Die Gaben des Heiligen Geistes: 7. Die Gottesfurcht

GeneralaudienzLie­be Brü­der und Schwe­stern,
guten Tag!

Die Gabe der Got­tes­furcht, über die wir heu­te spre­chen, schließt die Rei­he der sie­ben Gaben des Hei­li­gen Gei­stes ab. Sie bedeu­tet nicht, Angst zu haben vor Gott: Wir wis­sen, dass Gott der Vater ist und dass er uns liebt und unser Heil will und stets ver­gibt; daher gibt es kei­nen Grund, vor ihm Angst zu haben! Die Got­tes­furcht ist viel­mehr die Gabe des Gei­stes, die uns dar­an erin­nert, wie klein wir sind vor Gott und vor sei­ner Lie­be, und dass unser Wohl dar­in besteht, uns mit Demut, mit Hoch­ach­tung und mit Ver­trau­en in sei­ne Hän­de hin­zu­ge­ben. Das ist die Got­tes­furcht: die Hin­ga­be an die Güte unse­res Vaters, der uns so sehr liebt.

Wenn der Hei­li­ge Geist in unse­rem Her­zen Woh­nung nimmt, dann schenkt er uns Trost und Frie­den und führt uns dahin, uns so zu füh­len wie wir sind, also klein, mit der Hal­tung – die uns von Jesus im Evan­ge­li­um so sehr ans Herz gelegt wird – des­sen, der all sei­ne Sor­gen und Erwar­tun­gen Gott über­lässt und sich umge­ben und getra­gen fühlt von sei­ner Wär­me und von sei­nem Schutz, wie ein Kind bei sei­nem Vater! Das bewirkt der Hei­li­ge Geist in unse­rem Her­zen: Er lässt uns spü­ren, dass wir Kin­der sind in den Armen unse­res Vaters. In die­sem Sin­ne ver­ste­hen wir also gut, dass die Got­tes­furcht in uns die Form der Füg­sam­keit, der Dank­bar­keit und des Lob­prei­ses annimmt und unser Herz mit Hoff­nung erfüllt. Denn oft kön­nen wir den Plan Got­tes nicht begrei­fen und mer­ken, dass wir nicht in der Lage sind, uns selbst unser Glück und das ewi­ge Leben zuzu­si­chern. Gera­de in der Erfah­rung unse­rer Gren­zen und unse­rer Arm­se­lig­keit jedoch trö­stet uns der Hei­li­ge Geist und lässt uns spü­ren, was allein wich­tig ist: uns von Jesus in die Arme sei­nes Vaters füh­ren zu las­sen.

Eben dar­um brau­chen wir die­se Gabe des Hei­li­gen Gei­stes so sehr. Die Got­tes­furcht bringt uns zu Bewusst­sein, dass alles aus der Gna­de kommt und dass unse­re wah­re Kraft ein­zig und allein dar­in liegt, Jesus, dem Herrn, nach­zu­fol­gen und den Vater sei­ne Güte und sei­ne Barm­her­zig­keit über uns aus­gie­ßen zu las­sen. Das Herz zu öff­nen, damit die Güte und die Barm­her­zig­keit Got­tes zu uns kom­men. Das wirkt der Hei­li­ge Geist durch die Gabe der Got­tes­furcht: Er öff­net die Her­zen. Ein offe­nes Herz, damit die Ver­ge­bung, die Barm­her­zig­keit, die Güte, die Lieb­ko­sung des Vaters zu uns kom­men, denn wir sind unend­lich gelieb­te Kin­der.

Wenn wir von der Got­tes­furcht durch­drun­gen sind, dann wer­den wir dahin geführt, dem Herrn mit Demut, Füg­sam­keit und Gehor­sam nach­zu­fol­gen – jedoch nicht in einer resi­gnier­ten, pas­si­ven, sogar kla­gen­den Hal­tung, son­dern mit dem Stau­nen und der Freu­de eines Kin­des, das sich vom für­sorg­li­chen Vater geliebt weiß. Die Got­tes­furcht macht uns also nicht zu ängst­li­chen, gefü­gi­gen Chri­sten, son­dern sie bewirkt in uns Mut und Kraft! Sie ist eine Gabe, die uns zu über­zeug­ten, begei­ster­ten Chri­sten macht, die sich dem Herrn nicht aus Furcht unter­wer­fen, son­dern weil sie von sei­ner Lie­be bewegt und ergrif­fen sind! Von der Lie­be Got­tes ergrif­fen sein! Das ist etwas Schö­nes. Uns ergrei­fen las­sen von die­ser Lie­be eines Vaters, der uns sehr liebt, der uns von gan­zem Her­zen liebt. Aber Ach­tung: Die Gabe Got­tes, die Gabe der Got­tes­furcht ist auch ein „Alarm“ vor der Hart­näckig­keit der Sün­de. Wenn ein Mensch im Bösen lebt, wenn er Gott lästert, wenn er die ande­ren aus­beu­tet, wenn er sie tyran­ni­siert, wenn er nur für das Geld, für die Eitel­keit oder die Macht oder den Stolz lebt, dann ver­setzt uns die hei­li­ge Got­tes­furcht in Alarm­be­reit­schaft: Ach­tung! Mit all die­ser Macht, mit all die­sem Geld, mit all dei­nem Stolz, mit all dei­ner Eitel­keit wirst du nicht glück­lich sein.

Nie­mand kann das Geld oder die Macht oder die Eitel­keit oder den Stolz ins Jen­seits mit­neh­men. Nichts! Wir kön­nen nur die Lie­be mit­neh­men, die Gott, der Vater, uns schenkt, die Lieb­ko­sun­gen Got­tes, von uns lie­be­voll ange­nom­men und emp­fan­gen. Und wir kön­nen das mit­neh­men, was wir für die ande­ren getan haben. Gebt Acht, die Hoff­nung nicht auf das Geld, auf den Stolz, auf die Macht, auf die Eitel­keit zu set­zen, denn all das kann uns nichts Gutes ver­hei­ßen! Ich den­ke zum Bei­spiel an die Men­schen, die Ver­ant­wor­tung haben für ande­re und sich bestechen las­sen: Meint ihr, ein kor­rup­ter Mensch wird im Jen­seits glück­lich sein? Nein, die gan­ze Frucht sei­ner Bestech­lich­keit hat sein Herz ver­dor­ben, und es wird schwie­rig sein, zum Herrn zu gehen. Ich den­ke an jene, die von Men­schen­han­del und von Skla­ven­ar­beit leben: Meint ihr, dass die­se Leu­te, die Men­schen­han­del trei­ben, die Men­schen mit Skla­ven­ar­beit aus­beu­ten, die Lie­be Got­tes im Her­zen haben? Nein, sie haben kei­ne Got­tes­furcht und sind nicht glück­lich. Sie sind es nicht. Ich den­ke an jene, die Waf­fen her­stel­len, um die Krie­ge zu för­dern: Denkt bloß, welch ein Gewer­be das ist. Ich bin sicher, wenn ich jetzt die Fra­ge stel­le: Wer von euch ist Waf­fen­her­stel­ler? Nie­mand, nie­mand. Die Waf­fen­her­stel­ler kom­men nicht, um das Wort Got­tes zu hören! Sie stel­len den Tod her, sie sind Händ­ler des Todes und trei­ben Han­del mit dem Tod. Möge die Got­tes­furcht sie ver­ste­hen las­sen, dass eines Tages alles endet und dass sie vor Gott Rechen­schaft able­gen müs­sen. Lie­be Freun­de, Psalm 34 lässt uns so beten: „Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhör­te ihn. Er half ihm aus all sei­nen Nöten. Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürch­ten und ehren, und er befreit sie“ (V. 7–8).

Bit­ten wir den Herrn um die Gna­de, unse­re Stim­me mit der Stim­me der Armen zu ver­ei­nen, um die Gabe der Got­tes­furcht anzu­neh­men und gemein­sam mit ihnen zu erken­nen, dass wir ein­ge­hüllt sind in die Barm­her­zig­keit und Lie­be Got­tes, der unser Vater, unser lie­ber Vater ist. So sei es.

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Herz­lich hei­ße ich die Pil­ger deut­scher Spra­che will­kom­men. Beson­ders grü­ße ich die Emma­nu­el School of Mis­si­on aus Alt­öt­ting und die Baye­ri­sche Kle­rus-Fuß­ball­aus­wahl. Die Gabe der Got­tes­furcht lässt uns im Ver­trau­en und in der Dank­bar­keit gegen­über Gott wach­sen. Jeden Tag haben wir viel­fa­chen Grund, den Herrn zu loben und sei­ne gro­ße Barm­her­zig­keit zu ver­kün­den. Der Hei­li­ge Geist gelei­te euch auf eurem Weg.