Prozeß Vatileaks 2: Die Urteile

Vatileaks 2; Auftritte, wie sie Francesca Chaouqui mag - mit Bodyguards
Vatileaks 2; Auftritte, wie sie Francesca Chaouqui mag - mit Bodyguards

(Rom) Im Straf­ver­fah­ren Vati­leaks 2 wegen Untreue, Geheim­nis­ver­rats und Doku­men­ten­dieb­stahls wur­den am Nach­mit­tag die Urtei­le gefällt.

Der spa­ni­sche Prie­ster und Kuri­en­mit­ar­bei­ter Lucio Angel Val­le­jo Bal­da wur­de als Haupt­schul­di­ger zu 18 Mona­ten Gefäng­nis ver­ur­teilt. Sei­ne Kom­pli­zin, die ita­lie­ni­sche PR-Exper­tin Fran­ce­s­ca Chaou­qui, wur­de zu zehn Mona­ten auf Bewäh­rung ver­ur­teilt.

Val­le­jo Bal­da und Chaou­qui waren in der Nacht vom 31. Okto­ber auf den 1. Novem­ber 2015 von der Vati­kan­po­li­zei ver­haf­tet wor­den. Wäh­rend Chaou­qui nach kur­zer Zeit aus der Unter­su­chungs­haft ent­las­sen wur­de, weil sie sich zur Zusam­men­ar­beit mit der Gerichts­be­hör­de bereit erklärt hat­te, befin­det sich der spa­ni­sche Prä­lat seit­her in Gewahr­sam, zunächst in Unter­su­chungs­haft, zuletzt im Haus­ar­rest im Vati­kan.

Die bei­den ita­lie­ni­schen Jour­na­li­sten, Gian­lui­gi Nuz­zi und Emi­lia­no Fit­ti­pal­di hat­ten mit den ihnen zuge­spiel­ten Vati­kan­do­ku­men­ten Ent­hül­lungs­bü­cher ver­öf­fent­licht. Das vati­ka­ni­sche Gericht erklär­te sich für die Jour­na­li­sten aber für nicht zustän­dig.

Der fünf­te Ange­klag­te Nico­la Mai, ein Mit­ar­bei­ter der vati­ka­ni­schen Wirt­schafts­kom­mis­si­on, wur­de in allen Ankla­ge­punk­ten frei­ge­spro­chen.

Papst Franziskus: „Ein Fehler“, den falschen Leuten vertraut zu haben

Die umtrie­bi­ge Lob­by­istin von Ernst&Young und erklär­te Nuz­zi-Ver­eh­re­rin Fran­ce­s­ca Chaou­qui und Msgr. Lucio Angel Val­le­jo Bal­da saßen zusam­men in der von Papst Fran­zis­kus im Som­mer 2013 gewoll­ten Päpst­li­chen Son­der­kom­mis­si­on für die Reform der Wirt­schafts- und Finan­z­an­ge­le­gen­hei­ten des Hei­li­gen Stuhls (COSEA). Papst Fran­zis­kus war es auch, der Chaou­qui und Bal­da trotz War­nun­gen in die­se Kom­mis­si­on berief (sie­he Fran­ce­s­ca Chaou­qui: umtrie­big, Lob­by­istin, Nuz­zi-Ver­eh­re­rin, neue päpst­li­che Kom­mis­sa­rin). Papst Fran­zis­kus sprach nach den Ver­haf­tun­gen von einem „Feh­ler“, die­sen Per­so­nen ver­traut zu haben.

Die bei­den Jour­na­li­sten Nuz­zi und Fit­ti­pal­di, die unmit­tel­ba­ren Nutz­nie­ßer des Doku­men­ten­klaus, kamen glimpf­lich davon. Ihnen wur­de vor­ge­wor­fen, gegen Geld von den ande­ren Ange­klag­ten die Doku­men­te für ihre Bücher erhal­ten zu haben.

Nuz­zi war bereits in den Vati­leaks 1‑Skandal ver­wickelt, der sich noch unter Papst Bene­dikt XVI. zuge­tra­gen hat­te. Auch damals stand Nuz­zi im Ver­dacht vom dama­li­gen Kam­mer­die­ner des Pap­stes Doku­men­te gekauft zu haben, die die­ser vom Schreib­tisch Bene­dikts XVI. ent­wen­det hat­te. Der Ver­dacht geht sogar soweit, daß Nuz­zi der Anstif­ter für den Doku­men­ten­dieb­stahl war. Damals kam es nur gegen den Kam­mer­die­ner zu einem Straf­ver­fah­ren. Bene­dikt XVI. begna­dig­te ihn und sorg­te dafür, daß der Fami­li­en­va­ter eine neue Anstel­lung erhielt, aller­dings nicht mehr im Apo­sto­li­schen Palast.

Wäh­rend Papst Bene­dikt, obwohl Opfer des Skan­dals, von den Medi­en geprü­gelt wur­de, weil im Vati­kan „Cha­os“ herr­sche, gin­gen die­sel­ben Medi­en mit Papst Fran­zis­kus hand­zahm um. Am deut­lich­sten sicht­bar wur­de das an Gian­lui­gi Nuz­zi selbst. Hat­te er sein Buch 2012 erschie­ne­nes Ent­hül­lungs­buch „Sei­ne Hei­lig­keit: Die gehei­men Brie­fe aus dem Schreib­tisch von Papst Bene­dikt XVI.“ als Ankla­ge gegen den deut­schen Papst ver­faßt, woll­te er sein 2015 ver­öf­fent­lich­tes Ent­hül­lungs­buch „Via Cru­cis“, in deut­scher Über­set­zung „Alles muss ans Licht: Das gehei­me Dos­sier über den Kreuz­weg des Pap­stes“ als „Unter­stüt­zung“ für Papst Fran­zis­kus ver­stan­den wis­sen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL (Screen­shot)