Saudi Binladin Group in der Krise? 50.000 entlassene Gastarbeiter weigern sich Saudi-Arabien zu verlassen

Arbeiterprotest in Saudi-Arabien
Arbeiterprotest in Saudi-Arabien

(Riad) Der sau­di­sche Wirt­schafts­ko­loß, die Sau­di Bin­la­din Group, befin­det sich in einer Kri­se. Berühmt wur­de der Namen durch das Fami­li­en­mit­glied Osa­ma bin Laden, der als Al-Qai­da-Grün­der und Anfüh­rer in die Schlag­zei­len gelang­te. Osa­ma bin Laden wur­de 2011 von einem US-Kom­man­do in Paki­stan getö­tet. Al-Qai­da exi­stiert noch heu­te in zahl­rei­chen Able­gern. Weni­ger bekannt sind die Akti­vi­tä­ten der übri­gen Bin-Laden-Fami­lie, die zu den reich­sten des Waha­bi­ten­staa­tes gehört. Die Sau­di Bin­la­din Group wur­de in den 1930er Jah­ren von Osa­ma bin Ladens Vater gegrün­det.

77.000 von 200.000 in Sau­di-Ara­bi­en für die Sau­di Bin­la­din Group täti­ge Gast­ar­bei­ter wur­den nun ent­las­sen. 50.000 von ihnen wei­gern sich jedoch Sau­di-Ara­bi­en zu ver­las­sen, weil sie die Zah­lung aus­stän­di­ger Gehäl­ter ein­for­dern. Ein nicht uner­heb­li­cher Teil von ihnen sind Chri­sten, die aus ande­ren Tei­len Asi­ens und aus Afri­ka ins Land kamen.

Von Ent­las­sung gefähr­det sind zudem 12.000 von 17.000 sau­di­schen Ange­stell­ten. Die Arbeits­lo­sen­ra­te im Wüsten­kö­nig­reich ist auf 11,5 Pro­zent hin­auf­ge­schnellt. Exper­ten gehen davon aus, daß sie in Wirk­lich­keit noch weit höher lie­gen könn­te. Die Regie­rung arbei­tet unter­des­sen an einem Plan, die sau­di­sche Wirt­schaft von der Erd­öl­ab­hän­gig­keit zu ent­kop­peln.

Die Sau­di Bin­la­din Group ist ein Gigant im Bau- und Immo­bi­li­en­sek­tor. Über die Kri­se des Unter­neh­mens und die Ent­las­sun­gen berich­te­te die Tages­zei­tung Al-Watan. Mehr als einem Drit­tel der Gast­ar­bei­ter wur­de gekün­digt. Wich­ti­ger Indi­ka­tor für die Kri­se sei jedoch, daß 70 Pro­zent der sau­di­schen Mit­ar­bei­ter von Ent­las­sung bedroht sind.

Seit vier Mona­ten soll die Sau­di Bin­la­din Group kei­ne Gehäl­ter mehr bezahlt haben. Das sei auch der Grund, wes­halb sich 50.000 der ent­las­se­nen Gast­ar­bei­ter wei­gern, Sau­di-Ara­bi­en zu ver­las­sen.

Ein Unter­neh­mens­spre­cher bestä­tig­te die Ent­las­sun­gen, erklär­te aber, daß alle ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter ihren gesetz­li­chen Lohn erhal­ten hät­ten.

Staatsaufträge und Imageknick 2015 bei Haddsch nach Mekka

Die Sau­di Bin­la­din Group kann auf Jahr­zehn­te einer bestän­di­gen Expan­si­on zurück­blicken. Das Fir­men­glück bestand vor allem in Groß­auf­trä­gen des sau­di­schen Staa­tes. Auf fünf Mil­li­ar­den Dol­lar beläuft sich das Unter­neh­mens­ka­pi­tal. Wirt­schafts­kri­se und Rück­gang des Erd­öl­prei­ses haben nun auch den Gigan­ten in eine Kri­se gestürzt.

Grund ist auch ein Image­knick, den die Sau­di Bin­la­din Group im Vor­jahr erleb­te, als im Sep­tem­ber 2015 bei der Gro­ßen Moschee von Mek­ka ein Kran des Unter­neh­mens umstürz­te und den Tod von 109 mos­le­mi­schen Pil­gern ver­ur­sach­te. Der sau­di­sche König Sal­man per­sön­lich mach­te dar­auf einer Rei­he von öffent­li­chen Bau­auf­trä­gen rück­gän­gig.

Laut Al-Watan erhiel­ten die 77.000 Gast­ar­bei­ter gleich­zei­tig mit der Ent­las­sung durch die staat­li­chen Behör­den auch die Auf­for­de­rung, Sau­di-Ara­bi­en zu ver­las­sen. Ein Arbeits­ver­trag ist unent­behr­li­che Vor­aus­set­zung für eine befri­ste­te Auf­ent­halts­er­laub­nis. Die Sau­di Bin­la­din Group beschäf­tig­te auf Bau­stel­len in Sau­di-Ara­bi­en in der Ver­gan­gen­heit bis zu 200.000 aus­län­di­sche Arbeits­kräf­te. Der Groß­teil von ihnen waren Ägyp­ter, gefolgt von Asia­ten und ande­ren Afri­ka­nern.

Von „mas­si­ven Ent­las­sun­gen“ berich­te­te inzwi­schen auch die sau­di­sche Tages­zei­tung Arab News. Arbei­ter hät­ten aus Pro­test in Mek­ka sie­ben Last­kraft­wa­gen des Bau­un­ter­neh­mens ange­zün­det.

11,5 Prozent Arbeitslose, Dunkelziffer möglicherweise „weit höher“

11,5 Pro­zent beträgt die offi­zi­el­le Arbeits­lo­sen­ra­te im König­reich der Waha­bi­ten. Die tat­säch­li­che Rate soll deut­lich höher lie­gen.

Die Regie­rung kün­dig­te Ende April an, einen Teil der Akti­en des welt­weit größ­ten Erd­öl­gi­gan­ten Aram­co an der Bör­se zu ver­kau­fen.

Die sau­di­sche Wirt­schaft hält den Pri­mat in der ara­bi­schen Welt. Sie hängt zu 70 Pro­zent vom Erd­öl­reich­tum des Lan­des ab. Nun will die Regie­rung „diver­si­fi­zie­ren“, um die natio­na­le Wirt­schaft vom Erd­öl unab­hän­gi­ger zu machen. Details dazu sind noch nicht bekannt.

Rund 21 Pro­zent der in Sau­di-Ara­bi­en leben­den Bevöl­ke­rung sind Gast­ar­bei­ter. Von die­sen sechs Mil­lio­nen sind unge­fähr ein Drit­tel Chri­sten, die vor allem aus Süd­ost­asi­en und Afri­ka stam­men. Im Gegen­satz zur klei­nen Grup­pe hoch­qua­li­fi­zier­ter Euro­pä­er und Nord­ame­ri­ka­ner, die in abge­rie­gel­ten Son­der­wohn­or­ten unter­ge­bracht sind, darf der Groß­teil der christ­li­chen Gast­ar­bei­ter ihre Reli­gi­on nicht frei aus­üben. Die Errich­tung von Kir­chen ist ver­bo­ten, eben­so das Zei­gen christ­li­cher Sym­bo­le in der Öffent­lich­keit. Selbst die Aus­übung der Reli­gi­on in pri­va­ten Räu­men wird von der sau­di­schen Reli­gi­ons­po­li­zei mit Gefäng­nis und öffent­li­chem Aus­peit­schen geahn­det, wenn sie ent­deckt wird.

Text: Asianews/Andreas Becker
Bild: Asia­news