Innerislamischer Pogrom auf Borneo — 1.200 Menschen auf der Flucht

(Jakar­ta) Min­de­stens 1.200 Men­schen befin­den sich nach einem Pogrom in Indo­ne­si­en auf der Flucht. Die Bevöl­ke­rung im Distrikt Mem­pa­wah im indo­ne­si­schen Teil von Bor­neo beschloß die Ver­trei­bung der Gaf­a­tar (Gera­kan Fajar Nusan­t­a­ra), die den sun­ni­ti­schen Mos­lems als häre­ti­sche isla­mi­sche Sek­te gilt. Der Grün­der der „Bewe­gung der Mor­gen­däm­me­rung von Nusan­t­a­ra“ erklär­te sich 2007 zum „letz­ten Pro­phe­ten“.

Nusan­t­a­ra ist der alt-java­ni­sche (Bha­sa Jawa) Name für den gesam­ten indo­ne­si­schen Archi­pel und umfaßt damit nicht nur das Staats­ge­biet von Indo­ne­si­en, son­dern auch den zu Malay­sia gehö­ren­den Nor­den Bor­ne­os, das Sul­ta­nat Bru­nei und den erst 2002 unab­hän­gig gewor­de­nen, von Katho­li­ken bewohn­ten Staat Ost-Timor.

Min­de­stens 1.200 Ange­hö­ri­ge der mos­le­mi­schen Min­der­heit wur­den aus ihren Häu­sern ver­trie­ben und der Ort Moton Pan­jang nie­der­ge­brannt.

Vor einer Woche pro­te­stier­ten die Sun­ni­ten gegen „zu vie­le“ Anhän­ger von Gaf­a­tar in der Gegend. Als die­se sich wei­ger­ten, das Land zu ver­las­sen, wur­den die Häu­ser der „Häre­ti­ker“ in Brand gesteckt.

Die indo­ne­si­sche Regie­rung orga­ni­sier­te die Über­füh­rung der Flüch­ten­den nach Java, woher die mei­sten stam­men.

Gaf­a­tar kam in den ver­gan­ge­nen Wochen in die Schlag­zei­len der indo­ne­si­schen Medi­en, weil die Grup­pe beschul­digt wird, für das Ver­schwin­den meh­re­rer Per­so­nen im Dezem­ber 2015 ver­ant­wort­lich zu sein. Auch eine Ärz­tin aus Yogya­kar­ta (Java) und ihre Toch­ter gal­ten als ver­mißt, wur­den aber nach eini­gen Tagen unter Schock ste­hend auf­ge­fun­den.

„Letzter Prophet“ und „falscher Prophet“

Gaf­a­tar wur­de 2006 vom Sun­ni­ten Ahmad Mos­ha­deq gegrün­det, der sich selbst zum „letz­ten Pro­phe­ten des Islam“ und Grün­der einer neu­en Schu­le aus­rief. Im Okto­ber 2007 ver­ur­teil­te ihn der indo­ne­si­sche Rat der Ule­ma als „fal­schen Pro­phe­ten“, erklär­te sei­ne Leh­re als ille­gal und ihn und sei­ne Anhän­ger als nicht mehr zur isla­mi­schen Gemein­schaft gehö­rig. Ahmad Mos­ha­deq wur­de wegen „Falschaus­le­gung“ des Islams zu vier Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt.

Trotz der Ver­ur­tei­lung setz­te die „Bewe­gung“ ihre Akti­vi­tä­ten fort, beson­ders in Kali­man­tan, wie der indo­ne­si­sche Teil von Bor­neo genannt wird.

Staats­prä­si­dent Joko Wido­do ver­si­cher­te den Opfern des Pogroms die Unter­stüt­zung durch den Staat zu und beauf­trag­te Gene­ral­leut­nant Luhut Pan­jai­tan, Koor­di­na­tor des Sicher­heits­mi­ni­ste­ri­ums, mit dem Kri­sen­ma­nage­ment.

Die Regie­rung warf den ört­li­chen Behör­den von Men­pa­wah „Untä­tig­keit“ vor. Es müs­se zwi­schen der „fal­schen Leh­re“ von Gaf­a­tar und deren Anhän­gern unter­schie­den wer­den, so Mini­ster Pra­mo­no Anung. „Wenn die Leh­ren der Bewe­gung gegen den Islam sind, wer­den ent­spre­chen­de Maß­nah­men ergrif­fen wer­den. Wenn deren Mit­glie­der in Gefahr sind, muß der Staat aber inter­ve­nie­ren, um ihr Leben zu schüt­zen.“

Zusam­men mit Gaf­a­tar wur­de 2007 eine wei­te­re Bewe­gung als „häre­ti­sche isla­mi­sche Sek­te“ ver­ur­teilt: Al Qai­da.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Pin­te­rest