Kopten: Ankunft Jesu in Ägypten soll Nationalfeiertag werden

(Kai­ro) Die Chri­sten Ägyp­tens berei­ten sich auf ein beson­de­res Fest vor, die Ankunft Jesu in Ägyp­ten. In die­sem Jahr fällt das Fest auf den 1. Juli.

Der kop­tisch-ortho­do­xe Bischof Anba You­ly­ous, Mit­glied des Hei­li­gen Syn­od der kop­tisch-ortho­do­xen Kir­che und enger Mit­ar­bei­ter von Patri­arch Tawa­dros II., erin­ner­te dar­an, daß die Kir­che alle Ägyp­ter ein­lädt, sich die­sem Fest anzu­schlie­ßen. Gleich­zei­tig mach­te der Bischof den Vor­schlag, das Fest zu einem Natio­nal­fei­er­tag zu machen.

Für die Chri­sten Ägyp­tens ist die Flucht der Hei­li­gen Fami­lie in das ein­sti­ge Land der Pha­rao­nen ein Ereig­nis der Vor­se­hung. Sie berei­te­te das Land am Nil dar­auf vor, das Evan­ge­li­um anzu­neh­men. Ägyp­ten wur­de dann ein Zen­trum des christ­li­chen Mönch­tums, das bis heu­te das christ­li­che reli­giö­se Leben des Lan­des prägt.

Als der hei­li­ge Joseph, die Got­tes­mut­ter Maria und das Jesus­kind nach Ägyp­ten führ­te, hat­ten dort bereits seit fast 30 Jah­ren römi­sche Prä­fek­ten das Sagen. Grund der Flucht war die blu­ti­ge Ver­fol­gung durch König Hero­des den Gro­ßen, die im Beth­le­he­mi­ti­schen Kin­der­mord gip­fel­te. Um den neu­ge­bo­re­nen Jesus, den ver­hei­ße­nen König auf­zu­spü­ren und zu besei­ti­gen, befahl Hero­des alle Kin­der unter zwei Jah­ren in Beth­le­hem und sei­ner Umge­bung ermor­den.

Zahlreiche Heiligtümer gehen auf den Aufenthalt der Heiligen Familie zurück

Laut ört­li­chen Tra­di­tio­nen rei­ste die Hei­li­ge Fami­lie durch das Land und es gescha­hen über­all Wun­der. Sie bil­den den Ursprung zahl­rei­cher Hei­lig­tü­mer, die auch von Mos­lems auf­ge­sucht wer­den. Ägyp­ten gehört zum älte­sten christ­li­chen Boden. Durch Jahr­hun­der­te war das Land am Nil christ­lich. Zwi­schen 639 und 642 wur­de Ägyp­ten von den isla­mi­schen Ara­bern erobert. Damit wur­de zwar die Herr­schaft des Islam auf­ge­rich­tet, doch die Mehr­heit der Ägyp­ter blieb noch lan­ge mehr­heit­lich christ­lich. Momen­te der offe­nen Ver­fol­gung oder des har­ten Steu­er­drucks wech­sel­ten mit fried­li­che­ren Pha­sen. Ins­ge­samt sind die Chri­sten seit bald 1.400 Jah­ren nur mehr Bür­ger zwei­ter Klas­se.

Den­noch beken­nen sich heu­te noch fast 20 Pro­zent der Ägyp­ter zu Chri­stus. Der Groß­teil von ihnen, etwa 15 Pro­zent, gehö­ren zur kop­tisch-ortho­do­xen Kir­che und unter­ste­hen Tawa­dros II., dem 118. Patri­ar­chen von Alex­an­dria. Erster Patri­arch war der Evan­ge­list Mar­kus, der ab dem Jahr 43 die christ­li­che Gemein­de von Alex­an­dria lei­te­te, bis er im Jahr 68 dort das Mar­ty­ri­um erlitt. Ein direk­ter Vor­gän­ger als Patri­arch war vor bald 1.700 Jah­ren auch der hei­li­ge Atha­na­si­us. Von der katho­li­schen Kir­che trenn­te sich die kop­tisch-ortho­do­xe Kir­che durch das alt­ori­en­ta­li­sche Schis­ma nach dem Kon­zil von Chal­ce­don in der zwei­ten Hälf­te des 5. Jahr­hun­derts. Die­se inner­christ­li­che Zer­strit­ten­heit und Schwä­chung wird als wesent­li­cher Grund für die schnel­len Erobe­run­gen des Islams genannt.

Text: Gii­usep­pe Nar­di
Bild: Cop­ti­cArt (Screen­shot)