Kardinal Meisner läßt „Pille-danach“-Kritikern antworten – mit einer Antwort, die keine ist


(Köln) Der Erz­bi­schof von Köln, Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner, ließ Kri­ti­kern ant­wor­ten. Kri­ti­siert wur­de mit einer Pro­test-Mail-Akti­on gegen des­sen umstrit­te­ne Ent­schei­dung, die „Pil­le danach“ ohne abtrei­ben­de Wir­kung unter bestimm­ten Auf­la­gen zu bil­li­gen und an katho­li­schen Kran­ken­häu­sern in Nord­rhein-West­fa­len und Rhein­land-Pfalz aus­ge­ben zu las­sen. Lebens­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen und katho­li­sche Ärz­te spre­chen von einer „Phan­tom-Pil­le“, weil bei jeder bis­her bekann­ten „Pil­le danach“ eine abtrei­ben­de Wir­kung nicht aus­ge­schlos­sen wer­den könne.

Meis­ner, dem die deut­sche Bischofs­kon­fe­renz am 21. Febru­ar gefolgt ist, stütz­te sich in sei­ner Ent­schei­dung auf die Stu­die der Vor­sit­zen­den einer inter­na­tio­na­len Abtrei­bungs­lob­by. Zunächst wur­de in Medi­en unter Beru­fung auf den Kar­di­nal behaup­tet, Papst Bene­dikt XVI. sei über den Schritt infor­miert gewe­sen und habe ihn gebil­ligt. Eine Behaup­tung, die Kar­di­nal Meis­ner weni­ge Stun­den spä­ter nach einer Inter­ven­ti­on aus Rom demen­tie­ren mußte.

Lei­der beant­wor­tet Kar­di­nal Meiss­ner wei­ter­hin nicht eini­ge grund­le­gen­de Fra­gen, an erster Stel­le, war­um die wis­sen­schaft­li­chen Argu­men­te und die Beden­ken der katho­li­schen Ärz­te igno­riert wer­den. War­um er es mit der Ent­schei­dung so eilig hat­te (stim­men Gerüch­te, daß die grü­ne Gesund­heits­mi­ni­ste­rin von Nord­rhein-West­fa­len mit der Strei­chung staat­li­cher Zuschüs­se an die katho­li­schen Gesund­heits­ein­rich­tun­gen gedroht hat­te)? War­um wur­de nicht eine neu­tra­le wis­sen­schaft­li­che Prü­fung der „neu­en Erkennt­nis­se“ abge­war­tet, wie dies inzwi­schen die Schwei­zer Bischö­fe beschlos­sen haben?

So wur­de die Replik des Kar­di­nals zu einer Ant­wort, die kei­ne ist.

Wir doku­men­tie­ren die Ant­wort des Erz­bi­schofs von Köln, Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner an sei­ne Kritiker:

Sehr geehr­te Damen und Herren,

nor­ma­ler­wei­se wer­den Seri­en­mails nicht beant­wor­tet. Doch in die­sem Fall ist eine Aus­nah­me des­we­gen ange­bracht, weil die Absen­der offen­sicht­lich auf eine fal­sche Dar­stel­lung her­ein­ge­fal­len sind.

1. Kar­di­nal Meis­ner hat die „Pil­le danach“ nicht „gerecht­fer­tigt“. Er hat zu kon­kre­ten Prä­pa­ra­ten gar nicht Stel­lung genom­men, son­dern die unver­än­der­ten kirch­li­chen Prin­zi­pi­en zum Lebens­schutz erklärt und die Ver­ant­wor­tung für die Anwen­dung die­ser Prin­zi­pi­en den Ärz­ten aufgegeben.

2. Die „Pil­le danach“ wur­de in katho­li­schen Kran­ken­häu­sern nicht „ein­ge­führt“, son­dern selbst für den Fall der Ver­ge­wal­ti­gung wur­de nach wie vor eine Abtrei­bung und auch die der Abtrei­bung gleich­kom­men­de Nida­ti­ons­hem­mung abge­lehnt. Nur die Hin­aus­zö­ge­rung des Eisprungs wur­de für ver­tret­bar erklärt.

3. In der Erklä­rung des Kar­di­nals wird nicht von einer Pil­le gere­det, die nicht früh­ab­trei­bend sei. Es kommt über­haupt kein Pil­len­na­me vor.

4. Die Erz­diö­ze­se Köln hat sich kei­nes­wegs auf eine Stu­die der FIA­PAC-Prä­si­den­tin beru­fen, son­dern zur bes­se­ren Infor­ma­ti­on für Inter­es­sier­te auf Erklä­run­gen der wis­sen­schaft­li­chen deut­schen Fach­ge­sell­schaf­ten hingewiesen.

5. Die Behaup­tung des anony­men Betrei­bers der Inter­net-Kam­pa­gne, an der Sie sich betei­ligt haben, es gebe kein Prä­pa­rat, das nicht auch früh­ab­trei­bend wirkt, ist durch nichts belegt.

6. Der Herr Kar­di­nal hat Ihrer Bit­te, die Sach­la­ge klar­zu­stel­len, längst ent­spro­chen, näm­lich mit der hier bei­lie­gen­den Erklä­rung, die es Ihnen gestat­tet, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Mit freund­li­chen Grüßen

Dom­vi­kar Msgr. Oli­ver Boss
Erz­bi­schöf­li­cher Geheimsekretär
Erz­bi­schöf­li­ches Haus
Sekretariat
Kar­di­nal-Frings-Str. 10
50668 Köln