Der Vorwurf „Lügenpresse“ ist so nicht richtig — medienethisches Versagen SWR (5)

Was die Sen­de­an­stalt SWR in einer Repor­ta­ge pro­du­zier­te, war alles ande­re als plat­te Lüge. Mit sub­ti­len jour­na­li­sti­schen Tech­ni­ken und in der Form einer objek­ti­ven Nach­rich­ten­sen­dung wur­de die Dar­stel­lung der Wirk­lich­keit so ver­dreht, dass die Mani­pu­la­tio­nen für einen nor­ma­len Zuschau­er nicht erkenn­bar waren.

Eine Film­be­richts­ana­ly­se von Hubert Hecker.

Seit eini­ger Zeit sehen sich enga­gier­te katho­li­sche und pro­te­stan­ti­sche Chri­sten einer neu­en Wel­le von Angrif­fen aus­ge­setzt, die sie in die rech­te Ecke abdrän­gen wol­len. Die Stig­ma­ti­sie­rung als „Rech­te“ dient dazu, die Argu­men­ta­tio­nen und Posi­tio­nen der Betref­fen­den vom gesell­schaft­lich aner­kann­ten Dis­kurs aus­schlie­ßen zu kön­nen. Ein SWR-Bericht über die Demo für alle vom Juni 2015 lie­fer­te zu die­ser Ten­denz die Blau­pau­se.

Bis­he­ri­ger Höhe­punkt der media­len Aus­gren­zungs­stra­te­gie war der am  Febru­ar 2016 erschie­ne­ne FAS-Arti­kel von Lia­ne Bed­narz. Dar­in sah sich eine gro­ße Zahl von kon­ser­va­ti­ven Chri­sten als Die Radi­ka­len ange­schwärzt. Als Mit­tel­punkt einer gut ver­netz­ten katho­li­schen Blog­ger­sze­ne woll­te Bed­narz die Publi­zi­stin Gabrie­le Kuby fest­ma­chen. Kuby gehört zu den pro­mi­nen­ten Unter­stüt­zern und Red­nern der Demo für alle. Deren Orga­ni­sa­to­rin, Hed­wig von Bever­fo­er­de, wur­de dann auch als der zwei­te Kri­stal­li­sa­ti­ons­punkt der soge­nann­ten Rechts­chri­sten aus­ge­guckt: „Bei der ‚Demo für alle’ lau­fen die Fäden der radi­ka­len Chri­sten zusam­men.“

Attacken gegen die Demo für alle von Linksradikalen und ARD-Anstalten

Die Demo für alle ist ein erfolg­rei­ches Demon­stra­ti­ons­kon­zept nach dem Vor­bild der fran­zö­si­schen Manif pour tous. Sie wird getra­gen von einem Akti­ons­bünd­nis von 24 Grup­pen aus der Mit­te der Gesell­schaft, dar­un­ter drei CDU-Arbeits­krei­se, Fami­li­en­schutz­ver­bän­de, Schü­ler­grup­pen sowie Frau­en- und Müt­ter­ver­ei­ni­gun­gen. Die Ziel­set­zung der Demon­stra­tio­nen sind gut in den Haupt­pa­ro­len zusam­men­ge­fasst: „Ehe und Fami­lie vor! Stoppt Gen­der-Ideo­lo­gie und Sexua­li­sie­rung unse­rer Kin­der“. Die Demo für alle wur­de bis­her acht Mal in Stutt­gart abge­hal­ten. Die Demo-For­de­run­gen rich­te­ten sich gegen das „Pro­gramm der sexu­el­len Viel­falt“ an den Schu­len. Das abge­schwäch­te Kon­zept hat die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung kurz vor ihrer Ablö­sung vor eini­gen Mona­ten in Kraft gesetzt.

Von Anfang an attackier­ten Links­ex­tre­mi­sten von der VVN und Anti­fa-Grup­pen die Demo für alle. Regel­mä­ßig muss­te die Stutt­gar­ter Lan­des­re­gie­rung meh­re­re Hun­dert­schaf­ten Poli­zei auf­bie­ten, um die aggres­si­ven Anti­fa-Akti­vi­sten von den Demo-Teil­neh­mern fern­zu­hal­ten, so dass das Grund­recht auf Demon­stra­ti­on gewähr­lei­stet wür­de.

Seit dem Früh­jahr 2015 erfolg­ten Angrif­fe auf die Demo für alle von einer ande­ren Sei­te, von der man es nicht erwar­tet hät­te: öffent­lich-recht­li­che Rund­funk­an­stal­ten. Am 23. April 2015 setz­te der NDR einen bou­le­var­des­ken Film­be­richt zu der Stutt­gar­ter März-Demo ins Pro­gramm. Die jour­na­li­sti­sche Ana­ly­se der ein­sei­tig-par­tei­ischen Sen­dung wird im neun­ten Teil die­ser Arti­kel-Serie vor­ge­stellt.

Eine Flut von Unmut und Beschwerden gegen den SWR-Report

Am 21. Juni 2015 strahl­te der SWR in der baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­schau um 18 und 19.45 Uhr zwei Ver­sio­nen eines Film­bei­trags über die Demo für alle vom glei­chen Tag aus. Im Gegen­satz zu Pri­vat­me­di­en sind die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der „gera­de bei poli­ti­schen Streit­fra­gen“ zu aus­ge­wo­ge­ner, neu­tra­ler und objek­ti­ver Bericht­erstat­tung ver­pflich­tet.

Nach der Sen­dung gab es eine regel­rech­te Flut von Beschwer­den sowohl von den betrof­fe­nen Demon­stran­ten wie auch von ande­ren TV-Zuschau­ern. Die mei­sten Beschwer­de­füh­rer stie­ßen sich dar­an, dass die 4.600 Demon­stran­ten aus der Mit­te der Gesell­schaft in die rech­te Ecke gestellt wur­den. Der SWR-Repor­ter hat­te die gesam­te Demon­stra­ti­on pla­ka­tiv als „rech­tes Sam­mel­becken“ denun­ziert.

Parteiischer Bericht unter dem Schein der Ausgewogenheit

Die fol­gen­de Unter­su­chung hat sich zum Ziel gesetzt, den gefühl­ten Unmut mit einer Ana­ly­se und sach­lich-ratio­na­ler Argu­men­ta­ti­on zu unter­mau­ern. Dabei sol­len ins­be­son­de­re die jour­na­li­sti­sche Regie und Tech­nik her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den, mit denen unter dem Schein von Aus­ge­wo­gen­heit ein par­tei­ischer und ein­sei­ti­ger Bericht zu Lasten der vor­wie­gend christ­li­chen Demon­stran­ten prä­sen­tiert wur­de. Die­se Arbeit hat exem­pla­ri­schen Cha­rak­ter und kann viel­leicht auf ähn­li­che Kon­stel­la­tio­nen ange­wandt wer­den.

Im Ergeb­nis stellt sich her­aus, dass der Repor­ter die Demo für alle voll­stän­dig vom Stand­punkt und aus der Per­spek­ti­ve der extre­mi­sti­schen Gegen­de­mon­stran­ten vor­führ­te.

1. Verharmlosung der linksextremen Antifa-Demonstrationsstörer       

Bezüg­lich der Zusam­men­set­zung der Gegen­de­mon­stra­ti­on ver­mit­tel­te der SWR-Kom­men­ta­tor  den Ein­druck, als wenn es sich dabei um ein harm­lo­ses links-bür­ger­li­ches Bünd­nis han­del­te. Zu den Akti­ons­part­nern  „Lin­ke und Grü­ne Jugend“ schmug­gel­te er den Zusatz: „Und auch die FDP ist dabei“. Die Behaup­tung, dass die FDP als Par­tei an die­sem aggres­si­ven Links­bünd­nis dabei gewe­sen wäre, ist natür­lich gro­ber Unfug. Aber haben’s die Zuschau­er gemerkt?

  • Auch die Bezeich­nung Lin­ke ist schon eine Ver­tu­schung. Denn in Wirk­lich­keit war das Gros der Gegen­de­mon­stran­ten dem  links­ra­di­ka­len Spek­trum zuzu­ord­nen. Das ergibt sich aus dem Bericht der Poli­zei, die für die Demon­stra­tio­nen bis Ende 2014 mehr als 300  diver­se Rechts­ver­stö­ße von Sei­ten der aggres­si­ven Gegen­de­mon­stran­ten zur Anzei­ge brach­te. In der Ant­wort der Lan­des­re­gie­rung auf eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge hieß es: „In den Rei­hen der Gegen­de­mon­stran­ten haben nach vor­lie­gen­den Erkennt­nis­sen dem links­ex­tre­mi­sti­schen Spek­trum zuzu­ord­nen­de, gewalt­ge­neig­te Grup­pie­run­gen domi­niert.“
  • Die­se Infor­ma­tio­nen aus Poli­zei- und Par­la­ments­be­rich­ten waren natür­lich auch der sorg­fäl­tig recher­chie­ren­den SRW-Redak­ti­on bekannt. Mit Sicher­heit wuss­te sie, dass zu dem Gegen-Akti­ons­bünd­nis neben der Grü­nen Jugend die bei­den links­ex­tre­mi­sti­schen Ver­bän­de VVN und Anti­fa­schi­sti­sches Akti­ons­bünd­nis Stutt­gart & Regi­on gehör­ten. Die bei­den letz­te­ren Grup­pie­run­gen tra­ten erkennt­lich bei der Gegen­kund­ge­bung um 12.30 Uhr auf. Inso­fern ist die Nicht-Erwäh­nung die­ser bei­den rele­van­ten Gegen­de­mo-Grup­pen als Nach­rich­ten­ma­ni­pu­la­ti­on zu wer­ten.
  • Unter­schla­gen wur­de vor allem die sub­stan­ti­el­le Infor­ma­ti­on, dass die Stutt­gar­ter Anti­fa-Grup­pe mit ihren 300 Anti­fa­schi­stin­nen und Anti­fa­schi­sten  die Gegen­de­mon­stra­ti­on in abso­lu­ter Domi­nanz beherrsch­te. Das galt bzgl. der vor­be­rei­ten­den Agi­ta­ti­on (Auf­ruf zur Blocka­de der Demo sowie gegen die rech­ten Het­zer), der Akti­ons­for­men (anti­fa­schi­sti­sche Schil­der, Fah­nen, Tril­ler­pfei­fen, Stink­bom­ben und ande­re wirk­sa­me Stör­me­tho­den) sowie der ideo­lo­gi­schen Aus­rich­tung der Gegen­de­mo (reak­tio­nä­res Gedan­ken­gut der Demon­stran­ten, die Demo für alle als rech­te Alli­anz und rech­tes Sam­mel­becken von christ­li­che Fun­da­men­ta­li­sten, Rechts­po­pu­li­sten sowie Faschi­sten). Alle Zita­te stam­men aus dem Anti­fa-Bericht vom 21. Juni.

Affirmative Bestätigungen der linksradikalen Propagandarede

  • Aus die­sem links­ra­di­ka­len Agi­ta­ti­ons­pro­gramm stamm­te dann auch der Wort­bei­trag des Anti­fa-Spre­chers, dem der SWR vor dem Fern­seh­pu­bli­kum Gele­gen­heit gab, sei­ne extrem ver­zerr­te Ein­schät­zung zu der Demo für alle zu pro­pa­gie­ren: „Das ist der Ver­such von Rech­ten, Kon­ser­va­ti­ve bis hin zu neo-nazi­sti­schen Krei­sen, unter dem Deck­man­tel der Bil­dungs­plan­pro­te­ste eine rech­te Demo in Stutt­gart durch­zu­füh­ren“. Aus die­ser links­ex­tre­mi­sti­schen Quel­le stamm­te also die Absicht,  die Demon­stran­ten in die rech­te bis neo-nazi­sti­sche Ecke zu rücken. Die Bil­dungs­plan­pro­te­ste (gegen Gen­der­ideo­lo­gie und Früh­se­xua­li­sie­rung an den Schu­len) wären dabei nur Vor­wand, also irrele­vant, so dass nur die Rechts­ori­en­tie­rung der Demo bestehen blieb.
  • Von Sei­ten des SWR-Repor­ters gab es kei­ner­lei Rela­ti­vie­run­gen oder kri­ti­sche Anfra­gen zu die­sen links­ex­tre­mi­sti­schen Agi­ta­ti­ons­pa­ro­len. Im Gegen­teil. Er mach­te sich deren Sicht­wei­se zu Eigen, indem er in sei­nem Kom­men­tar aus dem Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al der Anti­fa-Grup­pe zitier­te. Danach wäre die Demo für alle ein „rech­tes Sam­mel­becken“. Die­se links­ver­zerr­te Mei­nung, die frei von jedem Rea­li­täts­ge­halt war, wie­der­hol­te der Jour­na­list am Ende sei­nes Film­be­richts. Die bei­den Kom­men­ta­re des SWR-Repor­ters wirk­ten jeden­falls als affir­ma­ti­ve Bestä­ti­gun­gen der links­ex­tre­men Pro­pa­gan­da­re­de. Die Redak­ti­on ihrer­seits dop­pel­te die­se ideo­lo­gi­sche Rechts-Ver­schie­bung der Demon­stran­ten noch ein­mal, indem sie zu dem Bild des Anti­fa-Spre­chers die Unter­schrift ein­fügt: „Akti­ons­bünd­nis gegen rech­te Bil­dungs­de­mos“.

Die­se viel­fa­chen Infor­ma­ti­ons­ma­ni­pu­la­tio­nen, ver­zerr­te Dar­stel­lun­gen, ein­sei­ti­ge Her­vor­he­bun­gen und par­tei­ische Kom­men­ta­re sind kaum als spon­ta­ne Ein­fäl­le am Dreh­ort zu erklä­ren, son­dern set­zen ein aus­ge­feil­tes Regie­kon­zept der Redak­ti­on vor­aus: Die links­ex­tre­mi­sti­schen Gegen­de­mon­stran­ten soll­ten offen­sicht­lich als seriö­se, glaub­wür­di­ge und enga­gier­te Bür­ger ver­harm­lost wer­den, die vor einem angeb­lich auf­zie­hen­den Rechts­drall warn­ten.

 2. Lächerliche SWR-These: Demo für alle als „rechtes Sammelbecken“

Beim Ver­gleich die­ses Berichts­teils mit den Aus­sa­gen über die wirk­li­che Demo für alle stellt man eine asym­me­trisch gespie­gel­te Dar­stel­lung fest:

  • Bei der Demo für alle wur­de in bei­den Sen­de-Ver­sio­nen die Zusam­men­set­zung aus 24 bür­ger­li­chen Akti­ons­grup­pen nicht erwähnt. Die Anmo­de­ra­ti­on sprach zwar von „kon­ser­va­ti­ven Grup­pen“. Es wur­den aber nicht – wie bei der Gegen­de­mon­stra­ti­on – ein­zel­ne Teil­neh­mer­grup­pen benannt, in die­sem Fall von CDU-Arbeits­krei­sen, Fami­li­en­ver­bän­den sowie Frau­en- und Kin­der­schutz­ver­ei­nen. Das Wort Akti­ons­bünd­nis war nicht ein­ge­blen­det.
  • Statt­des­sen wur­den den Zuschau­ern etwa ein Dut­zend rechts- oder rand­stän­di­ge Demon­stran­ten als Mit­te der Demo-Bewe­gung sug­ge­riert. Wäh­rend der Bericht die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit von 4.600 Demon­stran­ten nicht benann­te, gab er bei eini­gen weni­gen Per­so­nen von der Demo-Peri­phe­rie genaue Schub­la­den für ihre Ori­en­tie­rung an: zwei „wert­kon­ser­va­ti­ve Pius­brü­der“, drei „rechts­na­tio­na­le AfD-Poli­ti­ker“ und ein „Leser der rechts­kon­ser­va­ti­ven Jun­gen Frei­heit“.
  • Die­se Zuord­nun­gen des Repor­ters wirk­ten wie die Umset­zung der Anti­fa-Mei­nung zu den Demon­stran­ten: Danach war den Pius­brü­dern die Rol­le der „christ­li­chen Fun­da­men­ta­li­sten“ zuge­dacht und die bei­den ande­ren Grup­pen muss­ten als „Rechts­po­pu­li­sten“ her­hal­ten. Schließ­lich hat­te der Repor­ter noch fünf jun­ge Män­ner von der Iden­ti­tä­ren Jugend ent­deckt. Die wur­den von ihm als Mit­glie­der der „Neu­en Rech­ten“ gekenn­zeich­net. Damit waren anschei­nend die „neo-nazi­sti­schen Krei­se“ iden­ti­fi­ziert, von denen der Anti­fa-Spre­cher gere­det hat­te.
  • Ins­ge­samt soll­te mit der Demo-Betei­li­gung von die­sem Dut­zend poli­tisch rand­stän­di­ger Per­so­nen wohl die lächer­li­che The­se des Repor­ters ver­an­schau­licht wer­den, dass die gesam­te Demo von 4.600 Teil­neh­mern ein „rech­tes Sam­mel­becken“ wäre. Das die­ser Ansatz wohl auch die Regie-Idee der Redak­ti­on war, zeig­te sich am Tag nach der Aus­strah­lung der Sen­dung: Die Repor­ta­ge wur­de unter der Über­schrift: „Rechts­ra­di­ka­le auf der Stutt­gar­ter Demo“ online gestellt. Aus der Bemer­kung der Lan­des­sen­der­di­rek­to­rin zu die­sem Titel, „sehr stark zuge­spitzt“,  kann man eben­falls die inten­dier­te Regie­ab­sicht des Sen­ders erschlie­ßen. Nach eini­gen Tagen wur­de der Titel dann doch geän­dert, weil er anschei­nend all­zu deut­lich die ten­den­ziö­se Aus­rich­tung der Redak­ti­on offen leg­te. Aber auch der neue Titel: „Rech­te und Kon­ser­va­ti­ve demon­strie­ren gegen Bil­dungs­plan“ ist eine Nach­rich­ten-Mani­pu­la­ti­on, inso­fern die bei­den genann­ten Grup­pen als gleich­an­tei­lig sug­ge­riert wur­den. Der SWR-Bericht selbst hat­te auf der Demo von 4.600 Teil­neh­mern nur fünf Per­so­nen – also gut ein Pro­mil­le — aus­drück­lich als „Neue Rech­te“ iden­ti­fi­zie­ren kön­nen.

Konzept der asymmetrischen Spiegelung

Zu die­sem Kapi­tel lässt sich das Kon­zept der asym­me­tri­schen Spie­ge­lung zu Lasten der Demon­stran­ten gut deut­lich machen:

  • Wäh­rend bei den Gegen­de­mon­stran­ten die Domi­nanz der Links­ra­di­ka­len unter­schla­gen wur­de, bausch­te der SWR bei der Demon­stra­ti­on die irrele­van­te Pro­mil­le-Betei­li­gung von fünf angeb­li­chen Rechts­po­pu­li­sten und wei­te­ren fünf Per­so­nen der „Neu­en Rech­ten“ zu einem „rech­ten bis neo-nazi­sti­schen“ Popanz auf. Und:
  • Die gewalt­tä­ti­gen Links­ex­tre­men von der Gegen­de­mon­stra­ti­on wur­den im SWR-Bericht als besorg­te und kri­ti­sche Bür­ger der Mit­te hin­ge­stellt, wäh­rend man bei den fried­li­chen Demon­stran­ten eine gefähr­li­che Ten­denz der rechts­ra­di­ka­len Unter­wan­de­rung sug­ge­rier­te. Der Repor­ter beschwor die angeb­lich dro­hen­de Gefahr im letz­ten Satz noch ein­mal: „Hier in Stutt­gart ist ein regio­na­les oder viel­leicht deutsch­land­wei­tes Sam­mel­becken (der Rech­ten) ent­stan­den“ — und kei­ner lach­te.

Die SWR-Redaktion setzte sich die ideologisch gefärbte Brille der Linksextremen auf

Soll­te man aus die­ser Beob­ach­tung die oft gehör­te Fol­ge­rung zie­hen, dass der SWR auf dem lin­ken Auge blind wäre? Falsch! Die Redak­ti­on kann­te sich bei dem Anti­fa-Akti­ons­bünd­nis sehr gut aus. Um im Bild zu blei­ben: Sie setz­te selbst die ideo­lo­gisch gefärb­te Bril­le der Links­ex­tre­men auf. Mit die­ser Tönung erschie­nen alle kon­ser­va­ti­ven Grup­pen als rech­te Reak­tio­nä­re. Vom Anspruch der Wahr­heit her ist damit der Bericht ten­den­zi­ös, da die objek­ti­ven Erkennt­nis­se ver­dreht und ver­zerrt wur­den. Nach­rich­ten­tech­nisch ver­pack­te man Kom­men­ta­re und Bewer­tun­gen als Infor­ma­tio­nen. Somit ver­wan­del­te sich die Film­re­por­ta­ge in eine jour­na­li­sti­sche Mei­nungs­ma­che, die die Fern­seh-Zuschau­er mani­pu­lie­ren soll­te.

3. SWR-Rechtfertigung „Ausgewogenheit“ erweist sich als Schein

Nach die­ser Zwi­schen­bi­lanz soll die The­se unter­sucht wer­den, mit der die SWR-Direk­ti­on die Aus­ge­wo­gen­heit der Sen­dung recht­fer­tig­te: In dem Film­be­richt sei­en bei­de Sei­ten, also die Spre­cher der Demo sowie der Gegen­de­mon­stran­ten, zu ihren Beweg­grün­den zu Wort gekom­men. Aus­ge­hend vom Kon­text, erweist sich auch die­se for­ma­le Aus­ge­wo­gen­heit als Schein:

Kein fairer Journalismus gegenüber der Demo für alle      

  • Die Zie­le der Demon­stra­ti­on in Form der Haupt­pa­ro­len wur­den den Zuschau­ern vor­ent­hal­ten. Es dürf­te beschä­mend sein für einen öffent­lich-recht­li­chen Sen­der, dass die Bür­ger nur aus dem Poli­zei­be­richt die offi­zi­el­len Demo-For­de­run­gen erfah­ren konn­ten.
  • Die Spre­che­rin der 4.600 Demon­stran­ten kam in der 18 Uhr-Sen­dung weder zu den Demon­stra­ti­ons­zie­len noch den Beweg­grün­den zu Wort. Eben­falls konn­te sie nichts zu der feh­ler­haf­ten Ein­schät­zung des Repor­ters sagen. Der hat­te die posi­ti­ve Haupt­for­de­rung „Ehe und Fami­lie vor­an!“ als Kampf „gegen Gleich­stel­lung von Homo- und Trans­se­xu­el­len“ ver­dreht.
  • Dage­gen wirk­te die Repor­ter­fra­ge an die Demo-Spre­che­rin ablen­kend auf einen irrele­van­ten Neben­aspekt, wie man die Emble­me und Logos der Rech­ten begren­zen kön­ne. Im Kom­men­tar dazu füg­te der Jour­na­list die Unter­stel­lung ein, als wenn das Akti­ons­bünd­nis sich nicht von rech­ten Grup­pen und Ansich­ten distan­ziert hät­te, was sie aber auf ihrer Inter­net­sei­te getan hat­te.
  • In der leicht ver­än­der­ten Ver­si­on von 19.45 Uhr kam zwar Frau von Bever­fo­er­de zu einem Teil­aspekt der Demon­stra­ti­ons­zie­le zu Wort, indem sie sagen konn­te: Der vor­ran­gi­ge „Stel­len­wert der sexu­el­len Viel­falt“ im Akti­ons­plan der Lan­des­re­gie­rung ent­spre­che „nicht dem Geist der Ver­fas­sung“. Aber die Repor­ter­fra­ge wur­de immer noch nicht so gestellt, dass die Demon­stra­ti­ons­lei­te­rin die Haupt­zie­le der Demo dar­le­gen konn­te, wie das bei dem Anti­fa-Spre­cher der Fall war. Ange­sichts der links­ex­tre­mi­sti­schen Ver­zer­rung der Demo-Zie­le war es jeden­falls ein Skan­dal, dass den hun­dert­tau­sen­den Zuschau­ern der 18 Uhr-Sen­dung das Auf­zei­gen der Demon­stra­ti­ons­zie­le von Sei­ten der Spre­che­rin vor­ent­hal­ten wur­de. Auch bei die­sem Aspekt ist eine asym­me­tri­sche, inhalt­lich unaus­ge­wo­ge­ne Dar­le­gung fest­zu­stel­len.

4. Keine Gegendemonstranten, sondern Demonstrations-Störer und ‑Verhinderer

In einem vier­ten Unter­su­chungs­kom­plex geht es um den Fra­ge, wie der Demon­stra­ti­ons­ver­lauf, die Gegen­ak­tio­nen und der Ein­satz der Poli­zei dar­ge­stellt wur­den.

  • Nur die Ver­an­stal­ter der Demo für alle hat­ten eine Demon­stra­ti­on ange­mel­det, die vom Ort der Anfangs­kund­ge­bung zum Platz der Abschluss­re­den ver­lief. Das Anti­fa-Akti­ons­bünd­nis dage­gen hat­te nur eine öffent­li­che Kund­ge­bung eine Stun­de vor dem Demo-Auf­takt gemel­det. Auf die­ser Ver­samm­lung wur­den die Anti­fa­schi­stIn­nen heiß gere­det, dass und wie sie die Demon­stra­ti­on stö­ren, behin­dern und blockie­ren könn­ten. Das taten die gewalt­be­rei­ten Akti­vi­stIn­nen dann auch nach Beginn der ein­zi­gen Demon­stra­ti­on an die­sem Tag. Inso­fern war die Auf­wer­tung der viel­fäl­ti­gen Stör­ak­tio­nen der Anti­fa-Grup­pen als „Gegen­de­mon­stra­ti­on“ völ­lig falsch. Auch die Gleich­stel­lung der fried­li­chen Demo für alle mit den gewalt­tä­ti­gen Gegen­ak­tio­nen durch die For­mu­lie­rung „die bei­den Demon­stra­tio­nen“ war eine Irre­füh­rung gegen­über den Zuschau­ern.
  • Die Falsch­be­zeich­nung „Gegen­de­mon­stra­ti­on“ muss auch als sprach­li­che Ver­tu­schung der „anti­fa­schi­sti­schen Aktio­nen“ – so die Selbst­be­zeich­nung – gewer­tet wer­den. Im Poli­zei­be­richt war von Blockie­ren der Auf­zugs­strecke zu lesen, von Sach­be­schä­di­gung, Kör­per­ver­let­zung, Ver­wen­dung von Pyro­tech­nik, aku­sti­sche Stör­ak­tio­nen und Belei­di­gun­gen der Demon­stran­ten sowie von Wider­stand gegen Voll­streckungs­be­am­te.
  •  Von die­sen grund­rechts­wid­ri­gen Blocka­de­ver­su­chen sowie den Rechts­ver­stö­ßen gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz wur­den den Zuschau­ern nicht ein­mal Andeu­tun­gen gemacht. In der Anmo­de­ra­ti­on hieß es ein­mal, dass es zu „Ran­ge­lei­en zwi­schen den Gegen­de­mon­stran­ten und der Poli­zei“ gekom­men sei. Selbst die­se Aus­sa­ge war feh­ler­haft.
  • Der Ein­satz von meh­re­ren Hun­dert­schaf­ten der Poli­zei war nur des­halb not­wen­dig, weil das Anti­fa-Akti­ons­bünd­nis gewalt­tä­ti­ge Stör­ak­tio­nen gegen die Demo für alle ange­kün­digt hat­te. Das Ziel des Poli­zei­ein­sat­zes bestand dar­in, das grund­ge­setz­li­che Demon­stra­ti­ons­recht der Demo für alle zu gewähr­lei­sten. Als poli­zei­li­che Metho­de, die fried­li­chen Demon­stran­ten zu schüt­zen, hiel­ten die Beam­ten die gewalt­tä­ti­gen Links­ra­di­ka­len von der Demo auf Abstand, dräng­ten sie gele­gent­lich ab und waren mit der Abwehr von Attacken beschäf­tigt. Der SWR-Report unter­schlug die Tat­sa­che, dass die „mas­si­ve Prä­senz“ der Poli­zei aus­schließ­lich gegen die lin­ken Chao­ten gerich­tet war. Er ver­mit­tel­te dage­gen den fal­schen Ein­druck,  als wenn von bei­den Sei­ten Aggres­sio­nen aus­ge­gan­gen wären, wenn er behaup­te­te, die Poli­zei hät­te die „bei­den Demon­stra­tio­nen von­ein­an­der tren­nen“ müs­sen.

Journalistische Manipulationskunst      

Der pla­ka­ti­ve Vor­wurf von Lügen­pres­se an die Adres­se der Medi­en ist so nicht rich­tig. Die vor­lie­gen­de Ana­ly­se des SWR-Film­be­richts von der Demo für alle am 21. 6. 2015 zeigt auf, wie eine Redak­ti­on mit sub­ti­len jour­na­li­sti­schen Tech­ni­ken und in der Form einer objek­ti­ven Nach­rich­ten­sen­dung die Dar­stel­lung der Wirk­lich­keit so ver­dreh­te, dass die Mani­pu­la­tio­nen für einen nor­ma­len Zuschau­er nicht erkenn­bar waren. Ein sol­ches Kon­zept stellt eine hohe jour­na­li­sti­sche Mani­pu­la­ti­ons­kunst dar. Die ist mit dem Vor­wurf der plat­ten Lüge nicht rich­tig auf den Begriff gebracht.

Text: Hubert Hecker
Bild: Wikicommons/Demo für alle (Screen­shot)