700 junge Katholiken des Heiligen Landes beim Weltjugendtag in Krakau

Firmung junger Katholiken in Ramallah
Firmung junger Katholiken in Ramallah

(Kra­kau) 700 jun­ge Chri­sten aus dem Hei­li­gen Land wer­den am Welt­ju­gend­tag 2016 Ende Juli in Kra­kau teil­neh­men. Beim Welt­ju­gend­tag 2013 in Rio de Janei­ro waren es nur knapp 30 gewe­sen.

Wie das Latei­ni­sche Patri­ar­chat von Jeru­sa­lem mit­teil­te, wer­den 300 jun­ge ara­bi­sche Katho­li­ken aus dem Hei­li­gen Land nach Kra­kau rei­sen. 200 von ihnen sind palä­sti­nen­si­sche Chri­sten und 100 jor­da­ni­sche Chri­sten. Fünf jun­ge Chri­sten wer­den sogar aus dem Gaza-Strei­fen teil­neh­men.

Hin­zu kom­men noch grie­chisch-katho­li­sche, maro­ni­ti­sche, mel­ki­tisch-katho­li­sche, syrisch-katho­li­sche Jugend­li­che des Hei­li­gen Lan­des sowie auch Ange­hö­ri­ge der klei­nen Gemein­schaft der hebräisch­spra­chi­gen Katho­li­ken. Die Gemein­de der zum katho­li­schen Glau­ben kon­ver­tier­ten Juden zählt in Isra­el mehr als 500 Ange­hö­ri­ge.

Den Rest bil­den Jugend­li­che des Neo­ka­techu­me­na­len Wegs aus Isra­el, den Palä­sti­nen­ser­ge­bie­ten, Jor­da­ni­en und Zypern.

Die Jugend­li­chen des Hei­li­gen Lan­des wer­den alle gemein­sam vom Flug­ha­fen „Ben Gur­i­on“ in Tel Aviv star­ten. Die orga­ni­sa­to­ri­schen, aber auch geist­li­chen Vor­be­rei­tun­gen sei­en bereits in vol­lem Gan­ge. Als Teil ihres Auf­ent­halts in Polen wer­den die Jugend­li­chen eine Woche der Stra­ßen- und Haus­mis­si­on in und um War­schau machen. Zwi­schen dem Latei­ni­schen Patri­ar­chat von Jeru­sa­lem und dem Erz­bis­tum War­schau besteht eine Part­ner­schaft.

Die Christen des Heiligen Landes

Symbol des WJT Krakau 2016
Sym­bol des WJT Kra­kau 2016

Im Staat Isra­el, der nur einen Teil des Hei­li­gen Lan­des umfaßt, leben heu­te mehr als 200.000 Chri­sten der ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen. Sie machen etwa 2,7 Pro­zent der im Land anwe­sen­den Bevöl­ke­rung aus.

Den Kern davon bil­den die 120.000 ein­hei­mi­schen ara­bi­schen Chri­sten. Hin­zu kom­men rund 30.000 Chri­sten aus dem Westen und den Län­dern der Ortho­do­xie und neu­er­dings mehr als 60.000 katho­li­sche Arbeits­mi­gran­ten aus der soge­nann­ten Drit­ten Welt. Ihr Anteil an den Chri­sten Isra­els beträgt bereits mehr als ein Vier­tel. Ten­denz stei­gend.

Die Gesamt­zahl der Katho­li­ken steigt, jene der palä­sti­nen­si­schen Chri­sten sinkt. Die Dra­ma­tik der Ent­wick­lung seit Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges wird an den Zah­len sicht­bar. Vor der Grün­dung des Staa­tes Isra­el im Jahr 1948 waren 30 Pro­zent der Ein­woh­ner des gesam­ten histo­ri­schen Palä­sti­nas ara­bi­sche Chri­sten. Heu­te machen sie im sel­ben Gebiet nur mehr 2,8 Pro­zent aus: 1,4 Pro­zent der Ein­woh­ner Isra­els und etwa 5 Pro­zent der Bewoh­ner in den von Isra­el besetz­ten Palä­sti­nen­si­schen Auto­no­mie­ge­bie­ten.

1945 waren von Ein­woh­nern Jeru­sa­lems 15 Pro­zent Chri­sten. Heu­te sind es, zählt man nur die israe­li­schen Staats­bür­ger, nur mehr 1,9 Pro­zent.

Der Exo­dus der ara­bi­schen Chri­sten erfolgt eben­so aus den Palä­sti­nen­ser­ge­bie­ten. Sie sehen nach Jahr­zehn­ten des israe­lisch-palä­sti­nen­si­schen Kon­flikts wenig Zukunft für ihre Kin­der. Die Palä­sti­nen­ser­ge­bie­te sind zwei­ge­teilt. Im Gaza­strei­fen leben noch etwa 10.000 Chri­sten (0,7 Pro­zent der Bevöl­ke­rung), im West­jor­dan­land noch mehr als 200.000 Chri­sten (8 Pro­zent der Bevöl­ke­rung). Die gro­ße Mehr­heit der palä­sti­nen­si­schen Chri­sten lebt heu­te fern der Hei­mat in der Dia­spo­ra.

Die Ein­wan­de­rung führt zu Ver­schie­bun­gen inner­halb der christ­li­chen Viel­falt in Isra­el. Der Groß­teil der Chri­sten im Hei­li­gen Land sind Katho­li­ken, die aber ver­schie­de­nen Kir­chen und Riten ange­hö­ren. Da sind latei­ni­sche Chri­sten (unter ihnen die neu­en Ein­wan­de­rer), die Chri­sten der ver­schie­de­nen mit Rom unier­ten Kir­chen des Ostens, klei­ne maro­ni­ti­sche und ande­re Gemein­den und sogar eine Gemein­de hebräisch­spra­chi­ger Katho­li­ken.

Da in Isra­el der Sams­tag arbeits­frei ist, besucht die Chri­sten vor allem die Vor­abend­mes­sen.

Zum Hei­li­gen Land gehört auch das Ost­ufer des Jor­dans. In Jor­da­ni­en sind heu­te noch rund sechs Pro­zent der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung Chri­sten. 1950 mach­ten die Chri­sten auch in Jor­da­ni­en noch 30 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung aus. Sie tei­len sich heu­te in etwa zur Hälf­te auf Ortho­do­xe und Katho­li­ken auf und einer klei­nen pro­te­stan­ti­schen Grup­pe (2,5 Pro­zent). Dem Latei­ni­schen Patri­ar­chat von Jeru­sa­lem unter­ste­hen etwa fünf Pro­zent der jor­da­ni­schen Chri­sten an. Die bei­den größ­ten Gemein­schaf­ten sind die grie­chisch-ortho­do­xen Chri­sten (fast 50 Pro­zent) und die mit Rom unier­te mel­ki­tisch-katho­li­sche Kir­che (ein Drit­tel).

Im israe­lisch-palä­sti­nen­si­schen Kon­flikt gerie­ten die Chri­sten zwi­schen Juden und Mos­lems unter die Räder und erleb­ten im gesam­ten Nahen Osten einen teils dra­ma­ti­schen Rück­gang durch Ver­drän­gung, Ver­trei­bung, Krieg und eine gerin­ge­re Gebur­ten­ra­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Sjlp (Screen­shot)