Weltweit fast 50 Millionen Sklaven — 60 Prozent davon in Asien

Moderne Sklaverei und Menschenhandel
Global Slavery Index vorgelegt: moderne Sklaverei und Menschenhandel

(Neu Delhi) Welt­weit gibt es min­de­stens 45,8 Mil­lio­nen moder­ne Skla­ven. Zwei Drit­tel die­ser Män­ner, Frau­en und Kin­der befin­den sich in Asi­en. Asi­en ist mit 26,6 Mil­lio­nen oder 58 Pro­zent der Kon­ti­nent mit den mei­sten Skla­ven, wie aus dem gestern ver­öf­fent­lich­ten Glo­bal Slavery Index her­vor­geht.

Ver­öf­fent­licht wur­de der Index von der Walk Free Foun­da­ti­on, einer kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on des austra­li­schen Indu­strie­ma­gna­ten Andrew For­rest und sei­ner Frau Nico­le.

Der Glo­bal Slavery Index ist das ein­zi­ge Doku­ment, das sich auf der Grund­la­ge sozio­lo­gi­scher Stu­di­en, mit der zah­len­mä­ßi­gen Dimen­si­on und Aus­brei­tung der moder­nen Skla­ve­rei befaßt. Ver­gleich­ba­res exi­stiert nicht.

Zum The­ma Skla­ve­rei und Men­schen­han­del wer­den 167 Staa­ten auf­ge­li­stet. Die Rei­hung erfolgt laut Anzahl der Skla­ven im Ver­hält­nis zur Gesamt­be­völ­ke­rung. Die ersten Rän­ge in der Nega­tiv­li­ste neh­men fünf asia­ti­sche Staa­ten ein: Nord­ko­rea, Usbe­ki­stan, Kam­bo­dscha, Indi­en und Katar.

In Nord­ko­rea exi­stiert ein staat­lich gelenk­tes System der Zwangs­ar­beit, das Teil der Pro­duk­ti­ons­ket­te des Lan­des ist. Gleich­zei­tig wer­den Tau­sen­de von nord­ko­rea­ni­schen Frau­en in die Volks­re­pu­blik Chi­na und ande­re Staa­ten ver­kauft, ent­we­der für die Ehe oder die Pro­sti­tu­ti­on. laut Glo­bal Slavery Index sind mehr als vier Pro­zent aller Nord­ko­rea­ner Skla­ven.

In Usbe­ki­stan ver­pflich­tet der Staat jedes Jahr sei­ne Bür­ger zur Zwangs­ar­beit in den Baum­woll­fel­dern.

In Katar leben 2,3 Mil­lio­nen Men­schen. Nur kaum mehr als 300.000 davon sind Ein­hei­mi­sche und besit­zen die Staats­bür­ger­schaft des Lan­des. Sechs von sie­ben Bewoh­nern sind Gast­ar­bei­ter. 40 Pro­zent von ihnen stam­men aus Indi­en und Paki­stan, 20 Pro­zent aus Nepal, knapp zehn Pro­zent aus ande­ren ara­bi­schen Staa­ten.

Min­de­stens 30.000 oder fast 1,4 Pro­zent der Bevöl­ke­rung sind Skla­ven. Sie wer­den vor allem im Bau­ge­wer­be ein­ge­setzt. Katar ist Aus­tra­gungs­ort der Fuß­ball­welt­mei­ster­schaft 2022. Auf den vie­len Bau­stel­len für das Groß­ereig­nis sol­len Tau­sen­de Arbeits­skla­ven tätig sein. Sie stam­men zu fast 100 Pro­zent aus Indi­en, Nepal, den Phil­ip­pi­nen, Sri Lan­ka und Ban­gla­desch.

Die meisten Sklaven werden in Indien, China, Pakistan, Bangladesch, Usbekistan gehalten

Den zah­len­mä­ßi­gen Pri­mat an Skla­ven hal­ten Indi­en, die Volks­re­pu­blik Chi­na, Paki­stan, Ban­gla­desch und Usbe­ki­stan. Indi­en ist mit 18,35 Mil­lio­nen Skla­ven die abso­lu­te Num­mer Eins unter den Skla­ven­hal­ter­staa­ten.  In der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na soll es 3,4 Mil­lio­nen Skla­ven geben, in Paki­stan wird ihre Zahl auf mehr als 2,1 Mil­lio­nen geschätzt, in Ban­gla­desch auf 1,5 Mil­lio­nen und in Usbe­ki­stan auf mehr als 1,2 Mil­lio­nen.

Die „bil­li­gen“ Arbeits­kräf­te wer­den zu einem beträcht­li­chen Maß zur Pro­duk­ti­on von Kon­sum­gü­tern für den euro­päi­schen, japa­ni­schen, nord­ame­ri­ka­ni­schen und austra­li­schen Markt ein­ge­setzt.

Laut Glo­bal Slavery Index ist die Lage in Hong Kong ver­hält­nis­mä­ßig schlim­mer als in der Volks­re­pu­blik Chi­na. Das auto­no­me Gebiet bie­te Per­so­nen, die poten­ti­ell durch Ver­skla­vung bedroht sind, wenig Schutz. Es gebe sogar den Ver­dacht, „daß die Regie­rungs­po­li­tik die Skla­ve­rei begün­stigt“.

Gründe: Geschäft, organisierte Kriminalität, Ausbeutung

Zu den Ursa­chen für die moder­ne Skla­ve­rei gehö­ren auch Kre­di­te und Wucher. Laut Glo­bal Slavery Index gibt es drei Haupt­grün­de, die den Skla­ven­markt füt­tern: das Geschäft (stets auf der Suche nach Lohn­sen­kung); das orga­ni­sier­te Ver­bre­chen (vor allem durch Men­schen­han­del); die Aus­beu­tung des Men­schen durch den Men­schen.

Laut Andrew For­rest las­sen sich die­se drei Ele­men­te erfolg­reich bekämp­fen: dazu brau­che es Geset­ze, mit denen die Skla­ve­rei ver­bo­ten wird; die Geschäfts­welt müs­se zudem gezwun­gen wer­den, Trans­pa­renz zu Pro­duk­ti­ons­or­ten und Pro­duk­ti­ons­me­tho­den zu garan­tie­ren. F

orrest nann­te als drit­ten Fak­tor ein „ver­ant­wor­tungs­vol­le­res Bewußt­sein des Kon­su­men­ten“. Die Kon­su­men­ten soll­ten von der Maxi­me Abstand neh­men, das bil­lig­ste Pro­dukt erwer­ben zu wol­len. Die­ses Ver­hal­ten sei ver­ständ­lich, schaf­fe jedoch einen Pro­duk­ti­ons- und Kosten­druck, der das Phä­no­men Skla­ve­rei för­de­re.

2014 unter­zeich­ne­ten der Hei­li­ge Stuhl und Walk Free ein Abkom­men zur Grün­dung eines Gemein­schafts­pro­jekts namens Glo­bal Free­dom Net­work. Ziel des Netz­wer­kes ist es, die Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten für den Kampf gegen die „neu­en For­men der Skla­ve­rei wie Pro­sti­tu­ti­on, Zwangs­ar­beit, Organ­han­del, Men­schen­han­del“ zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Für den Vati­kan saß der Papst-Ver­trau­te, Kuri­en­bi­schof Mar­ce­lo San­chez Soron­do im Vor­stand des Glo­bal Free­dom Net­work. Im Juli 2015 zog sich San­chez Soron­do aus dem Vor­stand zurück. Die Grün­de dafür sind unklar. Kurz zuvor war For­rest von einer UNO-Ver­tre­te­rin eine „sim­pli­fi­zie­ren­de Sicht­wei­se“ vor­ge­wor­fen wor­den.

San­chez Soron­do ist für den Papst der zwei­fa­che Archi­tekt der neu­en poli­ti­schen Kon­tak­te, einer­seits zur inter­na­tio­na­le Eli­te und gleich­zei­tig zu links­ra­di­ka­len Par­tei­en und Bewe­gun­gen.

For­rest betreibt Eisen­erz­mi­nen in Austra­li­en. Im Nord­we­sten des Lan­des gehört ihm ein Ter­ri­to­ri­um von der Grö­ße Öster­reichs. Er ist der größ­te pri­va­te Spen­der für wohl­tä­ti­ge Zwecke in Austra­li­en.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news (Screen­shot)