Papst Franziskus und die Fußwaschung — Kardinal Sarah: Fußwaschung an Frauen keine Pflicht

(Rom) Am Diens­tag wur­de vom Hei­li­gen Stuhl bekannt­ge­ge­ben, daß Papst Fran­zis­kus in die­sem Jahr zwölf Flücht­lin­gen die Füße waschen wird. Nicht bekannt­ge­ge­ben wur­de, wie vie­le davon Katho­li­ken oder Chri­sten sind. Unklar ist auch , ob gehofft wer­den darf, daß es sich um Flücht­lin­ge und nicht um Wirt­schafts­mi­gran­ten han­delt, also jene Dif­fe­ren­zie­rung statt­fin­det wird, die Papst Fran­zis­kus in sei­nen Äuße­run­gen zum The­ma bis­her eben­so ver­mis­sen ließ, wie gro­ße Tei­le des poli­ti­schen Estab­lish­ment euro­päi­scher Staa­ten dar­un­ter auch der deutsch­spra­chi­gen EU-Mit­glieds­län­der.Der US-Ame­ri­ka­ner Ste­ve Sko­jec von One Peter Five (1P5) faß­te den Stand der umstrit­te­nen Neu­re­ge­lung des Fuß­wa­schungs­ri­tus am Grün­don­ners­tag zusam­men.

Papst Fran­zis­kus ken­ne die Neu­re­ge­lung zur Fuß­wa­schung natür­lich sehr genau, so Sko­jec, da er sie selbst im ver­gan­ge­nen Janu­ar anord­ne­te. Sie sanie­re zum Teil jene Abwei­chun­gen, die er selbst in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor­ex­er­zier­te, indem er unter­schieds­los Frau­en und Nicht-Chri­sten die Füße wusch. Wäh­rend die Nicht-Chri­sten in der Neu­re­ge­lung kei­ne Erwäh­nung fin­den und daher in offe­nem Wider­spruch zum Vor­bild Jesu päpst­li­cher Wild­wuchs blei­ben, wur­den die Frau­en zu Jah­res­be­ginn offi­zi­ell in den Fuß­wa­schungs­ri­tus inte­griert, obwohl das Her­ren­bei­spiel auch davon nichts weiß.

Vom guten und schlechten Beispiel

Nur zwei Wochen nach sei­ner Wahl zum Papst hat­te Fran­zis­kus näm­lich ent­schie­den, auch Frau­en unter die „viri“ auf­zu­neh­men, denen er am Grün­don­ners­tag, wenn auch unter Aus­schluß der Öffent­lich­keit, in einem Jugend­ge­fäng­nis die Füße wusch. Die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Inter­net­sei­te Rora­te Cae­li schrieb damals über die Bedeu­tung die­ses Schrit­tes, daß Papst Fran­zis­kus damit der „Reform der Reform“ sei­nes Vor­gän­gers Bene­dikt XVI. ein Ende setz­te. Er tat es, indem er ein „schlech­tes Bei­spiel“ gab und damit die Reform­be­mü­hun­gen durch gute Bei­spie­le sei­nes Vor­gän­gers ins Gegen­teil ver­kehr­te.

Glei­cher­ma­ßen wie­der­hol­te er es bei den Fuß­wa­schun­gen 2014 und 2015. Die offi­zi­el­le Ände­rung des Ritus war damit nur mehr eine Fra­ge der Zeit.

„Wir erwar­ten uns, daß — wie im Zusam­men­hang mit ande­ren ‚Optio­nen‘ wie der Hand­kom­mu­ni­on, den Mini­stran­tin­nen, den Kom­mu­ni­on­hel­fern und der Zele­bra­ti­ons­rich­tung zum Volk hin – die Berück­sich­ti­gung von Frau­en bei der Fuß­wa­schung bald zu einer Art Pflicht wird, und die Prie­ster, die sich wei­gern, es so zu machen, auf viel­fäl­ti­ge Wei­se bestraft wer­den“, so Rora­te Cae­li.

Die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Sei­te ging auch grund­sätz­lich die „Reform der Reform“ ein:

„Daß Fran­zis­kus sich dabei Sei­ner Emi­nenz Kar­di­nal Robert Sarah bedient hat, dient dazu, in Erin­ne­rung zu rufen, daß unab­hän­gig davon, was die Prä­la­ten der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on auf sagen mögen, allein der Wil­len des Pap­stes zählt. Weder schö­ne Über­le­gun­gen noch per­sön­li­che Bei­spie­le noch ermu­ti­gen­de Wor­te kön­nen das Gesetz erset­zen, das von oben kommt. Solan­ge die ‚Reform der Reform‘ nicht in kla­ren Geset­zen aus­ge­drückt und mit Dekre­ten von oben durch­ge­setzt wird, wird sich nichts klä­ren und wird sie immer und nichts ande­res als der Zeit­ver­treib einer klei­nen Min­der­heit sein. Eure Reden und euer größ­ter Mut nüt­zen wenig.“

Weihbischof Schneider über den Sinn der Fußwaschung

Dann nahm Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der von Asta­na dazu Stel­lung und erklär­te das Pro­blem auf ähn­li­che Wei­se:

„Ein typi­scher Pfar­rer soll­te den immer­wäh­ren­den Sinn des Katho­li­schen Glau­bens ver­ste­hen, den ewig gül­ti­gen Sinn und die Geset­ze der Hei­li­gen Lit­ur­gie, und – da er sie ver­stan­den hat – eine inne­re Stand­haf­tig­keit und Sicher­heit bewah­ren. Er soll­te sich an den Grund­satz zur Unter­schei­dung erin­nern: quod sem­per, quod ubi­que, quod ab omni­bus, das heißt, was immer, über­all und von allen geglaubt und prak­ti­ziert wur­de.
Die Kate­go­rien ‚immer, über­all und von allen‘ sind im mora­li­schen, nicht arith­me­ti­schen Sinn zu ver­ste­hen. Ein kon­kre­tes Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um sind fol­gen­de Fra­gen: Stellt die­se Ände­rung in einer dok­tri­nel­len Aus­sa­ge oder in einer pasto­ra­len oder lit­ur­gi­schen Pra­xis einen Bruch mit der Ver­gan­gen­heit von Jahr­hun­der­ten oder Jahr­tau­sen­den dar? Läßt die Neue­rung den Glau­ben kla­rer und hel­ler erstrah­len? Führt die lit­ur­gi­sche Neue­rung näher zur gött­li­chen Hei­lig­keit hin oder erklärt sie uns bes­ser und tie­fer die gött­li­chen Geheim­nis­se? Führt die­se Neue­rung in der Ord­nung zu mehr Eifer für das hei­lig­mä­ßi­ge Leben?
Was die Neue­rung der Fuß­wa­schung an Frau­en am Grün­don­ners­tag betrifft: Die­se Hei­li­ge Mes­se zele­briert die Ein­set­zung des Altarsa­kra­ments und des Wei­he­sa­kra­ments. Die Fuß­wa­schung an Frau­en lenkt daher nicht nur von den zen­tra­len Punk­ten der Eucha­ri­stie und des Prie­ster­tums ab, son­dern schafft eine gro­ße Ver­wir­rung, was die histo­ri­sche Sym­bo­lik der „Zwölf“ und das männ­li­che Geschlecht der Apo­stel betrifft. Die uni­ver­sa­le Tra­di­ti­on der Kir­che erlaub­te kei­ne Fuß­wa­schung wäh­rend der Hei­li­gen Mes­se, son­dern in einer eige­nen Zere­mo­nie.
Man muß dazu­sa­gen, daß das Waschen und Küs­sen von Frau­en­fü­ßen durch einen Mann, im kon­kre­ten Fall durch einen Prie­ster oder durch einen Bischof, von allen und in allen Kul­tu­ren als unan­ge­mes­se­ne und sogar unan­stän­di­ge Hand­lung gese­hen wird. Gott sei Dank ist kein Prie­ster ver­pflich­tet, am Grün­don­ners­tag Frau­en die Füße zu waschen, da die Fuß­wa­schung fakul­ta­tiv ist.“

Kardinal Sarah: „Keine Pflicht zur Fußwaschung an Frauen“

Die deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Histo­ri­ke­rin Mai­ke Hick­son ver­öf­fent­lich­te dazu einen infor­mel­len Rat von Kar­di­nal Sarah. In des­sen Zustän­dig­keits­be­reich als Prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on fällt die päpst­li­che Neue­rung. Kar­di­nal Sarahs Rat rich­tet sich an die ein­zel­nen Prie­ster. Die Fra­ge ist von gro­ßer Bedeu­tung, so Hick­son, weil eini­ge Bischö­fe die päpst­li­che Neue­rung ver­pflich­tend von oben ein­füh­ren wol­len.

Mai­ke Hick­son schrieb dazu, daß sie sich, von eini­gen Prie­stern dar­um gebe­ten, an den Vati­ka­ni­sten Edward Pen­tin wand­te, um von Kar­di­nal Robert Sarah eine Klä­rung zu erhal­ten. Pen­tin kon­tak­tier­te den Kar­di­nal, der ihm bestä­tig­te, daß der ein­zel­ne Zele­brant am Grün­don­ners­tag auch Frau­en die Füße waschen kön­ne, aber kei­nes­wegs müs­se.

„Kar­di­nal Sarah sag­te, daß jeder Prie­ster oder Bischof nach sei­nem Gewis­sen gemäß dem Sinn, wes­halb Unser Herr die­ses Fest ein­ge­setzt hat, ent­schei­den muß. Mit ande­ren Wor­ten: Es gibt kei­nen Zwang, Frau­en die Füße zu waschen“, so Pen­tin.

„Die Klä­rung ist wich­tig und wir wol­len sie daher so vie­len Prie­stern als mög­lich zur Kennt­nis brin­gen. Ich weiß, daß ande­re den Kar­di­nal um eine offi­zi­el­le Klä­rung gebe­ten haben. Da aber der Grün­don­ners­tag schon unmit­tel­bar bevor­steht, habe ich es vor­ge­zo­gen, die infor­mel­le Ver­si­on zu ver­öf­fent­li­chen“, so Hick­son.

„Wie immer muß man erst sehen, was die prak­ti­schen Fol­gen sind. In Erman­ge­lung einer offi­zi­el­len, vom Prä­fek­ten der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on ver­öf­fent­lich­ten Erklä­rung bedeu­tet es, daß ‚jeder Prie­ster oder Bischof nach sei­nem Gewis­sen gemäß dem Sinn, wes­halb Unser Herr die­ses Fest ein­ge­setzt hat, ent­schei­den muß‘, daß er auch allein Risi­ko und Gefah­ren trägt. Auch wenn Kar­di­nal Sarah offi­zi­ell spre­chen (und nicht ent­las­sen wer­den) soll­te, wird das Bei­spiel eines Pfar­rers, der einem sol­chen Zwang unter­wor­fen und durch Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men gemaß­re­gelt wird, und sich dage­gen an Rom wen­den muß, ande­re nicht gera­de ermu­ti­gen. Und den­noch ist das der ein­zi­ge Weg und muß daher beschrit­ten wer­den. Man muß Wider­stand lei­sten. Man muß auf das Gewis­sen hören. Man muß allen ver­ständ­lich machen, war­um ‚Unser Herr die­ses Fest ein­ge­setzt hat‘, und not­falls auch alle Stra­fen auf sich neh­men. Es ist nicht mehr die Zeit für Kom­pro­mis­se. Ein unge­rech­ter Befehl ist kein Befehl. Jetzt muß die Wahr­heit ver­tei­digt wer­den. Wenn wir nicht zei­gen, daß wir den Herrn mehr lie­ben, als den Men­schen, wer­den wir hin­weg­ge­fegt wer­den“, so Ste­ve Sko­jec von One Peter Five (1P5).

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons