In der Kirche, der Braut Christi wird das „neue Jerusalem“ sichtbar

GeneralaudienzLie­be Brü­der und Schwe­stern,
guten Tag!

In die­ser Zeit haben wir über die Kir­che gespro­chen, über unse­re hei­li­ge Mut­ter, die hier­ar­chi­sche Kir­che, das pil­gern­de Volk Got­tes. Heu­te wol­len wir uns fra­gen: Was wird am Ende der Zei­ten mit dem Volk Got­tes sein? Was wird mit einem jeden von uns sein? Was dür­fen wir uns erwar­ten?

Der Apo­stel Pau­lus ermu­tig­te die Chri­sten der Gemein­de von Thes­sa­lo­nich, die sich die­sel­ben Fra­gen stell­ten, und nach sei­ner Unter­wei­sung ste­hen die­se Wor­te, die zu den schön­sten des Neu­en Testa­ments gehö­ren: „Dann wer­den wir immer beim Herrn sein“ (1 Thess 2″ 4,17). Es sind ein­fa­che Wor­te, die jedoch so sehr mit Hoff­nung erfüllt sind! Es ist bezeich­nend, dass Johan­nes im Buch der Offen­ba­rung in Anleh­nung an die Ein­ge­bung der Pro­phe­ten die letz­te, end­gül­ti­ge Dimen­si­on als „das neue Jeru­sa­lem“ beschreibt, das von Gott her aus dem Him­mel her­ab­kommt, „berei­tet wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat“ (Offb 21,2). Das ist es, was uns erwar­tet! Und das also ist die Kir­che: Sie ist das Volk Got­tes, das dem Herrn Jesus nach­folgt und sich Tag für Tag berei­tet für die Begeg­nung mit ihm, wie eine Braut für ihren Bräu­ti­gam. Und das sagt man nicht nur so, son­dern es wird im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes eine Hoch­zeit sein! Ja, denn Chri­stus hat sich, indem er Mensch gewor­den ist wie wir und uns durch sei­nen Tod und sei­ne Auf­er­ste­hung mit sich ver­eint hat, wirk­lich mit uns ver­mählt und uns als Volk zu sei­ner Braut gemacht. Und das ist nichts ande­res als die Erfül­lung des Plans der Gemein­schaft und der Lie­be, den Gott im Lau­fe der gan­zen Geschich­te, der Geschich­te des Vol­kes Got­tes und auch der eige­nen Geschich­te eines jeden von uns ent­wor­fen hat. Der Herr bringt das vor­an.

Es gibt jedoch noch ein ande­res Ele­ment, das uns wei­ter trö­stet und das uns das Herz öff­net: Johan­nes sagt uns, dass in der Kir­che, der Braut Chri­sti, das „neue Jeru­sa­lem“ sicht­bar wird. Das bedeu­tet, dass die Kir­che, die Braut ist, auch dazu beru­fen ist, zur Stadt zu wer­den, zum Sym­bol des Zusam­men­le­bens und der zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen schlecht­hin. Wie schön also, dass wir bereits jetzt, einem wei­te­ren äußerst ein­drucks­vol­len Bild der Offen­ba­rung zufol­ge, alle Men­schen und alle Völ­ker gemein­sam in die­ser Stadt – gleich­sam in einer Woh­nung, der „Woh­nung Got­tes“ (vgl. Offb 21,3) – ver­sam­melt betrach­ten kön­nen! Und in die­sem herr­li­chen Rah­men wird es kei­ne Abson­de­rung, kei­nen Macht­miss­brauch und kei­ne Unter­schie­de jeg­li­cher Art – sozia­ler, ethi­scher oder reli­giö­ser Natur – mehr geben, son­dern wir wer­den alle eins sein in Chri­stus.

Ange­sichts die­ses bei­spiel­lo­sen und wun­der­ba­ren Sze­na­ri­ums muss unser Herz sich stark in der Hoff­nung bestä­tigt sehen. Ihr seht: Die christ­li­che Hoff­nung ist nicht ein­fach nur eine Sehn­sucht, ein Wunsch, sie ist kein Opti­mis­mus. Für einen Chri­sten ist die Hoff­nung Erwar­tung: gro­ße, lei­den­schaft­li­che Erwar­tung der letz­ten und end­gül­ti­gen Erfül­lung eines Geheim­nis­ses, des Geheim­nis­ses der Lie­be Got­tes, in der wir neu gebo­ren sind und bereits leben. Und es ist die Erwar­tung, dass jemand bald kommt: Es ist Chri­stus, der Herr, der uns immer näher kommt, Tag für Tag, und der kommt, um uns end­lich in die Fül­le sei­ner Gemein­schaft und sei­nes Frie­dens ein­zu­füh­ren. Die Kir­che hat also die Auf­ga­be, die Lam­pe der Hoff­nung ange­zün­det und gut sicht­bar zu erhal­ten, damit sie wei­ter als siche­res Zei­chen des Heils leuch­ten und der gan­zen Mensch­heit den Weg erhel­len kann, der zur Begeg­nung mit dem barm­her­zi­gen Ant­litz Got­tes führt.

Lie­be Brü­der und Schwe­stern, das ist es also, was wir erwar­ten: dass Jesus wie­der­kehrt! Die Kir­che als Braut erwar­tet ihren Bräu­ti­gam! Wir müs­sen uns jedoch ganz ehr­lich fra­gen: Sind wir wirk­lich leuch­ten­de und glaub­wür­di­ge Zeu­gen die­ser Erwar­tung, die­ser Hoff­nung? Leben unse­re Gemein­schaf­ten noch im Zei­chen der Gegen­wart des Herrn Jesus und in der freu­di­gen Erwar­tung sei­ner Wie­der­kunft oder schei­nen sie müde dahin­zu­däm­mern unter der Last der Mühe und der Resi­gna­ti­on? Lau­fen auch wir Gefahr, das Öl des Glau­bens und das Öl der Freu­de zu ver­brau­chen? Sei­en wir acht­sam! Bit­ten wir die Jung­frau Maria, Mut­ter der Hoff­nung und Him­mels­kö­ni­gin, dass sie uns stets in einer Hal­tung des Hörens und der Erwar­tung erhal­ten möge, damit wir bereits jetzt von der Lie­be Chri­sti durch­drun­gen sein und eines Tages an der nie enden­den Freu­de teil­ha­ben kön­nen, in der vol­len Gemein­schaft Got­tes, und ver­gesst nicht, ver­gesst nie: „Dann wer­den wir immer beim Herrn sein“ (1 Thess 4,17).

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Herz­lich grü­ße ich die zahl­rei­chen Pil­ger und Besu­cher deut­scher Spra­che, beson­ders die Dele­ga­ti­on des Öster­rei­chi­schen Gemein­de­bun­des und die Gläu­bi­gen der Pfar­rei Sankt Lau­ren­ti­us aus Essen-Stee­le. Ich lade euch ein, euch auf­zu­ma­chen und Jesus Chri­stus schon heu­te im Hören auf sein Evan­ge­li­um und durch gute Taten zugun­sten der Bedürf­ti­gen zu begeg­nen. Der Hei­li­ge Geist beglei­te euch auf allen euren Wegen.