Der „Marsch für das Leben“, die Abtreibung und die kalte Schulter des Papstes

(Rom) Der Marsch für das Leben in Rom vom ver­gan­ge­nen Sonn­tag hat unüber­hör­bar dem Lebens­recht der unge­bo­re­nen Kin­der eine Stim­me ver­lie­hen. Durch sei­ne Ein­füh­rung 2011 (seit 2012 in Rom) wur­de die ita­lie­ni­sche Lebens­rechts­be­we­gung aus ihrer Lethar­gie her­aus­ge­ris­sen. Dem „gesell­schaft­li­che Abtrei­bungs­kon­sens“ war es fast gelun­gen, sie ganz am Ran­de ein­zu­he­gen. Der ita­lie­ni­sche Marsch für das Leben hat beson­de­re Bedeu­tung, weil Rom der Sitz des Hei­li­gen Stuhls ist. Dem Anlie­gen, „kom­pro­miß­los für das Leben, kom­pro­miß­los gegen die Abtrei­bung“ (Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke) ein­zu­tre­ten, wird dadurch für die Welt­kir­che Sicht­bar­keit gege­ben. Die Ein­füh­rung des römi­schen Mar­sches für das Leben fällt dabei inter­es­san­ter­wei­se mit dem Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus zusam­men. Das konn­te damals noch nie­mand ahnen, ent­fal­tet aber eine beson­de­re Bedeu­tung, denn der amtie­ren­de Papst drängt die Kir­che, den „Abtrei­bungs­kon­sens“ zu akzep­tie­ren.

Das ist der Preis, den Fran­zis­kus — offen­bar ohne gro­ßes Zögern — zu zah­len bereit ist, um mit den von Abtrei­bungs­be­für­wor­tern domi­nier­ten inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen und Macht­zen­tren ins Gespräch zu kom­men. Der Marsch für das Leben in Rom ist daher nicht mehr ein Schul­ter­schluß mit dem Papst, wie es 2012 mit Bene­dikt XVI. der Fall war. Er ist viel­mehr zur Mah­nung an den Papst gewor­den. Wie not­wen­dig das ist, zeigt die Gereizt­heit, mit der Fran­zis­kus auf den Marsch reagiert, der nicht in sei­ne Stra­te­gie paßt.

Päpstlicher Paradigmenwechsel in Sachen Abtreibung

Die Vor­stel­lung, daß einem Papst das Lebens­recht kein wirk­li­ches Anlie­gen mehr sein könn­te, erschreckt Katho­li­ken bis ins Mark. Zu Recht. Die Päp­ste Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. mach­ten die katho­li­sche Kir­che zum letz­ten, bedeu­ten­den inter­na­tio­na­len Boll­werk für die Unge­bo­re­nen, gegen die Abtrei­bung, gegen die Eutha­na­sie und die ande­ren uti­li­ta­ri­sti­schen „Spie­le­rei­en“ mit dem Leben, von der künst­li­chen Befruch­tung bis zur „Leih­mut­ter­schaft“.

Bereits in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten war in Kir­chen­krei­sen eine Unru­he fest­stell­bar. Man­che katho­li­sche Orga­ni­sa­tio­nen und man­cher Prä­la­ten woll­ten den Kampf für das Leben nicht mehr mit­tra­gen, weil sie den sich dar­aus erge­ben­den Gegen­satz zur „Welt“ nicht ertra­gen konn­ten. Die­ser ver­langt eini­ges ab, vor allem Opfer. Wer gegen die die insti­tu­tio­na­li­sier­te Mei­nung kämpft, wird von deren Anhän­gern nicht geliebt, nicht umschmei­chelt und nicht geehrt.

Die Stim­men für die „Kul­tur des Lebens“ (Johan­nes Paul II.) und für die „nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te (Bene­dikt XVI.) dünn­ten sich in West­eu­ro­pa aus. Sie wur­den weni­ger und lei­ser. Die gro­ßen katho­li­schen Orga­ni­sa­tio­nen lie­ßen das The­ma ein­fach still und lei­se unter den Tisch fal­len, ob in Deutsch­land oder in Öster­reich oder sonst­wo.

Nun regiert ein Papst in Rom, der die­se Appease­ment-Poli­tik sogar an der Spit­ze der Kir­che ver­tritt. Natür­lich sei man für das Lebens­recht der Unge­bo­re­nen, und natür­lich wür­de man nie eine Abtrei­bung befür­wor­ten. Doch laut sagen müs­se man das ja nicht, oder wenn, dann nur vor ein­schlä­gig Enga­gier­ten, der klei­nen Schar der akti­ven Lebens­recht­ler — um die­se zufrie­den­zu­stel­len.

Abtreibungskonsens akzeptieren?

Das The­ma Abtrei­bung kommt bei Papst Fran­zis­kus durch­aus vor, aber eben sehr ver­hal­ten und ziem­lich ver­steckt. Da er ein gebo­re­nes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­nie ist, das genau weiß, wie man sich für ein Anlie­gen Gehör ver­schafft, kann dahin­ter nur Absicht ver­mu­tet wer­den.

Die erwähn­ten gro­ßen katho­li­schen Ver­bän­de in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz schwei­gen inzwi­schen nicht nur zur Tötung unge­bo­re­ner Kin­der, son­dern koope­rie­ren sorg­los mit Orga­ni­sa­tio­nen, die der Abtrei­bungs­ideo­lo­gie frö­nen oder Teil der Abtrei­bungs­lob­by sind. Die Hemm­schwel­len sind weit­ge­hend gefal­len. Den „klei­nen Unter­schie­de“ in der Lebens­fra­ge nimmt man nicht ein­mal mehr wahr

Papst Franziskus vor der UNO-Hauptversammlung 2015
Papst Fran­zis­kus vor der UNO-Haupt­ver­samm­lung 2015

Der Mas­sen­mord an unge­bo­re­nen Kin­der, der welt­weit bis ins letz­te Land aus­ge­wei­tet wer­den soll, löst kei­nen Auf­schrei des Ent­set­zens und des Wider­spruchs mehr aus. Die Post-2015-Ent­wick­lungs­agen­da der UNO, auch „Zie­le nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung“ genannt, haben die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung zum Ziel der inter­na­tio­na­len Poli­tik gemacht. Das Zen­tral­ko­mi­tee der deut­schen Katho­li­ken (ZdK) nahm eif­rig dafür Stel­lung und schwieg zur Abtrei­bungs­agen­da. Das The­ma Lebens­recht exi­stiert für sie schlicht­weg nicht mehr. Der „gesell­schaft­li­che Abtrei­bungs­kon­sens“ gilt in unse­ren Brei­ten auch als poli­ti­sches Cre­do des katho­li­schen Teils der Eli­ten.

Papst Fran­zis­kus wur­de sogar als Fest­red­ner in den New Yor­ker Glas­pa­last der Ver­ein­ten Natio­nen ein­ge­la­den, um vor der Abstim­mung der UNO-Haut­ver­samm­lung der Post-2015-Agen­da  sei­nen „Segen“ zu geben. Es wäre ein ein­ma­li­ge Gele­gen­heit gewe­sen, die Stim­me für die unge­bo­re­nen Kin­der und gegen die Abtrei­bung zu erhe­ben, gegen die Eutha­na­sie, gegen das Spiel mit dem Leben durch In-Vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on, selek­ti­ve Abtrei­bung, Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gno­stik und Leih­mut­ter­schaft. Doch Fran­zis­kus tat nichts der­glei­chen. Er spiel­te die ihm zuge­dach­te Rol­le mit Bra­vour und wie gewünscht, als höch­ster reli­giö­ser und mora­li­scher Sta­tist im Spiel der domi­nie­ren­den Macht­eli­ten. Nicht mehr und nicht weni­ger.

Marsch für das Leben - Störfaktor im Idyll der „Ränder“

Ohne die katho­li­sche Kir­che gäbe es kei­ne nen­nens­wer­te Kraft mehr auf der gan­ze Erde, die sich der Unkul­tur des Todes, dem per­ma­nen­ten Bethe­he­mi­ti­schen Kin­der­mord ent­ge­gen­stellt. Die Fol­gen wären kata­stro­phal. Die Ver­ant­wor­tung, die Kir­che in eine sol­che Posi­ti­on zu füh­ren, wäre enorm.

Die Ereig­nis­se rund um den Marsch für das Leben und die Käl­te, mit der der Papst die Teil­neh­mer des Mar­sches als auf dem Peters­platz begrüß­te, als sei­en sie ein lästi­ger Stör­fak­tor im schö­nen Idyll, den man am besten­falls am Dienst­bo­ten­ein­gang sehen möch­te, ver­lan­gen von den Katho­li­ken ein Nach­den­ken, beson­ders von jenen unter ihnen, die Chri­sti Bot­schaft ernst­neh­men und sich dem Kin­der­mord wider­set­zen. Die Lebens­rechts­be­we­gung steht vor einer neu­en Her­aus­for­de­rung. Es ist ein Nach­den­ken über den wich­tig­sten Grund­satz unter den nicht-ver­han­del­ba­ren Grund­sät­zen, die Papst Bene­dikt XVI. der Mensch­heit lehr­te. Es geht um die­se Grund­sät­ze, die jemand nicht mehr ver­ste­hen will, oder sie sogar für ver­han­del­bar hält.

In die­ses tri­ste Bild gehört auch das Ver­stum­men von nicht weni­gen bekann­ten katho­li­schen Blogs, die bis zum März 2013 Bene­dikt XVI. im Ein­satz für das Lebens­recht und die Men­schen­wür­de unter­stütz­ten. Die­se „Kon­ser­va­ti­ven“ sind zu Ex-Kon­ser­va­ti­ven gewor­den und haben sich inzwi­schen agil auf „Rän­der“ und Ein­wan­de­rer spe­zia­li­siert.

Nicht daß Papst Fran­zis­kus für die Abtrei­bung wäre, kei­nes­wegs. Ein Her­zens­an­lie­gen sind ihm die unge­bo­re­nen Kin­der aber kei­nes.

Letzt­lich for­ciert er aber jene heuch­le­ri­sche Mehr­heits­po­si­ti­on im „gesell­schaft­li­chen Abtrei­bungs­kon­sens“, die da lau­tet: „Ich bin gegen Abtrei­bung, aber jeder soll selbst ent­schei­den“. Das Leben steht aber nicht zur Dis­po­si­ti­on. Das Leben ist kein Gegen­stand, über des­sen Sein oder Nicht-Sein man befin­den, oder sich in eine „Neu­tra­li­tät“ zurück­zie­hen kann. Jede Rela­ti­vie­rung des Lebens­rechts ist garan­tiert töd­lich.

Linksradikale Weltsicht?

Jüngst stell­te sich der bekann­te Vati­ka­nist San­dro Magi­ster die Fra­ge, war­um Papst Fran­zis­kus in Sachen Abtrei­bung einen ekla­tant ande­ren Kurs ver­folgt, als eine Vor­gän­ger. Der Schluß zu dem er gelangt ist, bie­tet eine plau­si­ble Erklä­rung, die seit drei Jah­ren durch eine Rei­he von Gesten und Wor­ten gestützt wird. Zugleich ist er aber erschreckend.

Dem­nach sei die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der für Papst Fran­zis­kus zwar schlimm, sein Augen­merk lie­ge aber nicht auf den Kin­dern, die getö­tet wer­den. Sie blei­ben letzt­lich auch für ihn die gro­ßen, unsicht­ba­ren Namen­lo­sen. Sein Augen­merk gel­te den Frau­en, die weder Tadel noch Ermah­nung ver­die­nen, son­dern allein Barm­her­zig­keit. Denn, so Magi­ster, in den Augen von Papst Fran­zis­kus sind sie nicht Täter, son­dern Opfer. Sie sind Opfer eines unge­rech­ten Wirt­schafts­sy­stems, letzt­lich Opfer des Kapi­ta­lis­mus, „der tötet“. Papst Fran­zis­kus ver­mei­det zwar das Wort „Kapi­ta­lis­mus“, meint ihn aber. Abtrei­bung ist für den Papst also die Fol­ge einer struk­tu­rel­len Unge­rech­tig­keit. Damit gibt es im Grun­de kei­ne faß­ba­ren Täter, dafür um so mehr Opfer. Ver­ant­wor­tung und Täter­schaft lösen sich in einer anony­men System­kri­tik auf.

Abtrei­bung wird zu einem fak­tisch nicht wirk­lich beein­fluß­ba­ren Phä­no­men. Eine  beque­me Les­art, die jeder Ver­ant­wor­tung ent­bin­det, die tat­säch­li­chen Täter durch die Schaf­fung neu­er, abstrak­ter Täter exkul­piert und sich dadurch bestens in den vor­herr­schen­den Abtrei­bungs­kon­sens ein­fügt. Der Papst, ein Jesu­it, kann nicht ernst­haft anneh­men, die Abtrei­bung wür­de ver­schwin­den, wenn es ein ande­res (gerech­te­res) Wirt­schafts­sy­stem gäbe? Soll­te das amtie­ren­de Kir­chen­ober­haupt so wenig Ahnung von der anthro­po­lo­gi­schen Weis­heit haben, die der Kir­che von Gott anver­traut wur­de? Soll­te er so wenig Ahnung vom Wesen des Men­schen haben?

Der Ansatz des päpst­li­chen Den­kens ist erschreckend, denn er ent­spricht jenem der radi­ka­len Lin­ken, zu der er tat­säch­lich eine beson­de­re Affi­ni­tät zeigt. Für Links­ra­di­ka­le gibt es kei­ne straf­recht­li­che Schuld. Gefäng­nis­se sind nur Instru­men­te eines repres­si­ven Herr­schafts­sy­stems, und Gefan­ge­ne Opfer einer unge­rech­ten Wirt­schafts- und Gesell­schafts­ord­nung.

Schweigen zu dem, was der Mainstream nicht hören will

Eine sol­che Sicht­wei­se, so Magi­ster, erklä­re auch, wes­halb Papst Fran­zis­kus mit dem Marsch für das Leben, dem Fami­ly Day oder Manif pour tous nichts anfan­gen kön­ne. Die­se wür­den sei­ne Stra­te­gie, mit den Zeit­geist-Mäch­ti­gen die­ser Welt ins Gespräch zu kom­men, nur behin­dern. Sie sei­en daher kein Nut­zen für die Kir­che, son­dern viel­mehr ein Scha­den. Laut die­ser Sicht­wei­se soll­ten die Katho­li­ken zu dem Schwei­gen, was der Main­stream nicht hören will, und nur das sagen, was der Main­stream hören will.

Das erklärt auch die Zunah­me poli­ti­scher Stel­lung­nah­men der katho­li­schen Bischö­fe, bei­spiels­wei­se im deut­schen Sprach­raum, die nicht zu genu­in katho­li­schen The­men erfol­gen, son­dern in kon­se­quen­ter Fort­set­zung der gera­de von den Leit­me­di­en vor­ge­ge­be­nen The­men und als will­fäh­ri­ge Hel­fer der Regie­ren­den. Das Enga­ge­ment, mit dem sich deut­sche Bischö­fe bei­spiels­wei­se für die irra­tio­na­le Ein­wan­de­rungs­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung stark machen, steht in kei­nem Ver­hält­nis zum mini­ma­li­sti­schen Ein­satz für das Lebens­recht Unge­bo­re­ner. Dabei ste­hen die bei­den Fra­gen in direk­tem und ursäch­li­chem Zusam­men­hang. Doch davon ist weder aus dem Mund der genann­ten Bischö­fe noch des Pap­stes zu hören.

Im deut­schen Sprach­raum wei­ger­ten sich beträcht­li­che Tei­le der katho­li­schen Kir­che bereits in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten, Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. aktiv im Ein­satz für das Lebens­recht zu fol­gen. Der Grund ist, wir haben es bereits gehört, der „gesell­schaft­li­che Abtrei­bungs­kon­sens“, dem sich auch die christ­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en CDU/CSU/ÖVP/CVP ver­schrie­ben haben. Die trans­at­lan­tisch ori­en­tier­te Nach­kriegs-Chri­sten­de­mo­kra­tie befin­det sich in einer schwe­ren Iden­ti­täts­kri­se: Sie fei­ert heu­te die Lega­li­sie­rung der „Homo-Ehe“ und bekämpft jene, die den Abtrei­bungs­kon­sens in Fra­ge stel­len.

Seit Papst Fran­zis­kus in Rom regiert ist auch der römi­sche Druck auf die kirch­li­che Hier­ar­chie in den Län­dern, die katho­li­schen Ver­bän­de und die Christ­de­mo­kra­tie weg­ge­fal­len. Es herrscht Gleich­klang. Statt der von Lebens­recht­lern erhoff­ten „Umdre­hung“ der Bischö­fe zugun­sten des Lebens durch Rom, fand eine Umdre­hung Roms durch die Bischö­fe (Kar­di­nä­le) statt. Eine ver­kehr­te Ent­wick­lung. Bes­se­rung ist wohl erst vom näch­sten Papst zu erwar­ten, zumin­dest zu erhof­fen.

Kalte Schulter von Bischöfen und Papst

Die Lebens­rechts­be­we­gung ist in deut­schen Lan­den und anders­wo die kal­te Schul­ter man­cher Prä­la­ten gewöhnt. Nun bekommt sie die­se auch von Rom gezeigt. Das ver­langt ein Umden­ken und eine neue Eigen­stän­dig­keit. Die Lebens­rechts­be­we­gung ver­fügt jedoch über alle Grund­la­gen und Aus­sa­gen frü­he­rer Päp­ste, um ihren Weg ziel­be­wußt fort­zu­set­zen. Leich­ter wird ihr Weg dadurch zwar nicht, er kann aber kon­se­quen­ter und damit durch­aus auch effi­zi­en­ter wer­den. Fal­sche Illu­sio­nen machen schläf­rig und bequem. Es bedarf aller­dings der Stand­haf­tig­keit. Einer Stand­haf­tig­keit, wie sie Gott schenkt.

Die katho­li­sche Jour­na­li­stin Cost­an­za Miria­no, Jahr­gang 1970, Ehe­frau, Mut­ter von vier Kin­dern und Buch­au­torin, gehört dem Komi­tee Ver­tei­di­gen wir unse­re Kin­der an, das den Fami­ly Day 2015 (eine Mil­li­on Teil­neh­mer) und den Fami­ly Day 2016 (zwei Mil­lio­nen Teil­neh­mer) in Rom orga­ni­sier­te, um gegen die Lega­li­sie­rung der „Homo-Ehe“ und gegen die Ein­füh­rung der Gen­der-Ideo­lo­gie an Kin­der­gär­ten und Schu­len zu pro­te­stie­ren. Bei­de Ver­an­stal­tun­gen wur­den im Vor­feld von Papst-Ver­trau­ten behin­dert. Vom Papst gab es nicht das gering­ste Zei­chen eines Wohl­wol­lens.

Als Gast bei TV2000, dem Fern­seh­sen­der der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, brach­te sie ihre Schwie­rig­keit zum Aus­druck, die aktu­el­le Ent­wick­lung in der katho­li­schen Kir­che West­eu­ro­pas und an der Spit­ze der Welt­kir­che zu ver­ste­hen:

„Ich bedaue­re: Es mag sein, daß ich mich wie­der­ho­le, aber für mich hat das gan­ze Gere­de über Krieg und Frie­den kei­nen gro­ßen Sinn, solan­ge nicht wie­der eine ernst­haf­te Abtrei­bungs­dis­kus­si­on statt­fin­det. Denn was soll das: Eine Gewalt soll ein unan­tast­ba­res Recht sein, ein Fort­schritt und eine Befrei­ung, wäh­rend eine ande­re Gewalt hin­ge­gen eine zu bekämp­fen­de Grau­sam­keit sein soll? Wer ent­schei­det, wel­che Gewalt gut und wel­che schlecht ist?  Vom Recht auf Selbst­ver­tei­di­gung abge­se­hen ist jede Form von Gewalt schlecht. ‚Nicht töten‘, lau­tet das Fünf­te Gebot. War­um also soll­te ich mich über irgend­ei­nen Krieg irgend­wo auf der Welt empö­ren, wenn mit­ten unter uns, in unse­ren Städ­ten und unse­ren Kran­ken­häu­sern ver­meint­lich sau­ber und keim­frei ein Geno­zid statt­fin­det, des­sen Opfer die Schwäch­sten unter den Schwa­chen, die Wehr­lo­se­sten unter den Wehr­lo­sen, die Klein­sten unter den Klei­nen sind, die Kin­der, die ver­su­chen, unter dem Her­zen ihrer Mut­ter her­an­zu­wach­sen?“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL