Friedensprozeß in Kolumbien: Papst-Besuch 2017? Vatikansprecher dementiert, aber …

(Bogota/Rom) Am Don­ners­tag gab der Staats­prä­si­dent von Kolum­bi­en, Juan Manu­el San­tos, bekannt, daß Papst Fran­zis­kus im ersten Jah­res­drit­tel 2017 Kolum­bi­en besu­chen wird: „Wir kön­nen bestä­ti­gen, daß er im näch­sten Tri­me­ster kom­men wird.“ Kurz dar­auf demen­tier­te der Vati­kan­spre­cher. Zur glei­chen Zeit wur­de jedoch von ande­rer Sei­te eine Latein­ame­ri­ka-Rei­se des Pap­stes angekündigt.

„Im ersten Tri­me­ster des kom­men­den Jah­res wird er für vier Tage nach Kolum­bi­en kom­men, was uns sehr ehrt“, ließ der kolum­bia­ni­sche Staats­prä­si­dent vom Pres­se­amt der Prä­si­di­al­kanz­lei den Besuch von Papst Fran­zis­kus mitteilen.

Kurz dar­auf folg­te ein Demen­ti durch den neu­en Vati­kan­spre­cher Gre­go­ry Bur­ke, der seit 1. August Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di in die­ser Funk­ti­on ablö­ste: „Mir wur­de kei­ne Rei­se nach Kolum­bi­en im kom­men­den Jahr bestätigt“.

Am Sonntag stimmen Kolumbianer bei Referendum über Friedensvertrag ab

Ein Besuch des Pap­stes wird in Kolum­bi­en von höch­ster Ebe­ne erhofft, um den Frie­dens­pro­zeß zwi­schen der Regie­rung und der mar­xi­sti­schen Gue­ril­la­be­we­gung FARC-EP (Revo­lu­tio­nä­re Streit­kräf­te Kolum­bi­ens – Volks­ar­mee) zu unter­stüt­zen. Am kom­men­den Sonn­tag sind die Kolum­bia­ner auf­ge­ru­fen, in einem Refe­ren­dum über den Frie­dens­ver­trag zwi­schen der Regie­rung und der Gue­ril­la­be­we­gung abzu­stim­men, der nach vier­jäh­ri­gen Ver­hand­lun­gen auf Kuba am ver­gan­ge­nen Mon­tag in der Stadt Car­ta­ge­na offi­zi­ell unter­zeich­net wurde.

Am ver­gan­ge­nen 22. Juni konn­te nach 50 Jah­ren ein „end­gül­ti­ger Waf­fen­still­stand“ erzielt wer­den. Der Frie­dens­ver­trag sieht die Befrie­dung des Lan­des, den Abbau der Gue­ril­la und ihre Inte­gra­ti­on in die Gesell­schaft vor.

FARC — bewaffneter Arm der Kommunistischen Partei Kolumbiens

Der FARC-EP wur­de 1965 offi­zi­ell als bewaff­ne­ter Arm der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Kolum­bi­ens gegrün­det und dien­te, unter­stützt von der Sowjet­uni­on und Kuba, der gewalt­sa­men Macht­über­nah­me. Von Kolum­bi­en, den USA und der EU wur­de er als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft. Die poli­ti­sche Desta­bi­li­sie­rung begün­stig­te in den 80er Jah­ren die Koka­in­pro­duk­ti­on und mach­te das süd­ame­ri­ka­ni­sche Land zu einem der wich­tig­sten Koka­in­lie­fe­ran­ten der Welt. Die Gue­ril­la­be­we­gung finan­zier­te sich zu einem wesent­li­chen Teil aus dem Dro­gen­an­bau und dem Dro­gen­han­del, wes­halb der FARC auch als „Nar­co­gue­ril­la“ (Dro­gen­gue­ril­la) bezeich­net wird.

Nach dem vati­ka­ni­schen Demen­ti wur­de die Ver­mu­tung geäu­ßert, daß die Ankün­di­gung des Papst­be­su­ches durch Prä­si­dent San­tos eine Maß­nah­me sei, um die Wäh­ler am Sonn­tag zur Annah­me des Frie­dens­ver­tra­ges zu moti­vie­ren. Noch nie seit Grün­dung des FARC, die dem Land Jahr­zehn­te der poli­ti­schen und recht­li­chen Unsi­cher­heit, von Gewalt und Erpres­sung brach­te, war man einer Befrie­dung so nahe wie heu­te, die dem Staat inne­re Sta­bi­li­tät ver­schaf­fen soll. Der Gue­ril­la­kampf des FARC koste­te nach Schät­zun­gen mehr als 200.000 Men­schen das Leben.

Vermittlerrolle des Vatikans?

In Kolum­bi­en wird über eine even­tu­el­le Ver­mitt­ler­rol­le von Papst Fran­zis­kus beim Zustan­de­kom­men des Frie­dens­ver­tra­ges dis­ku­tiert. Eine sol­che übte jeden­falls die Gemein­schaft von San­t’E­g­idio aus.

Obwohl Vati­kan­spre­cher Greg Bur­ke einen Kolum­bi­en­be­such des Pap­stes demen­tier­te, ist ein sol­cher nicht aus­zu­schlie­ßen. Erst vor weni­gen Tagen wur­de in Chi­le ein Besuch von Papst Fran­zis­kus für 2017 ange­kün­digt. Die Bekannt­ga­be erfolg­te im Zusam­men­hang mit der Akkre­di­tie­rung des neu­en chi­le­ni­schen Bot­schaf­ters beim Hei­li­gen Stuhl. Der Bot­schaf­ter sag­te, Papst Fran­zis­kus habe ihm gegen­über gesagt, daß er im kom­men­den Jahr Chi­le, Argen­ti­ni­en und Uru­gu­ay besu­chen wol­le. Es wäre der erste Besuch von Papst Fran­zis­kus in sei­ner Hei­mat Argen­ti­ni­en, den er für Beob­ach­ter schon erstaun­lich lan­ge hinauszögert.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Info­bae (Screen­shot)