„Diener Gottes und der Menschheit“ — die neue Biographie über Benedikt XVI.

Benedikt XVI. (2005-2013) - eine neue Biographie
Benedikt XVI. (2005-2013) - eine neue Biographie

(Rom) Der Osser­va­to­re Roma­no ver­öf­fent­lich­te in sei­ner heu­ti­gen Aus­ga­be aus­zugs­wei­se einen Vor­ab­duck der neu­en Bio­gra­phie über Bene­dikt XVI., die am 30. August in den ita­lie­ni­schen Buch­han­del gelan­gen wird. Der Titel lau­tet: „Ser­vi­to­re di Dio e dell’umanità “, Die­ner Got­tes und der Mensch­heit.

Das Buch erscheint weni­ge Tage vor dem neu­en Gesprächs­buch von Bene­dikt XVI. und Peter See­wald. „Die letz­ten Gesprä­che“, so der Titel des Gesprächs­bu­ches, „The Last Testa­ment“, so der Titel der eng­li­schen Aus­ga­be, kommt am 8. Sep­tem­ber in den Buch­han­del.

Die neue Bio­gra­phie des 2013 uner­war­tet zurück­ge­tre­te­nen Pap­stes stammt von Elio Guer­rie­ro, der vie­le Jah­re Ver­lags­ver­ant­wort­li­cher bei Jaca Book und den Edi­zio­ni San Pao­lo war. Guer­rie­ro ist zudem seit mehr als 20 Jah­re Schrift­lei­ter der ita­lie­ni­schen Aus­ga­be von Com­mu­nio.

Die Inter­na­tio­na­le katho­li­sche Zeit­schrift Com­mu­nio (IKaZ) wur­de 1972 unter ande­ren vom dama­li­gen Theo­lo­gie­pro­fes­sor Joseph Ratz­in­ger gegrün­det und erscheint heu­te in 17 Spra­chen. Sie soll­te ein Gegen­ge­wicht zur 1965 von Karl Rah­ner, Hans Küng, Edward Schillebe­eckx, Yves Con­gar und ande­ren gegrün­de­ten Zeit­schrift Con­ci­li­um bil­den.

Vorwort von Papst Franziskus

Der Lai­en­theo­lo­ge Guer­rie­ro ist Autor zahl­rei­cher Bücher, dar­un­ter meh­re­rer Bio­gra­phien: über Hans Urs von Bal­tha­sar, einem ande­ren Grün­der von Com­mu­nio, und über die hei­li­ge Gian­na Beret­ta Mol­la, eine Kin­der­ärz­tin die 2004 hei­lig­ge­spro­chen wur­de als Zeu­gin für die Mut­ter­schaft, für das Lebens­recht unge­bo­re­ner Kin­der und gegen die Abtrei­bung.

Das Vor­wort zur Bene­dikt-Bio­gra­phie steu­er­te Papst Fran­zis­kus bei. Den Abschluß bil­det ein Inter­view Guer­rie­ros mit Bene­dikt XVI.

Neue Biographie
Neue Bio­gra­phie

Der Autor, der Joseph Ratz­in­ger in den 80er Jah­ren ken­nen­lern­te und an der Her­aus­ga­be der ita­lie­ni­schen Aus­ga­be sei­ner Gesam­mel­ten Wer­ke mit­wirkt, glie­dert das Leben des Theo­lo­gen, Erz­bi­schofs, Glau­bens­prä­fek­ten und Pap­stes in 19 Kapi­tel.

„Bereits in jun­gen Jah­ren und spä­ter in den Jah­ren sei­nes Epi­sko­pats in Mün­chen wur­de Bene­dikt XVI. bewußt, daß die Gemein­schaft der Gläu­bi­gen dazu bestimmt war, in Euro­pa eine Min­der­heit zu wer­den.“ Eine sol­che zah­len­mä­ßig ver­klei­ner­te Gemein­schaft, die aber am lit­ur­gi­schen und sakra­men­ta­len Leben teil­nimmt und bereit ist, Zeug­nis für ihren Glau­ben zu geben, sei vor­zu­zie­hen. „Nur eine sol­che Gemein­schaft, die das Ver­ständ­nis der Hir­ten spürt, hat eine Zukunft vor sich und schart sich um Chri­stus, den Sohn Got­tes“, faßt Guer­rie­ro die Gedan­ken Bene­dikts XVI. zusam­men.

Als der Bio­graph Bene­dikt XVI. im Klo­ster Mater Eccle­siae auf­such­te, hat­te die­ser bereits einen Groß­teil der 19 Kapi­tel gele­sen, die das Buch bil­den soll­ten, und die Guer­rie­ro dem ehe­ma­li­gen Papst zuvor zukom­men hat­te las­sen. „Das er alles lesen wür­de, damit hat­te ich nicht gerech­net“, so Guer­rie­ro. Zum Inter­view sag­te Bene­dikt: „Stel­len Sie mir die Fra­gen, dann schicken Sie mir alles zu, und wir wer­den sehen.“

„Weltjugendtag Anlaß für den Amtsverzicht“

Auf die Fra­ge, ob er es nicht bedau­ert habe, im von ihm aus­ge­ru­fe­nen „Jahr des Glau­bens“, abzu­tre­ten, ant­wor­te­te Bene­dikt XVI.: „Natür­lich lag es mir am Her­zen, das Jahr des Glau­bens abzu­schlie­ßen und die Enzy­kli­ka über den Glau­ben zu schrei­ben, die den mit Deus cari­tas est begon­ne­nen Weg abschlie­ßen soll­te.“ Im Jahr 2013 „gab es zahl­rei­che Ver­pflich­tun­gen, die zu Ende zu füh­ren, ich nicht mehr für mög­lich hielt.“

Das sei vor allem der Welt­ju­gend­tag im Som­mer 2013 in Rio de Janei­ro gewe­sen. „Dazu hat­te ich zwei sehr kla­re Über­zeu­gun­gen. Nach der Erfah­rung beim Besuch in Mexi­ko und auf Kuba fühl­te ich mich nicht mehr in der Lage, eine wei­te­re, so her­aus­for­dern­de Rei­se zu bewäl­ti­gen. Zudem war durch die Aus­rich­tung, die Johan­nes Paul II. die­sen Tagen gege­ben hat­te, die phy­si­sche Anwe­sen­heit des Pap­stes uner­läß­lich. An eine Video­schal­tung oder ande­re tech­no­lo­gi­sche For­men war nicht zu den­ken. Auch das war ein Umstand, wes­halb der Amts­ver­zicht für mich eine Pflicht war. Ich hat­te schließ­lich das siche­re Ver­trau­en, daß das Jahr des Glau­bens auch ohne mei­ne Gegen­wart zu einem guten Ende gelan­gen wür­de. Der Glau­ben ist eine Gna­de, ein groß­zü­gi­ges Geschenk Got­tes an die Gläu­bi­gen. Ich hat­te also die feste Über­zeu­gung, daß mein Nach­fol­ger, so wie es dann gesche­hen ist, die von mir begon­ne­ne Initia­ti­ve zum guten, vom Herrn gewoll­ten Ende füh­ren wür­de.“

Im wei­te­ren Inter­view kam  Bene­dikt XVI. noch ein­mal auf sei­nen Mexi­ko- und Kuba-Besuch im Früh­jahr 2012 zu spre­chen und die Anstren­gung, die ihm eine Rei­se über den Oze­an abver­lang­te. Nach einem Gespräch mit dem Leib­arzt Patri­zio Polis­ca sei ihm bewußt gewor­den, daß er sol­che Rei­sen aus gesund­heit­li­chen Grün­den wohl nicht mehr unter­neh­men wer­de kön­nen. Da der Welt­ju­gend­tag in Rio de Janei­ro bevor­stand, „muß­te ich inner­halb einer rela­tiv kur­zen Zeit mei­nen Rück­zug ent­schei­den“.

„Gewißheit, daß die Kirche vom Herrn geleitet wird“

Er habe bereits in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach das Klo­ster Mater Eccle­siae in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten auf­ge­sucht. Johan­nes Paul II. hat­te bestimmt, daß ein Gebäu­de, das frü­her vom Direk­tor von Radio Vati­kan genützt wur­de, in ein Klo­ster umge­wan­delt wer­den soll­te, weil er einen Ort des kon­tem­pla­ti­ven Gebets wie eine Quel­le leben­di­gen Was­sers im Vati­kan haben woll­te. Bei einem die­ser Besu­che habe sich ihm ganz selbst­ver­ständ­lich erschlos­sen, daß er sich selbst in die­ses Klo­ster zurück­zie­hen könn­te, um sei­nen „Dienst des Gebets fort­zu­set­zen“.

Interview mit Benedikt XVI.
Inter­view mit Bene­dikt XVI.

Guer­rie­ro schil­der­te Bene­dikt XVI. das beein­drucken­de Foto eines BBC-Foto­gra­fen, das am Abend sei­nes Amts­ver­zichts einen Blitz fest­hielt, der in die Peter­s­kup­pel ein­schlug. Bene­dikt habe ihm zuge­nickt, um zu bestä­ti­gen, daß er die­ses Bild ken­ne. In sei­ner Ant­wort ging er aber nicht dar­auf sein.

Er habe sich immer als „demü­ti­ger Arbei­ter im Wein­berg des Herrn gese­hen“, der sich sei­ner Gren­zen bewußt war und die­se auch „im Geist des Gehor­sams akzep­tiert“ habe. „Dann waren da die mehr oder weni­ger gro­ßen Pro­ble­me des Pon­ti­fi­kats, aber es gab auch vie­le Gna­den. Mir wur­de bewußt, daß ich nicht alles, was ich zu tun hat­te, allei­ne machen konn­te, und so war ich fast gezwun­gen, mich in die Hän­de des Herrn zu bege­ben und Chri­stus zu ver­trau­en.“ Das sei immer tie­fer der Fall gewe­sen, als er sei­ne Tri­lo­gie über Jesus von Naza­reth geschrie­ben habe. Er habe aber immer die „Gewiß­heit gehabt, daß die Kir­che vom Herrn gelei­tet wird, und daß ich also das Man­dat, das er mir am Tag mei­ner Wahl anver­traut hat­te, in sei­ne Hän­de zurück­le­gen konn­te.“

„Der Gehorsam meinem Nachfolger gegenüber stand nie zur Diskussion“

Zum Ver­hält­nis zu sei­nem Nach­fol­ger sag­te Bene­dikt XVI.: „Der Gehor­sam mei­nem Nach­fol­ger gegen­über stand nie zur Dis­kus­si­on. Dann aber ist da auch ein Gefühl der tie­fen Gemein­schaft und der Freund­schaft. Im Augen­blick sei­ner Wahl emp­fand ich, wie vie­le, ein spon­ta­nes Gefühl der Dank­bar­keit gegen­über der Vor­se­hung. Nach zwei Päp­sten aus Mit­tel­eu­ro­pa wen­de­te der Herr, sozu­sa­gen, sei­nen Blick auf die Welt­kir­che und lud uns zu einer erwei­ter­ten, katho­li­sche­ren Gemein­schaft ein. Per­sön­lich blieb ich vom ersten Augen­blick an tief berührt vom mensch­li­chen Ent­ge­gen­kom­men von Papst Fran­zis­kus mir gegen­über. Gleich nach sei­ner Wahl ver­such­te ich, ihn am Tele­fon zu errei­chen. Da die­ser Ver­such nicht geglückt war, rief er mich sofort zurück nach sei­ner Begeg­nung mit der Welt­kir­che vom Bal­kon von Sankt Peter und sprach mit gro­ßer Herz­lich­keit mit mir. Seit­her beschenk­te er mich durch eine wun­der­ba­re väter­lich-brü­der­li­che Bezie­hung. Häu­fig errei­chen mich hier klei­ne Geschen­ke  und per­sön­lich geschrie­be­ne Brie­fe. Vor lan­gen Rei­sen ver­säum­te es der Papst nie, mich zu besu­chen. Das mensch­li­che Wohl­wol­len, mit dem er mich behan­delt, ist für mich eine beson­de­re Gna­de in die­ser letz­ten Pha­se mei­nes Lebens, für die ich nur dank­bar sein kann. Was er über die Bereit­schaft ande­ren Men­schen gegen­über sagt, sind nicht nur Wor­te. Er setzt sie mir gegen­über um. Möge der Herr ihm sei­ner­seits jeden Tag sein Wohl­wol­len spü­ren las­sen. Dafür bit­te ich für ihn.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Osservatore Roma­no (Screen­shot)