Tod des Clinton-Vertrauten John Ashe löst zahlreiche Spekulationen aus

Gegen John W. Ashe war 2015 Anklage erhoben worden.
Gegen John W. Ashe war 2015 Anklage erhoben worden.

(New York) Bewahrt der Tod eines hohen UNO-Amts­trä­gers Hil­la­ry Clin­ton, die demo­kra­ti­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin. vor einem neu­en Skan­dal? Mit die­ser Fra­ge beschäf­ti­gen sich der­zeit US-ame­ri­ka­ni­sche Medi­en. Man­che spre­chen von einem „wun­der­sa­men“, „recht­zei­ti­gen“ Tod.

Ver­gan­ge­ne Woche wur­den Gerüch­te und Ver­schwö­rungs­theo­rien rund um die Todes­um­stän­de von John W. Ashe laut. Ashe war Prä­si­dent der 68. Sit­zungs­ses­si­on der UNO-Gene­ral­ver­samm­lung 2013/2014. Er stand unter Ankla­ge, in einen Kor­rup­ti­ons­skan­dal aus der Zeit der Regie­rung von US-Prä­si­dent Bill Clin­ton, dem Ehe­mann von Hil­la­ry Clin­ton, ver­strickt zu sein.

US-ame­ri­ka­ni­sche Medi­en gaben ver­gan­ge­ne Woche bekannt, daß der 61 Jah­re alte UNO-Funk­tio­när John W. Ashe am Mor­gen des 23. Juni in sei­ner New Yor­ker Woh­nung tot auf­ge­fun­den wor­den war.

Laut Ankla­ge der US-ame­ri­ka­ni­schen Gerichts­be­hör­de war Ashe beschul­digt gewe­sen, mehr als eine Mil­li­on Dol­lar Schmier­geld von einem chi­ne­si­schen Unter­neh­mer ange­nom­men zu haben, um die UNO-Haupt­ver­samm­lung in einem bestimm­ten Sinn zu beein­flus­sen.

Unterschiedliche Versionen über die Todesumstände

Obwohl UNO-Funk­tio­nä­re zunächst bekannt­ge­ge­ben hat­ten, daß Ashe einem Herz­in­farkt erle­gen sei, teil­te die Poli­zei am näch­sten Tag mit, Ashes Hals sei zer­quetscht gwe­sen. Der Grund kön­ne ein Unfall beim Gewicht­he­ben zu Hau­se gewe­sen sein.

Der uner­war­te­te Tod ver­hin­dert es, daß Ashe sich vor Gericht ver­ant­wor­ten und Aus­kunft geben muß über sei­ne Bezie­hun­gen zum chi­ne­si­schen Bau­un­ter­neh­mer und Muti­mil­li­ar­där Ng Lap Seng.

Ng Lap Seng ver­fügt über Wohn­sit­ze in der ehe­ma­li­gen por­tu­gie­si­schen Kolo­nie Macau, seit 1999 ein Son­der­ver­wal­tungs­ge­biet der Volks­re­pu­blik Chi­na, und in New York. Er gehör­te zu den groß­zü­gi­gen Spen­dern für die bei­den Prä­si­dent­schafts­wahl­kämp­fe von Bill Clin­ton in den Jah­ren 1993 und 1997.

Die unter­schied­li­chen Ver­sio­nen zur Todes­ur­sa­che eines Haupt­ver­däch­ti­gen in einem Kor­rup­ti­ons­skan­dal mit Quer­ver­bin­dung zum ehe­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten und Ehe­mann der nun­meh­ri­gen Prä­si­dent­schafts­be­wer­be­rin lösten rege Spe­ku­la­tio­nen aus.

Ng Lap Seng war 1998 in einem Unter­su­chungs­be­richt des US-Senats als Quel­le für meh­re 100.000 Dol­lar benannt wor­den, die wäh­rend der Regie­rung Clin­ton ille­gal dem Natio­nal­ko­mi­tee der Demo­kra­ti­schen Par­tei zuge­flos­sen waren. Wie ABC News berich­te­te, hat­te der Unter­neh­mer mehr­fach Zugang zum Wei­ßen Haus, nahm an einer Rei­he von Ver­an­stal­tung unter der Schirm­herr­schaft des Natio­nal­ko­mi­tees der Demo­kra­ti­schen Par­tei teil und ließ sich zusam­men mit Bill Clin­ton und Hil­la­ry Clin­ton am Amts­sitz des Prä­si­den­ten foto­gra­fie­ren.

Nun wäre Ashe gezwun­gen gewe­sen, vor Gericht dazu aus­zu­sa­gen. Nach Anga­ben von Richard John­son in der New York Post hät­te die Aus­sa­ge von Ashe vor Gericht für eini­ge hohe Amts­trä­ger der UNO „sehr pein­lich“ wer­den kön­nen. Sein Tod sei „für man­che recht­zei­tig“ gekom­men.

Ashe war Bot­schaf­ter der USA und dann UNO-Funk­tio­när zur Umset­zung des Kyo­to-Pro­to­kolls und zur Aus­ar­bei­tung der UNO-Zie­le für eine welt­wei­te „nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“, der soge­nann­ten Post-2015-Agen­da.

Sein Rechts­an­walt Jere­my Schnei­der beteu­er­te, es habe sich beim Tod von Ashe um einen Unfall gehan­delt. Es gebe „kei­ne Hin­wei­se auf einen Mord“.

Text: Andre­as Becker
Bild: Info­Va­ti­ca­na