Ernest Simoni: Zum Tode verurteilt und 27 Jahre im Gefängnis, „weil ich Priester bin“

Christenverfolgung im kommunistischen Albanien: Der Priester Ernest Simoni

(Rom) Heu­te mor­gen kam es zu einer kur­zen Begeg­nung zwi­schen Papst Fran­zis­kus und dem 84 Jah­re alten alba­ni­schen Prie­ster Ernest Simo­ni. Simo­ni ver­brach­te fast 27 Jah­ren im kom­mu­ni­sti­schen Alba­ni­en im Gefäng­nis, nur weil er Prie­ster ist. Erst am 5. Sep­tem­ber 1990, fast ein Jahr nach dem Fall der Ber­li­ner Mau­er, ende­te auch für ihn die Haft.

11.000 Tage war Ernest Simo­ni ein­ge­sperrt. Er wur­de gefol­tert und muß­te Zwangs­ar­beit lei­sten. Der Jour­na­list Mim­mo Muo­lo, Tages­zei­tung Avve­ni­re, hat ein Buch über den alba­ni­schen Prie­ster ver­öf­fent­licht: „Ernest Simo­ni. Von der Ver­fol­gung zur Begeg­nung mit Fran­zis­kus“ ((Mim­mo Muo­lo: Don Ernest Simo­ni. Dal­la per­se­cu­zio­ne all’incontro con Fran­ces­co, Edi­zio­ni Pao­li­ne, 2016)) Simo­ni über­reich­te heu­te per­sön­lich Papst Fran­zis­kus ein Exem­plar des Buches. Die Ein­la­dung zur mor­gend­li­chen Mes­se des Pap­stes in San­ta Mar­ta war durch den Ver­lag der Pau­lus-Schwe­stern zustan­de­ge­kom­men. Am Ende der Hei­li­gen Mes­se kam es zur kur­zen, fast wort­lo­sen Begeg­nung und Umar­mung.

Brutale Christenverfolgung durch Albaniens Kommunisten

Die kom­mu­ni­sti­sche Gewalt­herr­schaft begann in Alba­ni­en im Dezem­ber 1944. Das athe­isti­sche Regime mach­te Jagd auf katho­li­sche Prie­ster. „Prie­ster und Lai­en wur­den ver­haf­tet, gefol­tert und ermor­det. Es waren Jah­re des Blu­tes. Man­che rie­fen vor der Hin­rich­tung laut: ‚Es lebe Chri­stus König‘.“ Das berich­te­te Aci­pren­sa 2014 zum Papst-Besuch in Alba­ni­en, dem Land, „das Gott töten woll­te“. ((Titel des Buches von Didier Ran­ce: Alba­nie: Ils ont vou­lu tuer Dieu. La per­se­cu­ti­on cont­re l’Eg­li­se catho­li­que (1944–1991), her­aus­ge­ge­ben von Kir­che in Not — Frank­reich, 1996.))

1952 ver­sam­mel­ten die Kom­mu­ni­sten die Prie­ster, die den Exe­ku­tio­nen ent­gan­gen waren und derer sie hab­haft wur­den. Sie boten ihnen die „Frei­heit“ an unter der Bedin­gung, daß sie sich vom Papst und vom Vati­kan distan­zie­ren. Die mei­sten lehn­ten ab und wan­der­ten in die Lager.

Trotz der bru­ta­len Ver­fol­gung spür­te der jun­ge Ernest Simo­ni den Ruf Got­tes und war ent­schlos­sen, Prie­ster zu wer­den. Die Schu­le besuch­te er von 1938–1948 bei den Fran­zis­ka­nern. Als vie­le sei­ner Leh­rer ver­haf­tet und hin­ge­rich­tet wur­den, setz­te er sei­ne Stu­di­en geheim fort. „Es waren schreck­li­che Jah­re“, wie er heu­te sagt.

Am 7. April 1956, einem Kar­sams­tag, wur­de er zum Prie­ster geweiht. „Am Wei­ßen Sonn­tag konn­te ich mei­ne erste Hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren.“

In der Heiligen Nacht 1963 verhaftet

Ernest Simoni und Papst Franziskus (Tirana 2014)
Ernest Simo­ni und Papst Fran­zis­kus (Tira­na 2014)

Am 24. Dezem­ber 1963, in der Hei­li­gen Nacht, wur­de Simo­ni ver­haf­tet. Damals war er 31 Jah­re alt. „Am Ende der Mit­ter­nachts­met­te stan­den vier Offi­zie­re vor mir und hiel­ten mir einen Haft­be­fehl und mein Todes­ur­teil vor das Gesicht.“ Grund der Ver­haf­tung war allein sein katho­li­sches Prie­ster­tum. Er wur­de schwer miß­han­delt. „Bei den Ver­hö­ren sag­te man mir, ich sei ein ‚Volks­feind‘, weil ich den Leu­ten gesagt habe: ‚daß wir alle für Chri­stus ster­ben, wenn es  nötig ist‘.“

„Durch die Fol­ter war ich in einem erbärm­li­chen Zustand. Aber der Herr woll­te, daß ich wei­ter­le­be.“

Zur Hin­rich­tung kam es nicht. „Die gött­li­che Vor­se­hung woll­te es, daß das Todes­ur­teil nicht sofort exe­ku­tiert wur­de“. Man leg­te ihn statt­des­sen mit einem ande­ren Gefan­ge­nen, „einem guten Freund von mir“, in eine Zel­le. Der „Freund“ soll­te ihn aus­hor­chen und Bewei­se für sei­ne „staats- und par­tei­feind­li­che“ Gesin­nung sam­meln. Der Prie­ster bete­te jedoch für sei­ne Scher­gen. „Denn Unser Herr hat uns gelehrt, unse­re Fein­de zu lie­ben.“

Todesurteil in 28 Jahre Zwangsarbeit umgewandelt

Schließ­lich wur­de das Todes­ur­teil auf­ge­ho­ben und in 28 Jah­re Zwangs­ar­beit umge­wan­delt. Simo­ni wur­de  im Berg­bau und spä­ter in der Kanal­rei­ni­gung von Sku­ta­ri ein­ge­setzt. „Im Gefäng­nis habe ich geheim, aus­wen­dig auf Latein die Hei­li­ge Mes­se zele­briert, die Beich­te gehört und die Kom­mu­ni­on gespen­det.“

Im Herbst 1989 stürz­ten die kom­mu­ni­sti­schen Regime im Ost­block. In der Sowjet­uni­on und in Alba­ni­en konn­ten sie sich noch etwas län­ger hal­ten. So öff­ne­ten sich für Ernest Simo­ni erst am 5. Sep­tem­ber 1990 die Gefäng­nis­tü­ren.

Wie­der in Frei­heit nahm er sofort sei­ne seel­sorg­li­che Tätig­keit auf. „Um genau zu sein“, habe er sie nie unter­bro­chen, „nur in einem beson­de­ren Kon­text gelebt.“ Sei­ne erste Hand­lung war es, sei­nen Hen­kern zu ver­ge­ben: „Noch heu­te erbit­te ich regel­mä­ßig Got­tes Barm­her­zig­keit für sie.“

„Ich habe jeden Tag zu Jesus gebetet“

Auf die Fra­ge, wie er so lan­ge durch­hal­ten konn­te, ant­wor­tet er mit einem leich­ten Lächeln: „Ich habe nichts Außer­ge­wöhn­li­ches gemacht. Ich habe immer zu Jesus gebe­tet. Ich habe immer mit Jesus gespro­chen.“

„Der Herr hat mir gehol­fen, so vie­len Men­schen im Gefäng­nis die­nen zu kön­nen und dann auch außer­halb, damit sich die Men­schen wie­der ver­söh­nen und ihre Her­zen dem Haß des Teu­fels ent­ris­sen wer­den.“

Papst Fran­zis­kus war Ernest Simo­ni ein erstes Mal bereits am 21. Sep­tem­ber 2014 in Tira­na begeg­net.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CTV/RV (Screen­shot)