Europarat rügt Italien: „Zu schwer das eigene Kind töten zu lassen“

Das Tabu Abtreibung
Das Tabu Abtreibung

(Brüs­sel) Die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der “über alles“? Der Euro­pa­rat kri­ti­sier­te vor zwei Tagen Ita­li­en. Der Grund: In Ita­li­en sei es zu schwie­rig, das eige­ne Kind töten zu kön­nen. Schuld dar­an sei­en die Ärz­te, die aus Gewis­sens­grün­den die Mit­wir­kung an einer Abtrei­bung ableh­nen und des­halb gegen­über Nicht-Ver­wei­ge­rern bevor­zugt wür­den.

Mit die­ser Begrün­dung nahm der Euro­pa­rat den Rekurs der kom­mu­ni­stisch-sozia­li­sti­schen Gewerk­schaft CGIL an, mit dem eine angeb­li­che Ver­let­zung der Gesund­heit der Frau­en behaup­tet wird. Die lin­ke Gewerk­schaft behaup­te­te, daß das ita­lie­ni­sche Abtrei­bungs­ge­setz 194/1978 nicht aus­rei­chend umge­setzt wer­de, weil abtrei­bungs­ent­schlos­se­ne Frau­en auf Ärz­te tref­fen könn­ten, die aus Gewis­sens­grün­den eine Abtrei­bung ver­wei­gern. Frau­en kön­nen daher „gezwun­gen“ sein, hor­ri­bi­le dic­tu, „in ein ande­res Kran­ken­haus oder ins Aus­land wech­seln oder ihrer Schwan­ger­schaft ohne die Unter­stüt­zung oder die Kon­trol­le der zustän­di­gen Gesund­heits­be­hör­den ein Ende set­zen zu müs­sen, oder könn­ten abge­bracht wer­den, den Abtrei­bungs­dienst zu nüt­zen, auf den hin­ge­gen auf­grund des Geset­zes 194 ein Recht haben“.

Tarnmäntelchen „Gesundheit der Frau“

Dar­aus könn­ten „erheb­li­che Risi­ken für die Gesund­heit der Frau­en ent­ste­hen“. Das ist der ent­schei­den­de Satz. Der Schutz der „Gesund­heit der Frau“ wird der Abtrei­bungs­in­du­strie als schö­nes Tarn­män­tel­chen umge­hängt. Hin­zu kommt eine angeb­li­che Ungleich­be­hand­lung von Ärz­ten und ande­rem Gesund­heits­per­so­nal.

Daß das unge­bo­re­ne Kind im gesam­ten Rekurs kei­ne Erwäh­nung fin­det, liegt der Abtrei­bungs­men­ta­li­tät zugrun­de, die von der Links­ge­werk­schaft aus ideo­lo­gi­scher Über­zeu­gung ver­tre­ten wird. Schwer­wie­gen­der ist, daß die­se Argu­men­ta­ti­on nicht a prio­ri vom Euro­pa­rat als unbe­grün­det und wirk­lich­keits­fremd ver­wor­fen wur­de.

Tat­sa­che ist, daß jede Frau, die in Ita­li­en abtrei­ben will, auch abtrei­ben kann. Die Behaup­tung der CGIL ent­spricht nicht den Tat­sa­chen, wes­halb dem Rekurs auch kein  kon­kre­ter Fall bei­gefügt wur­de. Das Ziel der Akti­on ist ein Angriff auf das Recht der Abtrei­bungs­ver­wei­ge­rung aus Gewis­sens­grün­den. Sie ist den Abtrei­bungs­be­für­wor­tern seit lan­gem ein Dorn im Auge.

Abtreibungsverweigerer unter den Ärzten sind ein Dorn im Auge

Obwohl die Abtrei­bungs­in­du­strie als per­fek­te Tötungs­ma­schi­ne funk­tio­niert, erzürnt die Täter, daß es noch immer und immer neu Ärz­te und ande­res Gesund­heits­per­so­nal gibt, das sich dem Mor­den ver­wei­gert. Sie sind das Gewis­sen der Ärz­te­schaft, so wie die Lebens­schüt­zer das Gewis­sen der Gesell­schaft sind. Die Täter füh­len sich durch sie ent­larvt, weil sie den Abtrei­bungs­ärz­ten, den Abtrei­bungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, den Abtrei­bungs­be­für­wor­tern und den abtrei­bungs­ent­schlos­se­nen Frau­en den Spie­gel vor­hal­ten. Wenn die­se in den Spie­gel schau­en, hören sie sich selbst sagen, daß Abtrei­bung ein schreck­li­ches Unrecht ist. Die­sen Anruf des Gewis­sens wol­len sie zum Schwei­gen brin­gen.

Der CGIL-Rekurs in Straß­burg ist ein sol­cher Ver­such. Er stellt die bru­ta­le Wirk­lich­keit auf den Kopf, um auch den zar­ten, aber vor­han­de­nen Wider­stand gegen das größ­te Blut­bad der Mensch­heits­ge­schich­te zu besei­ti­gen. Ein Arzt, der aus Gewis­sens­grün­den die Abtrei­bung ver­wei­gert, schä­di­ge die Gesund­heit der Frau­en. Vom eigent­li­chen Opfer, dem Kind, des­sen Leben auf bru­ta­le Wei­se aus­ge­löscht wird, fin­det sich kei­ne Spur, so als wür­de es gar nicht exi­stie­ren.

Die Annah­me des Rekur­se läßt erah­nen, daß der Euro­pa­rat in sei­ner Mehr­heit die CGIL-Tak­tik teilt: die Abtrei­bungs­ver­wei­ge­rer zu dis­qua­li­fi­zie­ren und aus indi­rek­ten Anklä­gern, Ange­klag­te zu machen.

„Nicht-Verweigerer“ müssen „Nachteile“ erdulden?

Die Gewerk­schaft unter­stellt, daß Abtrei­bungs­ver­wei­ge­rer Vor­tei­le am Arbeits­platz hät­ten. Auch in die­sem Fall wer­den für die Behaup­tung kei­ne Bele­ge erbracht. Abtrei­bungs­ärz­te, die an der Tötung von Kin­dern mit­wir­ken, wer­den ver­schämt als „Nicht-Ver­wei­ge­rer“ bezeich­net, die „Nach­tei­le“ erdul­den müß­ten.

In der Wirk­lich­keit ist das Gegen­teil der Fall. Wer nicht mit­macht, kann schnell ein Außen­sei­ter wer­den. Der Druck, in den Abtrei­bungs­ap­pa­rat invol­viert zu wer­den, setzt bereits beim Medi­zin­stu­di­um an der Uni­ver­si­tät an. Ein Ver­wei­ge­rer aus Gewis­sens­grün­den ist für die Kran­ken­haus­di­rek­tio­nen nicht in vol­lem Umfang ein­setz­bar. Das schafft im besten Fall Rei­be­rei­en mit Kol­le­gen, im schlimm­sten Fall kann es sogar zur Ent­las­sung füh­ren. Den­noch fin­den sich immer wie­der Ärz­te, Anäs­the­si­sten und Heb­am­men, die sich dem Abtrei­bungs­be­trieb ver­wei­gern, weil ihr Gewis­sen es von ihnen ver­langt.

Der Zorn der Abtrei­bungs­lob­by ist ihnen gewiß. Und der hat sich gera­de im Euro­pa­rat ent­la­den. Unge­prüft gab der Euro­pa­rat in einer ideo­lo­gisch moti­vier­ten Ent­schei­dung der CGIL recht. So wie die Dis­kus­si­on über die Abtrei­bung tabui­siert wird, so scheint es für den Euro­pa­rat „offen­kun­dig“, daß Abtrei­bungs­be­für­wor­ten immer im Recht und Abtrei­bungs­geg­ner immer im Unrecht sei­en, wes­halb man die Unter­stüt­zung der Abtrei­bungs­ideo­lo­gie auch nicht begrün­den müs­se.

Glaubt CGIL-Vorsitzende, daß Frauen im Schlaf schwanger werden?

Zufrie­den gab sich CGIL-Vor­sit­zen­de Susan­na Camus­so: „Eine wich­ti­ge Ent­schei­dung. Sie bekräf­tigt, daß der Staat der Garant für das Recht auf freie und kosten­lo­se Schwan­ger­schafts­un­ter­bre­chung sein muß, damit die Frau­en frei und ohne Dis­kri­mi­nie­rung ent­schei­den kön­nen, Müt­ter zu wer­den.“

Susan­na Camus­so scheint der Über­zeu­gung zu sein, daß Frau­en ganz von allei­ne im Schlaf schwan­ger wer­den. Sie ist seit 2010 Vor­sit­zen­de der größ­ten ita­lie­ni­schen Gewerk­schaft und gehör­te bis 1994 der Sozia­li­sti­schen Par­tei Ita­li­ens an. Seit ihrer Stu­den­ten­zeit ist sie in der Frau­en­be­we­gung aktiv und hat den Kampf für die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der auf ihre Fah­ne geschrie­ben.

Unruhe unter Abtreibungsbefürwortern

Die Euro­pa­rats­ent­schei­dung signa­li­siert eine Unru­he auf höch­ster Ebe­ne wegen der zuneh­men­den Zahl von Ärz­ten, die sich der Abtrei­bung grund­sätz­lich ver­wei­gern oder nicht län­ger am Kin­der­mord betei­ligt sein wol­len. In meh­re­ren euro­päi­schen Staa­ten wird gegen die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der Wider­stand gelei­stet. Des­halb wird mit Argus­au­gen auf alle öffent­li­chen Ereig­nis­se geschaut, durch die das gan­ze Schrecken des mil­lio­nen­fa­chen Kin­der­mor­des ans Licht gebracht wird.

Dazu gehö­ren in jüng­ster Zeit vor allem auch Kund­ge­bun­gen für das Leben, in beson­de­rer Wei­se der Marsch für das Leben, der in zahl­rei­chen Län­dern und Städ­ten statt­fin­det. In Rom fin­det am kom­men­den 8. Mai der 6. Marsch für das Leben statt, um Zeug­nis für das Leben und für die Wahr­heit abzu­ge­ben. Im ver­gan­ge­nen Jahr nah­men rund 50.000 Men­schen dar­an teil.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: uscia­mo­dal­si­len­zio (Screen­shot)