Neues Testament ins Elsässerdeutsch übersetzt — s’Neje Teschtament

Neues Testamten auf Elsässerdeutsch(Straß­burg) Die Bibel­über­set­zun­gen sind um eine Spra­che, auf alle Fäl­le um eine Über­set­zung rei­cher. Der pen­sio­nier­te evan­ge­li­sche Pastor Dani­el Stei­ner und der ehe­ma­li­ge Dia­lekt­for­scher an der Uni­ver­si­tät Straß­burg, Ray­mond Mat­zen, haben in zehn­jäh­ri­ger Arbeit das Neue Testa­ment auf Elsäs­sisch über­setzt, wie die elsäs­si­sche Tages­zei­tung Dernià¨res Nou­vel­les d’Al­sace berich­te­te. Die Spra­che des Elsaß ist eine deut­sche Mund­art, die zur ale­man­ni­schen Sprach­fa­mi­lie im Süd­we­sten des deut­schen Sprach­raums gehört. Sie umfaßt ein Gebiet das von Ost nach West in Öster­reich vom Tiro­ler Außer­fern über Liech­ten­stein, der Deutsch­schweiz, Baye­risch-Schwa­ben, wei­te Tei­le Baden-Würt­tem­bergs bis zu den Voge­sen im Elsaß reicht.

In zehn Jah­ren haben Stei­ner und Mat­zen die 27 Bücher und 8000 Ver­se des Neu­en Testa­ments ins Stroß­bur­je­r­ditsch über­tra­gen, in das Deutsch, das in Straß­burg und sei­ner Umge­bung gespro­chen wird. Da wird aus „Das Neue Testa­ment“ ein „s’Ne­je Tesch­tament“. Da die Mund­art regio­nal ver­schie­den ist, habe man sich für die gän­gig­ste Vari­an­te ent­schie­den. Zur Grund­la­ge genom­men wur­de die Luther-Bibel. Zwölf Pro­zent der Elsäs­ser sind Pro­te­stan­ten, 70 Pro­zent Katho­li­ken.

Kurz vor Weih­nach­ten erschien die Neu­über­set­zung im auf reli­giö­se Schrif­ten spe­zia­li­sier­ten Straß­bur­ger Ver­lag Edi­ti­on du Signe. Die Idee geht auf Pastor Stei­ner zurück, der nicht nur sei­ne Pre­dig­ten, son­dern auch den Got­tes­dienst auf Elsäs­sisch hal­ten woll­te, um das vom Aus­ster­ben bedroh­te Elsäs­ser­deutsch zu pfle­gen. Laut Anga­ben des Office pour la Lan­gue et Cul­tu­re d’Alsace (Amt für Spra­che und Kul­tur im Elsaß) bezeich­ne­ten sich den­noch 2001 61 Pro­zent der Elsäs­ser als „dia­lekt­spra­chig“. Seit 2006 wur­den ein­zel­ne, fer­tig­ge­stell­te Tei­le bereits vor­ab ver­öf­fent­licht. Nun liegt auf 443 Sei­ten das gesam­te Neue Testa­ment vor. Die Kosten belau­fen sich auf 17 Euro.

Mit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on wur­de Fran­zö­sisch in Frank­reich zur allei­ni­gen Staats­spra­che pro­kla­miert. Seit­her befin­den sich Sprach­min­der­hei­ten wie die deut­schen Elsäs­ser und Loth­rin­ger unter Druck. Ab 1918 wur­de die Fran­zö­si­sie­rung durch Paris ver­schärft. Seit­her gilt Fran­zö­sisch im Elsaß als allei­ni­ge Amts- und Schul­spra­che. Nach dem kur­zen natio­nal­so­zia­li­sti­schen Inter­mez­zo zwi­schen 1940 und 1944 galt die deut­sche Sprach als geäch­tet. Seit Anfang der 90er Jah­re wer­den ver­mehrt „bilin­gua­le“ Schu­len ein­ge­rich­tet, an denen ein Teil der Unter­richts­spra­che Deutsch ist. Die 1992 auch von Frank­reich unter­zeich­ne­te Euro­päi­sche Char­ta der Regio­nal- oder Min­der­hei­ten­spra­chen wur­de vom fran­zö­si­schen Par­la­ment aller­dings nie rati­fi­ziert und besitzt damit in Frank­reich kei­ne Rechts­kraft. Fast die Hälf­te der Kin­der lernt im Kin­der­gar­ten Deutsch und mehr als 90 Pro­zent in der Grund­schu­le, aller­dings nicht als Aus­druck ihrer Mut­ter­spra­che, son­dern als Fremd­spra­che. Mit der Über­set­zung kön­nen die Eläss­ser das Neue Testa­ment nicht nur auf Fran­zö­sisch und Hoch­deutsch lesen, son­dern auch in ihrer vor­wie­gend nie­der­ale­man­ni­schen Mund­art lesen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Edi­ti­on du Signe