Papst Franziskus übt Selbstkritik und korrigiert drei Fehler — Ein Kurswechsel?

Papst Franziskus übt Selbstkritik und korrigiert sich in drei Punkten(Rom) Er redu­ziert das Gewicht des Inter­views, das er Euge­nio Scal­fa­ri gab, er kor­ri­giert sein Urteil über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und er distan­ziert sich von den pro­gres­si­ven Strö­mun­gen in der Kir­che, die ihm bis­her Rosen streu­ten und ihn mit Applaus über­häuf­ten. Die Mas­sen­me­di­en schwei­gen zu die­sem Kurs­wech­sel. So es denn einer ist. „Auch der Papst übt Selbst­kri­tik und kor­ri­giert drei Feh­ler“, schrieb der Vati­ka­nist San­dro Magister.

Papst Fran­zis­kus hat die Kir­che seit sei­ner Wahl einer Rei­he von Wech­sel­bä­dern aus­ge­setzt. Man könn­te von einer Kneipp­kur mit Warm- und Kalt­was­ser und Zwi­schen­auf­ent­hal­ten in der Sau­na oder einer Infra­rot­ka­bi­ne spre­chen. Der wohl­tu­en­de Fak­tor oder gar ein Gene­sungs­pro­zeß die­ser Kur muß sich erst noch zeigen.

Ein Wech­sel­bad erfolg­te auch in den ver­gan­ge­nen Tagen. Die kal­te Dusche beka­men dies­mal die zer­set­zen­den Kir­chen­auf­lö­ser am pro­gres­si­ven Rand ab. Deren Hard­li­ner hiel­ten sich zwar immer auch auf Distanz zu Papst Fran­zis­kus, weil ihnen das Papst­tum grund­sätz­lich suspekt ist, den­noch stimm­ten auch sie laut­hals in die Jubel­chö­re für den argen­ti­ni­schen Papst ein und ver­su­chen ihn zu ver­ein­nah­men. Die gemä­ßig­te­ren Pro­gres­si­ven, die sich scha­ren­wei­se im haupt­amt­li­chen Funk­tio­närs­we­sen der Kir­che tum­meln, ver­eh­ren den neu­en Papst auf­rich­tig. Was immer auf Lais­sez-fai­re-Chri­sten­tum hin­weist, ist ihnen willkommen.

Nun hat Papst Fran­zis­kus aber inner­halb weni­ger Tage sein öffent­li­chen Erschei­nungs­bild kor­ri­giert. Und das gleich an drei Stel­len. Ein Erschei­nungs­bild an dem er maß­geb­lich mit­ge­strickt hat­te. Doch die gro­ße Öffent­lich­keit hat noch kaum Notiz davon genommen.

Korrektur 1: Das Scalfari-Interview wurde deklassiert — spät aber doch

Die erste Kor­rek­tur betrifft das Inter­view, das der Papst dem Athe­isten Euge­nio Scal­fa­ri gewähr­te und das am 1. Okto­ber in der Tages­zei­tung La Repub­bli­ca ver­öf­fent­licht wur­de. Dar­über wur­de bereits geschrie­ben (sie­he eige­nen Bericht Umstrit­te­nes Papst-Inter­view von Inter­net­sei­te des Vati­kans gelöscht), eben­so über die wei­ter­hin offe­nen Fra­gen rund um die­ses Inter­view. Das Inter­view sorg­te für erheb­li­ches Erstau­nen und auch Miß­bil­li­gung. Was nichts dar­an änder­te, daß sich katho­li­sche „Nor­ma­li­sten“ fan­den, selbst das Nicht­ver­tei­dig­ba­re zu ver­tei­di­gen. Seit gestern weiß man, daß die Ant­wor­ten des Pap­stes von Euge­nio Scal­fa­ri for­mu­liert wur­den (sie­he eige­nen Bericht Hin­ter­grün­de zum Papst-Inter­view – Scal­fa­ri: „Die Ant­wor­ten des Pap­stes habe ich selbst for­mu­liert“). Das erklärt auch, war­um die Ant­wor­ten eine so star­ke Über­ein­stim­mung mit dem Den­ken Scal­fa­ris auf­wei­sen und damit mehr lai­zi­stisch-athe­isti­sche als katho­li­sche Züge auf­wei­sen. Etwa der Satz: „Jeder hat eine eige­ne Vor­stel­lung von Gut und Böse und muss wäh­len, dem Guten zu fol­gen und das Böse zu bekämp­fen, so wie er sie wahr­nimmt.“ Aller­dings geneh­mig­te der Papst die ihm von Scal­fa­ri zuge­schick­te Fas­sung für die Ver­öf­fent­li­chung. Man könn­te von man­geln­dem Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein sprechen.

Die­se aus­drück­li­che Zustim­mung, nach­dem Scal­fa­ri das Inter­view vor der Druck­le­gung dem Papst über­mit­telt hat­te und Fran­zis­kus damit genau wuß­te, was ver­öf­fent­licht wird, erklärt wahr­schein­lich, war­um das Inter­view von den Medi­en­leu­ten des Vati­kans sofort wei­ter­ver­brei­tet, ja sogar in den Rang des ordent­li­chen Lehr­am­tes erho­ben wur­de. Maß­geb­li­cher Akteur die­ser „Auf­wer­tung“ war Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di, der davon sprach, daß das Inter­view „getreu das Den­ken“ des Pap­stes wie­der­gibt und „in sei­nem Gesamt­sinn authen­tisch ist“. Kryp­ti­sche For­mu­lie­run­gen, die seit eini­gen Mona­ten die Wort­mel­dun­gen Lom­bar­dis durch­zie­hen. Hin­zu kam, daß der Osser­va­to­re Roma­no nur weni­ge Stun­den nach der Repub­bli­ca das Inter­view voll­in­halt­lich über­nahm. Eben­so die offi­zi­el­le Inter­net­sei­te des Hei­li­gen Stuhls, wo es auf glei­cher Ebe­ne, unter die offi­zi­el­len Reden und Pre­dig­ten des Pap­stes ein­ge­reiht wurde.

Jemand wird sich dabei schon etwas gedacht haben. Zwangs­läu­fig muß­te der Ein­druck ent­ste­hen, daß Papst Fran­zis­kus absicht­lich das Gespräch als eine Art neu­er Form sei­nes Lehr­am­tes wähl­te. Offen­sicht­lich mit dem Ziel, damit weit mehr Men­schen zu errei­chen als durch ein klas­si­sches Doku­ment (sie­he eige­nen Bericht Das Inter­view als neue Form päpst­li­cher Enzy­kli­ken? – Grö­ße­re Reich­wei­te bei gerin­ge­rer Ver­bind­lich­keit?).

Was folg­te war erheb­li­che Kri­tik von glau­bens­treu­er katho­li­scher Sei­te an Form und Inhalt. Papst Fran­zis­kus muß sich letzt­lich selbst bewußt gewor­den sein, wie risi­ko­be­la­den die­se Form der Wort­mel­dun­gen ist. „Die Haupt­ge­fahr liegt dar­in, daß das Lehr­amt der Kir­che auf die Ebe­ne einer Mei­nung unter vie­len her­ab­sinkt und auch nur mehr als sol­che wahr­ge­nom­men wird“, so San­dro Magister.

Am 15. Novem­ber wur­de das Inter­view schließ­lich von der Inter­net­sei­te des Hei­li­gen Stuhls gelöscht. Durch die Ent­fer­nung, habe man die Bedeu­tung des Tex­tes auf die rich­ti­ge Ebe­ne brin­gen wol­len, so Vati­kan­spre­cher Lom­bar­di: „Es gab eini­ge Miß­ver­ständ­nis­se und Dis­kus­sio­nen über sei­nen Rang“.

Korrektur 2: Wechsel von der „Schule von Bologna“ zur Hermeneutik Benedikts XVI.

Nicht nur ans Scal­fa­ri-Inter­view wur­de Hand ange­legt. Auch das abge­wo­ge­ne­re und aus­ge­feil­te­re Inter­view, das Papst Fran­zis­kus der Jesui­ten­zeit­schrift Civil­tà  Cat­to­li­ca gab und das am 19. Sep­tem­ber von ins­ge­samt 16 Jesui­ten­zeit­schrif­ten in elf Spra­chen gleich­zei­tig ver­öf­fent­licht wur­de, „wur­de in den ver­gan­ge­nen Tagen in die Werk­statt zurück­ge­ru­fen“, so Magister.

Hier betrifft die Kor­rek­tur das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und sei­ne Inter­pre­ta­ti­on und damit das Schlüs­sel­the­ma, an dem sich die Kir­che ent­zweit und das in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren einen bei­spiel­lo­sen Nie­der­gang der Kir­che verursachte.

Bekannt wur­de der Kor­rek­tur­vor­gang durch einen hand­ge­schrie­be­nen Brief von Papst Fran­zis­kus an Kuri­en­erz­bi­schof Agosti­no Mar­chet­to anläß­lich einer Buch­vor­stel­lung am 12. Novem­ber auf dem Kapi­tol. Fran­zis­kus wünsch­te aus­drück­lich, daß der Brief öffent­lich vor­ge­le­sen wird (sie­he eige­nen Bericht „Schu­le von Bolo­gna“ von „ihrem“ Papst ver­ra­ten? – Papst Fran­zis­kus lobt „besten Her­me­neu­ti­ker des Kon­zils“).

Der Papst bezeich­ne­te Erz­bi­schof Mar­chet­to als „besten Her­me­neu­ten“ des Kon­zils. Die Aus­sa­ge ist außer­ge­wöhn­lich. Im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr­hun­dert gab es kei­ne ver­gleich­ba­re Äuße­rung eines Pap­stes. Sie ver­leiht Mar­chet­tos Kon­zils­in­ter­pre­ta­ti­on umso mehr ein Güte­sie­gel ersten Ran­ges. Mar­chet­to ist einer der schärf­sten und uner­bitt­lich­sten Kri­ti­ker der pro­gres­si­ven, von Giu­sep­pe Albe­ri­go und Giu­sep­pe Dos­set­ti gegrün­de­ten und heu­te von Alber­to Mel­lo­ni gelei­te­ten Schu­le von Bolo­gna, die weit­ge­hend und welt­weit das Inter­pre­ta­ti­ons­mo­no­pol für das Kon­zil in Hän­den hält. Auch im deut­schen Sprach­raum domi­niert inner­kirch­lich die Kon­zils­les­art der Schu­le von Bolo­gna.

Die Her­me­neu­tik Mar­chet­tos ent­spricht jener von Papst Bene­dikt XVI. und lehnt eine Les­art des „Bruchs“ und des „Neu­be­ginns“ ab, der eine „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“ ent­ge­gen­ge­setzt wird. Die Kir­chen­ge­schich­te bil­det eine Ein­heit und kann nur als Ein­heit ver­stan­den wer­den. Des­halb kann das Zwei­te Vati­ka­num nur im Licht der gesam­ten kirch­li­chen Tra­di­ti­on gele­sen und aus­ge­legt wer­den. Was der immer­wäh­ren­den Tra­di­ti­on wider­spricht, kann kei­ne Gül­tig­keit haben, so die grob zusam­men­ge­faß­te Inter­pre­ta­ti­ons­li­nie. Das öffent­li­che Lob für den Kuri­en­erz­bi­schof wird in Rom all­ge­mein als Zei­chen ver­stan­den, daß Papst Fran­zis­kus signa­li­sie­ren woll­te, daß er eben die­se Inter­pre­ta­ti­on des Kon­zils teilt.

Liest man aber im Civi­li­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view, was er zum Kon­zil gesagt hat, dann gewinnt man einen ganz ande­ren Ein­druck. „Ja, da gibt es Lini­en einer Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät und der Dis­kon­ti­nui­tät“, sag­te der Papst. „Aber eines ist klar“, das Kon­zil war ein „Dienst am Volk“, die in einem „neu­en Lesen des Evan­ge­li­ums im Licht der zeit­ge­nös­si­schen Kul­tur“ besteht. In den weni­gen Zei­len, die er dem Kon­zil wid­met, bewer­tet er das Kon­zil auf eine Wei­se, die genau jener der Schu­le von Bolo­gna ent­spricht, ein­schließ­lich der Lit­ur­gie­re­form, die er miteinbezog.

Die schnel­le Abhand­lung des Kon­zils mit die­ser knap­pen Beur­tei­lung erschien vie­len sofort als so ober­fläch­lich, daß sogar der Inter­view­er des Pap­stes, der Schrift­lei­ter der Civil­tà  Cat­to­li­ca, Pater Anto­nio Spa­daro sein Erstau­nen ein­be­kann­te, als er die­se Stel­le vom Ton­band­mit­schnitt niederschrieb.

Die Aus­sa­ge des Pap­stes fand jedoch brei­te Zustim­mung. Die Mono­pol­stel­lung der Schu­le von Bolo­gna hät­te kaum deut­li­cher zum Aus­druck kom­men kön­nen. Am 14. Novem­ber etwa dank­te der ehe­ma­li­ge Kom­mu­nist und heu­ti­ge Links­de­mo­krat, Ita­li­ens Staats­prä­si­dent Gior­gio Napo­li­ta­no dem Papst, daß er „den Geist des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils vibrie­ren“ las­se als „ein neu­es Lesen des Evan­ge­li­ums im Licht der zeit­ge­nös­si­schen Kul­tur“. Der Staats­prä­si­dent zitier­te damit wört­lich, was der Papst im Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view gesagt hatte.

Applaus für die­se Kon­zils-Inter­pre­ta­ti­on des Pap­stes kam auch von Andrea Gril­lo, dem füh­ren­den ita­lie­ni­schen Lit­ur­gi­ker, der am Päpst­li­chen Athe­nä­um Sant’Anselmo unter­rich­tet. Laut Gril­lo habe Papst Fran­zis­kus damit „die wirk­li­che und defi­ni­ti­ve Her­me­neu­tik des Kon­zils ein­ge­lei­tet“, nach­dem er „sofort das Gezänk um Kon­ti­nui­tät und Dis­kon­ti­nui­tät in die zwei­te Rei­he ver­wies“, das so lan­ge „jede effi­zi­en­te Her­me­neu­tik des Zwei­ten Vati­ka­nums gelähmt“ habe. Eine kate­go­ri­sche Absa­ge an die Bemü­hun­gen Bene­dikts XVI., das pro­gres­si­ve Inter­pre­ta­ti­ons­mo­no­pol auf­zu­bre­chen und eine Form des Tri­um­pha­lis­mus über den deut­schen Papst, den die Pro­gres­si­ven erst beju­bel­ten, als er einen unhi­sto­ri­schen Schritt setz­te und zurücktrat.

Magi­ster macht dar­auf auf­merk­sam, daß es in der Tat kein Geheim­nis ist, daß „Dienst am Volk“ und ein „neu­es Lesen des Evan­ge­li­ums“ für sei­ne „Aktua­li­sie­rung im Heu­te“ Chif­fren der pro­gres­si­ven Kon­zils­in­ter­pre­ta­ti­on sind, vor allem der Schu­le von Bolo­gna. Mel­lo­ni, der heu­ti­ge Lei­ter der Schu­le äußer­te mehr­fach sei­ne Begei­ste­rung über die Wahl und das Pon­ti­fi­kat Jor­ge Mario Bergoglios.

Auch zu die­sem Punkt schei­nen, wie bereits zur Ver­öf­fent­li­chung des Scal­fa­ri-Inter­views, eini­ge gewich­ti­ge Stim­men im Umfeld des Pap­stes die­sen auf­merk­sam gemacht zu haben, daß eine sol­che ein­sei­ti­ge Aus­le­gung zumin­dest „unge­nau“, wenn nicht sogar „falsch“ ist, wie San­dro Magi­ster anmerkt.

Es dürf­te Kuri­en­erz­bi­schof Mar­chet­to als Kon­zils­ex­per­te selbst gewe­sen sein, der den Papst dar­auf auf­merk­sam mach­te. Seit eini­ger Zeit scheint bei­de ein ver­trau­li­ches Ver­hält­nis und gegen­sei­ti­ge Wert­schät­zung zu ver­bin­den. Und wie es in Rom heißt, hat Papst Fran­zis­kus die Kri­tik sei­nes Freun­des an den Kon­zils-Aus­sa­gen nicht nur ange­hört, son­dern sich auch zu eigen gemacht. Soweit, daß er ihm nicht nur am 12. Novem­ber öffent­lich dank­te, son­dern eben­so öffent­lich erklär­te, daß Mar­chet­tos Kon­zilsin­te­pre­ta­ti­on die rich­ti­ge sei und nicht die von ihm selbst im Civil­tà  Cat­to­lica‑Interview geäu­ßer­te. Wört­lich dank­te Papst Fran­zis­kus dem Kuri­en­erz­bi­schof dafür, daß er ihm dabei half „einen Feh­ler oder Unge­nau­ig­keit mei­ner­seits zu kor­ri­gie­ren“. Ein „Kor­ri­gie­ren“, das die gesam­te Inter­pre­ta­ti­on des Kon­zils betrifft.

„Dar­aus wäre zu schlie­ßen, daß sich Papst Fran­zis­kus künf­tig anders über das Kon­zil äußern wird als im Civil­tà  Cat­to­li­ca-Inter­view. Auf eine Wei­se, die deut­lich näher bei jener Bene­dikts XVI. sein müß­te, zur gro­ßen Ent­täu­schung der Schu­le von Bolo­gna“, so Magi­ster. Man wird sehen.

Korrektur 3: Verurteilung des dominanten progressiven Denkens

Die drit­te Kor­rek­tur liegt auf der Linie der bei­den ersten. Magi­ster spricht von einem Abschüt­teln des „pro­gres­si­ven Stem­pels“, der dem Papst in den ersten Mona­ten sei­nes Pon­ti­fi­kats ver­paßt wurde.

Vor einem Monat, am 17. Okto­ber schien er die­sem „pro­gres­si­ven Stem­pel“ ganz zu ent­spre­chen, als er in sei­ner mor­gend­li­chen Kurz­pre­digt im Gäste­haus San­ta Mar­ta die Chri­sten kri­ti­sier­te, die den Glau­ben in eine „mora­li­sti­sche Ideo­lo­gie“ ver­wan­deln (sie­he eige­nen Bericht „Den­zin­ger-Katho­lik“ und „ideo­lo­gi­sche Chri­sten“? Neue Schub­la­den, aber die Pro­ble­me blei­ben).

Einen Monat spä­ter, am 18. Novem­ber klang der Papst plötz­lich ganz anders. In sei­ner Pre­digt sprach er über den Auf­stand der Mak­ka­bä­er gegen die herr­schen­den Mäch­te ihrer Zeit. Der Papst nütz­te die Gele­gen­heit, um dem „halb­wüch­si­gen Pro­gres­sis­mus“, auch dem katho­li­schen, eine ordent­li­che Kopf­wä­sche zu ver­ab­rei­chen. Den Pro­gres­si­ven warf er vor, sich bereit­wil­lig der „hege­mo­nia­len Uni­for­mi­tät“ eines „Ein­heits­den­kens als Aus­druck der Welt­lich­keit“ zu unterwerfen.

Es sei nicht wahr, sag­te Papst Fran­zis­kus, daß „es bei jeder Ent­schei­dung rich­tig sei, den­noch vor­wärts zu gehen, anstatt den eige­nen Tra­di­tio­nen treu zu blei­ben“. Da nach die­ser Logik alles ver­han­del­bar sei, kommt man soweit, daß die Wer­te der­ma­ßen ihre Sin­nes beraubt wer­den, daß sie nur mehr „nomi­na­le, aber nicht mehr rea­le Wer­te“ sind. Mehr noch, man geht soweit, daß man sogar „über das Wesent­li­che des eige­nen Seins: die Treue zum Herrn“ ver­han­delt. Das aber ist „Apost­asie“, Abfall vom Glau­ben, wie Papst Fran­zis­kus betonte.

Das Ein­heits­den­ken, das die Welt beherrscht, lega­li­siert auch „die Todes­ur­tei­le“, auch die „Men­schen­op­fer“, sag­te der Papst. „Denkt Ihr, daß heu­te kei­ne Men­schen­op­fer dar­ge­bracht wer­den? Es wer­den sogar sehr vie­le dar­ge­bracht! Und es gibt Geset­ze, die sie schützen.“

In die­sem dra­ma­ti­schen Ruf des Pap­stes, sind unschwer die Mil­lio­nen Men­schen­le­ben zu erken­nen, die durch Abtrei­bung und Eutha­na­sie hin­ge­mor­det wer­den. Trotz der Dra­ma­tik die­ser Wor­te, konn­te sich der Papst noch immer nicht durch­rin­gen, das Mor­den an Men­schen, began­gen von ande­ren Men­schen und geschützt durch men­schen­ge­mach­te Geset­ze beim Namen zu nennen.

In sei­ner Kla­ge über das Vor­drin­gen „die­ses welt­li­chen Gei­stes, der zum Glau­bens­ab­fall führt“ zitier­te der Papst einen „pro­phe­ti­schen“ Roman des frü­hen 20. Jahr­hun­derts, der zur Lieb­lings­lek­tü­re des Pap­stes gehört. Es han­delt sich um den Roman Der Herr der Welt von Robert H. Ben­son. Ben­son war angli­ka­ni­scher Pastor und Sohn eines Erz­bi­schofs von Can­ter­bu­ry, der sich zum katho­li­schen Glau­ben bekehrte.

Abge­se­hen von den katho­li­schen Medi­en hat die Welt­pres­se die­se Pre­digt genau­so igno­riert, wie die bei­den ande­ren Kor­rek­tu­ren an sei­nem Pon­ti­fi­kat. Alle drei wider­spre­chen offen­sicht­lich dem pro­gres­si­ven, wenn nicht sogar revo­lu­tio­nä­ren Bild, das man sich in den Redak­tio­nen zurecht­ge­legt hat und mit dem man die Mas­sen infi­ziert hat.

An der mor­gend­li­chen Mes­se, in der Papst Fran­zis­kus die pro­gres­si­ven Katho­li­ken und den men­schen­ver­ach­ten­den Fort­schritts­wahn ver­ur­teil­te, nahm erst­mals auch der neue Staats­se­kre­tär Kuri­en­erz­bi­schof Pie­tro Paro­lin teil. Seit ver­gan­ge­nem Sams­tag ist er im Vati­kan, der Mon­tag war sein erster regu­lä­rer Arbeitstag.

Die ver­gan­ge­nen Mona­te bedeu­te­ten Wech­sel­bä­der. Sie zeig­ten einen anders­sein­wol­len­den Papst, einen Anti-Ratz­in­ger, einen Mar­ti­ni-Papst, einen Papst in der Gesten-Fal­le, einen anti-tra­di­tio­na­li­sti­schen Papst, einen pro­gres­si­ven Papst, einen anti­pro­gres­si­ven Papst, und man­che wür­den sagen, zuletzt sogar einen tra­di­tio­na­li­sti­schen Papst, wenn man an die Gruß­bot­schaft vom 26. Okto­ber an die Zwei­te Inter­na­tio­na­le Wall­fahrt der Tra­di­ti­on nach Rom denkt; die Glück­wün­sche vom 28.. Okto­ber zum 25jährigen Bestehen der Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus (wenn auch nur an den fran­zö­si­schen Distrikt); den Tele­fon­an­ruf vom 1. Novem­ber an einen sei­ner här­te­sten Kri­ti­ker, den tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Rechts­phi­lo­so­phen Mario Palma­ro, bei dem er sich für die Kri­tik bedankte.

Bleibt die Fra­ge, wie die­se unter­schied­li­chen Signa­le zu inter­pre­tie­ren sind. Die Her­me­neu­tik des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils stellt eine eben­so ent­schei­den­de wie umstrit­te­ne Fra­ge dar. Papst Fran­zis­kus per­sön­lich scheint sich hin­ge­gen jeder Her­me­neu­tik zu ent­zie­hen. Viel­leicht auch das ein Aus­druck einer cha­rak­ter­li­chen Ver­faßt­heit, die nach stän­di­gem Anders­sein ver­langt (Lucrecia Rego de Pla­nas) und unter einer „pasto­ra­len“ Prä­mis­se (Alber­to Mel­lo­ni) auf jeden zuge­hen will, ob pro­gres­siv oder tra­di­tio­na­li­stisch, ob Her­meun­ti­ker der Kon­ti­nui­tät oder der Dis­kon­ti­nui­tät, ob Gläu­bi­ger oder Athe­ist. Oder – wie man­che kri­ti­sie­ren – allen gefal­len möch­te. Die Fra­ge bleibt wei­ter­hin unent­schie­den, oder wie in die­sen Tagen ein Leser schrieb: „Aus die­sem Papst wird man nicht schlau.“ Zumin­dest noch nicht.

Text: Sett­ti­mo Cielo/Giuseppe Nardi
Bild: vatican.va

19 Kommentare

  1. Fest steht jeden­falls, dass jeder Katho­lik für den Papst beten soll und muss. Dar­über hin­aus ist jeder Katho­lik ver­pflich­tet, dem Hl. Vater (viel­leicht soll­te man die­ses Wort wie­der mehr ver­wen­den, so wie es bei Bene­dikt üblich war?) gegen­über wohl­wol­lend zu sein und nicht immer erst das Schlech­te anzu­neh­men, wie es manch­mal zu gesche­hen scheint.

    • „Hütet euch vor dem Sauer­teig der Pharisäer.“
      Wer waren die­se Pha­ri­sä­er? Sie woll­ten ein­fach nur der Welt gefal­len, mach­ten lan­ge Gebe­te in den Ecken der Stra­ßen, damit sie gese­hen wer­den. Genau­so machen es die Moder­ni­sten, sie las­sen sich dau­ernd in der Pres­se hören, um der Welt zu gefal­len. (Der­zeit ist Beten nicht „in“, sonst wür­den Dre­wer­mann, Marx, Zollitsch & Co sich ja in die Ecken der Stra­ßen stellen!) 

      Wenn man sich aber vor Rom, das den Glau­ben ver­lo­ren hat (La Salet­te), hüten will und muß, muß man die Lehr­amts­äu­ße­run­gen und Pre­dig­ten Roms genaue­stens durchleuchten.
      a) Da hilft auch kein Gesund-Beten. Auch nicht mit dem dik­ta­to­ri­schen „gilt für jeden Katho­li­ken“! Hat Pau­lus nicht Petrus ins Ange­sicht widerstanden?
      Das Leben ist nicht wei­ner­lich — son­dern knallhart.

      b) Man darf den Papst und ande­re Rom-Ver­ant­wort­li­che nicht ver­ur­tei­len oder beschimp­fen — aber sei­ne Aus­sa­gen, sei­ne Glau­bens­hal­tung darf und muß man sehr wohl. Man muß ihr ja fol­gen. Oder u.U. eben auch mal nicht!
      Wenn der Papst sei­ne Aus­sa­gen selbst kri­ti­siert, was wol­len sie, Tere­sa, eigent­lich noch? Sind sie fran­zis­ki­scher als der Papst?

      c) Die­se melo­dra­ma­ti­sche, im Schein des Hel­den­tums daher­schlei­chen­de, Hal­tung der blind und urteils­frei­en Him­mels­he­bung des Pap­stes ist und bleibt lächer­lich. Wie gesagt, ohne in Beschimp­fun­gen aus­zu­ar­ten ist Kri­tik am Papst durch­aus gut und vom PP gewollt. (Sagt er es doch selbst. Ätsch!)

      d) Das Wich­tig­ste ist die Lie­be zu Jesus — durch Maria. Nicht die Ret­tung des eige­nen Aller­wer­te­sten durch das Sich-Ver­krie­chen hin­ter der wohl­wol­len­den Muß-Hal­tung: der Papst ist immer gut. (Pfui Spinne.)

      e) Es ist schwer, was die papst­kri­ti­schen Jour­na­li­sten machen müs­sen, sie sagen es und der Papst hört es auch aus der Kritik. 

      Also, mulier tacet in eccle­sia — außer die hl. Hil­de­gard, hl. Kathe­ri­na v. Sie­na, hl. The­re­sia v. Avi­la und Lisieux usw.

      • „Wenn man sich aber vor Rom, das den Glau­ben ver­lo­ren hat (La Salet­te), hüten will und muß, muß man die Lehr­amts­äu­ße­run­gen und Pre­dig­ten Roms genaue­stens durchleuchten.“
        Ja das soll­te man tun. Spä­te­stens wenn Rom uns das Para­dies auf Erden andre­hen will, soll­ten alle Alarm­si­gna­le auf Rot ste­hen. Die „Bewah­rung der Schöp­fung“ ist ein erster Hin­weis. Die Anbe­tung von „Mut­ter Natur“ samt ihrer Sünd­haf­tig­keit kommt von der Kon­zils­kir­che. Alle Zei­chen ste­hen auf Sturm.
        Per Mari­am ad Christum.

  2. So ver­neh­men wir die­ses Ein­ge­ständ­nis in die drei Feh­ler. Der Papst muss wis­sen, was er sagt. Kor­rek­tu­ren wer­den in den Main­streamm­edi­en nur gebracht, wenn sie Wss­ser auf die dor­ti­gen Müh­len sind. Jedes Wort muss abge­wo­gen wer­den cim gra­ni salis. Dazu zwin­gen ihn schon die Medi­en. Wenn die Tex­te klar sind in der Kon­ti­nui­tät des Amtes bedarf es auch kei­ner Inter­pre­ta­tio­nen, die mit­un­ter pein­lich wir­ken. Beten wir für die­sen Weg, den der Papst ver­fol­gen möge.

    • Witz: Sag­te ein OP einem SJ, er habe von Rom einen nega­ti­ven Bescheid bekom­men auf sei­ne Anfra­ge, ob man wäh­rend des Betens rau­chen darf. Dar­auf frag­te der SJ in Rom an und bekam die Erlaub­nis. Als der OP danach frag­te, sag­te SJ, er habe gefragt, ob er beim Rau­chen beten darf. „Natür­lich“.
      Das ist SJ — schlaue Jungs. Genau­so kenn ich sie. (St.Blasien-Kolleg / Frank­furt St.Georgen) Und so ist der PP. Die SJ waren 500 Jah­re lang die Stoß­trup­pe des Pap­stes, haben mit dem hl. Petrus Cani­si­us den Glau­bens­ab­fall in Deutsch­land gestoppt, beson­ders in Tirol und Ingol­stadt die Herz-Jesu-Ver­eh­rung ein­ge­führt (erst spä­ter kam Maria Ala­co­que) und über­haupt durch die igna­ti­an. Exer­zi­ti­en extrem viel posi­ti­ves bewirkt. Die­ser Schalk der Jesui­ten muß also nicht nega­tiv sein. Auch das SJ non can­tat und rubri­cat ist nichts schlecht­hin Nega­ti­ves. (Jesui­ten sin­gen nicht und hal­ten sich nicht beson­ders an Rubriken.)
      Immer­hin kri­ti­siert er sich selbst öffent­lich, hat bis­her zuletzt mal Papst Bene­dikt als Kar­di­nal gemacht, als er bereu­te, daß man viel zu eupho­risch war vor-wäh­rend-nach dem Vat2.

      Die Jesui­ten sind kei­ne Domi­ni­ka­ner oder Bene­dik­ti­ner. Falls er den rech­ten Weg geht, gut. Die Ver­ur­tei­lung der OF Imma­cu­la­ta war schlecht, egal ob von ihm oder sei­ner Umge­bung. Und sie muß rück­gä­gnig gemacht werden.
      Der hl. Don Bos­co sagt, der Papst wird ein­mal ange­schos­sen und steht wie­der auf. Dann wird er noch­mal ange­schos­sen und stirbt. Der erste Schuß war schon, wenn der PP so wei­ter­macht, trifft ihn der Zwei­te. Gera­de bei der Abtrei­bung ken­nen „die“ kei­nen Spaß!

  3. Man soll­te nicht über­se­hen, dass Papst Fran­zis­kus sich einer Medi­en­macht gegen­über­sieht, die schon sei­nen Vor­gän­ger zu zer­mal­men droh­te. Inso­fern geht er nicht unge­schickt vor, indem er anfangs mög­li­che Angriffs­flä­chen ver­mied, ins­be­son­de­re, was die „pro­gres­si­ven Krei­se“ anbe­langt, die sein Pon­ti­fi­kat in einer bestim­men Wei­se inter­pre­tier­ten. So hat sich der Hl.Vater in den ersten 100 Tagen sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes den nöti­gen Rück­halt in brei­ten Schich­ten der Bevöl­ke­rung geschaf­fen und die Pres­se sich in Lobes­hym­nen erge­hen las­sen, die sie jetzt, wo der Papst gegen­steu­ert, nur schwer kor­ri­gie­ren kann.

    Mir scheint Papst Fran­zis­kus hat ein wirk­li­ches Talent, die Medi­en auf­lau­fen zu las­sen, auch wenn dies manch­mal ein sehr ris­kan­ter Kurs ist, aber ange­sichts der Aggres­si­vi­tät der säku­la­ren Medi­en, ist es sinn­voll, sich nicht sofort auf einen Kampf ein­zu­las­sen. So schlägt der Papst den zer­set­zen­den Kräf­ten in der Kir­che die Kampf­mit­tel aus der Hand, denn gera­de jetzt, wo er den anfäng­li­chen Inter­pre­ta­tio­nen sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes kla­re Kor­rek­tu­ren ent­ge­gen­setzt, ver­mag die Pres­se, die das sehr wohl wahr­nimmt, nicht gegen ihn wen­den zu kön­nen. Sei­ne Popu­la­ri­tät dient hier als Schutz­schild und die­ses Schutz­schild muss­te sich der Papst erst schaf­fen, indem er sei­ne Geg­ner durch Offen­heit entwaffnete.

    Ich glau­be, mitt­ler­wei­le ist Scal­fa­ri nicht mehr so glück­lich über sein mit dem Papst geführ­te „Inter­view“. Auch die Ent­schei­dung, den Lim­bur­ger Bischof aus dem media­len Trom­mel­feu­er zu neh­men, war tak­ti­sche ein bril­lan­ter Schach­zug des Pap­stes, der gera­de die pro­gres­si­ven Krei­se rund um das ZdK in Weiß­glut gebracht hat.

    • Da bin ich doch etwas skep­ti­scher. Der Schlag­ab­tausch läßt sich nicht ver­mei­den. Ich sehe auch kei­nen sinn dar­in, die Unru­he­stif­ter samt ihrer Medi­en zufrie­den zu stel­len. Wie wäre es zur Abwechs­lung ein­mal mit Rück­sicht­nah­me auf uns. Wir sind wohl zu lieb. Das ist es.

    • „Geht nicht unge­schickt vor“, „das ZdK in Weiß­glut gebracht“,„er ver­mied anfangs grö­ße­re Angriffsflächen“?

      Das Volk schreit „Hosi­an­na“ oder „Cru­ci­fi­ge“, je nach Gusto und Wind.
      Sie beschrei­ben den Papst als einen Ihrer Mei­nung nach geschick­ten Strategen.
      Der Hl. Pau­lus aber 2. Tim 4, 2ff):
      „2 Pra­e­di­ca ver­bum, insta oppor­tu­ne, impor­tu­ne, argue, increpa, obse­cra in omni lon­g­ani­mi­ta­te et doctrina.
      3 Erit enim tem­pus, cum sanam doc­tri­nam non sus­ti­neb­unt, sed ad sua desi­de­ria coacerva­b­unt sibi magi­stros pru­ri­en­tes auribus,
      4 et a veri­ta­te qui­dem audit­um aver­tent, ad fabu­las autem convertentur.
      5 Tu vero vigi­la in omni­bus, labo­ra, opus fac evan­ge­li­stae, mini­ste­ri­um tuum imple.“

      Es tut mir Leid — aber der Papst soll die­sen Wor­ten fol­gen, nicht den PR-Rat­schlä­gen, die die Welt zu bie­ten hat.
      Sie sehen doch, dass die unter­stell­ten Stra­te­gien, wenn es denn über­haupt wel­che sein soll­ten, „nach hin­ten los gehen“ und schon jetzt enor­men Scha­den ange­rich­tet haben!
      Sie hören es doch in der Schrift, dass die Men­schen nicht die Wahr­heit hören wol­len — was soll man ihnen da ent­ge­gen­kom­men?! Wer nicht hören will, dem ist nicht bei­zu­kom­men. Es ist ein Akt der Demut, das anzu­er­ken­nen … und wei­ter der Wahr­heit treu zu bleiben.
      Und zuletzt hat unser Herr nicht einen Moment die Stra­te­gie der Wahr­haf­tig­keit vor­ge­zo­gen. Hat ER je die Men­schen so verwirrt?
      Rich­tig: nein, das hat ER nicht, und ER geht uns vor­an, und ohne IHN ist alles, was wir pla­nen, vergeblich.
      Es wäre eine gro­ße Erleich­te­rung, wenn F. end­lich ohne Wenn und Aber IHM fol­gen wür­de, in aller Ent­schie­den­heit — egal, was der Welt dazu ein­fällt. Und ER hat gesagt: Wenn die Welt euch liebt, kenntn ihr IHN nicht!

      • Sie inter­pre­tie­ren da mal wie­der kräf­tig etwas in mei­nen Kom­men­tar hin­ein, was so nicht drin steht. Auch Papst Pius XII. hat z.B. nicht die direk­te Kon­fron­ta­ti­on mit den Nazi-Regime gesucht, son­dern er hat eine Eska­la­ti­on ver­mie­den und so den Spiel­raum erhal­ten, um hel­fend wir­ken zu kön­nen. Es gäbe noch duzen­de ande­re Bei­spie­le, wo ein Papst, der ja immer auch ein Diplo­mat sein muss, mög­lichst wenig Angriffs­flä­che den Kir­chen­geg­nern gebo­ten hat. 

        Inso­fern scheint mir Ihre Ant­wort wie­der ein­mal sehr ten­den­zi­ös und dem Han­deln des Pap­stes nicht gerecht zu wer­den. Das heißt nicht, einem Rela­ti­vis­mus das Wort reden zu wol­len, im Glau­ben darf es in der Tat kei­ne Kom­pro­mis­se geben. Ich sehe aber auch nicht, dass der Hl.Vater die­se macht, im Gegen­teil, die „pro­gres­si­ven“ Kräf­te in der Kir­che sehen sich zuneh­mend mit einem Papst kon­fron­tiert, der dem Bild, das man sich anfäng­lich von ihm gemacht hat, bzw. machen woll­te, nicht entspricht.

        Sie soll­ten also ver­bal etwas abrü­sten in der Kritik.

        Ich könn­te Ihnen vie­le Stel­len aus Aus­sa­gen von Papst Bene­dikt zitie­ren, die, wür­de man sie ohne die not­wen­di­ge Bereit­schaft des Ver­ste­hen-Wol­lens lesen, auch so inter­pre­tiert wer­den kön­nen, dass man sie gera­de­wegs ins Gegen­teil des­sen ver­kehrt, was inhalt­lich aus­ge­sagt ist. Der Akt des Ver­ste­hens ist immer auch ein Wil­lens­akt und das drückt sich sehr schön in den Wor­ten Hl.Paulus aus.

        Ich will gar nichts sagen, dass mich nicht auch anfäng­lich eini­ge Aus­sa­gen und Hand­lun­gen des Hl.Vater irri­tiert hät­ten, im Gegen­teil, ich war sehr wohl irri­tiert und ver­moch­te sie nicht sofort ein­zu­ord­nen. Ich habe aber nie das Ver­trau­en in den Hl.Geist ver­lo­ren, son­dern immer dar­auf ver­traut, dass die­ser den H.Vater schon recht len­ken wird. Und so zeig­te sich für mich immer deut­li­cher, dass die Hand­lun­gen des Hl.Vater teils für eine Papst zwar sehr „unkon­ven­tio­nell“ sind, aber doch nicht gegen den Glau­ben ste­hen. Auch lässt sich immer deut­li­cher erken­nen, dass die Medi­en ein bestimm­tes Papst­bild zeich­nen und bestimm­te Inter­pre­ta­tio­nen von Aus­sa­gen und Hand­lun­gen des Hl.Vater vor­prä­gen, die wir dann gedan­ken­los über­neh­men und am Ende so uns medi­al voll­stän­dig mani­pu­lie­ren lassen.

        ich will auch nicht Kri­tik an Papst Fran­zis­kus abwür­gen, son­der glau­be durch­aus, dass Kri­tik, sofern sie auf guten Wil­len beruht, immer frucht­bar ist. Es kommt dabei auch auf die Form an, in der Kri­tik geübt wird. Wo die Form Züge der Her­ab­set­zung annimmt, hal­te ich sie weder für ange­mes­sen, noch für bedenkenswert.

  4. @Ralph „Jedes Wort muss abge­wo­gen wer­den…“, schrei­ben Sie so tref­fend. Und dann füh­ren Sie ein latei­ni­sches Zitat an, wel­ches ich mit sei­nem Recht­schreib- und Gram­ma­tik­feh­ler so nicht wie­der­ho­len will. Ich woll­te es ein­fach nur rich­tig stel­len als „alter Latei­ner“, gera­de weil es auch die immer­wäh­ren­de Kir­chen­spra­che betrifft, und die soll­te schon rich­tig zitiert wer­den, wenn sie hier stra­pa­ziert wird. Ich bin mir durch­aus der tech­ni­schen Tücken unse­rer Kor­rek­tur­pro­gram­me bewusst. Da heisst es lie­ber drei­mal lesen, bevor man sei­nen Kom­men­tar abschickt, gera­de dann, wenn man als klei­ne Kir­chen­maus denkt, sei­nen Papst genau da kri­ti­sie­ren zu müs­sen, wo man sich gera­de selbst anschickt, dar­über zu stol­pern. 😉 Und nun muss ich selbst erst drei­mal lesen, was ich da von mir gebe, damit mir nicht das­sel­be wie Ihnen pas­siert 😉 — Cum gra­no salis -

    • Da habe ich mich schlicht ver­tippt. Dan­ke für die The­ma­ti­sie­rung. Bin selbst im Besit­ze des Gro­ßen Lati­nums. Cum mit Abla­tiv ist doch die klein­ste Übung. Die klei­ne Kir­chen­maus fin­de ich ganz schön put­zig, wenn es her­ab­set­zend gemeint sein soll­te, dann ist mir das auch reich­lich egal. Im Übri­gen bit­tet der Papst um Kri­tik, da will ich mich auch nicht verschließen.

  5. Man­che Katho­li­ken mei­nen, den Papst dür­fe man nicht kri­ti­sie­ren, zum Teil mit der Begrün­dung, dass man dann den Geg­nern der Kir­che Was­ser auf ihre Müh­len gießt. Doch wenn der Papst Din­ge sagt und tut, die mit unse­rem Glau­ben nicht über­ein­stim­men, dann ist es wirk­lich eine Pflicht, frei­mü­tig sei­ne Ansicht kund zu tun. Wir müs­sen nicht unse­ren Ver­stand in die Ecke stel­len, wenn es um den Papst geht. Er hat sel­ber zuge­ge­ben, ein Sün­der zu sein. Und ein Sün­der ist nie davor gefeit, gro­be Feh­ler zu machen. Wenn sich aber nie­mand traut zu wider­spre­chen, dann kann er ganz leicht in den Irr­tum ver­fal­len, alles reich­tig zu machen. Wenn aber der Papst dazu über­geht, unse­ren Glau­ben zu stär­ken, dann wer­den es die Geg­ner bald mer­ken; ganz ohne unser Zutun wer­den sie mit den Lobes­hym­nen Schluss machen und das Feu­er eröffnen.

    • Das kann ich nur unter­stüt­zen. Die Grup­pe, die Kri­tik am Papst ablehnt, negiert das Vor­han­den­sein des erstark­ten Moder­ni­sten­flü­gels, der durch­or­ga­ni­siert ist und von Haupt­amt­li­chen ange­lei­tet wird, die sich vor allem der Unru­he­er­zeu­gung wid­men. Da muss dann auch die Kri­tik aus einem ande­ren Blick­win­kel, dem des Glau­bens, zuläs­sig und sogar gebo­ten sein.

  6. Die Hoff­nung stirbt bekannt­lich zu Letzt.
    Aber sie wird sich nicht erfüllen.
    Auch die­se neu­er­li­chen Halb­hei­ten sind ein erneu­ter Beweis.
    Hier ist nicht der Hei­li­ge Geist am Werk, son­dern ein
    Religions-Politiker.
    Natür­lich muss die EineWelt­Re­li­gi­on ein Mini­mum an
    reli­giö­sen Posi­tio­nen ein­neh­men und darf nicht offensichtlich
    allen Katho­li­ken vor den Kopf stoßen.
    Dies ist mit den „Kor­rek­tu­ren“ poli­tisch tak­tisch erfüllt.
    Mehr nicht.

    • „Hier ist nicht der Hei­li­ge Geist am Werk, son­dern ein
      Religions-Politiker.“
      Natür­lich. So ist es. Und die­sen Kon­zils­geist ver­su­chen uns als den „Hei­li­gen Geist“ anzu­dre­hen. Wenn sie statt dem Kreuz auf der Brust eine Schür­ze tra­gen wür­den dann wür­den auch vie­le inter­es­sier­te Katho­li­ken wach werden.
      Per Mari­am ad Christum.

  7. Ein Schritt in die rich­ti­ge Richtung!
    Dan­ke für die Über­set­zung und Bereit­stel­lung die­ses Textes!

    Die Gefahr besteht aller­dings, daß Papst Fran­zis­kus in die­sel­be Fal­le wie Papst Bene­dikt tappt: Die „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ ist näm­lich — grob gespro­chen — die Qua­dra­tur des Kreises.
    Papst Bene­dikt konn­te sich offen­bar aus per­sön­li­chen Grün­den (alte Anhäng­lich­kei­ten an die Kon­zils­zeit und Freund­schaft mit de Lub­ac u. a.) nicht ent­schei­den, was jetzt zu gel­ten hat und was nicht. 

    Sicher: Eine „HdK“ könn­te und müß­te aus dem II. Vat. aus­son­dern, was ein­fach nicht zur Kon­ti­nui­tät paßt. Das ist aber — von eini­gen Ein­zel­sät­zen abge­se­hen — eigent­lich alles, das gan­ze System mit sei­nen Anti­no­mien und Kon­tra­sten, der hyper­ven­ti­lier­te „Geist“, die Unnüch­tern­heit u. dgl.
    Das müß­te Papst Fran­zis­kus jetzt ein für alle Mal durch­füh­ren — sonst war­ten wir wie­der 40 oder 50 Jahre.

    Möge Robert Hugh Ben­son, des­sen Roman der Papst so schätzt, für sei­nen bedeu­tend­sten Leser (und alle ande­ren) eintreten.
    (Hier eine klei­ne Kor­rek­tur bzw. Anmer­kung an die Redak­ti­on: Ben­son wur­de erst nach dem Tod sei­nes Vaters, des Angli­ka­ni­schen „Erz­bi­schofs“ von Can­ter­bu­ry, katho­lisch und zum Prie­ster geweiht.
    In den rela­tiv wenig Jah­ren, die ihm noch blie­ben, ent­fal­te­te er eine sehr frucht­ba­re Tätig­keit als Pre­di­ger und Autor. Lei­der sind sei­ne Roma­ne mit einer Aus­nah­me nicht ins Deut­sche über­setzt. Per Buch­han­del oder Inter­net kann man aber rela­tiv leicht an die eng­li­schen Aus­ga­ben, wenig­stens an eini­ge, gelangen.)

  8. Es gibt eine ein­fach und kla­re Ant­wort: KEIN KURSWECHSEL!
    Man braucht nur das neue päpst­li­che Lehr­schrei­ben „Evan­ge­lii Gau­di­um“ zu lesen. Die­ses Schrei­ben ist ein­fach groß­ar­tig und wahr­schein­lich fähig, vie­le Men­schen — so wie mich selbst — zu begeistern.

  9. Hin zu den Orts­kir­chen. Das paßt zu Fran­zis­kus. Er ist offen­bar dem Amt nicht gewach­sen. Wel­che Kräf­te stecken hin­ter sei­ner wahl ? Die jüng­ste Phra­seo­lo­gie spricht für sich. Er ist beratungsresistent.

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