dings schon ein­mal anders gese­hen. Cecchins Posi­ti­on erin­nert an jene Vor­stel­lun­gen der Nach­kon­zils­zeit, wie sie Papst Fran­zis­kus in sei­nen Gesprä­chen mit dem Doy­en des lin­ken Jour­na­lis­mus und Frei­mau­rer Euge­nio Scal­fa­ri zuspitz­te: an eine Kir­che, in der Höl­le und Sün­de offen­bar kei­nen Platz mehr haben..

Am 28. August 2029 befand sich Pater Cec­chin in Gua­d­a­la­ja­ra in Mexi­ko, wo er den Vor­tragMaria und die Ver­tei­di­gung des Lebens“ hielt. Am Ende des Vor­trags wur­den die Anwe­sen­den, die dies wünsch­ten, mit einem Sakra­men­ta­le gesalbt, offen­bar mit Nar­den­öl. Bevor er mit der Sal­bung der Anwe­sen­den begann, gab Fra Cec­chin eine kur­ze Erklä­rung bezie­hungs­wei­se Kate­che­se. Bei die­ser Gele­gen­heit bekräf­tig­te er erneut sei­ne ent­schie­de­ne Abnei­gung gegen Erschei­nun­gen (im voll­stän­di­gen Video sie­he ab 01:10:42; jeden­falls folgt hier der für uns rele­van­te Aus­schnitt), die von Stra­fen Got­tes sprechen:

„…in den Kelch legen wir unse­re Sün­de. In den Kelch legen wir unse­re Krank­hei­ten. In den Kelch legen wir die schlech­ten Men­schen, die sich in unse­rer Umge­bung befin­den, denn Chri­stus ist am Kreuz nicht für die Hei­li­gen gestor­ben, son­dern für die Sün­der. Des­halb bin ich ein Geg­ner der Erschei­nun­gen, die von einer Stra­fe Got­tes spre­chen. Gott will nicht stra­fen – das sagt der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che –, Gott will alle ret­ten. Die Stra­fe, die Angst, ist das Werk des Teu­fels. Des­halb legen wir im Wein unse­re Sün­den nie­der, denn Chri­stus ist gestor­ben, um unse­re Sün­de aus­zu­lö­schen. Chri­stus ist gestor­ben, um unse­re Krank­hei­ten zu hei­len, und Chri­stus ist gestor­ben, um Frie­den zu schaf­fen und die Fein­de zu bekehren.“

Es wur­de von Kri­ti­kern bereits im Zusam­men­hang mit frü­he­ren Stel­lung­nah­men Cecchins fest­ge­stellt, daß die­se Denk­wei­se an der Spit­ze der Kir­che spä­te­stens seit dem berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kat vor­herr­schend sei, aber auch schon davor vor­han­den war. Es wur­de schon vor­ab befürch­tet, daß die­se Denk­wei­se auch den Aus­gangs­punkt, Antrieb und Maß­stab für die neu­en Nor­men für das Vor­ge­hen bei der Beur­tei­lung mut­maß­li­cher über­na­tür­li­cher Phä­no­me­ne bil­den könn­te – und so war es dann auch. Sie­he dazu auch die Anmer­kun­gen zu den neu­en Nor­men für den Umgang mit Pri­vat­of­fen­ba­run­gen von Titu­lar­bi­schof Mari­an Eleganti.

Was aber bedeu­ten die Aus­sa­gen des for­mal ober­sten Mario­lo­gen des Vati­kans, wonach Erschei­nungs­phä­no­me­ne, die von Stra­fen spre­chen, „abso­lut falsch“ und ein „Werk des Teu­fels“ sei­en, wie er es nun in Gua­d­a­la­ja­ra wie­der­hol­te? Sind damit auch die Aner­ken­nun­gen älte­rer Mari­en­er­schei­nun­gen – etwa der ein­gangs zitier­ten – zu über­den­ken und neu zu beurteilen?

Eines scheint jeden­falls klar: Der Hei­li­ge Stuhl wür­de die­se Erschei­nun­gen auf­grund der neu­en Nor­men heu­te nicht mehr als über­na­tür­lich aner­ken­nen, weil er nach eige­ner Erklä­rung zu einer sol­chen Fest­stel­lung gar nicht mehr imstan­de sei. Man muß es ein­fach sagen: Was für ein Armuts­zeug­nis und was für eine Selbst­auf­ga­be! La Salet­te, Fati­ma und ande­re aner­kann­te Erschei­nun­gen könn­ten heu­te allen­falls noch die höch­ste Stu­fe eines „nihil obstat“ erhal­ten – und selbst damit wäre kei­ne Aner­ken­nung ihres über­na­tür­li­chen Cha­rak­ters ver­bun­den. Fest­ge­stellt wür­de ledig­lich, daß sich aus ihnen gute Früch­te zei­gen und daß sie nichts ent­hal­ten, was dem Glau­ben oder der Leh­re der Kir­che widerspricht.

Und so legen die aktu­el­len Ent­schei­dungs­trä­ger der Kir­che der Jung­frau Maria einen Maul­korb an.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

10 Kommentare

  1. Als ob unser himm­li­scher Vater nicht gerecht wäre und zürnt, straft wenn es ange­bracht ist. Was der Kri­ti­ker von sich gibt ist nich katho­lisch, nicht bli­bisch. Kann weg.

  2. Zunächst ist etwas bemer­kens­wer­tes gesche­hen. Unter den got­tes­fürch­ti­gen Katho­li­ken hat sich ein Kanon der wich­ti­gen Mari­en­er­schei­nun­gen erge­ben. Es ist nicht mehr nötig, sie nament­lich auf­zu­zäh­len. Die­ses dem Got­tes­vol­kes inne­woh­nen­de Wis­sen ega­li­siert jeg­li­che Ver­su­che der syn­oda­len Kir­che, Ein­fluss zu neh­men. Ste­fa­no Cec­chin ist überflüssig. 

    Dann weiß die­ser Mann weder, wer Chri­stus ist, noch, was der Kelch bedeu­tet. Ich wür­de davon abra­ten, sich über­haupt mit sei­nen Aus­sa­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Es ver­wirrt nur. Mögen Blin­de die Blin­den führen. 

    Die Mut­ter Got­tes hat gesagt, Gott straft. Damit ist das The­ma been­det. Wie das Gericht abläuft, erlebt jeder jeden Tag stär­ker. Die im Hafen des Glau­bens sind geschützt. Noch bes­se­rer Schutz ist täg­li­ches Lesen der Bibel.

  3. Sie stop­fen sich die Ohren, blen­den sich selbst und hal­ten lei­der nicht den Mund, statt­des­sen ver­pe­sten sie mit ihrem Geschwätz.

  4. Die moder­ne Kir­che leug­net die Got­tes­mut­ter als Mitt­le­rin aller Gnaden.
    Die mut­ter­got­tes wird mar­gi­na­li­siert wo es nur geht, logisch ihr Sohn ist ja auch nach dem Sche­ma der Reli­gi­ons­frei­heit nur noch einer unter vie­len Die zum Heil führen.
    Die Got­tes­mut­ter hat im 3. Geheim­nis von Fati­ma genau vor die­sem Kon­zil gewarnt.

  5. Dann war die Zer­stö­rung von Sodom und Gomor­rha wohl ein Pasto­ra­lirr­tum? Aber ein Not­stand an der Kir­chen­spit­ze ist natür­lich aus­ge­schlos­sen und die Leh­re ent­wickelt sich…

  6. Das betrifft weni­ger Maria und Erschei­nun­gen, als viel­mehr die gesam­te katho­li­sche Leh­re. In der Hei­li­gen Schrift wer­den in so ziem­lich allen Büchern Stra­fen ange­kün­digt oder ange­droht. Gebo­te Got­tes hal­ten oder nicht. Stra­fe oder Segen. Von Moses bis zu den Offen­ba­run­gen. Kein Pro­phet ohne Droh­re­den. Selbst Jesus hat­te Droh­re­den. Nicht nur Maria und Mari­en­er­schei­nun­gen, son­dern die gesam­te Hei­li­ge Schrift und alle katho­li­sche Über­lie­fe­rung der­ar­tig ad absur­dum zu füh­ren, dazu gehört schon etwas. 

    Es wird Zeit, auf­zu­ste­hen. Auf­zu­ste­hen und klar zu sagen: SO NICHT. 

    Sur­ge, prope­ra amica mea, colum­ba mea, for­mo­sa mea, et veni.
    Jam enim hiems tran­si­it, imber abi­it, et recessit.
    Flo­res apparu­erunt in ter­ra nost­ra, tem­pus puta­tio­nis adve­nit: vos tur­tu­ris audi­ta est in ter­ra nostra.
    Capi­te nobis vul­pes par­vu­las, quae demo­li­untur vine­as: nam vinea nost­ra floruit. 

    Steh auf, eile, mei­ne Freun­din, mei­ne Tau­be, mei­ne Schö­ne, und komm!
    Denn der Win­ter ist schon vor­über, der Regen hat auf­ge­hört, und ist vergangen;
    Die Blu­men sind erschie­nen in unse­rem Land, die Zeit des Beschnei­dens ist gekom­men; die Stim­me der Tur­tel­tau­be hat man gehört in unse­rem Land.
    Fangt uns die klei­nen Füch­se, wel­che die Wein­ber­ge ver­wü­sten; denn unser Wein­berg steht schon in der Blüte.

    Hohe­lied, 2.10–12; 15.

    _​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​
    Aus der Allio­li-Bibel (AD 1840) eini­ge Zei­len aus den Fuß­no­ten zu die­ser Stelle:

    Im höhe­ren Sinn for­dert der gött­li­che Bräu­ti­gam mit die­sen Wor­ten sei­ne Kir­che, alle sei­ne erkauf­ten See­len auf, sich los­zu­ma­chen von der Erde, Fort­schrit­te auf dem Wege der Tugend zu machen (Phil. 3, 13. 14.) und sich sei­ner Per­son selbst zu nahen, damit er sie auf die Stu­fe der Voll­kom­men­heit brin­gen kön­ne (Ps 83, 6.) 

    Dies sind noch Wor­te der Braut, die sie selbst spricht. Da sie als Hüte­rin des Wein­ber­ges viel besorgt war, die Füch­se vom Wein­berg fern zu hal­ten; sie ruft den Hütern zu, die Füch­se zu fangen.

    Die Füch­se sind in der Schrift (Ezech. 13, 4.) Bild der fal­schen Pro­phe­ten. Daher ver­ste­hen die hei­li­gen Väter im höhe­ren Sin­ne die Irr­leh­rer dar­un­ter, die mit­telst ihrer listi­gen Kün­ste unter dem Schein der Fröm­mig­keit und Recht­gläu­big­keit die Rein­heit des Glau­bens beflecken. Die Braut (der Bräu­ti­gam) for­dert alle auf, die­se schäd­li­chen Fein­de aus dem Wein­ber­ge Got­tes zu entfernen. 

    … Die­se Wor­te deu­ten im höhe­ren Sinn auf die inni­ge Ver­bin­dung Chri­sti mit sei­nen See­len, auf sei­ne unauf­lös­li­che Ver­ei­ni­gung mit der Kir­che hin, von wel­cher der Apo­stel spricht. (Eph. 5, 23–32) Die Füch­se, die listi­gen Fein­de der Kir­che, mögen immer einen Teil der Gläu­bi­gen irre machen; die Kir­che selbst kön­nen sie Chri­sto nicht ent­rei­ßen; denn bei­de sind unauf­lös­lich ver­bun­den. (Vgl. Osee 2, 19.20)

    In die­sem Sin­ne: Auf, laßt uns die Füch­se fangen.
    Mit Wor­ten, wie die hei­li­gen Engel Gottes.

    • Ja, die­se Stel­le aus dem Hohe­lied könn­te tat­säch­lich der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on ent­spre­chen. Ich schät­ze die Allio­li-Bibel sehr. Beson­ders das alte Testament.

  7. Die „Stra­fen Got­tes“ sind ja kein Selbst­zweck, son­dern sol­len zu BUße und Umkehr und einem gott­ge­fäl­li­gen Leben füh­ren. Wer dar­in ein Pro­blem sieht, hat die Hl. Schrift nicht gele­sen oder will die­se inhalt­lich absicht­lich ver­än­dern. Man den­ke an die Geschich­te von Jona und Nini­ve. Die Stra­fe wur­de ange­kün­digt, aber Nini­ve bekehr­te sich und hat­te sich damit geret­tet. Jesus sel­ber kün­dig­te den Unter­gang Jeru­sa­lems an usw.
    Da muß bei man­chen Hoch­wür­den anschei­nend noch viel kapiert wer­den. Die Hl. Schrift paßt sich der Welt eben nicht an.

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