„Denzinger-Katholik“ und „ideologische Christen“? Neue Schubladen, aber die Probleme bleiben

Haben einige Aussagen von Papst Franziskus ein Problem entstehen lassen oder nicht?(Rom) Ein Brief und ein Auf­satz sor­gen welt­weit unter Katho­li­ken für Dis­kus­sio­nen und eini­ge Unru­he. Es ist ein­mal ein sehr per­sön­lich gehal­te­ner Brief der mexi­ka­ni­schen Katho­li­kin und neun­fa­chen Mut­ter Lucrecia Rego de Pla­nas an Papst Fran­zis­kus. Und zum ande­ren eine scharf­sin­ni­ge Ana­ly­se von zwei katho­li­schen Intel­lek­tu­el­len aus Ita­li­en, des Rechts­phi­lo­so­phen Mario Palma­ro und des Jour­na­li­sten Ales­san­dro Gnoc­chi. Brief und Auf­satz haben gro­ße Zustim­mung erfah­ren. Vie­le Katho­li­ken sehen dar­in ihre eige­nen Gedan­ken, Befürch­tun­gen und Gefüh­le zum Aus­druck gebracht. Palma­ro und Gnoc­chi wur­den aber auch von Radio Maria ent­las­sen und es gab teils hef­ti­ge und teils unter­grif­fi­ge Kri­tik. An der Kri­tik fällt unan­ge­nehm eine fast kate­go­ri­sche Ver­wei­ge­rung auf, sich einer inhalt­li­chen Dis­kus­si­on zu stel­len. Hat der Papst recht mit sei­nen umstrit­te­nen Aus­sa­gen? Sind die­se Aus­sa­gen katho­lisch? Was bedeu­tet das für die Kir­che und ihre Glau­bens­leh­re? Wel­che Aus­wir­kun­gen haben die Aus­sa­gen auf Katho­li­ken in der Welt?
Gegen die­se Kri­tik an der Kri­tik an Papst Fran­zis­kus ohne inhalt­lich auf die auf­ge­wor­fe­nen Punk­te ein­zu­ge­hen, wen­det sich der Rechts­phi­lo­soph Cor­ra­do Gner­re, der unter ande­rem an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom Phi­lo­so­phi­sche Anthro­po­lo­gie lehrt. Am Bei­spiel einer Ant­wort des katho­li­schen Jour­na­li­sten Anto­nio Soc­ci, „die kei­ne ist“, zeigt Gner­re auf, wie die­se Dis­kus­si­ons­ver­wei­ge­rung einer Form von Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung gleich­kommt und daher nichts löst und nie­man­dem hilft. Die Fra­ge steht wei­ter­hin im Raum: Hat Papst Fran­zis­kus durch eini­ge Aus­sa­gen sub­stan­ti­el­le Pro­ble­me erzeugt: ja oder nein? Man­che ver­mu­ten, es lie­ge an einer nicht voll­stän­di­gen Beherr­schung der ita­lie­ni­schen Spra­che. Selbst dann wären Kon­se­quen­zen gebo­ten. Eine Vogel­strauß­hal­tung auf die­se Fra­ge mag bequem sein, tau­ge aber nichts, so die The­se Gner­res.

.

Vom „Denzinger-Katholiken“ zum „moralistischen Katholiken“, einige Etiketten mehr, doch die Probleme bleiben

von Cor­ra­do Gner­re

In unse­rer Zeit wird die Bio­di­ver­si­tät gefei­ert. Es herrscht die Über­zeu­gung vor, daß Ver­schie­den­ar­tig­keit grund­sätz­lich schön ist, je mehr, desto bes­ser, je bun­ter, desto fas­zi­nie­ren­der … Kurz­um, wie man in mei­ner Gegend zu einer voll­be­leg­ten Piz­za sagt: je mehr du drauf­legst, umso mehr fin­dest du dar­an!

Auch in der Kir­che lebt man in gewis­ser Wei­se die­se Atmo­sphä­re. Wäre es eine sym­pho­ni­sche Atmo­sphä­re, gäbe es nichts dar­an aus­zu­set­zen, denn die Sym­pho­nie ist die „Ein­heit in der Viel­falt“. Viel­falt in der Art und Wei­se, aber Ein­heit in der Leh­re. Das war immer so in der Kir­che. Viel­mehr noch ist es gera­de ihr Haupt­merk­mal. Das ist aber nicht das, was wir heu­te erle­ben. Betrü­gen wir uns nicht selbst: das ist es nicht. Nicht die Sym­pho­nie wird heu­te gefei­ert, son­dern der Wider­spruch, das Anders­sein, und das ist etwas ganz ande­res.

Wenn Wörter einen Sinn haben, warum interpretiert man sie um?

Seit eini­gen Tagen muß­ten wir ent­decken, daß es auch „den ideo­lo­gi­schen und den mora­li­sti­schen Katho­li­ken“ gibt. Wenn wir die Wor­te nach ihrer eigent­li­chen Bedeu­tung inter­pre­tie­ren, dann hät­te eine sol­che Ent­deckung in Wirk­lich­keit schon vor lan­gem gemacht wer­den müs­sen. Wenn Wor­te näm­lich einen Sinn haben, dann müß­te der ideo­lo­gi­sche Katho­lik jener sein, der den eige­nen Glau­ben in Ideo­lo­gie ver­wan­delt, und Ideo­lo­gie ist wie­der­um der Anspruch, die Rea­li­tät in eine intel­lek­tu­el­le und sub­jek­ti­ve Kon­struk­ti­on umzu­wan­deln. Der Vater der Ideo­lo­gie ist übri­gens der Ratio­na­list René Des­car­tes.
Und wenn Wor­te wirk­lich einen Sinn haben, dann müß­te der mora­li­sti­sche Katho­lik jener sein, der die natür­li­che und über­na­tür­li­che Moral in mensch­li­che Ethik ver­wan­delt, oder anders aus­ge­drückt, jener, der das Gesetz durch Regeln ersetzt. Jene Regeln, die ledig­lich auf der Schwach­heit mensch­li­cher Mei­nun­gen und sozio­kul­tu­rel­ler Kon­tex­te grün­den.

In die­sen Tagen muß­ten wir also nicht nur die Exi­stenz „des ideo­lo­gi­schen und des mora­li­sti­schen Katho­li­ken“ ent­decken, als hand­le es sich um eine Neu­heit. Wir muß­ten auch ent­decken, daß man unter die­sen Eti­ket­ten etwas ganz ande­res zu ver­ste­hen hat, als die Wor­te eigent­lich aus­sa­gen, ja, daß man in Wirk­lich­keit dar­un­ter den Katho­li­ken zu ver­ste­hen hat, der treu an der Tra­di­ti­on fest­hält (also dem leben­di­gen und ewi­gen Gott in der Geschich­te und damit etwas ganz ande­res als Ideo­lo­gie) und der treu an der geof­fen­bar­ten Moral fest­hält (also der Nach­fol­ge des leben­di­gen und ewi­gen Got­tes in der Geschich­te und damit etwas ganz ande­res als Mora­lis­mus).

Die Orientierung ist verlorengegangen, nichts mehr und nichts weniger

War­um aber die­se Ver­wir­rung? Aus einem ganz ein­fa­chen Grund: weil die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren­ge­gan­gen ist, nichts mehr und nichts weni­ger. Durch den Ver­lust des Bewußt­seins für die Wahr­heit und vor allem der Tat­sa­che, daß die Wahr­heit „infor­mie­ren“ muß (im Sin­ne von for­men), wird alles, nicht nur die Viel­falt, zum Selbst­zweck und ent­spre­chend löst sich auch der Sinn der Wör­ter auf.

So ver­nach­läs­sigt man das Pro­blem und kon­zen­triert sich auf Metho­de und Form. Neh­men wir den Fall Gnoc­chi und Palma­ro. Ich will nicht auf die Fra­ge der Metho­de ein­ge­hen, weil auch ich dies­be­züg­lich viel­leicht unkla­re Vor­stel­lun­gen haben könn­te, näm­lich ob Gnoc­chi und Palma­ro gut oder weni­ger gut getan haben, bestimm­te Din­ge zu schrei­ben. Was ich aber ableh­ne ist, daß sich die statt­fin­den­de Dis­kus­si­on pri­mär dar­auf beschränkt, ob sie respekt­los waren oder nicht, daß sich aber kein Kri­ti­ker – und ich wie­der­ho­le kei­ner – wagt, den Nach­weis zu erbrin­gen, ob das, was sie geschrie­ben haben, falsch war.

Der jüng­ste Bei­trag des katho­li­schen Publi­zi­sten Anto­nio Soc­ci vom 24. Okto­ber in der Tages­zei­tung Il Foglio hat die Sache nur noch kom­pli­ziert. Er hat viel geschrie­ben, aber letzt­lich nichts gesagt. Er hat uns infor­miert, daß Bene­dikt XVI. ein Mei­ster des Logos war. Gut. Er hat uns infor­miert, daß Paul VI. vie­le inter­es­san­te Din­ge über die Treue zur Tra­di­ti­on geschrie­ben hat. Sehr gut. Er hat uns infor­miert, daß alle in der Kon­ti­nui­tät ste­hen. Hof­fen wir es. Alles gar­nier­te er damit, daß er eine Rei­he von Intel­lek­tu­el­len und gno­sti­schen Mode­theo­lo­gen wie sie Euge­nio Scal­fa­ri gefal­len, an den Ohren zog. Das freut uns. Er hat uns über vie­le schö­ne Din­ge infor­miert …, das Pro­blem aber hat er damit nicht gelöst.

Ist die Aussage von Papst Franziskus über das Gewissen mit der kirchlichen Lehre vereinbar? Ja oder Nein

Er hat uns zum Bei­spiel nicht erklärt, wie die Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus über das Gewis­sen in sei­nen Gesprä­chen mit dem Grün­der der Tages­zei­tung La Repub­bli­ca in Ein­klang, ich sage ja nicht ein­mal gleich mit dem gan­zen Den­zin­ger, aber zumin­dest mit der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis Sple­ndor von Johan­nes Paul II. zu brin­gen sind. Apo­dik­tisch ver­kün­de­te er nur, daß dem so ist, ohne es zu erklä­ren. Und wenn er davon nur über­zeugt ist, weil Papst Fran­zis­kus ein Sohn des Hei­li­gen Igna­ti­us ist, dann ist das kein so star­kes Argu­ment …,  wenn es stimmt, und es stimmt, daß auch Kar­di­nal Mar­ti­ni ein Jesu­it war. Wenn Soc­ci aber davon über­zeugt ist, daß das, was Papst Fran­zis­kus sagt, immer in Ein­klang mit dem Logos ist, weil er der Papst ist, in Ein­klang mit jenem Logos, der – wie Soc­ci selbst schreibt – sich jeder Redu­zie­rung des Chri­sten­tums auf Emo­tio­nen und Gefüh­le ent­zieht, wie es – immer laut Mei­nung von Soc­ci – die cha­ris­ma­ti­schen Grup­pen zu tun pfle­gen, dann soll­te Soc­ci aber sich dar­über infor­mie­ren, wel­che Mei­nung Papst Fran­zis­kus von den cha­ris­ma­ti­schen Grup­pen hat. Sei­ne Hei­lig­keit hat sie immer gelobt und unter­stützt.

„Denzinger-Katholik“ ist nicht beleidigend, aber eine überflüssige Etikettierung

Aber keh­ren wir zur „Bio­di­ver­si­tät“ zurück, die alles in Ein­klang bringt und alles in der Dia­lek­tik und im Kampf har­mo­ni­siert, wie den Wolf mit dem Lamm und die Gazel­le mit dem Leo­par­den. Und damit zurück zum Auf­satz von Soc­ci. Den Lef­eb­vria­ner (der Autor die­ser Zei­len ist weder Lef­eb­vria­ner noch sonst­wie eti­ket­tier­bar) als einen Den­zin­ger-Katho­li­ken zu bezeich­nen, mag abwer­tend gemeint sein, ist es aber nicht unbe­dingt. Las­sen wir aber die Fra­ge nach der Ele­ganz des Aus­druckes bei­sei­te und betrach­ten wir die Sub­stanz der Aus­sa­ge. Den­zin­ger-Katho­lik, das will sagen: ein Katho­lik, der auf die Gesamt­heit des Lehr­am­tes schaut. Das aber ist – und Soc­ci soll­te es wis­sen – für einen Katho­li­ken kei­ne Opti­on, son­dern eine Pflicht, weil es nur ein Lehr­amt gibt und das steht in einer unun­ter­bro­che­nen Kon­ti­nui­tät. Gemeint ist jene Kon­ti­nui­tät, die auch Soc­ci nach eige­nen Wor­te so wich­tig ist, und die er durch Zita­te von Joseph Kar­di­nal Ratzinger/Papst Bene­dikt XVI. zum Aus­druck brin­gen will. Damit wären wir wie­der am übli­chen Punkt: Man wirft irgend­ei­ne Wen­dung hin, um jeman­den anzu­grei­fen (im kon­kre­ten Fall das Duo Gnoc­chi und Palma­ro), ohne aber wirk­lich etwas zu erklä­ren.

Es gibt Moralisten, aber keine moralistischen Katholiken

Kom­men wir also zu einem ande­ren Punkt. Der mora­li­sti­sche Katho­lik wür­de also zu sehr auf der Moral behar­ren. Haben wir uns aber schon ein­mal gefragt, was eigent­lich die Moral im Bereich der katho­li­schen Theo­lo­gie ist? Der Gott-Logos ist ein Gott, der nicht über Gut und Böse steht, son­dern kon­sti­tu­tiv gut ist. Daher ist das Moral­ge­setz nicht eine will­kür­li­che Ent­schei­dung Got­tes, son­dern sei­ne eige­ne Natur. Die Zehn Gebo­te zum Bei­spiel sind nichts ande­res als die kodi­fi­zier­te Natur Got­tes. Das Gesetz Got­tes beach­ten, bedeu­tet daher an Sei­ner Natur teil­ha­ben, Gott umar­men. Im Umkehr­schluß ist es nicht mög­lich, sich für Gott zu ent­schei­den, aber sein Gesetz nicht zu beach­ten. In all dem ist nichts Mora­li­sti­sches, weil für den Mora­lis­mus die Moral etwas Abstrak­tes und eine intel­lek­tu­el­le Ent­schei­dung ist, die in einer bestimm­ten Wei­se aus­fällt, aber eben­so gut auch in einer ande­ren Wei­se aus­fal­len könn­te. Die Hei­li­gen hin­ge­gen haben ver­stan­den, daß es kei­nen Gott ohne Moral­ge­setz gibt und kein Moral­ge­setz ohne Gott, weil Gott ein leben­di­ger Gott ist. Jene als Mora­li­sten zu bezeich­nen, die auf das Moral­ge­setz ach­ten und ande­re dazu auf­for­dern, es eben­so zu tun, bedeu­tet, den Hei­li­gen wider­spre­chen. Was soll­te man denn sonst über einen Hei­li­gen Pater Pio von Piet­rel­ci­na sagen, der so unnach­gie­big beharr­te. Jesus ist sehr klar: „Wer auch nur eines von den klein­sten Gebo­ten auf­hebt und die Men­schen ent­spre­chend lehrt, der wird im Him­mel­reich der Klein­ste sein. Wer sie aber hält und hal­ten lehrt, der wird groß sein im Him­mel­reich“ (Mt 5,19).

In die­sem Sinn beharr­te Bene­dikt XVI. so nach­drück­lich auf die soge­nann­ten nicht­ver­han­del­ba­ren Grund­sät­ze, denn vom Umgang mit dem mensch­li­chen Leben hängt auch ab, wie man mit allen ande­ren gro­ßen Fra­gen umgeht, die unse­re Zeit beherr­schen. Bene­dikt XVI. bezeich­ne­te zum Bei­spiel die Gen­der-Ideo­lo­gie als schwer­wie­gen­den Angriff gegen den Frie­den und als gro­ße Her­aus­for­de­rung, der sich die Kir­che gegen­über­sieht. Im Umgang mit dem mensch­li­chen Leben drückt sich Zeug­nis und Lie­be für Jenen aus, der allein Weg, allein Wahr­heit und allein Leben ist.

Ein Appell: Wollen wir über Inhalte diskutieren oder nicht?

So rich­te ich einen Appell: Wol­len wir oder wol­len wir nicht über Inhal­te nach­den­ken und dis­ku­tie­ren, statt belei­di­gen­de Defi­ni­tio­nen in den Raum zu stel­len und Katho­li­ken zu kata­lo­gi­sie­ren? Wol­len wir die Pro­ble­me benen­nen und lösen oder nicht? Zu sagen, es wür­de genü­gen, der eige­nen sub­jek­ti­ven Vor­stel­lung von Gut und Böse zu fol­gen, um sich zu ret­ten; zu sagen, daß man unab­hän­gig vom Glau­ben an Chri­stus den Glau­ben nicht ver­lie­ren kann; zu sagen, daß Gott nicht katho­lisch ist; zu sagen, daß es nicht vor­dring­li­ches Ziel des Chri­sten ist, ande­re zu bekeh­ren, auf daß auch sie geret­tet wer­den… die­ses gan­ze Gere­de, stellt es ein Pro­blem dar oder nicht? Das ist die Fra­ge!

In der Fabel von Pinoc­chio war es eine ein­fa­che Gril­le, die sprach (um die Ento­mo­lo­gie zu erwäh­nen, da wir mit der Bio­di­ver­si­tät began­nen), sie wur­de zer­tre­ten. Sie sprach, aber sie erfüll­te ihre Pflicht. Sie warf die rich­ti­gen Fra­gen auf. Pinoc­chio sag­te ihr, sie sol­le still sein, weil sie nur eine mick­ri­ge Gril­le sei und zer­trat sie. Die Pro­ble­me löste er damit aber nicht … auch nicht sei­ne Zwei­fel und die sei­nes „Vaters“.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

16 Kommentare

  1. Her­vor­ra­gend! Das ist aus­ge­zeich­net beob­ach­tet.
    Der Gra­ben ver­läuft zwi­schen denen, die das Glau­bens­gut für objek­tiv hal­ten und denen, die den­ken, man kön­ne alles sub­jek­tiv end­los debat­tie­ren und müs­se es stän­dig neu lesen und bis zur Unkennt­lich­keit umin­ter­pre­tie­ren.

    Sehr gut auch die Bemer­kung, dass Wor­te einen Sinn haben und des­we­gen nicht stän­dig auf das hin befragt wed­ren müs­sen, was defi­ni­tiv nicht in ihnen steckt… Für mich hat die per­ma­nen­te Leug­nung wei­ter Krei­se, dass man Wor­te ihrem Sinn gemäß deu­ten müs­se, inzwi­schen das Aus­maß eines kol­lek­ti­ven Wahns erreicht. Wenn wir nicht mehr sicher sein kön­nen kön­nen, dass wir mit dem reden auch einen bestimm­ten Sinn trans­por­tie­ren, soll­ten wir auf­hö­ren zu reden und statt­des­sen Tier­lau­te geben — nichts ande­res wäre die­ses stets unend­lich aus­deut­ba­re Reden.

    F. hat ein gro­ßes Pro­blem mit der Ver­nunft, dem ratio­na­len Erken­nen. Das hat er schon so oft deut­lichst for­mu­liert. Ich habe den Ver­dacht, dass er sich ein­fach trei­ben lässt, sehr undis­zi­pli­niert denkt.
    das wäre jedoch kei­ne Qua­li­tät, son­dern eine per­sön­li­che Schwä­che, an der gear­bei­tet wer­den soll­te, denn wie Jesus es sag­te: jaja und nein nein. Und das prä­zi­se und immer gleich. Was heu­te ja ist, kann nicht mor­gen nein sein und umge­kehrt.
    Tja…

  2. Dank an die Redak­ti­on für die­sen her­vor­ra­gen­den Arti­kel von Cor­ra­do Gner­re!
    Beson­ders der Absatz über den Zusam­men­hang zwi­schen der biblisch geof­fen­bar­ten Moral und dem wesen­haf­ten Gut-Sein Got­tes ist wun­der­bar. Die­ser Arti­kel erfüllt den Leser mit einer Freu­de, die nur von der Wahr­heit kom­men kann. Und das im Unter­schied zu dem im vor­letz­ten Absatz erwähn­ten „Gere­de“.
    Wie herr­lich, dass es noch Katho­li­ken gibt, die für die Wahr­heit ein­ste­hen, und wie schreck­lich, wenn einer den Unter­schied zwi­schen Gut und Böse nicht mehr erkennt und aner­kennt, noch dazu, wenn der­je­ni­ge das Amt inne­hat, genau dar­über zu wachen.

  3. Das sind alles uns auf­ge­zwun­ge­ne Dis­kus­sio­nen, die unnö­tig Kraft ver­brau­chen. Ich will nicht noch ein­mal sagen, wor­an es liegt. Jeden­falls wäre WENIGER an Bunt­heit und Inter­views zu den Rän­dern gut für die Kir­che von unten bis ganz oben.Der Brief der Lucrecia Rego di Pla­nas trifft auch nach Beob­ach­tun­gen eines Medi­en­kon­su­men­ten wohl zu. So geriert sich Fran­zis­kus und ich füge ein lei­ses „Lei­der“ hin­zu.

  4. @Zeitschnur
    Wie so oft, stim­me ich Ihrem Kom­men­tar größ­ten­teils zu. Ihren Ver­gleich mit den Tier­lau­ten fin­de ich höchst krea­tiv und ori­gi­nell.
    Doch lei­der macht Fran­zis­kus das Maß sei­ner Vor­gän­ger „nur“ voll. Wenn wir das Kon­zils­kom­pen­di­um zur Hand neh­men, stel­len wir ohne Anstren­gung Wider­sprü­che nicht nur zwi­schen ein­zel­nen Doku­men­ten, son­dern inner­halb ein und des­sel­ben Doku­ments fest. Die Erklä­rung ist rela­tiv ein­fach: Es ist den „Den­zin­ger-Kon­zils­vä­tern“ immer wie­der gelun­gen, berich­ti­gen­de Sät­ze in rein pro­gres­si­sti­sche Tex­te ein­zu­fü­gen. Doch damit ist der Wahr­heits­ge­halt rela­ti­viert. Damals hat es begon­nen. F. reprä­sen­tiert den Höhe­punkt oder das Ende, die Fra­ge las­se ich offen.

    • Das Pro­blem liegt kom­pli­zier­ter in der Zeit — die Kir­che muss natür­lich fra­gen, wie sie ihre objek­ti­ve Wahr­heit hier und heu­te ver­kün­det. Das kann nicht nur in Abgren­zung von der Moder­ne gesche­hen. Viel­leicht hat­ten vie­le das in der exzes­si­ven Form, die Geschmack mit Wahr­heit ver­wech­selt, in der Kir­che auch über.

      Und es ist schwer, eine rie­si­ge intel­lek­tu­el­le Anfor­de­rung!
      Mir scheint, dass es die Auf­ga­be aller poten­ten und dazu beru­fe­nen Män­ner und Frau­en unter den Prie­stern, Ordens­leu­ten und Lai­en ist, hier in die Debat­te ein­zu­grei­fen. Sie wer­den mir wie­der ent­ge­gen­hal­ten, dass das das Amt der Hir­ten sei (Bischö­fe + Papst). Ja, aber immer, wenn in der Geschich­te die Hir­ten ver­sagt haben, waren es die ande­ren, die den rech­ten Glau­ben nicht nur erhal­ten, son­dern auch leben­dig und in Tat und Wahr­heit erhal­ten haben. Nicht umsonst hat die Kir­che die­se Men­schen spä­ter, viel spä­ter, nicht nur als Hei­li­ge, son­dern auch als „doc­to­res eccle­siae“ erho­ben. Den­ken Sie an Hil­de­gard von Bin­gen, an The­re­sa von Avi­la, an Johan­nes vom Kreuz, an Katha­ri­na von Sie­na etc. — alles „doc­to­res eccle­siae“ und eini­ge in ihrer Zeit z.T. grau­sam auch inner­halb (!) der Kir­che ver­folgt oder gewis­ser­ma­ßen auf Mes­sers Schnei­de dazu.
      Das wesent­li­che Merk­mal des Glau­bens ist die über­na­tür­li­che Lie­be. Ohne sie ist alles Schall und Rauch, und sei es noch so rich­tig. Nun sagen des­halb heu­te vie­le unbe­darf­te Per­so­nen, damit kön­ne man das ande­re rela­ti­vie­ren. Nein — natür­lich nicht, das wäre absurd! Aber das ande­re, das „Ortho­do­xe“, erhält erst sei­nen Glanz und sei­ne Frucht­bar­keit durch die Lie­be, die in uns auf­scheint.
      In der Schrift ist es Johan­nes, der sich selbst als einen Apo­stel in die­sem wesent­lich­sten Merk­mal des Glau­bens erkennt: er spricht von sich als von dem „Jün­ger, den der Herr lieb­hat­te“. Petrus dage­gen hat ein Pro­blem mit der Lie­be. Drei­mal fragt ihn der Herr danach… Und fol­ge­rich­tig ist Petrus auch im Kon­trast zu Johan­nes: „Was ist mit ihm Herr?“ Und Jesus sagt: „Wenn er bleibt, bis ich kom­me — was geht’s dich an! Fol­ge du mir nach!“
      Das zeigt uns, dass es von Anfang an so war, dass der hohe Kle­rus (Petrus + Bischö­fe) nicht immer die tief­ste Weis­heit hat­te und sich sogar eher ver­ga­lop­pie­ren konn­te oder gar in der Ver­leug­nung Chri­sti ende­te.
      Aber der klei­ne Prie­ster Johan­nes stand mit Maria „und den ande­ren Frau­en“ unter dem Kreuz, hielt aus, konn­te in der Lie­be blei­ben.
      Auch das wird gegen­wär­tig gesetzt.
      Sie haben ganz Recht: F. hat die­sen Ein­bruch nicht erfun­den. Er folgt sei­nen Vor­gän­gern, die sich selbst schon im ersten Petrus fin­den las­sen.
      Petrus ist not­wen­dig, aber das Ver­sa­gen gehört wohl zu sei­nem Cha­ris­ma dazu: vie­le der ersten wer­den die letz­ten sein und vie­le der letz­ten wer­den die ersten sein.
      Jeder wuche­re mit sei­nen Talen­ten und befra­ge IHN täg­lich: Was soll ich tun, Herr?

  5. Ja, es geht um das objek­tiv Wah­re und Rich­ti­ge, wobei Rich­ti­ges zur Wahr­heit führt. Ich hole jetzt ein­mal etwas aus: Wah­res gibt es im Sein und, ich will den Begriff ruhig gebrau­chen, im Teleo­lo­gi­schen. Die Idee einer Wahr­heit im Teleo­lo­gi­schen ist die, seit dem Mit­tel­al­ter (und lt. Ber­man die Neu­zeit begrün­den­de*) gedach­te, heils­ge­schicht­li­che Ver­hei­ßung. Die Kir­che wur­de als Insti­tu­ti­on (und Rechts­per­son) wahr­ge­nom­men — und es wur­de mit­hin das erste mal über­haupt eine „Insti­tu­ti­on“ gedacht. Daß die erste gedach­te Insti­tu­ti­on die Kir­che war, führ­te zu der Annah­me (und das Wir­ken der Kir­che sprach dafür), daß sich die Heils­ge­schich­te durch Insti­tu­tio­nen ver­wirk­licht und daß die Welt — in klei­nen Schrit­ten, jedoch kon­ti­nu­ier­lich — ver­bes­sert wer­den kön­nen. Der Insti­tu­tio­nen­glau­be war gebo­ren. Er wur­de dann spä­ter säku­la­ri­siert und erst nach zwei Welt­krie­gen infra­ge­ge­stellt, nach­dem selbst Völ­ker­staa­ten (Natio­nen) als — sogar maß­geb­li­che** — Insti­tu­tio­nen ange­se­hen wur­den und sich in dar­wi­ni­sti­scher Ver­blen­dung durch als natür­lich ange­se­he­nen Kampf und Selek­ti­on zu ver­bes­sern such­ten.
    Der nun erschüt­ter­te Insti­tu­tio­nen­glau­be fand ver­schie­de­ne For­men der Erschüt­te­rung. Die wohl wirk­mäch­tig­ste war die, die in die 68er-Bewe­gung führ­te. Und hier dann fin­det sich ein Umden­ken, wel­ches fatal ist und inzwi­schen bis in die Kir­che hin­ein wirkt. Dazu gehe ich noch ein­mal in der Geschich­te zurück, in die Zeit, als sich die Mon­ar­chen über­höh­ten und anstel­le Got­tes setz­ten. Der anma­ßen­de Abso­lu­tis­mus fand völ­lig zurecht Wider­spruch und Wider­stand — auch hier in ver­schie­de­nen, guten und schlech­ten, For­men. Letzt­end­lich wur­de jedoch die Mon­ar­chie ver­wor­fen und nicht der Abso­lu­tis­mus; der Mon­arch durch den Demos ersetzt und die Archie durch Kra­tie. Heu­te sieht man die ener­gi­sche Durch­set­zung des Volks­wil­lens als legi­ti­me Demo­kra­tie an**. Der Abso­lu­tis­mus blieb, die über­höh­te, nahe­zu als gott­gleich aus­ge­stat­te­te Enti­tät, ward nun der Demos.*** Das Kri­tik­wür­di­ge wur­de also nicht — im besten Sin­ne — refor­miert, also wie­der zu sei­nem ursprüng­lich guten Kern neu for­miert, son­dern über­nom­men und nur die Inhal­te wur­den aus­ge­tauscht. Der Insti­tu­tio­nen­sturm traf die Mon­ar­chie nicht den Abso­lu­tis­mus. Ganz gleich ging es in der zwei­ten Hälf­te des letz­ten Jahr­hun­derts zu. Irgend­wann ent­schie­den sich die Beweg­ten, die ja mit ihrer Insti­tu­tio­nen­kri­tik als sol­cher ganz rich­tig lagen, dafür, anstatt die Insti­tu­tio­nen auf ihren guten Kern zurück­zu­füh­ren (ich kom­me dar­auf zurück), die­se zu nut­zen, und die eige­nen (ideo­lo­gi­schen) Inhal­te zu trans­por­tie­ren. Der Marsch durch die Insti­tu­tio­nen war gebo­ren und befin­det sich heu­te auf sei­nem Höhe­punkt. ‑2-

    • Mister X ja so ist es wohl, man hat, um es banal aus­zu­drücken das Kind mit dem Bade aus­ge­schüt­tet.
      Man merkt es auch jeder Dis­kus­si­on über Geschich­te an, alles was frü­her ver­kehrt lief wird dem Gan­zen ange­la­stet.
      Die Fähig­keit gut und böse zu unter­schei­den gibt es nicht mehr.

  6. -2- (Fort­set­zung)

    Dies war ja schon bei der Säku­la­ri­sa­ti­on so: Die Form wur­de von der Kir­che über­nom­men (Insti­tu­tio­na­li­sie­rung), die Inhal­te aber wur­den will­kür­lich gewählt (Säku­la­ri­sa­ti­on). Das Gan­ze wur­de von der Kir­che zumin­dest gedul­det, die ja seit Papst Gelasi­us I. unter dem Ein­druck der Zwei-Schwer­ter-Leh­re stand. Da war es leicht, anzu­neh­men, daß das, was im Gei­sti­gen recht ist, im Welt­li­chen bil­lig sein möge.
    Nach zwei furcht­ba­ren Welt­krie­gen mit Völ­ker­schlach­ten und Über­grif­fen selbst gegen zivi­le Mas­sen schien die Zeit reif für eine Insti­tu­tio­nen­kri­tik. Die­se drang jedoch nicht bis zum Kern vor und so wür­den die Men­schen ver­führt („bewegt“), sich mit neu­en Inhal­ten an den­sel­ben säku­la­ri­sier­ten Insti­tu­tio­nen zu ver­su­chen. Und dies wirkt heu­te auf die Kir­che zurück – mit aller Kraft einer fal­schen Idee.
    Der gute Kern: Nun war die erste wahr­ge­nom­me­ne Insti­tu­ti­on nur des­halb eine heil­sa­me, nicht weil sie eine Insti­tu­ti­on war, son­dern weil es die wah­re Kir­che war. Hier, in der Kir­che fal­len Wahr­heit und Rich­tung zusam­men; hier, in der Kir­che, ist das objek­tiv Wah­re und das teleo­lo­gisch Rich­ti­ge auf­ge­ho­ben. Dies läßt sich nicht säku­la­ri­sie­ren – und es ist auch nichts, was Insti­tu­tio­nen inne­wohnt. Es gibt da nichts, es gibt kein X, wel­ches grö­ßer ist als die Sum­me sei­ner Tei­le. Es gibt auch kei­ne Dia­lek­tik, die durch blo­ßen Dua­lis­mus auch nur über eine (neue) The­se hin­aus­zu­füh­ren ver­mag.
    Da ist nichts. Was ist, das ist das Wort Jesu Chri­sti. Was ist, ist sein Auf­trag und voll­um­fäng­li­che Bemäch­ti­gung aus dem Vater und mit dem Hei­li­gen Geist. Dies ist die Kir­che und sie kann nichts ande­res sein.

    *Ber­man: Recht und Revo­lu­ti­on
    http://bit.ly/HHjMve
    **Sie­he exem­pla­risch hier: http://www.bbc.co.uk/news/business-24804804
    Zur Staats­ge­walt: http://bit.ly/17lDQ1T
    ***Hop­pe: Demo­kra­tie — der Gott, der kei­ner ist
    http://bit.ly/HOac9v

  7. Bischof Huon­der von Chur warnt vor dem „nur noch rela­tiv Katho­lisch­sein“:
    -
    „Ich stel­le fest, dass.…offenbar ein Rie­sen­druck herrscht,
    gän­gi­ge gesell­schaft­li­che Stan­dards auch in der Kir­che zu über­neh­men.
    Dabei hat sich die Kir­che nie von der Mehr­heit abhän­gig gemacht.
    [.…]
    Denn „seit 2000 Jah­ren ist die katho­li­sche Kir­che der Wei­sung Jesu gefolgt.
    Wenn sie gesell­schaft­li­chen Trends nach­lau­fen wür­de, wäre sie nicht mehr römisch katho­lisch, son­dern nur noch rela­tiv katho­lisch“
    -

  8. Ich bin ein Den­zin­ger-Katho­lik.

    Erstes Vati­ka­ni­sches Kon­zil, 3. Sit­zung, 4. Kap., Glau­be und Ver­nunft:

    „Daher muß bezüg­lich der hei­li­gen Dog­men für immer jener Sinn fest­ge­hal­ten wer­den, den die hei­li­ge Mut­ter Kir­che ein­mal erklärt hat, und nie­mals darf von die­sem Sinn, auch nicht unter dem Anschein und im Namen eines tie­fe­ren Ver­ständ­nis­ses, abge­wi­chen wer­den.“

    Boni­faz VIII., „Unam sanc­tam“:

    „Eine hei­li­ge katho­li­sche und eben­so apo­sto­li­sche Kir­che zu glau­ben und fest­zu­hal­ten,
    wer­den wir auf Drän­gens des Glau­bens gezwun­gen, und die­se glau­ben wir fest und beken­nen wir auf­rich­tig, außer­halb derer weder Heil noch Ver­ge­bung der Sün­den ist …; sie stellt den einen mysti­schen Leib dar … Eine Arche Noachs gab es näm­lich zur Zeit der Sint­flut, die die eine Kir­che vor­aus­bil­de­te; in einer Elle voll­endet hat­te sie einen Füh­rer und Len­ker, näm­lich Noach; außer­halb die­ser wur­den, wie wir lesen, alle Wesen auf Erden ver­nich­tet. … Wir erklä­ren, sagen und defi­nie­ren nun aber, daß es für jedes mensch­li­che Geschöpf unbe­dingt not­wen­dig zum Heil ist, dem Römi­schen Bischof unter­wor­fen zu sein.“

    Kon­zil von Chal­ke­don, Tomus ad Fla­via­num:

    „‘Denn drei sind es, die Zeug­nis geben, Geist, Was­ser und Blut, und die drei sind eins‘, näm­lich der Geist der Hei­li­gung, das Blut der Erlö­sung und das Was­ser der Tau­fe. Die­se drei sind eins, blei­ben untrenn­bar, und nichts von ihnen kann aus ihrer Ver­bin­dung los­ge­löst wer­den.“

    • Da haben wir es doch. Was heißt denn Sinn*? Die­ser Rekurs auf den Sinn ist doch schon eine rela­ti­vie­ren­de Sub­jek­ti­vie­rung ganz im Zeit­geist (Quan­ten­phy­sik**). Das ist kei­ne kla­re Spra­che, wie sie sich in den ande­ren bei­den Bei­spie­len fin­det. Und es scheint mir ganz typisch. Es klingt wohl­feil und annehm­bar und trägt in sich schon den Keim der Leug­nung des Wesent­li­chen. So in etwa, wie eine Frau sagen mag, daß sie einen schö­nen Mann hat, um aus­zu­drücken, daß er dumm ist.
      Ich bin kein stu­dier­ter Theo­lo­ge und mag mich irren, doch vor­ge­nann­tes Phä­no­men fällt mir auch hier gleich wie­der auf.

      *http://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Wahrnehmung)
      und http://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Semantik)
      **Die rich­tig sein mag, jedoch nicht ohne wei­te­res auf die Gei­stes­wis­sen­schaf­ten über­trag­bar ist. In der Quan­ten­phy­sik hat man fest­ge­stellt, daß sich ein Sein durch Beob­ach­ten ver­än­dert — es mit­hin auf das Sub­jekt ankommt.

      • Den­ke, dass 1870 noch kei­ne aus­ufern­den Debat­ten über den Begriff „Sinn“ von sprach­li­chen Äuße­run­gen statt­ge­fun­den haben. Eher debat­tier­te man über den „Sinn“ von Gegen­stän­den.
        Das Vat. I woll­te sich ver­mut­lich — auf eine hilf­lo­se Wei­se — von der begin­nen­den libe­ra­len Bibel­ex­ege­se abgren­zen, die wört­li­che, objek­ti­ve biblische/dogmatische Tra­di­ti­on durch histo­ri­sche Ein­bet­tun­gen und der­glei­chen rela­ti­vie­ren woll­te. Die „Text­kri­tik“ kam in Mode. Man grub irgend­wel­che Vor­komm­nis­se aus der Geschich­te aus, die die Pra­xis der Kir­che rela­ti­vie­ren soll­ten. Mot­to: wenn der hl. Tar­ci­si­us den ver­steck­ten Chri­sten in den Kata­kom­ben die Hl. Kom­mu­ni­on brin­gen konn­te, war­um dann nicht auch heu­te die Lai­en zur Kom­mu­nion­aus­tei­lung her­an­zie­hen? Aus­nah­men und Regeln wur­den wild durch­ein­an­der­ge­wor­fen und Tex­te als blo­ße Ober­flä­chen tie­fer drun­ter­lie­gen­der Rea­li­tä­ten, die natür­lich erst noch zu bewei­sen waren und sind. Jedoch: wer sucht, der fin­det. Und so fin­det man bis heu­te o Wun­der immer die rich­ti­gen Sinn­zu­sam­men­hän­ge aus der „Geschich­te“, erhel­lend dar­ge­stellt in hoch­ak­ti­el­len neu­en theo­lo­gi­schen Büchern, die uns alles und nichst bewei­sen. Es ist die moder­ne Mär­chen­li­te­ra­tur, die aber auch gleich wie­der übern Hau­fen gewor­fen wird, sobald der Wind in ande­re Rich­tun­gen weht. Wun­dert sich einer, wie­so das kei­nen hin­term Ofen und in die Kir­che lockt?
        Das Vat. I. woll­te wohl auf den ein­fa­chen Sinn der Dog­men ver­wei­sen, der sich aus den Sät­zen selbst ergibt. Bei­spiel: wenn man das Heil nur in der Kir­che fin­den kann, heißt das, dass man das Heil nur in der Kir­che fin­den kann. Punkt. Man muss nicht suchen und bewei­sen, dass die­ser Satz zeit­be­dingt und dar­um rela­tiv und in „unse­re Wirk­lich­keit“ über­setzt wer­den müs­se („Das kann man heu­te nicht mehr so sehen…“). Doch: die­se Sät­ze sind gül­tig für immer!

        Ihr Ver­weis auf die Quan­ten­phy­sik ist hier — den­ke ich — nicht von Belang. Wir glau­ben ja, dass alles, was die Kir­che „de fide“ ver­kün­det, über­na­tür­lich ist, also den gewöhn­li­chen irdi­schen Mecha­nis­men nicht unter­wor­fen ist. Kein Mensch hät­te die Dog­men „erfin­den“ kön­nen…

  9. Der Begriff „Den­zin­ger-Katho­lik“ (m.E. sicher ver­zicht­bar) müß­te doch näher im Hin­blick auf den „Namens­ge­ber „erläu­tert wer­den.

  10. @Zeitschnur
    Es geht doch nicht dar­um, sich grund­sätz­lich gegen die Moder­ne abzu­gren­zen. Wenig­stens nicht ober­fläch­lich. Aller­dings gegen die neu­zeit­li­che Phi­lo­so­phie. Wenn Kant lehrt, dass es der mensch­li­chen Ver­nunft unmög­lich ist, über die Phä­no­me­ne hin­aus irgend­et­was Gül­ti­ges zu erken­nen, wenn er damit die Meta­phy­sik „erle­digt“, dann ist katho­li­scher Glau­be obso­let. Weil er mehr ist als ein tief inne­res Bedürf­nis, das aus unse­rem Unter­be­wusst­sein auf­steigt und in den Reli­gio­nen ledig­lich aus­for­mu­liert wird.
    Gott hat sich offen­bart, schon im Alten Bund. Unüber­biet­bar und end­gül­tig ist die­ser Ein­bruch Got­tes in die Geschich­te durch die Inkar­na­ti­on der Zwei­ten Gött­li­chen Per­son. Mit unse­rem Ver­stand kön­nen wir die­ses Geheim­nis nie­mals aus­lo­ten. Unse­re Ver­nunft kann aber, im Gegen­satz zur Leh­re der Phi­lo­so­phie der Auf­klä­rung, das Wir­ken Got­tes in unse­rer Geschich­te erken­nen. Dar­an müs­sen wir fest­hal­ten, auch wenn es unmo­dern klingt.
    Wenn ich den Ein­trag hier rich­tig ver­stan­den habe, ging es um die „Den­zin­ger-Katho­li­ken.“ „Den­zin­ger-Schu­le“ wur­de den Kon­zils­vä­tern, die wort­wört­lich am über­lie­fer­ten Offen­ba­rungs­gut fest­hal­ten woll­ten, vor­ge­wor­fen von Rah­ner und sei­nen „Gefähr­ten.“
    Wenn ich das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil kri­tisch sehe, ich weiß nicht, war­um das gegen eine per­sön­li­che Chri­stus­be­zie­hung sein soll.
    Hei­li­ge Frau­en, Bir­git­ta von Schwe­den, Cate­ri­na von Sie­na, um nur die­se bei­den zu nen­nen, haben immer wie­der den Zustand der Kir­che ihrer Zeit nicht nur öffent­lich beklagt, sie haben sich an den Papst selbst gewandt.
    Aus­drück­lich ging es ihnen um die Kir­che.
    „Der Den­zin­ger“ ist das Kom­pen­di­um, das das Offen­ba­rungs­gut des katho­li­schen Glau­bens in den Leh­r­äu­ße­run­gen des Lehr­am­tes gesam­melt hat.
    Ich weiß nicht, war­um Sie den „Den­zin­ger-Katho­li­ken“ gegen den „lie­ben­den Katho­li­ken“ aus­spie­len. Für mich gehö­ren sie untrenn­bar zusam­men.

    • @Zeitlos
      Ich habe nicht „Den­zin­ger-Katho­li­ken“ gegen „lie­ben­de Katho­li­ken“ aus­ge­spielt. Das sind Ihre Wor­te und Ihre Inter­pr­tea­tio­nen.
      War­um bau­en Sie mei­ne Wor­te so auf zu einem Gegen­pol auf, den Sie dann bekämp­fen?
      Was ich sagen woll­te ist, dass es eine Span­nung gibt zwi­schen Petrus und Johan­nes, dass es ohne Lie­be weder eine leben­di­ge Hoff­nung noch einen leben­di­gen Glau­ben gibt.

      Und: Petrus ver­sagt — wie schon öfter aber nun kata­stro­phal, apo­ka­lyp­tisch!

      Was wol­len Sie tun? Sich ein­igeln? Und jam­mern, dass er ver­sagt?
      Irgend­wie muss es ja den­noch wei­ter­ge­hen. Das mei­ne ich — und wei­ter­ge­hen kann es nur in der Lie­be zur Glau­bens­leh­re, auch wenn Petrus sie ver­leug­net.

Kommentare sind deaktiviert.