Rebellen nicht aus Maalula abgezogen — Läßt Brief der Christen Washington umdenken?

Das christliche Maalula in Syrien nach wie vor in der Hand der Islamisten(Damas­kus) Der Spre­cher der regie­rungs­feind­li­chen Free Syri­an Army (Freie Syri­sche Armee) behaup­te­te den Abzug der Rebel­len aus der christ­li­chen Enkla­ve Maalu­la “um ein Blut­ver­gie­ßen zu ver­hin­dern“. Infor­ma­tio­nen von Asia­news wider­spre­chen die­ser Behaup­tung. In Wirk­lich­keit haben die isla­mi­sti­schen Rebel­len, die im Namen der FSA auf­tre­ten, einen befe­sti­gen Stütz­punkt in Maalu­la ein­ge­rich­tet. Die Isla­mi­sten hal­ten die noch im Ort befin­dend­li­che christ­li­che Bevöl­ke­rung in Gei­sel­haft. Den Über­fall auf Maalu­la, den ein­zi­gen Ort der Welt, in dem noch Ara­mä­isch, die Spra­che Jesu gespro­chen wird, führ­te jene FSA durch, die im Westen ger­ne als Teil einer „Demo­kra­tie­be­we­gung“ und als „harm­los“ dar­ge­stellt wird. Tat­säch­lich agie­ren in ihrem Namen auch isla­mi­sti­sche Kampf­grup­pen, die Syri­en von Chri­sten und Ala­wi­ten „rei­ni­gen“ wol­len.

In Damas­kus nah­men unter­des­sen meh­re­re Tau­send Chri­sten an der Beer­di­gung der drei jun­gen Chri­sten teil, die von den Isla­mi­sten in Maalu­la ermor­det wur­den. Der behaup­te­te Abzug der FSA aus Maalu­la scheint Teil einer Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne zu sein, weil der Angriff auf das christ­li­che Zen­trum im Westen zumin­dest eini­ges Auf­se­hen erreg­te. „Die Isla­mi­sten haben den Ort nicht ver­las­sen. Die ent­spre­chen­den Erklä­rung sind falsch und die­nen nur dazu, die media­le Auf­merk­sam­keit für den Ort zu schwä­chen“, so Asia­news.

In Maalu­la befin­den sich noch meh­re­re christ­li­che Fami­li­en, die den zwi­schen den Rebel­len und der syri­schen Armee umkämpf­ten Ort nicht mehr ver­las­sen kön­nen, weil sie die Isla­mi­sten dar­an hin­dern. Die geflo­he­nen Chri­sten ver­su­chen unter­des­sen Hil­fe zu orga­ni­sie­ren. Dazu gehört es auch, Infor­ma­tio­nen über den Ver­bleib von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Ver­wand­ten zu sam­meln und aus­zu­tau­schen.

Nach län­ge­ren Ver­hand­lun­gen mit den Anfüh­rern der Isla­mi­sten­mi­li­zen, die Maalu­la besetzt hal­ten, konn­ten die Chri­sten die Her­aus­ga­be der Lei­chen der drei am 7. Sep­tem­ber getö­te­ten Chri­sten errei­chen. Ihr Requi­em fand in der grie­chisch-katho­li­schen Kathe­dra­le von Damas­kus statt.

Am 5. Sep­tem­ber hat­te der Angriff der Isla­mi­sten auf Maalu­la begon­nen. Der Ort mit sei­nen Klö­stern, die teil­wei­se auf die Anti­ke zurück­ge­hen, und der ein­zig­ar­ti­gen Spra­che ist zum Sym­bol für das Lei­den der syri­schen Chri­sten gewor­den. Ein Lei­den, das von den vor­rücken­den Dschi­ha­di­sten ver­ur­sacht wird, die von Sau­di-Ara­bi­en und Qatar unter still­schwei­gen­der Bil­li­gung des Westens finan­ziert und bewaff­net wer­den.

Der Über­fall und die Beset­zung von Maalu­la ist ein wei­te­rer Beweis für die enge Zusam­men­ar­beit der im Westen als „demo­kra­tisch und lai­zi­stisch“ prä­sen­tier­ten FSA mit den isla­mi­sti­schen Ter­ro­ri­sten von al-Nus­ra. Die syri­sche Beob­ach­tungs­stel­le für die Men­schen­rech­te, die den Rebel­len nahe­steht, bestä­tig­te die Anwe­sen­heit von mit Al-Qai­da ver­bün­de­ten Mili­zen in Maalu­la. Die Isla­mi­sten haben nach der Ein­nah­me des christ­li­chen Zen­trums Kir­chen und Klö­ster geschän­det und die Kreu­ze von den Kup­peln geris­sen und christ­li­che Sym­bo­le zer­stört.

Die Chri­sten Maalu­las haben inzwi­schen in einem Brief an den ame­ri­ka­ni­schen Kon­greß die Ver­bre­chen der isla­mi­sti­schen Rebel­len gegen die Zivil­be­völ­ke­rung und die Zer­stö­rung der Kir­chen, Klö­ster und Wohn­häu­ser der Chri­sten beklagt. In dem Brief heißt es: „Die Kämp­fer der Frei­en Syri­schen Armee, die Ter­ro­ri­sten von al-Nus­ra und die Mör­der des isla­mi­schen Staa­tes des Irak und der Levan­te haben um vier Uhr mor­gens die Gegend ange­grif­fen. Inner­halb weni­ger Stun­den zer­stör­ten sie Häu­ser, Klö­ster und Kir­chen. Sie haben alle hei­li­gen Dar­stel­lun­gen zer­stört, auf die sie tra­fen und der Bevöl­ke­rung befoh­len, ihrem Glau­ben abzu­schwö­ren und sich zum Islam zu bekeh­ren, wenn sie am Leben blei­ben woll­ten.“

Ob der Brief in Washing­ton etwas bewe­gen und ein Nach­den­ken aus­lö­sen wird?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­news