Vor der Bischofssynode – Vorrangige Option für die Familie (XLVII)

Die Ehe, ein Sakrament
Die Ehe, ein Sakra­ment

Aus der Hand­rei­chung Vorran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie. 100 Fra­gen und 100 Ant­wor­ten im Zusam­men­hang mit der bevor­ste­hen­den Bischofs­syn­ode über die Fami­lie vom 4. bis 25. Okto­ber 2015 im Vati­kan.

93. Fra­ge: Heut­zu­ta­ge herrscht so viel Unwis­sen­heit über die Ehe, ihren Zweck und die Pflich­ten, die mit ihr ver­bun­den sind; bedeu­tet das nicht, dass der Groß­teil der heu­te geschlos­se­nen Ehen als ungül­tig zu betrach­ten ist?

Ant­wort: Die Unwis­sen­heit soll­te durch eine gründ­li­che und ernst­haf­te Vor­be­rei­tung auf de Ehe bekämpft wer­den, die auch die leh­re der Kir­che behan­delt. Es ist wirk­lich merk­wür­dig, dass vie­le, die heu­te auf Grund der all­ge­mei­nen Unwis­sen­heit eine Locke­rung der Sit­ten­leh­re der Kir­che ver­lan­gen, die glei­chen sind, die einst die Locke­rung der mora­li­schen Erzie­hung ver­tei­digt haben die gera­de zu die­ser Unwis­sen­heit geführt hat.

Die recht­zei­ti­ge Vor­be­rei­tung auf die Ehe ist äußerst wich­tig, und sie soll­te begon­nen wer­den, bevor jun­ge Men­schen das Alter erreicht haben, in dem es in ihrer jewei­li­gen Gesell­schaft üblich ist, sexu­ell aktiv zu wer­den; in der west­li­chen Welt müss­te das vor der Teen­ager­zeit getan wer­den. (…) Sicher­lich ist die Auf­ga­be der Kir­che, Wun­den zu ver­bin­den und zu hei­len, aber wie jeder gute Arzt weiß, ist Prä­ven­ti­on die beste Medi­zin. Jugend­li­che sind sehr viel offe­ner dafür, sich mit der Tugend der Keusch­heit aus­ein­an­der­zu­set­zen, als all­ge­mein ange­nom­men wird“ (Ste­phan Kam­pow­ski, Ein in der Zeit geleb­tes Leben, in: Pérez-Soba und Kam­pow­ski, Das wah­re Evan­ge­li­um der Fami­lie, Media Maria, Iller­tis­sen 2014, S. 118).

94. Fra­ge: Müss­te eine Pasto­ral, die in erster Linie durch Barm­her­zig­keit geprägt ist, den Pro­zess der Nich­tig­keits­er­klä­rung der Ehe nicht erleich­tern?

Ant­wort: Nach Mei­nung des bedeu­ten­den Kir­chen­recht­lers Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke garan­tiert das aktu­el­le Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren den Par­tei­en vol­le Gerech­tig­keit, so dass kei­ne Not­wen­dig­keit besteht, sei­ne gegen­wär­ti­ge Struk­tur zu ändern (vgl. Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke, Das kano­ni­sche Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren als Mit­tel zur Wahr­heits­su­che, in: In der Wahr­heit Chri­sti blei­ben. Ehe und Kom­mu­ni­on in der katho­li­schen Kir­che, Ech­ter Ver­lag, Würz­burg 2014, Kap. 9).

Natür­lich besteht die pasto­ra­le Lösung in erster Linie dar­in, sicher­zu­stel­len, dass die Ehen in bewuss­ter und gül­ti­ger Form geschlos­sen wer­den und even­tu­el­le Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren für alle, auch für die weni­ger gebil­de­ten Schich­ten, zugäng­lich gemacht wer­den. Es ist aber nicht rat­sam, die Gül­tig­keit vie­ler Ehen in Fra­ge zu stel­len, um eine klei­ne Min­der­heit von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zufrie­den­zu­stel­len, die die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen wol­len, ohne ihren Sta­tus zu ändern.

Lie­be ohne Gerech­tig­keit ist kei­ne Lie­be, son­dern nur eine Fäl­schung, weil die Lie­be selbst jene Objek­ti­vi­tät ver­langt, die typisch ist für die Gerech­tig­keit und die nicht mit unmensch­li­cher Käl­te ver­wech­selt wer­den darf. Dies­be­züg­lich gilt, was mein ehr­wür­di­ger Vor­gän­ger, Johan­nes Paul II., in sei­ner fei­er­li­chen Anspra­che über die Bezie­hun­gen zwi­schen Pasto­ral und Recht fest­ge­stellt hat: ‚Der Rich­ter muss sich daher immer vor der Gefahr hüten, falsch ver­stan­de­nes Mit­leid zu üben, das in Sen­ti­men­ta­li­tät ver­sin­ken wür­de und nur schein­bar pasto­ral wäre‘ (am 18. Janu­ar 1990, abge­druckt in Osser­va­to­re Roma­no, Deut­sche Aus­ga­be, Nr. 5 v. 2.2.1990, S. 10, Nr. 5). Wir müs­sen pseu­do­pa­sto­ra­le Aus­flüch­te ver­mei­den, die die­se Fra­gen auf einer rein hori­zon­ta­len Ebe­ne ansie­deln, auf der es dar­um geht, sub­jek­ti­ve For­de­run­gen zufrie­den­zu­stel­len, um um jeden Preis eine Erklä­rung der Nich­tig­keit zu errei­chen — unter ande­rem zu dem Zweck, Hin­der­nis­se aus­zu­räu­men, die dem Emp­fang des Sakra­ments der Buße und der Eucha­ri­stie im Wege ste­hen. Das hohe Gut der Wie­der­zu­las­sung zur eucha­ri­sti­schen Kom­mu­ni­on nach der sakra­men­ta­len Ver­söh­nung erfor­dert dage­gen, das wah­re Wohl der Per­so­nen im Auge zu haben, das untrenn­bar mit der Wahr­heit ihrer kir­chen­recht­li­chen Situa­ti­on ver­bun­den ist. Es wäre ein fik­ti­ves Wohl und ein schwer­wie­gen­der Man­gel an Gerech­tig­keit und Lie­be, wenn man ihnen den­noch den Weg zum Emp­fang der Sakra­men­te ebnen wür­de. Und es wür­de auch die Gefahr ber­gen, die­se Men­schen in objek­ti­vem Gegen­satz zur Wahr­heit ihrer per­sön­li­chen Situa­ti­on leben zu las­sen“ (Bene­dikt XVI., Anspra­che an die Mit­glie­der des Gerichts­hofs der Römi­schen Rota am 29. Janu­ar 2010).

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Anga­ben zur Hand­rei­chung:
Aldo di Cil­lo Pagotto/Robert F. Vasa/Athanasius Schnei­der: Vor­ran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie. 100 Fra­gen und 100 Ant­wor­ten im Zusam­men­hang mit der Syn­ode. Vor­wort von Jor­ge A. Kar­di­nal Medi­na, Edi­zio­ni Sup­pli­ca Filia­le, Roma 2015, www. supplicafiliale.org

Die gedruck­te Aus­ga­be in deut­scher Spra­che kann ange­for­dert wer­den bei:
Deut­sche Gesell­schaft zum Schutz von Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP)
Gla­dio­len­stra­sse 11
60437 Frank­furt am Main
segreteria.supplicafiliale [a] outlook.com
www.tfp-deutschland.org