Gemeinschaft Emmanuel — erste katholische Bewegung, die Priester inkardinieren darf

Die Gemeinschaft Emmanuel ist die erste neue geistliche Bewegung, der das Recht gewährt wurde, Priester zu inkardinieren: Das Dekret der Kleruskongregation
Die Gemeinschaft Emmanuel ist die erste neue geistliche Bewegung, der das Recht gewährt wurde, Priester zu inkardinieren: Das Dekret der Kleruskongregation

(Rom) Die Gemein­schaft Emma­u­el ist die erste Bewe­gung und neue geist­li­che Gemein­schaft der katho­li­schen Kir­che, die Prie­ster inkar­di­nie­ren darf. Dies wur­de von der Gemein­schaft selbst gestern bekannt­ge­ge­ben. Am ver­gan­ge­nen 29. Mai hat­te Papst Fran­zis­kus alle Dikaste­ri­en­lei­ter der Römi­schen Kurie ver­sam­melt und ihnen mit­ge­teilt, die Mög­lich­keit prü­fen zu las­sen, auch kirch­li­chen Bewe­gun­gen die Mög­lich­keit gewäh­ren zu kön­nen, Prie­ster zu inkar­di­nie­ren.

Die Infor­ma­ti­on war damals von Andrea Tor­ni­el­li, dem Haus­va­ti­ka­ni­sten des Pap­stes, auf Vati­can Insi­der bekannt­ge­macht wor­den.

Die neue kirchenrechtliche Situation

Gemeinschaft Emmanuel
Gemein­schaft Emma­nu­el

Kir­chen­recht­lich ist es neben Diö­ze­sen und Orden (mit Son­der­ge­neh­mi­gung auch Säku­lar­in­sti­tu­ten) nur der Per­so­nal­prä­la­tur des Opus Dei und Per­so­nal­or­di­na­ria­ten (wie den Mili­tär­or­di­na­ria­ten oder für die Angli­ka­ner), die fak­tisch Diö­ze­sen gleich­ge­stellt sind, mög­lich, Prie­ster zu inkar­di­nie­ren. Die Inkar­di­na­ti­on ist ein Rechts­akt, der bei­de Sei­ten bin­det. Die Inkar­di­na­ti­on erfolgt bereits mit der Dia­ko­nats­wei­he. Eine Prie­ster­wei­he kann nur dann gespen­det wer­den, wenn der Dia­kon durch eine inkar­di­na­ti­ons­fä­hi­ge Instanz inkar­di­niert wur­de. Jeder Prie­ster hat nach dem Kir­chen­recht einem Obe­ren zu unter­ste­hen.

Im Codex Iuris Cano­ni­ci regeln die Cano­nes 265–272 die Fra­ge der Inkar­di­na­ti­on. Canon 265 besagt:

„Jeder Kle­ri­ker muß ent­we­der einer Teil­kir­che oder einer Per­so­nal­prä­la­tur oder einem Insti­tut des geweih­ten Lebens oder einer Gesell­schaft, die die­se Befug­nis haben, inkar­di­niert sein, so daß es Kle­ri­ker ohne Inkar­di­na­ti­on in kei­ner Wei­se geben darf.“

Die­se Mög­lich­keit macht die Prie­ster, die aus den kirch­li­chen Bewe­gun­gen her­vor­ge­hen und sich die­sen ver­bun­den füh­len, von den Diö­ze­san­bi­schö­fen unab­hän­gi­ger machen.

Dekret der Kleruskongregation

Wie die Prü­fung die­ser „Mög­lich­keit“ aus­ge­fal­len ist, steht seit gestern fest. Mit Datum vom 15. August, wie erst jetzt bekannt wur­de, gewähr­te die Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on der Gemein­schaft Emma­nu­el als erster kirch­li­cher Bewe­gung das Recht, Prie­ster zu inkar­di­nie­ren. Das Dekret Nr. 2017/2741 ist von Benia­mi­no Kar­di­nal Stel­la, Prä­fekt die­ser Kon­gre­ga­ti­on, und von Titu­lar­bi­schof Joel Mer­cier, deren Sekre­tär, unter­zeich­net.

Es gewährt ein all­ge­mei­nes Recht in der Kir­che, son­dern ist in den neu­en Sta­tu­ten der Gemein­schaft Emma­nu­el ver­bun­den, die mit dem Dekret gebil­ligt wur­den und am 1. Janu­ar 2018 in Kraft tre­ten wer­den.

Das Dekret ent­hält drei zen­tra­le Punk­te.

  1. Die Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on errich­tet die Kle­ri­ker­ver­ei­ni­gung der Gemein­schaft Emma­nu­el als öffent­li­che Kle­ri­ker­ver­ei­ni­gung päpst­li­chen Rechts.
  2. Sie gewährt „der Kle­ri­ker­ver­ei­ni­gung der Gemein­schaft Emma­nu­el die Fähig­keit, Prie­ster auf­zu­neh­men und auch Prie­ster­kan­di­da­ten, die für die Inkar­di­nie­rung in die Ver­ei­ni­gung bestimmt sind.“
  3. Sie „geneh­migt ad Expe­ri­men­tum für drei Jah­re die Sta­tu­ten der Kle­ri­ker­ver­ei­ni­gung der Gemein­schaft Emma­nu­el von denen ein authen­ti­sches Exem­plar den Anhang des Dekre­tes bil­det. Die­se Sta­tu­ten wer­den am 1. Janu­ar 2018 in Kraft tre­ten.“

Die Prie­ster und Semi­na­ri­sten der Gemein­schaft müs­sen künf­tig nicht mehr in einer Diö­ze­se inkar­di­niert sein.

Eucharistische Anbetung und Evangelisierung

Die Gemein­schaft Emma­nu­el (Com­mu­n­au­té de l’Emmanuel ) war aus der cha­ris­ma­ti­schen Erneue­rung ent­stan­den und 1976 von Pierre Gour­sat und Mar­ti­ne Cat­ta Laf­fit­te gegrün­det wor­den. Gour­sat, der 1991 gestor­ben ist, war bis 1985 erster Obe­rer (Mode­ra­tor) der Gemein­schaft. Für ihn ist ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren im Gan­ge. Schwer­punk­te des Cha­ris­mas sind die Eucha­ri­sti­sche Anbe­tung und die Evan­ge­li­sie­rung.

Nach einer ersten Aner­ken­nung auf diö­ze­saner Ebe­ne erfolg­te 1992 durch den Päpst­li­chen Lai­en­rat die Aner­ken­nung als Lai­en­ge­mein­schaft. 2009 erhielt die Gemein­schaft den Sta­tus einer öffent­li­chen, inter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung von Gläu­bi­gen päpst­li­chen Rechts. Sie ist welt­weit in rund 70 Staa­ten prä­sent und zählt etwa 11.500 Mit­glie­der, dar­un­ter 270 Prie­ster und rund 100 Semi­na­ri­sten. Letz­te­re bei­den Grup­pen sind direkt von der neu­en Bestim­mung betrof­fen.

Seit 2009 wird die Gemein­schaft von Lau­rent Lan­de­te als 5. Mode­ra­tor gelei­tet. Die Gemein­schaft wur­de in Frank­reich gegrün­det und hat ach ihren Schwer­punkt in der fran­ko­pho­nen Welt. Vier der fünf bis­he­ri­gen Mode­ra­to­ren waren daher Fran­zo­sen. Von 1994–2000 stand mit Mar­kus Geh­len aller­dings auch ein Deut­scher an der Spit­ze der Gemein­schaft.

Im deut­schen Sprach­raum betreut die Gemein­schaft Pfar­rei­en in Köln, Nürn­berg, Mün­ster, Mann­heim, Mün­chen, Vater­stet­ten und Grä­fel­fing und wei­te­ren Orten. In Alt­öt­ting unter­hält sie mit dem Inter­na­tio­na­len Forum eine Evan­ge­li­sa­ti­ons­schu­le sowie in Wien die Aka­de­mie für Dia­log und Evan­ge­li­sa­ti­on im Figlhaus. In Öster­reich ist die Gemein­schaft zudem in Linz und Graz aktiv.

In Rom betreut die Gemein­schaft die berühm­te Kir­che San­ta Tri­ni­tà  dei Mon­ti an der Spa­ni­schen Trep­pe.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/Emmanuel.at