Postmoderner Papst Franziskus will theologische Diskussion überwinden — Die Niederlage Benedikts XVI.

Die Niederlage Benedikts XVI. und der Aufstieg des ersten wirklichen Konzilspaptes Franziskus(Rom) Das Lei­den, an dem die Kir­che krankt, rührt von weit her. Sei­nen Aus­druck fin­det es dar­in, daß sich der Glau­ben von der tran­szen­den­ten Wahr­heit löst und zur „Erfah­rung“ wird. Der bekann­te Histo­ri­ker Rober­to de Mattei befaßt sich in sei­nem jüng­sten Auf­satz mit der Kri­tik an den Auf­sät­zen des Rechts­phi­lo­so­phen Mario Palma­ro und des Jour­na­li­sten Ales­san­dro Gnoc­chi, in denen sie Beden­ken zu Aus­sa­gen und Gesten von Papst Fran­zis­kus äußern. De Mattei kommt dabei zum Schluß, daß Joseph Ratz­in­ger den Kampf um die Über­win­dung des „vir­tu­el­len“ Kon­zils ver­lo­ren hat. Eine Nie­der­la­ge, die auch daher rüh­re, daß er als Papst Bene­dikt XVI. die Fra­ge der Inter­pre­ta­ti­on des Kon­zils und damit die Dis­kus­si­on über Fehl­ent­wick­lun­gen der Nach­kon­zils­zeit nicht mit päpst­li­cher Auto­ri­tät ent­schied. Mehr noch, daß er mit einer blo­ßen Fra­ge der Her­me­neu­tik der von ihm erkann­ten Fehl­ent­wick­lung nicht wirk­lich etwas ent­ge­gen­ge­setzt hat, das Abhil­fe schaf­fen hät­te könn­nen. Durch die­se Nie­der­la­ge brei­te sich nun die neue „Pasto­ra­li­tät“ von Fran­zis­kus aus. Für de Mattei ist Fran­zis­kus der erste Papst, der wirk­lich das „Pro­dukt“ des  Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils auf dem Stuhl Petri ist. Die für einen Papst erstaun­li­chen wie unzu­mut­ba­ren theo­lo­gi­schen Unge­nau­ig­kei­ten, durch die Papst Fran­zis­kus auf­fällt, wären dem­nach kein Zufall, son­dern das Ergeb­nis des Vor­rangs, der der Glau­bens­pra­xis vor der Glau­bens­leh­re ein­ge­räumt wird. Unge­nau­ig­kei­ten bis hin zu Wider­sprüch­lich­kei­ten sei­en gewollt, da sich Papst Fran­zis­kus als post­mo­der­ner Papst ver­ste­he, der die theo­lo­gi­sche Dis­kus­si­on über­haupt über­win­den wol­le. Die Theo­lo­gie habe sich der situa­ti­ons­be­ding­ten pasto­ra­len Pra­xis zu unter­wer­fen.

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Die sich verflüssigende Kirche — Das Leiden der Kirche kommt von weit her

Von Rober­to de Mattei

Der Groß­teil derer, die sich von den Arti­keln von Ales­san­dro Gnoc­chi und Mario Palma­ro in der Tages­zei­tung Il Foglio distan­ziert haben, beschränk­te sich auf eine grund­sätz­li­che Ver­ur­tei­lung und mied eine inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den von den bei­den katho­li­schen Autoren berühr­ten Argu­men­ten. Doch die von Gnoc­chi und Palma­ro auf­ge­wor­fe­nen Pro­ble­me drücken nicht nur das Unbe­ha­gen vie­ler aus, son­dern wer­fen eine Rei­he von Pro­ble­men auf, die über die Per­son von Papst Fran­zis­kus hin­aus­ge­hen und ins­ge­samt die ver­gan­ge­nen 50 Jah­re im Leben der Kir­che betref­fen. Gnoc­chi und Palma­ro haben die­se Pro­ble­me bereits in einem Buch ans Tages­licht gebracht, das nicht die Auf­merk­sam­keit fand, die es ver­dient hät­te: (Dorn­rös­chen. War­um die Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil in eine Kri­se gera­ten ist. War­um sie sich wie­der erho­len wird. ((La Bel­la addor­men­ta­ta. Per­ché dopo il Vati­ca­no II la Chie­sa ਠent­ra­ta in cri­si. Per­ché si ris­ve­glierà , Fede & Cul­tu­ra, Vero­na 2012)) Die „schla­fen­de Schö­ne“ ist die Braut Chri­sti, die in ihrer gött­li­chen Erschei­nung ihre Schön­heit unver­än­dert bewahrt, aber in einen tie­fen Win­ter­schlaf gefal­len scheint. In ihrer mensch­li­chen Erschei­nung aber hat sie ein ent­stell­tes Gesicht von einer Pla­ge, die töd­lich schie­ne, wenn wir nicht wüß­ten, daß ihr Unsterb­lich­keit ver­hei­ßen ist.

Das Übel, das mit Zweitem Vatikanum zum Ausbruch gelangte

Das Übel, an dem die Kir­che lei­det, kommt aus der Fer­ne und kam mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zum Aus­bruch, des­sen 50jähriges Geden­ken man fei­ert. Das Zwei­te Vati­ka­num, eröff­net am 11. Okto­ber 1963, war ein Pasto­ral­kon­zil, dem – laut eige­ner aus­drück­li­cher Erklä­rung – die volun­tas defi­ni­en­di fehl­te, das heißt die Absicht, in for­ma­ler Wei­se dog­ma­ti­sche Wahr­hei­ten zu defi­nie­ren. Die­se Pasto­ra­li­tät hat­te einen anor­ma­len Cha­rak­ter, wie ein emp­feh­lens­wer­tes, soeben erschie­ne­nes Buch des Phi­lo­so­phen Pao­lo Pas­qualuc­ci her­aus­streicht (Katho­li­ken erhe­bet die Her­zen! Kämp­fen wir furcht­los für das Wie­der­erstar­ken der Kir­che). ((Cat­to­li­ci in alto i cuo­ri! Bat­ti­amo­ci sen­za pau­ra per la rina­sci­ta del­la Chie­sa, Fede & Cul­tu­ra, Vero­na 2013)) Das Vati­ka­num II beschränk­te sich eben nicht dar­auf, auf neue Wei­se (nove) die über­lie­fer­te Leh­re aus­zu­drücken, son­dern woll­te zu eini­gen Punk­ten auch „neue Din­ge“ (nova) leh­ren. Kei­ne die­ser Neu­hei­ten wur­de mit dem Sie­gel einer dog­ma­ti­schen Defi­ni­ti­on aus­ge­stat­tet, aber in ihrer Gesamt­heit stell­ten sie ein regel­rech­tes Lehr­amt dar, das als Alter­na­ti­ve zum tra­di­tio­nel­len prä­sen­tiert wur­de. Im Namen des Vati­ka­num II erho­ben die Neue­rer den Anspruch, ab imis die gesam­te Kir­che zu refor­mie­ren. Um die­ses Ziel zu errei­chen, gin­gen sie vor allem auf der Ebe­ne der Pra­xis bezie­hungs­wei­se einer Pasto­ra­li­tät vor, die durch Anwen­dung selbst zur Dok­trin wur­de. Nicht zufäl­lig sehen Giu­sep­pe Albe­ri­go und sei­ne Schü­ler der „Schu­le von Bolo­gna“ in der Pasto­ra­li­tät die kon­sti­tu­ie­ren­de Dimen­si­on des Zwei­ten Vati­ka­nums. Im Namen des „Kon­zils­gei­stes“, der aus der Pasto­ra­li­tät des Kon­zils aus­strömt, wider­setz­ten sich die „Bolo­gne­ser“ der „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“, die von Bene­dikt XVI. ver­tre­ten wur­de und begrü­ßen heu­te mit Begei­ste­rung das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus.

Benedikt XVI. legte seine Grundthese zum Konzil in zwei Reden am Anfang und Ende seines Pontifikats dar

Bene­dikt XVI. hat sei­ne Grund­the­se in zwei Reden dar­ge­legt, die sein Pon­ti­fi­kat ein­lei­te­ten und been­de­ten und einen Leit­fa­den bie­ten: jener an die Römi­sche Kurie vom 22. Dezem­ber 2005 und jene an den römi­schen Kle­rus vom 14. Febru­ar 2013, drei Tage nach der Rück­tritts­an­kün­di­gung. Die­se letz­te, aus­führ­li­che und arti­ku­lier­te Rede hielt er frei, ex abundan­tia cor­dis und stellt gewis­ser­ma­ßen ein dok­tri­nel­les Testa­ment Bene­dikts XVI. dar. Der Papst gibt eine Kir­chen­kri­se zu, die mit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zusam­men­hängt, aber er schreibt die Ver­ant­wor­tung dafür einem „vir­tu­el­len“ Kon­zil zu, das das wirk­li­che Kon­zil über­la­gert habe. Das vir­tu­el­le Kon­zil ist jenes, das von den Medi­en und von bestimm­ten theo­lo­gi­schen Krei­sen durch­ge­setzt wur­de, die im Namen eines falsch­ver­stan­de­nen „Gei­stes“ des Zwei­ten Vati­ka­nums, die Absich­ten der Kon­zils­vä­ter ver­zerrt hät­ten. Eine miß­bräuch­li­che nach­kon­zi­lia­re Pra­xis habe die Wahr­heit des Kon­zils, die in sei­nen theo­lo­gi­schen Doku­men­ten aus­ge­drückt ist, ver­ra­ten und man müs­se zu die­sen Tex­ten zurück­keh­ren, um die Echt­heit wie­der­zu­fin­den. Das Pro­blem des Kon­zils ist für Papst Bene­dikt nicht an erster Stel­le ein histo­ri­sches oder theo­lo­gi­sches, son­dern zunächst vor allem ein her­me­neu­ti­sches: das Pro­blem einer fal­schen Her­me­neu­tik, die sich der authen­ti­schen Inter­pre­ta­ti­on wider­setzt, und zwar nicht nur der Tex­te, son­dern des Kon­zil­s­er­eig­nis­ses selbst.

These Benedikts XVI. entspricht dem „Schisma“ zwischen den Zeitschriften Concilium und Communio

Die The­se von Papst Bene­dikt XVI. ist nicht neu. Es ist der Grund­ge­dan­ke jener Theo­lo­gen, die 1972, nach­dem sie gemein­sam mit Karl Rah­ner, Hans Küng und Edward Schillebe­eckx an der Grün­dung der Zeit­schrift Con­ci­li­um mit­ge­wirkt hat­ten, die­se ver­lie­ßen, um die Zeit­schrift Com­mu­nio zu grün­den. Pater Hen­ri de Lub­ac präg­te in einem berühm­ten Inter­view, das er dem dama­li­gen Msgr. Ange­lo Sco­la gab (Rei­se durch das Nach­kon­zil) ((Viag­gio nel post­con­ci­lio, Edit, Mai­land 1985, S. 32–47)) den Aus­druck „Para-Kon­zil“, um jene orga­ni­sier­te Bewe­gung zu benen­nen, die die Leh­re des Kon­zils durch eine ten­den­ziö­se Inter­pre­ta­ti­on die­ses Ereig­nis­ses defor­miert habe. Ande­re Theo­lo­gen gebrauch­ten den Aus­druck „Meta-Kon­zil“ und Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger, nahm in sei­nem berühm­ten Gesprächs­buch Zur Lage des Glau­bens von 1985 die The­se vom vir­tu­el­len Kon­zil vor­weg, die er dann wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats mehr­fach for­mu­lier­te.

Eingeständnis eines Scheiterns — Warum aber konnte sich Benedikt XVI. nicht durchsetzen?

Die Rede des Jahrs 2013 ist jedoch vor allem das betrüb­te Ein­ge­ständ­nis einer Kri­se der Her­me­neu­tik der „Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“. Das Bewußt­sein die­ses Schei­terns hat­te sicher maß­geb­li­ches Gewicht für sei­ne Ver­zichts­er­klä­rung vom 11. Febru­ar. War­um aber ist es der „bene­dik­ti­ni­schen“ Inter­pre­ta­ti­ons­li­nie nicht gelun­gen, sich durch­zu­set­zen und war­um wur­de sie von den The­sen der „Schu­le von Bolo­gna“ besiegt, die sich unauf­halt­sam an den Uni­ver­si­tä­ten und den katho­li­schen Semi­na­ren aus­brei­ten?

Der Haupt­grund liegt dar­in, daß die Geschich­te weder von der theo­lo­gi­schen Debat­te gemacht wird und noch weni­ger von der her­me­neu­ti­schen. Die her­me­neu­ti­sche Dis­kus­si­on legt den Akzent mehr auf die Inter­pre­ta­ti­on eines Ereig­nis­ses, als auf das Ereig­nis selbst. Aber in dem Moment, in dem ver­schie­de­ne Her­me­neu­ti­ken ein­an­der gegen­über­ge­stellt wer­den, ent­fernt man sich von der Objek­ti­vi­tät des Fak­t­ums, indem die­sem die sub­jek­ti­ven Inter­pre­ta­tio­nen des Ereig­nis­ses über­ge­stülpt wer­den, die zu blo­ßen Mei­nun­gen redu­ziert wer­den. Ange­sichts einer sol­chen Plu­ra­li­tät der Mei­nun­gen, könn­te das ent­schei­den­de Wort von einer höch­sten Auto­ri­tät gespro­chen wer­den, die ohne jeden Schat­ten eines Zwei­fels die zu glau­ben­de Wahr­heit defi­niert. Doch in sei­nen Reden woll­te Bene­dikt XVI., wie auch die Päp­ste vor ihm, sei­ner Inter­pre­ta­ti­ons­the­se kei­nen lehr­amt­li­chen Cha­rak­ter ver­lei­hen. In der statt­fin­den­den Her­me­neu­tik­de­bat­te bleibt das Letz­tur­teil daher die Objek­ti­vi­tät der Fak­ten. Und wenn es ein vir­tu­el­les Kon­zil gab, dann ist es eine unleug­ba­re Tat­sa­che, daß die­ses nicht weni­ger real war, als jenes, das in den Doku­men­ten fest­ge­hal­ten ist. Die Tex­te des Zwei­ten Vati­ka­nums wur­den in eine Schub­la­de gelegt, wäh­rend das, was mit Prä­po­tenz in die Geschich­te ein­ging, sein „Geist“ war. Ein wenig hei­li­ger und sehr mensch­li­cher Geist, durch den lob­by­isti­sches Wir­ken, poli­ti­scher Druck und media­le Ein­fluß­nah­me zum Aus­druck kamen, die den Ablauf der Ereig­nis­se lenk­ten. Und da die Spra­che der Tex­te gewollt zwei­deu­tig und unde­fi­niert war, bot das vir­tu­el­le Kon­zil die authen­ti­sche Les­art der Schluß­do­ku­men­te. Das Kon­zil der Tex­te kann nicht von jenem der Geschich­te getrennt wer­den, wes­halb die „Schu­le von Bolo­gna“ nicht ganz Unrecht hat, wenn sie die revo­lu­tio­nä­re Neu­heit des Ereig­nis­ses betont. Sie liegt aller­dings falsch, wenn sie dar­aus einen „theo­lo­gi­schen“ Anspruch als höch­stes Kri­te­ri­um zur Beur­tei­lung der Geschich­te ablei­ten will.

Hermeneutik Benedikts XVI. gelang es nicht, historische Entwicklung seit 1965 zu begründen

Der Her­me­neu­tik von Bene­dikt XVI. ist es nicht gelun­gen, die Geschich­te zu begrün­den, das, was seit 1965 bis in unse­re Tage gesche­hen ist. Die Kon­zils­tex­te wur­den von der nach­kon­zi­lia­ren Pra­xis erdrückt, einer Rea­li­tät die kei­ne Wider­re­de erlaubt, wenn man ihr nur eine Her­me­neu­tik ent­ge­gen­set­zen will. Zudem, wenn man das Zwei­te Vati­ka­num nicht kri­ti­sie­ren, son­dern nur auf ande­re Wei­se inter­pre­tie­ren darf, wor­in besteht dann der Unter­schied zwi­schen den Theo­re­ti­kern der Dis­kon­ti­nui­tät und jenen der Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät? Für bei­de ist das Kon­zil letzt­lich ein irrever­si­bles und jeder Beur­tei­lung ent­zo­ge­nes Ereig­nis, das selbst letz­tes Kri­te­ri­um für Leh­re und Ver­hal­ten ist. Jeder, der die Mög­lich­keit leug­net, eine Debat­te über das Zwei­te Vati­ka­num zu begin­nen, und dies im Namen des Hei­li­gen Gei­stes tut, der des­sen Garant sei, macht dar­aus ein unfehl­ba­res Ereig­nis und ein Super­dog­ma, das de fac­to geschichts­im­ma­nent ist.

Die Geschich­te ist für den Chri­sten aber das Ergeb­nis einer Ver­wick­lung von Ideen und Ereig­nis­sen, die ihre letz­te Wur­zel im Gewirr mensch­li­cher Lei­den­schaf­ten und im Wir­ken über­na­tür­li­cher und außer­na­tür­li­cher Kräf­te haben, die in ewi­gem Kon­flikt mit­ein­an­der ste­hen. Die Theo­lo­gie muß sich zur Geschichts­theo­lo­gie machen, um die mensch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten zu ver­ste­hen und zu beherr­schen, andern­falls wird sie von der Geschich­te ver­ein­nahmt, die zum höch­sten Beur­tei­lungs­maß­stab der Din­ge die­ser Welt wird. Der Imma­nen­tis­mus ist nichts ande­res als der Ver­lust eines tran­szen­den­ten Prin­zips, das über die Geschich­te urteilt und nicht von ihr beur­teilt wird. Unter die­sem Gesichts­punkt betrach­tet sind die Absich­ten der Kon­zils­vä­ter und die Tex­te, die sie pro­du­ziert haben, nichts ande­res als ein Teil der Rea­li­tät. Das Zwei­te Vati­ka­num ist wie die fran­zö­si­sche oder die pro­te­stan­ti­sche Revo­lu­ti­on ein Ereig­nis, das auf ver­schie­de­nen Ebe­nen ana­ly­siert wer­den kann, aber ein Uni­kum mit einer beson­de­ren Eigen­tüm­lich­keit dar­stellt, und als sol­ches stellt es zwei­fel­los einen Moment und in gewis­ser Wei­se sogar apo­ka­lyp­ti­scher histo­ri­scher Dis­kon­ti­nui­tät dar.

Papst Franziskus will als postmoderner Papst theologische Diskussion überwinden

Der Sieg der „Schu­le von Bolo­gna“ wur­de durch die Wahl von Papst Fran­zis­kus besie­gelt, der kaum über das Kon­zil spricht, weil er nicht an der theo­lo­gi­schen Dis­kus­si­on inter­es­siert ist, son­dern an der Rea­li­tät der Fak­ten. Es ist die Pra­xis, in der er bewei­sen will, der wirk­li­che Umset­zer des Zwei­ten Vati­ka­nums zu sein. Unter die­sem Gesichts­punkt könn­te man sagen, ver­kör­pert er die Essenz des Zwei­ten Vati­ka­nums, die zur Dok­trin wird, indem es sei­ne pasto­ra­le Dimen­si­on ver­wirk­licht. Die theo­lo­gi­sche Dis­kus­si­on gehört zur Moder­ne und Papst Fran­zis­kus prä­sen­tiert sich wie ein post-her­me­neu­ti­scher und damit post­mo­der­ner Papst. Der Kampf der Ideen gehört einer Pha­se der Kir­chen­ge­schich­te an, die er über­win­den will. Fran­zis­kus wird ein Kon­ser­va­ti­ver oder ein Pro­gres­si­ver sein, je nach den histo­ri­schen und poli­ti­schen Not­wen­dig­kei­ten des Augen­blicks. Die „pasto­ra­le Revo­lu­ti­on“ ist für Alber­to Mel­lo­ni von der „Schu­le von Bolo­gna“ das wich­tig­ste Wesens­merk­mal des Pon­ti­fi­kats von Fran­zis­kus I.
Mel­lo­ni schrieb bereits zwei Wochen nach der Papst­wahl: „‘Pasto­ral‘ ist ein Schlüs­sel­be­griff, um das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus zu ver­ste­hen. Nicht weil er Pasto­ral­theo­lo­gie gelehrt hät­te, son­dern weil Fran­zis­kus, wenn er sie inter­pre­tiert, mit erstaun­li­cher Natür­lich­keit jenes pul­sie­ren­de Herz des Evan­ge­li­ums in der Zeit und der Annah­me (oder Ableh­nung) des Zwei­ten Vati­ka­nums wach­ruft. ‚Pasto­ral‘ stammt aus der Spra­che von Papst Johan­nes: so woll­te er ‚sein‘ Kon­zil, als ‚pasto­ra­les‘ Kon­zil – und so war das Zwei­te Vati­ka­num“. ((Alber­to Mel­lo­ni: L’estasi pasto­ra­le di papa Fran­ces­co dis­se­mi­na­ta di rife­r­i­men­ti teo­lo­gi­ci (Die von theo­lo­gi­schen Bezü­gen durch­drun­ge­ne pasto­ra­le Exta­se von Papst Fran­zis­kus), in: Cor­rie­re del­la Sera vom 29. März 2013))

Papst Franziskus und das erste wirklich authentische Konzilspontifikat

Mel­lo­ni biegt wie immer die Rea­li­tät, aber er hat im Grun­de nicht ganz Unrecht. Das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus ist wohl am authen­tisch­sten ein kon­zi­lia­res Pon­ti­fi­kat, jenes, in dem sich die Pra­xis in Leh­re ver­wan­delt mit dem Ver­such, Erschei­nungs­bild und Rea­li­tät der Kir­che zu ändern. Die Her­me­neu­tik von Bene­dikt XVI. ist heu­te zu den Akten gelegt und von der Pasto­ral des neu­en Pap­stes dür­fen wir uns noch eini­ge Über­ra­schun­gen erwar­ten. Der Chef­re­dak­teur der Tages­zei­tung Il Foglio hat dies durch die Ver­öf­fent­li­chung der Arti­kel von Gnoc­chi und Palma­ro mit jour­na­li­sti­schem und in die­sem Fall auch theo­lo­gi­schem Spür­sinn intui­tiv erfaßt.

Es stellt sich aber eine letz­te Fra­ge. War­um kom­men die ver­bis­sen­sten Ver­tei­di­ger des Zwei­ten Vati­ka­nums und auch streng­sten Kri­ti­ker von Gnoc­chi und Palma­ro heu­te unter ande­rem aus dem Bereich der Gemein­schaft Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL)? Die Ant­wort fällt nicht schwer, wenn man an die Wur­zeln von CL und die Wur­zeln des Den­kens ihres Grün­ders, Don Lui­gi Giu­s­sa­ni denkt. Der Hori­zont von CL war und blieb jener der pro­gres­si­ven Nou­vel­le theo­lo­gie. In einem berühm­ten, 1946 erschie­ne­nen Arti­kel mit dem Titel La nou­vel­le théo­lo­gie o๠va-t-elle bezeich­ne­te der Dome­ni­ka­ner Regi­nald Gar­ri­gou-Lagran­ge, einer der gro­ßen Theo­lo­gen des 20. Jahr­hun­derts als Wesens­merk­mal der Nou­vel­le théo­lo­gie, die Redu­zie­rung der Wahr­heit auf die „reli­giö­se Erfah­rung“. „Die Wahr­heit ist nicht mehr die Über­ein­stim­mung des Urteils mit der extra­men­ta­len (objek­ti­ven) Rea­li­tät und ihren unver­än­der­li­chen Geset­zen, son­dern die Über­ein­stim­mung des Urteils mit den Not­wen­dig­kei­ten des Han­delns und des mensch­li­chen Lebens, das sich stän­dig wan­delt. Die Phi­lo­so­phie des Seins oder der Onto­lo­gie wird ersetzt durch die Phi­lo­so­phie des Han­delns, die die Wahr­heit nicht mehr in Funk­ti­on des Seins, son­dern des Han­delns defi­niert“, so Gar­ri­gou-Lagran­ge, der Dok­tor­va­ter von Karol Woj­ty­la war.

Die Nouvelle theologie verhindert unvoreingenommenen Blick auf die Kirchenkrise und ihre Überwindung

Wir fin­den die­ses von Gar­ri­gou-Lagran­ge beschrie­be­ne Wesens­merk­mal in der Spra­che und der Pra­xis vie­ler Ver­tre­ter von CL. Es genügt an die stän­di­ge Beto­nung des Glau­bens als „Begeg­nung“ und „Erfah­rung“ zu erin­nern und der damit zusam­men­hän­gen­den Redu­zie­rung der Grund­sät­ze auf blo­ße Instru­men­te. Wahr ist, daß es kein Chri­sten­tum gibt, wenn es nicht gelebt ist. Wahr ist aber auch, daß man einen Glau­ben, den man nicht kennt, auch nicht leben kann. Außer man ist der Mei­nung, wie der Moder­nis­mus und die Nou­vel­le theo­lo­gie, daß der Glau­ben aus der Lebens­er­fah­rung des Sub­jekts her­vor­geht. Eine „Erfah­rung“, die in allen Reli­gio­nen mög­lich sei und die das Chri­sten­tum zu einem Pseu­do-Mysti­zis­mus oder zu einer rei­nen Moral­prak­tik redu­ziert.
Die Histo­ri­ke­rin Cri­sti­na Sic­car­di ana­ly­siert im emp­feh­lens­wer­ten neu­en Buch Der Win­ter der Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil ((L’inverno del­la Chie­sa dopo il Con­ci­lio Vati­ca­no II. I mutamen­ti e le cau­se, Sug­ar­co, Mai­land 2013)) detail­liert die Fol­gen die­ser Pasto­ral der „Erfah­rung“ und erin­nert an die Wor­te eines ande­ren gro­ßen domi­ni­ka­ni­schen Theo­lo­gen des 20. Jahr­hun­derts, Pater Roger-Tho­mas Cal­mel: „Leh­ren, Riten, geist­li­ches Leben sind einem so radi­ka­len und so per­fek­tio­nier­ten Pro­zeß der Ver­flüs­si­gung unter­wor­fen, daß sie nicht mehr die Unter­schei­dung zwi­schen Katho­li­ken und Nicht-Katho­li­ken erlau­ben. Da das Ja und das Nein, das Defi­nier­te und das Defi­ni­ti­ve als über­holt gel­ten, fragt man sich, was die nicht-christ­li­chen Reli­gio­nen eigent­lich dar­an hin­dert, nicht auch Teil der neu­en Welt­kir­che zu wer­den, die durch die öku­me­ni­schen Inter­pre­ta­tio­nen stän­dig ‚aggior­na­ta‘ wird“. ((Roger-Tho­mas Cal­mel: Bre­ve apo­lo­gia del­la Chie­sa di semp­re (Klei­ne Apo­lo­ge­tik der ewi­gen Kir­che), Ich­tys, Alba­no Lazia­le 2007, S. 10–11))

Beweist der Gläubige durch seine „religiöse Erfahrung“ die Wahrheit seines Glaubens?

So wie Karl Marx sag­te, daß der Phi­lo­soph in der Pra­xis die Wahr­heit sei­ner Leh­re beweist, kön­nen wir in der nach­kon­zi­lia­ren Theo­lo­gie den Grund­satz erken­nen, laut dem es die „reli­giö­se Erfah­rung“ ist, mit der der Glau­ben­de die Wahr­heit sei­nes Glau­bens beweist. Im Kern geht es um den Vor­rang der Pra­xis in der moder­nen säku­la­ri­sier­ten Phi­lo­so­phie. Die­se Phi­lo­so­phie der reli­giö­sen Pra­xis wur­de von den radi­kal­sten Sek­ten des 16. und 17. Jahr­hun­derts wie den Wie­der­täu­fern und Sozi­nia­nern theo­re­ti­siert. Für sie wird der Glau­ben durch sei­ne Inten­si­tät gemes­sen: was zählt, ist nicht die Rein­heit und Inte­gri­tät der Wahr­heit, an die man glaubt, son­dern die Inten­si­tät des Aktes, mit dem man glaubt. Der Glau­ben hat also sei­nen Maß­stab nicht in der geglaub­ten Leh­re, son­dern im „Leben“ und dem Han­deln des Gläu­bi­gen. Der Glau­ben wird zur reli­giö­sen Erfah­rung, los­ge­löst von jeder objek­ti­ven regu­la fidei. Wir fin­den die­se Ten­den­zen auch in der pro­gres­si­ven Theo­lo­gie, die das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil vor­be­rei­te­te, lenk­te und zum Teil auch umsetz­te.

Die pro­gres­si­ve Nou­vel­le théo­lo­gie hat­te ihre Haupt­ver­tre­ter im Domi­ni­ka­ner Marie-Domi­ni­que Chenu und im Jesui­ten Hen­ri de Lub­ac. Nicht von unge­fähr war Chenu der Leh­rer von Giu­sep­pe Albe­ri­go und de Lub­ac der Bezugs­punkt der Schü­ler von Don Giu­s­sa­ni. Und nicht zufäl­lig fin­det sich unter den ersten offi­zi­el­len Tex­ten von Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne Anfang der 70er Jah­re die Arbeit des Theo­lo­gen Giu­sep­pe Rug­gie­ri mit dem Titel Zur Fra­ge von Chri­sten­tum und Revo­lu­ti­on. Rug­gie­ri war damals für die theo­lo­gi­sche Schrif­ten­rei­he des Ver­lags Jaca Book zustän­dig und lei­tet heu­te die von Giu­sep­pe Albe­ri­go gegrün­de­te Vier­tel­jah­res­schrift Cri­stia­ne­si­mo nella Sto­ria (Chri­sten­tum in der Geschich­te). Gemein­sam mit Alber­to Mel­lo­ni ist er heu­te der füh­ren­de Ver­tre­ter der „Schu­le von Bolo­gna“. In Rug­gie­ris intel­lek­tu­el­lem Wer­de­gang, wie Mel­lo­ni selbst im Buch Alles ist Gna­de ((Tut­to ਠgra­zia, Jaca Book, Mai­land 2010)) dar­legt, läßt sich kei­ne Inko­hä­renz fest­stel­len. Gemein­sam ist der Theo­lo­gie von CL und jener der „Schu­le von Bolo­gna“ die „Theo­rie des Ereig­nis­ses“, der Pri­mat der Pra­xis vor der Leh­re, der Erfah­rung vor der Wahr­heit, die CL in der Begeg­nung mit der Per­son Chri­sti ansie­delt und die „Schu­le von Bolo­gna“ in der Begeg­nung mit der Geschich­te.

Giu­sep­pe Rug­gie­ri war der Theo­lo­ge von Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne und er ist heu­te der Theo­lo­ge der „Schu­le von Bolo­gna“. Und heu­te dämo­ni­sie­ren die Ver­tre­ter von CL und der „Schu­le von Bolo­gna“ gemein­sam in Gnoc­chi und Palma­ro nicht die Kri­ti­ker von Papst Fran­zis­kus oder des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, son­dern die „mora­li­sti­schen“ Katho­li­ken, die den Pri­mat der Wahr­heit und des Geset­zes ein­for­dern. Dabei sagt Jesus: „Wer mich liebt, befolgt mei­ne Gebo­te“ (Joh 14,15–21). Es gibt kei­ne Lie­be zu Gott ohne Befol­gung des Natur­rechts und des Got­tes­ge­set­zes. Die Befol­gung die­ser Wahr­heit und die­ses Geset­zes ist der Maß­stab für die christ­li­che Lie­be.

Einleitung/Übersetzung:Giuseppe Nar­di
Bild: Mes­sa in Latino/Corrispondenza Roma­na

39 Kommentare

  1. Papst Bene­dikt erlitt die­se Nie­der­la­ge weil er sein Amt weg­ge­schmis­sen hat, nach­dem man ihm für das­sel­be Jahr den Tod vor­aus­sag­te, und für Chri­stus ster­ben, naja das wird nicht so sei­ne Sache sein.

    • So schät­ze ich die­sen von Her­zen demü­ti­gen Papst nicht ein! Wir kön­nen uns sein jetz­ti­ges Leid kaum vor­stel­len! Ich glau­be, dass Fran­zis­kus‘ Wahl schon lan­ge geplant war. Die­ser Rück­tritt war mei­ner Mei­nung nach nicht frei­wil­lig

      • Dann hät­te er ihn ja nicht vor­neh­men müs­sen, selbst wenn er erpresst wor­den wäre, hät­te er ja sagen kön­nen das habe ich schon gebeich­tet! Und dann hät­te er sagen kön­nen was er so ger­ne sag­te : “ Basta“

        • Sie tun ihm Unrecht — da sind Din­ge im Spiel gewe­sen, die wir nicht wis­sen kön­nen. Aber fahr­läs­sig und eigen­süch­tig ist bene­dikt wohl kaum zu nen­nen.
          Er — ein basta-Sager? Sie ver­wech­seln ihn wohl mit Ger­hard Schrö­der!
          Bene­dikt kann kon­se­quent sein. Dafür habe ich ihn stets bis zur Sekun­de hoch geschätzt!

  2. Irgend­wie bemerkt ihr die Saat von Bene­dikt nicht.. Als ob die Pro­te­ste in Paris nicht exi­stiert hät­ten. Also ob Latein nicht wich­ti­ger wird. Als ob der „alte Ritus“ nicht lang­sam erwächst.

    Wo bleibt das Gott­ver­trau­en? Wo bleibt das Bewusst­sein für den Sieg in der Nie­der­la­ge? Für die Stär­ke Got­tes?

    Passt auf dass ihr nicht zu einem Reli­gi­ons­ver­ein wer­det — und zwar unter ande­ren Vor­zei­chen. Jam­mern und Schimp­fen dass der Papst nicht die Hand in dem kor­rek­ten Win­kel hält wie im Kanon 23413241234b aus dem Jah­re 1450 vor­ge­schrie­ben.. Lang­wei­lig. Gott lässt sich nicht ein­sper­ren.

    Merkt ihr nich das Bene­dikt das eine, Fran­zis­kus das ande­re macht? Die Haus­auf­ga­ben hat Bene­dikt schon gemacht — die Leh­re ver­tieft, aktua­li­siert und ver­stärkt. Dies wirkt bereits und rumort. Fran­zis­kus nimmt ver­stüm­mel­te und Kran­ke in die Hand — und es wird pho­to­gra­phiert. BEIDES ist wich­tig.

    Hört auf zu Jam­mern und dankt Gott für Bene­dikt und bit­tet ihn Euch den Geist für Fran­zis­kus zu öff­nen.

    Johann

  3. „De Mattei kommt dabei zum Schluß, daß Joseph Ratz­in­ger den Kampf um die Über­win­dung des „vir­tu­el­len“ Kon­zils ver­lo­ren hat“

    Hat denn Joseph Ratz­in­ger das „vir­tu­el­le“ Kon­zil wirk­lich über­win­den wol­len? Eine gewis­se Ver­liebt­heit in eben die­ses Kon­zil stand ihm bei aller Ver­nunft und Klar­sicht bzgl. der Fehl­ent­wick­lun­gen wohl im Weg? Er hät­te über sei­nen Schat­ten sprin­gen müs­sen. Das sagt sich leich­ter als es ist. Aber es wäre m.E. die ein­zi­ge Mög­lich­keit gewe­sen, das Pro­blem, das das VII in die Kir­che her­ein­ge­bracht hat, zu bear­bei­ten und zu über­win­den.

    Außer­dem lebt Papst Bene­dikt noch. Er kann immer­noch sei­nen Bei­trag zur Über­win­dung des Kon­zils lei­sten. Der Kampf ist noch lan­ge nicht ver­lo­ren.

    • In mei­nen Augen hat sei­ne Hei­lig­keit Papst Bene­dikt XVI, nicht nur als Papst son­dern bereits als „Prä­fekt“ der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, den Kampf für Gott dem Herrn und sei­ner Kir­che auf­ge­ge­ben. Ja er hat genia­le Wör­ter die dazu geeig­net gewe­sen wären, die Kir­che von innen her­aus zu hei­len und zu hei­li­gen, aber es war im völ­lig egal ob die­se sei­ne Wor­te in die Tat umge­setzt wur­den. Denn mir kann kei­ner Ein­re­den dass er als Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re nicht am besten über den Glau­bens-Got­tes­ab­fall (am besten zu erken­nen an den lit­ur­gi­schen Miss­brauchs­fäl­len und den immer stär­ker wer­den­den anti­ka­tho­li­schen- häre­tisch- schis­ma­ti­schen Ver­ei­nen wie WSK, KFB, ZdK, POA, Lai­en- Pfar­re­rinitia­ti­ve usw.

      Und als Papst hat er Unge­hor­sam vol­ler Lau­heit hin­ge­nom­men, daher „Wer schweigt dul­det“, sie­he actus for­ma­lis, summorum Pon­ti­fi­cum, „FÜR VIELE“, usw.

      Beten wir daher zu Gott den Herrn, das uns die­ser end­lich einen wah­ren katho­li­schen Papst sen­det, einen der nicht nur theo­re­tisch son­dern auch prak­tisch wirkt und der nicht vor den Wöl­fen flieht. Denn nicht an ihren Wör­tern wer­den wir sie erken­nen, son­dern an ihren Früch­ten.

      Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

  4. Kei­ne Theo­lo­gie, kei­ne Inhal­te, kei­ne Kul­tur, alles viel zu kom­pli­ziert! Nur noch die kusche­li­ge „Es-ist-alles-gut-wir-haben-uns-alle-lieb-es-kommt-sowie­so-jeder-in ‑den-Himmel“-Stimmung die uns alle so schön ein­lullt, wäh­rend im Hin­ter­grund der Papst(darsteller) ganz lieb lächelt und in die Kame­ra winkt und ab und zu was von der „Zärt­lich­keit“ und der „Lieb­ko­sung“ Got­tes erzählt (dreht mir jedes­mal den Magen um!), so soll er von nun an sein, der katho­li­sche Glau­be. So wer­den ihn alle gut fin­den, die­sen Pseu­do-Katho­li­zis­mus, die­se lee­re Hül­le, die Medi­en, die Lin­ken, die Athe­isten, die Frei­mau­rer, wer auch immer, und damit ist schon alles gesagt. Es scheint, die Fein­de Got­tes haben nach 2000-jäh­ri­gem Kampf end­gül­tig gesiegt, indem sie die alte Tak­tik des „If you can´t beat them, join them“, auf deutsch etwa „Wenn du sie nicht schla­gen kannst, tre­te ihnen bei“ erfolg­reich ange­wen­det haben, und die katho­li­sche Kir­che von innen her­aus schlicht und ein­fach erle­digt und aus­ge­höhlt haben, wie ein Holz­wurm es mit einem Stück Holz tut. Ein­fach nie­der­schmet­ternd trau­rig und kaum zu glau­ben, aber so ist die Wirk­lich­keit im Jahr 2013.

    • Das ist so tref­fend dar­ge­stellt. Die Hoff­nung bleibt uns uner­bitt­li­chen Opti­mi­sten aber doch. Die Erlö­sung durch den Herrn.

    • @sumsum:
      auch mir dreh­te es schon lan­ge den Magen um bei den von Ihnen zitier­ten Begrif­fen-dach­te nur,es geht nur mir so!
      Denn die­se Begrif­fe tau­chen mei­nes Wis­sens nach weder in der Bibel noch sonst­wo in hei­li­gen Schrif­ten etc.auf!
      Auch sonst kann ich mich Ihrem posting voll anschließen,Danke!

      • Ja, so geht es mir auch — wobei Kri­te­ri­um nicht ist, ob die­se Begrif­fe „biblisch“ sind. Es wur­de man­cher Begriff ent­wickelt, der nicht „biblisch“ ist, zum Bei­spiel das Wort „Tri­ni­tät“.
        Was mich so stört, ist die Platt­heit und die Ver­kür­zung der Leh­re, die hier sicht­bar wird. Die Kir­che spricht von Anfang an von der „Lie­be“ Got­tes und das umschließt alles, was Lie­be ist, u.a. auch Zärt­lich­keit. Aber nota bene: Sexua­li­tät wur­de in der Kir­che nie­mals als Aus­druck von Lie­be gewer­tet. Es ist Fort­pflan­zungs­funk­ti­on und kann ins unge­ord­ne­te Begeh­ren abkip­pen. Bis zum Kon­zil war das der kla­re Kurs der Kir­che. Danach wur­de alles schwam­mi­ger und unkla­rer mit dem Ergeb­nis, dass der Durch­schnitts­ka­tho­lik nicht mehr weiß, war­um ide Ehe ein Sakra­ment und unauf­lös­bar ist.
        Doch zurück zur Lie­be Got­tes: sie ist höher als alles, was wir unter Lie­be vor­stel­len kön­nen. Nun kön­nen wir uns aber schon sehr Hohes vor­stel­len, etwa in der „pla­to­ni­schen Lie­be“, in einer gewis­sen Phil­an­thro­pie, in der Eltern-Kind-Lie­be, in der Gat­ten-Lie­be (die nicht eine Funk­ti­on der Sexua­li­tät ist!). „Hohe“ Lie­be erhebt uns weit über uns hin­aus. Ahnun­gen davon kann­te die „hohe Min­ne“ des Mit­tel­al­ters hier eben­so wie die Mystik jeder Reli­gi­on.

        Aber nicht ein­mal die­se mensch­li­che Fähig­keit erreicht die Rede F.s, es ist wirk­lich nie­der­schmet­ternd. „Zärt­lich­keit“! Zärt­lich ist man schwer­punkt­mä­ßig zu allen, die noch nicht oder gera­de nicht befä­higt sind zu einer einer gei­sti­ge­ren Lie­be, zu Kin­dern, zu Tie­ren, zu Lie­bes­ob­jek­ten, die nicht ant­wor­ten, auch zu Schwer­kran­ken oder Demen­ten. In aller Regel ent­le­di­gen sich sowohl Ehe­part­ner als auch Kin­der über kurz oder lang einer all­zu aus­ge­präg­ten Zärt­lich­keit, weil sie ernst genom­men wer­den wol­len. Wenn dann ein etwas höhe­res Lie­bes­ni­veau erreicht ist, kann man auch gele­gent­li­che Zärt­lich­keit hie und da anneh­men und mögen. Aber es muss so her­um funk­tio­nie­ren. Nichts ist erdrücken­der als eine Bezie­hung der Zärt­lich­keit. Zärt­lich­keit ist so allein gesetzt eine Form der Über­grif­fig­keit und Infan­ti­li­sie­rung des Gegen­übers.

        Der Hl. Pau­lus spricht dage­gen vom „Erwach­sen­wer­den“ im Glau­ben. Nicht Zärt­lich­keit, son­dern Lie­be. Nicht Schmu­se­backe und Nuck­el­fläsch­chen, son­dern Selbst­stän­dig­keit. Nicht alles Vor­kau­en, son­dern in Hin­ga­be mit Wil­len und Bewusst­sein ergrei­fen!
        So wächst man über sich hin­aus.

  5. Mit der Über­win­dung der Theo­lo­gie hin zu Ver­ständ­nis für Alle und Alles ist das Pon­ti­fi­kat als Resü­mee des 2. Vati­ka­nums gut skiz­ziert. Wer zieht hin­ter Fran­zis­kus die Fäden (außer­halb der Kir­che) ? Oder ist es viel­leicht banal doch so, dass Fran­zis­kus kein guter Theo­lo­ge und ein schlech­ter For­mu­lie­rer ist ? Fra­ge­stel­lun­gen über Fra­ge­stel­lun­gen. Jede die­ser Fra­ge­stel­lung ist zu viel. Jeden­falls gilt es, die zu unter­stüt­zen, die für die Kon­ti­nui­tät der Kir­che ein­tre­ten, denn es gibnt kei­nen Glau­ben ohne Kir­che und es gibt kei­ne Kir­che ohne unver­rück­ba­re Grund­sät­ze.

  6. Das Pro­blem liegt ein­fach dar­in, daß Papst Bene­dikt XVI sei­ne „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ nicht aus­rei­chend begrün­det hat, ja sogar im Wider­spruch zu sich selbst gera­ten ist, wie etwa in der Fra­ge nach der Funk­tio­na­li­tät des Lehr­am­tes des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils. S. E. Tis­sier de Mal­lerais hat ihm die­ses in sei­ner über­ra­gen­den Unter­su­chung „La Foi au impe­ril par rai­son“ (Ed. Sel. de la Terre, 70 Paris 2 2009,) nach­ge­wie­sen. Das inkon­si­sten­te Lehr­amt des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils konn­te und kann nicht bestehen in der Selbst­re­la­ti­vie­rung der Kir­che wie es in LG 8.2 durch das „qua­si socie­tas“ und das „sub­si­stit in“ gesche­hen ist. Ab die­sem Zeit­punkt (Rober­to de Mattei ist Histo­ri­ker, er soll­te auch die Geschich­te en detail berück­sich­ti­gen!) hat­te die Katho­li­sche Kir­che in völ­li­gem Wider­spruch zu „Quan­ta Cura“ sich selbst das Ver­fas­sungs­recht abge­spro­chen und somit jede Letzt­au­to­ri­tät über das Lehr­amt, sei es durch den Papst, sei es durch das Bischofs­kol­le­gi­um des Kon­zils, auf­ge­ge­ben. Lehr­amt konn­te nur durch die Dik­ta­tur der NBE zu LG 21 gesche­hen. Ab die­sem Zeit­punkt war das Kon­zil eigent­lich sinn­los (21.11.1964!).
    So gese­hen ist gera­de das Doku­ment, das die inner­sten Fra­gen von Tra­di­ti­on und Lehr­amt, Schrift und Tra­di­ti­on, Lehr­amt und Schrift, also jener Drei­er­be­zie­hung, die von Johan­nes Duns Sco­tus als die „Ana­lo­gia docen­di.“ bezeich­net wur­de­e­ben „Dei Ver­bum“ über­flüs­sig, ja sogar schäd­lich. Nur auf dem Boden der Super-Häre­sie von „Lumen gen­ti­um“ konn­ten die ande­ren här­ei­ti­schen Tex­te wie „Digni­ta­tis Huma­nae“, „Nostra Aeta­te“ und „Gau­di­um et Spes“ gedei­hen. Als „Super-Häre­sie“ ist „Lumen Gen­ti­um“ des­halb zu ver­ste­hen, da es der zen­tra­le und von höch­ster Lehr­au­to­ri­tät sei­en­de Text des Kon­zils ist und daher in allen Her­me­neu­ti­ken von Rah­ner bis Mül­ler an vor­der­ster und pro­mi­nen­te­ster Stel­le genannt wird und dem­entspre­chend auch im Cate­chis­mus Catho­li­cae Eccle­siae von 1993 die häu­fig­sten Quo­tie­run­gen hat. Joseph Ratz­in­ger irr­te als er „Gau­di­um et Spes“ 1982 in sei­ner „Theo­lo­gi­schen Prin­zi­pi­en­leh­re“ als den „Antisyl­labus“ bezeich­ne­te, die­ser Text war „Lumen Gen­ti­um“.
    Nein, Papst Fran­zis­kus füllt nur einen Bruch­teil des Kon­zils aus, er redu­ziert das Kon­zil auf eine ein­zi­ge Bot­schaft: „Opti­on für die Armen“. Er wird so zum Häre­ti­ker wider das „Kon­zil“, zum Wider­spruch im Wider­spruch. Wenn er nicht erkennt, daß es SEINE UREIGENSTE Auf­ga­be ist, die „Reform der Reform“ nicht nur im Lit­ur­gi­schen Bereich son­dern auch in der Kon­zils­dog­ma­tik fort­zu­füh­ren und auf das macht­vol­le Lehr­amt der Päp­ste von Pius V bis Pius XII zu set­zen, wird auch die „Opti­on für die Armen“ ver­lie­ren. Gera­de die Armen brau­chen Gott, sonst ver­küm­mern sie mora­lisch und theo­lo­gisch, sie brau­chen ein star­kes Lehr­amt der Kir­che, das die Kir­che als „socie­tas per­fec­ta“ dar­stellt, den Staa­ten ihre Auf­ga­ben zuweist und ihre Die­ner­schaft der Königs­herr­schaft Jesu Chri­sti dar­stellt, damit gerech­te Gesell­schaf­ten ent­ste­hen.
    ROMA; ROMA, CONVERTERE AD DOMINUM DEUM TUUM!

    • Es stimmt alles, was Sie schrei­ben — aber was folgt dar­aus? Uns ist doch allen klar, dass die Zukunft nicht in einer blo­ßen Rück­kehr zur Ver­gan­gen­heit liegt, oder? Das ein­zig Gute an die­ser furcht­ba­ren Lage ent­decke ich für mich dar­in, mich auf Gott selbst zurück­ge­wor­fen zu sehen. „Ver­flucht ist der Mensch, der auf Men­schen ver­traut“, sagt der hl. Pro­phet Jere­mia (17,5). Mein größ­ter Trost ist die Hei­li­ge Schrift. Jeden Tag lese ich meh­re­re Kapi­tel dar­in, und von Tag zu Tag mehr lie­be ich das Wort Got­tes.

    • Geehr­ter Chri­stoph Rein, ver­ges­sen Sie die „gerech­ten Gesell­schaf­ten“! Wir leben in der End­zeit, genau­er: der Letzt­zeit, in den Jah­ren unmit­tel­bar vor der Schreckens­herr­schaft des Anti­christ. Der Ein­zi­ge, der Gerech­tig­keit schaf­fen kann und schaf­fen wird, ist Unser Herr, Hei­land und wah­rer Gott Jesus Chri­stus, wenn Er wie­der­kommt in Macht und Herr­lich­keit.

    • Die Ver­ar­mung durch die­se Dau­er­be­to­nung der „Armut“ von Fran­zis­kus wird hier zu Recht als zen­tra­ler Punkt gese­hen. So ist es. Wer einen teil aus dem Gan­zen abso­lu­tiert, wider­spricht dem Gan­zen.

  7. Hw Pro­fes­sor May hat die­se The­ma­tik in einem Inter­view mit der „Kirch­li­chen Umschau“ treff­lich ana­ly­siert:

    „Was immer man für oder gegen das Kon­zil sagen mag:
    Mit dem Kon­zil begann das Ende jeder Sicher­heit in Fra­gen der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re sowie der kirch­li­chen Ord­nung.
    Die nach­kon­zi­lia­re Bewe­gung ist nicht nur über das Kon­zil hin­aus­ge­schrit­ten, son­dern hat sich in gewich­ti­gen Punk­ten gegen das Kon­zil gestellt.“
    .
    „Was in die­ser Zeit vor sich gegan­gen ist, das ist die – ver­such­te – Selbst­zer­stö­rung.“
    .
    „Die Zer­stö­rung der kirch­li­chen Leh­re geht von den Theo­lo­gen aus.“
    .
    „Lie­ber Dut­zen­de von Pro­fes­so­ren und viel­leicht gan­ze Fakul­tä­ten ver­lie­ren als die­se Ein­falls­to­re der Häre­sie wei­ter offen hal­ten.“
    .
    „Das Schlimm­ste, was der Kir­che in der gegen­wär­ti­gen Kri­se pas­sie­ren könn­te, wäre die Nach­gie­big­keit gegen­über den For­de­run­gen des Pro­gres­sis­mus und des Zeit­gei­stes – was bei­des oft zusam­men­fällt.“
    .
    „Es ist offen­kun­dig, daß die Kri­se der Kir­che eine Kri­se der Bischö­fe ist.“

  8. Kei­ne Fra­ge, die­ser Arti­kel ist wie­der eine bril­lan­te Ana­ly­se und der Redank­ti­on ist ein­mal mehr zu dan­ken, dass sie die­se Dis­kus­si­on ita­lie­ni­scher Intel­lek­tu­el­ler dem deut­schen Sprach­raum bekannt macht. Aber in einem Punkt ver­ste­he ich de Mattei nicht ganz: „Jeder, der die Mög­lich­keit leug­net, eine Debat­te über das Zwei­te Vati­ka­num zu begin­nen, und dies im Namen des Hei­li­gen Gei­stes tut, der des­sen Garant sei, macht dar­aus ein unfehl­ba­res Ereig­nis und ein Super­dog­ma, das de fac­to geschichts­im­ma­nent ist.“ Aber hal­lo!? Ist dies nicht eine der ekkle­sio­lo­gi­schen Grund­über­zeu­gun­gen, dass Kon­zi­le vom Hei­li­gen Geist gelei­tet wer­den? Wür­de hier eine Debat­te über das II. Vati­ca­num nicht an den Fun­da­men­ten der Kir­che selbst rüt­teln, indem es die Sebst­ge­wiss­heit der Kir­che, vom Hei­li­gen Geist gelei­tet zu sein, rui­niert? Hat Bene­dikt XVI. viel­leicht aus die­sem Grund auf die Her­me­neu­tik gesetzt, um nicht das Kind mit dem Bade aus­zu­schüt­ten? Wenn der Papst die Debat­te über das Kon­zil im Sin­ne de Matt­eis ange­sto­ßen hät­te, wäre er nicht noch mehr auf ver­lo­re­nem Posten gestan­den? Hät­te nicht die Über­macht der Bruchher­me­neu­ten sofort damit begon­nen die eige­ne Deu­tungs­ho­heit zu sichern, indem man das päpst­li­che Lehr­amt gegen das Lehr­amt des Kon­zils, also aller Bischö­fe (wie demo­kra­tisch!) aus­ge­spielt hät­te? Ich glau­be, de Mattei ver­langt hier zu viel von Papst Bene­dikt und ver­kennt sei­ne histo­ri­sche Situa­ti­on, die ver­gleich­bar ist mit der Gor­bat­schows. Die vom Papst sehr klug ein­ge­fä­del­te, das Mach­ba­re prä­zi­se berech­nen­de bene­dik­ti­ni­schen Reform ist nicht zuletzt vor allem des­halb geschei­tert, weil im ent­schei­den­den Moment die zwar davi­disch schwa­chen tra­di­tio­nel­len Reform­kräf­te, auf die der Papst setz­te, den Kampf mit Goli­ath scheu­ten, ohne gott­ver­trau­en und daher zu zöger­lich, zu miss­trau­isch und ängst­lich waren, um den Papst zu Hil­fe zu eilen, als er die Hand nach ihnen aus­streck­te! Das muss man auch ganz klar sehen und reu­mü­tig beken­nen, wenn man an wahr­haf­ti­ger Auf­ar­bei­tung inter­es­siert ist.

    • „Ist dies nicht eine der ekkle­sio­lo­gi­schen Grund­über­zeu­gun­gen, dass Kon­zi­le vom Hei­li­gen Geist gelei­tet wer­den?“

      Wo steht das so abso­lut? Nur was auf einem all­ge­mei­nen und­recht­mä­ßig ein­be­ru­fe­nem Kon­zil als zu glau­ben ver­kün­det wird, besitzt die­se Unfehl­bar­keit.
      Das aber genau hat das Kon­zil ja ver­mie­den. Dar­auf zeigt de Mattei. Die­ses Merk­mal passt nicht zu dem ver­bohr­ten Klam­mer­re­flex, den gewis­se Her­ren an den Tag legen, wenn es um das Kon­zil geht. Obwohl die­ses Kon­zil kei­nen Unfehl­bar­keits­an­spruch erho­ben hat, wird es so behan­delt, als hät­te es ihn erho­ben.

      Wei­ter­hin ist es für mich sehr frag­wür­dig, wie viel Recht die­ses Kon­zil eigent­lich über­haupt hat. Nicht nur de Mattei hat beschrie­ben, wie die The­men­stel­lung und der Ver­lauf des Kon­zils von Anfang an unter­lau­fen wur­de durch gut abge­spro­che­ne pro­gres­si­sti­sche und moder­nist­si­che Krei­se. Es sind diver­se Rechts­brü­che gesche­hen.

      Im übri­gen ist es heil­sam, mal wie­der in die Geschich­te der Kon­zi­li­en zu schau­en. Bei­spiel: Kon­stan­zer Kon­zil 1415. Das Gewur­stel mit den drei Päp­sten vor­her will ich gar nicht auf­rol­len, eine Kir­che, der der recht­mä­ßig gewähl­te Papst schließ­lich weg­ge­stor­ben war und man nun nicht mehr wuss­te, wer von den Anwär­tern ein Recht hat. Dann das Dekret „Haec sanc­ta syn­odus“, das dem Kon­zil das Recht zusprach, Päp­ste ab- und ein­zu­set­zen — die Kar­di­nä­le folg­ten ja ihren „Obö­den­zi­en“. Furcht­ba­re Zustän­de. Und war­um das alles? Um die Ket­zer bes­ser zu bekämp­fen…

      Es kann sehr gut sein, dass der Rück­tritt Bene­dikts und das, was wirk­lich hin­ter ihm steht, die Recht­mä­ßig­keit F.s doch eines Tages vehe­ment in Fra­ge stel­len wird, zumal F. ganz offen­sicht­lich das Amt nicht ergreift. Er schwa­felt her­um wie ein unbe­darf­ter Dorf­prie­ster. Und dass sich dar­auf vie­le eini­gen kön­nen, weil sie selbst nicht beson­ders anspruchs­voll sind, mag ja sein. Es ist aber irrele­vant.
      Das Pasto­ral­ge­du­del ist nichts wei­ter als schlech­te Theo­lo­gie, Ver­rat am Glau­ben und eine Rie­sen­show. Ein Papst soll aber die Läm­mer wei­den, die Brü­der stär­ken und kla­re Wor­te reden, wenn es sein muss ex cathe­dra.…

      Stel­le mir vor, wie F.s „Über­ra­schun­gen“ dar­auf hin­ausau­fen, dass er die Ämter völ­lig kon­ter­ka­rie­ren wird. Bischö­fe wer­den nur noch Mode­ra­to­ren ant­ago­ni­sti­scher Ten­den­zen sein, die sich dann ent­we­der in einer zwangs­läu­fig vor­läu­fi­gen und immer medio­kren Mit­te bin­den las­sen müs­sen oder als Trach­ten­club gedul­det wer­den („Indult“ für die wah­re Tra­di­ti­on). Aber wehe, einer die­ser Tracht­ler bean­sprucht die gan­ze Wahrheit…dann ver­passt F. ihm eine Jeans statt Leder­ho­se und zwingt ihn, die Haferl­schuh mit Turn­schlap­pen aus­zu­tau­schen — aus pasto­ra­len Grün­den, um der „Ein­heit“ wil­len. Die Haferln und die Leder­ho­sen darf er dann nur noch auf Antrag anzie­hen (s. FI)

      Bene­dikt woll­te wohl das Kon­zil still­schwei­gend hin­ter uns las­sen, es mehr oder weni­ger igno­rie­ren und sub­stan­zi­ell neu anfan­gen oder anknüp­fen an das, was vor dem Kon­zil galt. Es wäre ein Chan­ce gewe­sen — für alle!
      Alle aber — woll­ten nicht. (Mt. 23,37)

  9. Dass man die Kon­zils­tex­te nicht schon des­halb ver­wirft, weil sie so furcht­bar inter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­tig zu sein schei­nen, ist ein blei­ben­des Geheim­nis.

    • Glei­ches könn­te man übri­gens auch von den Tex­ten der Bibel, ja gene­rell von jedem Text sagen. Selbst Dog­men sind inter­pre­tier­bar, sonst gäbe es kei­ne Dog­ma­tik und über­haupt kei­ne Theo­lo­gie. Selbst Geset­zes­tex­te bedür­fen der Aus­le­gung. Unge­ach­tet des­sen, ver­ste­he ich, was Sie mei­nen.

      • Hat man jemals soviel Vor­rang der Her­me­neu­ti­ker vor den Ver­fas­sern eines lehr­amt­li­chen Tex­tes gese­hen? Gab es schon mal so viel Dis­kus­si­on dar­über, was die Kir­che denn nun eigent­lich sagen will? Ein Pro­blem ist hier ja schon die schie­re Län­ge der zweit­va­ti­ka­ni­schen Tex­te. Ein Katho­lik glaubt an Glau­bens­sät­ze nicht an Glau­bens­tex­te.

      • Die lehr­amt­li­chen Aus­sa­gen waren aus die­sem Grun­de immer sehr um Ein­deu­tig­keit bemüht. Es geht dar­um, dass der Deu­tungs­spiel­raum mög­lichst mini­miert wird.
        Wenn man jedoch ein her­me­neu­ti­sches Ver­fah­ren behaup­tet, das alle mög­li­chen histo­ri­schen oder ande­re „außen­lie­gen­den“ Kri­te­ri­en her­bei­zie­hen darf, um den Text zu deu­ten, und zwar so, dass am Ende die Kri­te­ri­en von außen wich­ti­ger als die objek­ti­ve Text­aus­sa­ge sind, dann haben wir ein Pro­blem.
        Solan­ge bets­imm­te her­me­neu­ti­sche Ver­fah­ren nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, wird das Cha­os nicht enden.

  10. Das Unver­ständ­lich­ste aber dar­an ist, wie die Umkeh­rung des „socie­tas“- Begriffs durch das Kon­zil statt­fin­den konn­te. Die Ver­schlüs­se­lung der Kirch­li­chen Leh­re durch Meta­phern („Qua­si-Theo­lo­gie“ genannt) und das „Mit-ins-Grab-Neh­men“ des Schlüs­sels durch die Päp­ste von Johan­nes XXIII bis Johan­nes Paul II, die Ver­wei­ge­rung der Schlüs­sel­her­aus­ga­be durch Bene­dikt XVI haben eben jene Ver­wir­rung gebracht, die mit Begrif­fen wie „Para-Kon­zil“, „Meta-Kon­zil“ und „vir­tu­el­les Kon­zil“ bezeich­net wur­den. Wenn nun jemand mit sei­nem eige­nen Ver­ständ­nis­ho­ri­zont ohne die Ewi­ge Leh­re der Katho­li­schen Kir­che an das Kon­zil geht wie fast alle Theo­lo­gen, die Bischö­fe und auch die Päp­ste selbst, dann pas­siert beim Öff­nen der „Kon­zils­da­tei“ fol­gen­des: Es ent­steht „scram­bled data“, unbrauch­ba­re Frag­men­te, schein­bar Ent­schlüs­sel­tes aber nie­mals der Gan­ze Text und Sinn.
    So ist es schon wäh­rend des Kon­zils gesche­hen, da das Kon­zil ja nichts defi­nie­ren woll­te und ALLES im Unkla­ren las­sen woll­te von der Irr­tums­lo­sig­keit der Hei­li­gen Schrift bis zur Offen­ba­rung von Fati­ma, von der Real­prä­senz Jesu Chri­sti im Altarsa­kra­ment bis zum Sozia­len König­tum Jesu Chri­sti und der Not­wen­dig­keit Katho­li­sche Staa­ten. Das ein­zi­ge was klar her­aus­ge­stellt wur­de war die Unklar­heit der Frei­hei­ten „Reli­gi­ons­frei­heit, Gewis­sens­frei­heit, Erzie­hungs­frei­heit“. Das Gan­ze wur­de dann dem fort­wäh­ren­den Inter­preta­ment des Bischofs­kol­le­gi­ums und des Pap­stes unter­wor­fen. Im erste­ren Fal­le usur­pier­ten die­ses Recht a prio­ri die Bischofs­kon­fe­ren­zen („Würz­bur­ger Synode“,Conference of Bal­ti­more, etc.) im zwei­ten Fall das nicht-defi­nie­ren­de Magi­steri­um der Päp­ste.
    Daß gera­de ein Papst am Kon­zil schei­tern wür­de, war abzu­se­hen. Um so unver­ständ­li­cher ist es, daß gera­de Bene­dikt XVI geschei­tert ist: Gera­de er hat­te sich mit Augu­sti­nus inten­sivst beschäf­tigt, er ist DER Ken­ner der Augu­s­ti­ni­schen Theo­lo­gie schlecht­hin auf dem Kon­zil gewe­sen. War­um gera­de er mit LG 8.2 kei­ne Pro­ble­me hat­te, bleibt ein sehr dunk­les Rät­sel. Er hät­te den fata­len Wider­spruch zur Augu­s­ti­ni­schen Kir­chen­leh­re doch erken­nen müs­sen, daß eben die Katho­li­sche Kir­che die „Civi­tas Dei“ IST. So hat es Augu­sti­nus gelehrt, so Johan­nes Chryso­s­to­mos, sogar Boe­thi­us, Beda Venera­bi­lis, Alku­in, bis hin zu Tho­mas von Aquin et ultra. War­um also die­se Abkehr?
    Dar­aus läßt sich nur eine Kon­se­quenz ablei­ten: Das Kon­zil ist ein­be­ru­fen und durch­ge­führt wor­den, um die Katho­li­sche Kir­che von Grund auf zu erschüt­tern oder gar zu zer­stö­ren. Die histo­ri­schen Umstän­de (Ich möch­te Rober­to de Mattei an sein eige­nes Buch erin­nern!) spre­chen eher für let­ze­res Ziel. Daher ist das GANZE KONZIL IN TOTO unan­nehm­bar, es muß wider­ru­fen wer­den, sonst ist die Kir­che im Zustand des Sedis­va­kan­tis­mus, da das Kon­zil dem Vor­gän­ger­kon­zil dia­me­tral wider­spricht und somit das Papst­tum zur Ungül­tig­keit gebracht wird.

    ROMA, ROMA, CONVERTERE AD DOMINUM DEUM TUUM!

    • Joseph Ratz­in­ger war auf dem Kon­zil ein Jung­spund und ent­spre­chend unreif und wag­hal­sig.

      Aber Sie haben schon Recht — es sind der­art vie­le Untie­fen ent­stan­den, ein Abgrund an Wort­un­schär­fen, selt­sa­men For­mu­lie­run­gen und plötz­lich ein­ge­schli­che­nen Begrif­fen, die nie einer erklärt hat und die auch nicht katho­lisch sind (wie „Mensch­heits­fa­mi­lie“, „pil­gern­des Got­tes­volk“ etc.), dass man das Gefühl bekommt: schmeiß doch den gan­zen Bal­last weg und fang bei Zeit­punkt X. noch mal an…

      … nur wird das nicht gelin­gen. Das wis­sen wir ganz genau…

      • Rich­tig. Wenn ein Com­pu­ter spinnt, setzt man ihn an einen frü­he­ren System­punkt zurück. War­um setzt man die Kir­che nicht ein­fach an den System­punkt 1958 zurück. Ich kann nicht sehen, dass die­ser viel­ver­spre­chen­de Schritt irgend­wel­che Schwie­rig­kei­ten berei­ten könn­te. Man müss­te ledig­lich alle spä­te­ren Tex­te für irrele­vant erklä­ren.

      • Ja, ja, aber bit­te ver­ges­sen wir nicht Petrus war Fischer bevor er erwählt wur­de.
        Wen Jesus, durch den Hei­li­gen Geist beruft, der ist jda­nn sein Stell­ver­tre­ter.
        Die Beru­fung unter­liegt nicht welt­li­chen Beur­tei­lungs- und Aus­wahl­ver­fah­ren.
        Wol­len wir uns anma­ßen das Han­deln Jesus zu ommen­tie­ren und zu bewerten?Übrigens ist und bleibt auch ein Papst Sün­der.

  11. Ein her­vor­ra­gen­der Bei­trag. Rober­to de Mattei bringt die Kir­chen- und Glau­bens­kri­se auf den Punkt.
    @Zeitschnur
    Mit Ver­laub, Joseph Ratz­in­ger war zwar jung, aber alles ande­re als ein „Jung­spund.“ Er war ein ein­fluss­rei­cher Peri­tus, er war Kar­di­nal Frings zuge­ord­net. Der aller­dings noch mehr auf Karl Rah­ner hör­te.
    Mit kei­ner Her­me­neu­tik kann man wider­sprüch­li­chen Tex­ten bei­kom­men. Für Roma­ne, Lyrik, Lite­ra­tur all­ge­mein, die kei­nen abso­lu­ten Wahr­heits­an­spruch erhebt, ist Her­me­neu­tik bedeut­sam. Für die Kir­che Jesu Chri­sti, die sich auf die gött­li­che Offen­ba­rung grün­det, ist Her­me­neu­tik für offi­zi­el­le Leh­r­äu­ße­run­gen eine töd­li­che Gefahr. Papst Bene­dikt war inte­ger, hoch­in­tel­li­gent, der Tra­di­ti­on zuge­neigt. An sei­nem guten Wil­len ist nicht zu zwei­feln, sein lebens­lan­ges Wir­ken für die Kir­che ver­dient gro­ßen Respekt. Doch dass die „Her­me­neu­tik der Reform in der Kon­ti­nui­tät“ geschei­tert ist, ist ein Segen.
    Fran­zis­kus ist der „authen­ti­sche Sohn des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils.“ Das Lei­den der Kir­che Jesu Chri­sti geht nicht nur wei­ter, es nimmt dra­ma­ti­sche For­men an.

    • @ zeit­los
      Ich dach­te an-jung-ratz­imnger­sche Mei­nun­gen wie z.B. die­ses Schrei­ben, das die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ner zur Hl. Kom­mu­ni­on for­der­te, das Joseph Ratz­in­ger damals mit ande­ren deut­schen Theo­lo­gen unter­schrie­ben hat, und auf das er auch noch vor kur­zem mit einer eigen­ar­ti­gen Scheu noch mal Bezug genom­men hat­te (lei­der fin­de ich die Tex­te auf die Schnel­le nicht), fast bedau­ernd und scham­er­füllt.
      Bene­dikt hat erst als Greis begrif­fen, was er selbst teil­wei­se mit ange­rich­tet hat, das geht für mich aus allem her­vor.
      Dass er aber inte­ger, hoch­in­tel­li­gent und von gro­ßer per­sön­li­cher Fröm­mig­keit ist — das habe ich nie bezwei­felt. Sie wis­sen, dass ich die­sen Papst sehr ver­he­re und lei­be — aber nicht hirn­los, son­dern mög­lichst wahrhhaf­tig. Man muss also auch das nen­nen, was nicht recht war. Er hat es sicher schon bereut, inso­fern will ich es ihm nicht vor­wer­fen, aber man muss sich bei solch öffent­lich getä­tig­ten Akten eben mit den schlim­men Fol­gen aus­ein­an­der­set­zen…

  12. Papst Bene­dikt, war ein wirk­li­cher Stell­ver­tre­ter Chri­sti.
    Jesus lehrt uns: mein Reich ist nicht von die­ser Welt und sei­ne „Waf­fen“ und Mit­tel zu Durch­set­zung.
    So ist das Schwert „Das Wort“ und die Leh­re. „Das Feu­er“ die Lie­be das die Welt in Brand stecken soll usw.
    Jesus hat gegen nie­man­den gekämpft, er hat nie­man­den ver­wor­fen selbst Judas nicht.
    Jesus sagt nicht nur, lie­be Dei­nen Näch­sten, son­dern auch lie­bet Eure Fein­de — seg­net die Euch flu­chen…
    Folg­lich hat Papst Bene­dikt als wah­rer Stell­ver­tre­ter Chri­sti gehan­delt. Ohne „Basta“ zu sagen?
    War­um mes­sen und beur­tei­len wir immer alles mit welt­li­chen Maß­stä­ben.

    Das Schis­ma ist ein­ge­tre­ten, für jeden erkenn­bar. Han­deln wir wie Chri­stus es uns gelehrt hat, fol­gen wir Ihm, ver­brei­ten wir das Evan­ge­li­um und beten wir für aller See­len, damit sie nicht in die Irre geführt wer­den und beten wir auch für die Fein­de damit sie umkeh­ren. Ver­ges­sen wir nicht, auch Bene­dikt betet.

    • Mt. 26, 24 f:
      „Der Men­schen­sohn muss zwar sei­nen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Men­schen, durch den der Men­schen­sohn ver­ra­ten wird. Für ihn wäre es bes­ser, wenn er nie gebo­ren wäre. Da frag­te Judas, der ihn ver­riet: Bin ich es etwa, Rab­bi?, Jesus sag­te zu ihm: Du sagst es.“

      Was ist eine Ver­wer­fung, wenn nicht der Satz: „Wäre ein sol­cher nie gebo­ren! Es wäre für ihn bes­ser!“?

  13. Die­ser Papst ver­ach­tet doch alle und nicht zuletzt sei­ne Vor­gän­ger. Er ist im grun­de nur hof­fär­tig und schwätzt zu viel. Theo­lo­gisch ist von ihm kaumn etwas zu holen. Wer auf ihn hört, wird gei­stig wirk­lich arm.

    • Es ist so, daß ich mir lang­sam Gedan­ken mache um den psych­ia­tri­schen Zustand des jet­zi­gen Pap­stes. da sind mul­ti­ple pho­bi­en­haf­te Züge, die auf eine psych­ia­tri­sche Stö­rung hin­aus­lau­fen.
      Rich­tig ist, daß Joseph Kar­di­nal Frings tat­säch­lich auf sei­nen Peri­tus Ratz­in­ger ver­las­sen konn­te, der ja Schü­ler von Gott­lieb Söhn­gen war und damit einem der ultra­mo­der­ni­sti­schen Leh­rer. Kei­ner hat­te den radi­ka­len Ver­tre­ter des Neo-Moder­nis­mus auf dem Spiel­feld gese­hen, Söhn­gen war kein Peri­tus des Kon­zils, aber er war prä­sent auf dem Kon­zil, durch Ratz­in­ger. Ein ande­rer Schü­ler war da näm­lich der spä­te­re Dog­ma­tik-Pro­fes­sor Schnei­der und auch ande­re, etwa Han­na Lau­ri­en, die für die Katho­li­schen Schu­len etwa in Rhein­land-Pfalz zur Toten­grä­be­rin gewor­den war.
      Nein Frings hat NUR auf Ratz­in­ger gehört, nie auf Rah­ner, das haben ande­re getan, etwa Volk, dann Döpf­ner, Stimpf­le, Kempff etc…
      Und aus die­sen ist die Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­sche Hoch­schu­le St. Geor­gen Frank­furt her­vor­ge­gan­gen. Reicht das nicht. Nein, Papst Fran­zis­kus ist das Ergeb­nis eines trau­ma­ti­sie­ren­den Kon­zils, das fast ALLE Bischö­fe und Theo­lo­gen als trau­ma­ti­sier­te Gestal­ten zurück­ge­las­sen hat. Und die­se haben das Trau­ma wei­ter­ge­ge­ben. Das Trau­ma heißt: „II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil“. Das Kon­zil ist das Trau­ma selbst.

      ROMA; ROMA, CONVERTERE AD DOMINUM DEUM TUUM!

      • Das ist eine wirk­lich beden­kens­wer­te Idee, Herr Rhein,dass das Kon­zil ein TRAUMA der Kir­che ist!
        Ein TRAUMA!

        Ja, das ist es!

        Es bringt schi­zo­phre­ne Gläu­bi­ge und noch schi­zo­phre­ne­re Theo­lo­gen und Kle­ri­ker her­vor.
        Wir lei­den dar­an schreck­lich — die einen sehen­den Auges, die ande­ren blind und dumpf. Erste­re wider­ste­hen dem Ungeist offen, letz­te­re hal­ten unter Hos­an­na-Rufen den Fang­zäh­nen des Wolfs bereit­wil­lig ihre Glie­der hin und stö­ren sich dran, dass erste­re es nicht tun…
        Ich per­sön­lich seh­ne mich nach der Frei­heit, katho­lisch zu sein und habe in der Tat eine kla­re Vor­stel­lung davon, was das ist.

        Die­ses krampf­haft-ver­klemm­te Nicht-Katho­lisch-sein-wol­len der Kir­che seit dem Kon­zil erstickt fast jede Flam­me des Glau­bens, der Hoff­nung und der Lie­be.
        Aber nur FAST jede.
        Was Sie zu Ratz­in­ger sagen — ja, aller­dings mit dem Zusatz, dass er stets den­noch in der Lie­be zur Tra­di­ti­on leb­te, also auch in einem merk­wür­dig schi­zo­phre­nen Zustand. Die „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ könn­te man als einen schi­zo­phre­nen theo­lo­gi­schen Ver­such anse­hen.
        Aller­dings waren ja die Päp­ste nach em Kon­zil — bis mög­li­cher­wei­se auf F. — recht­mä­ßig. Und nicht alles, was sie lehr­ten, war falsch. Nicht alle Neue­run­gen waren schlecht.
        Ein unglaub­li­cher Filz ist ent­stan­den.
        Ein abso­lut hoher Geist wird das aus­ein­an­der­le­gen und ent­wir­ren müs­sen. Eine ein­fa­che Ver­wer­fung der Vor­gän­ge seit J23 wird nicht gehen — zumal ja Johan­nes 23 selbst schi­zo­phren han­del­te. Noch 1962 unter­zeich­ne­te er das apo­sto­li­sche Schrei­ben „Vete­r­um sapi­en­tiae“ http://www.vatican.va/holy_father/john_xxiii/apost_constitutions/documents/hf_j-xxiii_apc_19620222_veterum-sapientia_lt.html, das fei­er­lich ver­öf­fent­licht wur­de. Dar­in wird die unbe­ding­te Latini­tät der gesam­ten Kir­che ein­ge­for­dert und die zwin­gen­de Not­wen­dig­keit, dass jeder Kle­ri­ker Latei­ner sein muss, fest­ge­schrie­ben und als Auf­ga­be an die Bischö­fe wei­ter­ge­ge­ben. Wei­ter wird ein­ge­for­dert, dass die alten Lehr­plä­ne der Prie­ster­se­mi­na­re wie­der ein­ge­setzt wür­den etc.
        Das alles passt nicht zu „Pacem in ter­ris“, zur Ver­all­ge­mei­ne­rung des Christ­li­chen in die „Mensch­heits­fa­mi­lie guten Wil­lens“ und das rest­li­che viel­zün­gi­ge Gedu­del.

        Schon oft habe ich mich gefragt, ob denn die­ser Mann ver­rückt war — wie kann man im Her­zen und vor Gott so gespal­ten sein, vor­aus­ge­setzt, man ist gesund! F. ist ein von Anfang an krank erzo­ge­ner Mann. Es ist ein Kreuz! Und er hat nicht die Bega­bung oder Intel­li­genz, das selbst leid­voll zu erken­nen und IHN um einen gera­den Weg zu bit­ten. Hier ist Ratz­in­ger ganz anders: er weiß auf­grund sei­ner Bega­bung, dass das so nicht stimmt und vers­uh­te, einen gera­den Weg zu gehen. Die Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät war ein Ver­such, der geschei­tert ist. Aber das blo­ße Ansin­nen offen­bart, dass er um die tie­fe Pro­ble­ma­tik wuss­te und dar­an litt und lei­det.
        Mir erscheint es so, als kön­ne nur noch ER selbst das ord­ne­ne — unse­re Intel­li­genz schei­tert dar­an, auch wenn wir noch so gebil­det und krea­tiv sind…

        • Sicher hat Ratz­in­ger auch (!) die Tra­di­ti­on geliebt, aber nicht aus­schließ­lich. Er hat klar erkannt, daß man sie nicht leug­nen kann. Aber mir kam es manch­mal so vor, als ob er ihr einen Platz gab so wie man dem Foto eines lie­ben Vor­fah­rens an der Wand einen Platz ein­räumt, aus Anhäng­lich­keit, aus Pflicht­ge­fühl. Hei­mat­ge­fühl.
          Dane­ben hat er bis zuletzt das Neue, das Kon­zil, ver­tei­digt, in der Abschluß­re­de sagt er sogar, es sei ein Gewinn, daß man heu­te die Lan­des­spra­che in der Mes­se ver­wen­det. Ich glaub­te, nicht rich­tig zu hören. Zum einen wur­den frü­her die Lesun­gen und das Evan­ge­li­um immer auch über­setzt, die Pre­digt ohne­hin auf Deutsch, so daß kei­ner in der Unwis­sen­heit ver­har­ren muß­te. Zum ande­ren kam gera­de durch die Abkehr vom Latein das gan­ze Durch­ein­an­der sprach­lich und inhalt­lich in die Kir­che hin­ein. Wenn Ratz­in­ger heu­te immer noch das Kon­zil ver­tei­digt, dann scheint mir irgend­et­was nicht zu stim­men.

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