[2 Aktualisierungen] Prof. Joseph Schumacher verstorben

Streitbarer Verteidiger des katholischen Glaubens

Der Fundamentaltheologe Prof. Joseph Schumacher ist im 87. Lebensjahr in Freiburg im Breisgau verstorben.
Der Fundamentaltheologe Prof. Joseph Schumacher ist im 87. Lebensjahr in Freiburg im Breisgau verstorben. Zuletzt zelebrierte er regelmäßig in der Kapelle der Piusbruderschaft.

(Frei­burg) Der bekann­te Prie­ster und Theo­lo­ge Prof. Joseph Schu­ma­cher, ein treu­er Sohn der Kir­che und stand­haf­ter Ver­tei­di­ger der kirch­li­chen Leh­re, ist im Alter von 86 Jah­ren in Frei­burg im Breis­gau ver­stor­ben.

Der aus Mün­ster in West­fa­len stam­men­de Schu­ma­cher hat­te nach sei­nem Abitur 1952–1959 Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie an den Uni­ver­si­tä­ten Mün­ster und Inns­bruck stu­diert. 1959 wur­de er in Mün­ster für sein Hei­mat­bis­tum zum Prie­ster geweiht. Zunächst wirk­te er als Kaplan in ver­schie­de­nen Pfar­rei­en und als Reli­gi­ons­leh­rer am Gym­na­si­um. 1971 wur­de er Assi­stent am Lehr­stuhl für Fun­da­men­tal­theo­lo­gie der Uni­ver­si­tät Frei­burg im Breis­gau. 1973 wur­de er dort zum Dok­tor der Theo­lo­gie pro­mo­viert mit einer Arbeit über „den Den­zin­ger“.

Prof. Joseph Schu­ma­cher 1934–2020

Nach­dem er eini­ge Jah­re wis­sen­schaft­lich für das Ordi­na­ri­at Mün­ster tätig war, habi­li­tier­te er sich 1977 in Frei­burg mit der Arbeit: „Der apo­sto­li­sche Abschluß der Offen­ba­rung Got­tes“. Damit erhielt er die Lehr­erlaub­nis für das Fach Fun­da­men­tal­theo­lo­gie, die er zunächst als Pri­vat­do­zent aus­üb­te. Ab 1980 über­nahm er die Ver­tre­tung auf dem Lehr­stuhl für Fun­da­men­tal­theo­lo­gie in Frei­burg, wo er 1983 zum außer­or­dent­li­chen Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor ernannt wur­de.

Schu­ma­cher wur­de zum ordent­li­chen Mit­glied der Pon­ti­fi­cia Aca­de­mia Theo­lo­gi­ca Roma­na und kor­re­spon­die­ren­den Mit­glied der Pon­ti­fi­cia Aca­de­mia Maria­na Inter­na­tio­na­lis beru­fen.

In den ver­gan­ge­nen mehr als 40 Jah­ren zeich­ne­te er sich beson­ders durch eine rege Vor­trags­tä­tig­keit aus. Dabei befaß­te er sich vor allem mit aktu­el­len The­men und betei­lig­te sich an den dazu statt­fin­den­den Debat­ten wie Frau­en­prie­ster­tum, Inter­kom­mu­ni­on, die aus­ge­blie­be­nen Früch­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils oder die Iden­ti­tät des Katho­li­schen, wobei er ent­schie­den und auf hohem intel­lek­tu­el­lem Niveau die über­lie­fer­te Leh­re der Kir­che ver­tei­dig­te. In die­sem Sin­ne gehör­te er auch zu den lang­jäh­ri­gen Autoren der Zeit­schrift Theo­lo­gi­sches.

Sein jüng­stes Buch wur­de zu einem fach­theo­lo­gi­schen Ver­mächt­nis: „Abso­lut­heit und Voll­endung. Eine fun­da­men­tal­theo­lo­gi­sche Chri­sto­lo­gie“ ist soeben im Patri­mo­ni­um-Ver­lag erschie­nen. In der Buch­vor­stel­lung heißt es:

„Die Theo­lo­gie ist heu­te weit­hin der Belie­big­keit erle­gen und wird seit gerau­mer Zeit von einem tota­len Sub­jek­ti­vis­mus über­holt. Die objek­ti­ve Wahr­heit erscheint ihr mehr und mehr uner­reich­bar.
Der Fun­da­men­tal­theo­lo­ge Joseph Schu­ma­cher knüpft in sei­ner Demon­stra­tio chri­stia­na an die Theo­lo­gie der Kir­chen­vä­ter an, wie sie sich in den zwei Jahr­tau­sen­den der Geschich­te der Kir­che kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wickelt hat. Dabei rich­tet er sei­nen Blick auf die Zei­chen der Gött­lich­keit im Alten und im Neu­en Testa­ment, um so den Abso­lut­heits­an­spruch der bei­den Testa­men­te ratio­nal zu recht­fer­ti­gen und die Voll­endung des Alten Testa­men­tes im Neu­en auf­zu­zei­gen.“

Etli­che Jah­re lehr­te er auch am inter­na­tio­na­len Prie­ster­se­mi­nar der Petrus­bru­der­schaft in Wigratz­bad.

Auf sei­ner Inter­net­sei­te Theo­lo­gie heu­te ver­öf­fent­lich­te er sei­ne aktu­el­len Pre­dig­ten, die er an den Sonn­ta­gen in der Anto­ni­us­ka­pel­le der Kir­che St. Mar­tin in Frei­burg hielt, wo er zele­brier­te und die Beich­te hör­te. Die jüng­ste und letz­te auf sei­ner Sei­te ein­ge­stell­te Pre­digt ist jene vom ver­gan­ge­nen 6. Sep­tem­ber zum 14. Sonn­tag nach Pfing­sten: „Ihr könnt nicht Gott die­nen und dem Mam­mon“. Wie ein Freund von Prof. Schu­ma­cher bestä­tigt, zele­brier­te er zuletzt auch regel­mä­ßig in der Kapel­le der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. in Frei­burg. Auf Nach­fra­ge beim Deut­schen Distrikt der Pius­bru­der­schaft woll­te man sich dazu nicht äußern.

Sein wis­sen­schaft­li­cher Nach­laß befin­det sich im Uni­ver­si­täts­ar­chiv Düs­sel­dorf.

Die Beer­di­gung von Prof. Joseph Schu­ma­cher wird am 6. Okto­ber in Lit­ten­wei­ler (Frei­burg im Breis­gau) statt­fin­den.

Requie­scat in pace

[Aktua­li­sie­rung, 30.09.2020: Es erreich­te uns fol­gen­de Zuschrift, die wir als not­wen­di­ge Ergän­zung des Nach­rufs nach­rei­chen. Sie doku­men­tiert zugleich eine Moment­auf­nah­me in der Kir­che, mit der ein Prie­ster wie Prof. Schu­ma­cher am Ende sei­nes Lebens – nicht zuletzt wegen der kirch­li­chen Coro­na-Maß­nah­men – kon­fron­tiert war.

„Ich möch­te Sie bit­ten, Ihrem wohl­wol­len­den und sach­lich aus­ge­wo­ge­nem Nach­ruf noch eine Infor­ma­ti­on hin­zu­zu­fü­gen: Herr Pro­fes­sor Schu­ma­cher hat zwar in den letz­ten Mona­ten sei­nes Lebens in der Frei­bur­ger Kapel­le der Pius­bru­der­schaft zele­briert, hat dies aber nie öffent­lich getan und auch nur aus dem Grund, dass ihm die Domi­ni­ka­ner von Sankt Mar­tin, wo er seit Jahr­zehn­ten täg­lich die Hei­li­ge Mes­se gefei­ert hat­te, zuletzt die Zele­bra­ti­on ver­wei­ger­ten. Er war dann auf die Kran­ken­haus­ka­pel­le des Katha­ri­nen­stifts aus­ge­wi­chen, die­se ist aber auf­grund des Coro­na­vi­rus auch geschlos­sen wor­den. Im Frei­bur­ger Mün­ster ist wohl eine Ein­zelze­le­bra­ti­on eben­falls nicht mög­lich gewe­sen, so dass Herr Pro­fes­sor Schu­ma­cher sich gezwun­gen sah, als Not­lö­sung, bei der Pius­bru­der­schaft zu zele­brie­ren. Ich kann aber bezeu­gen, dass er hier­mit in kei­ner Wei­se eine Annä­he­rung an die Posi­tio­nen der Pius­bru­der­schaft doku­men­tie­ren woll­te, und dies auch ganz klar so sag­te. Herr Pro­fes­sor Schu­ma­cher zele­brier­te übri­gens anson­sten nur sel­ten im klas­si­schen römi­schen Ritus.“]

[Aktua­li­sie­rung, 3.10.2020: Prof. Dr. Josef Schu­ma­cher wird am 6. Okto­ber in Frei­burg Lit­ten­wei­ler um 10:00 Uhr bei­gesetzt.]

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/Patrimonium Ver­lag

2 Kommentare

  1. „Die Theo­lo­gie ist heu­te weit­hin der Belie­big­keit erle­gen und wird seit gerau­mer Zeit von einem tota­len Sub­jek­ti­vis­mus über­holt. Die objek­ti­ve Wahr­heit erscheint ihr mehr und mehr uner­reich­bar.“
    Die Wahr­heit ist die Wis­sen­schaft der Theo­lo­gie. Denn anders als das blo­ße wis­sen­schaft­li­che Mit­tel ist der Theo­lo­gie die Wahr­heit Telos. Wir glau­ben an eine Wahr­heit und wir wis­sen, dass wir Chri­stus glau­ben dür­fen, der spricht: „Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben.“

  2. Es stimmt, was im ersten Satz obi­gen Berich­tes steht!
    Pro­fes­sor Schuh­ma­cher, ein treu­er Sohn der Kir­che und stand­haf­ter Ver­tei­di­ger der kirch­li­chen Leh­re.
    Habe bei Pro­fes­sor Schuh­ma­cher im Rah­men eines Zusatz­stu­di­ums gehört und seit dem immer ger­ne sei­ner gedacht.
    Möge er in Frie­den ruhen!

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