Der zweite Venetianer als Staatssekretär — 1689–1691 der Nepotist Kardinal Rubini

Giambattista Rubini, 1689-1691 Kardinalstaatssekretär des Heiligen Stuhls(Rom) Die Hei­mat des neu­en Staats­se­kre­tärs ist Vene­ti­en. Um genau zu sein der Ort Schia­von am Fuß der süd­li­chen Vor­al­pen kaum 18 Kilo­me­ter nord­öst­lich der Stadt Vicen­za. Das Gebiet gehör­te zum Fest­land­be­sitz der ein­sti­gen See­re­pu­blik Vene­dig. Vor Erz­bi­schof Pie­tro Paro­lin, bis­he­ri­ger Apo­sto­li­scher Nun­ti­us in Vene­zue­la, den Papst Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen Sams­tag zum neu­en Staats­se­kre­tär des Hei­li­gen Stuhls ernann­te, hat­te bereits ein ande­rer Lands­mann von ihm das höch­ste Amt an der Römi­schen Kurie hin­ter dem Papst inne. Ähn­lich­kei­ten und Unter­schie­de zwi­schen den bei­den vene­tia­ni­schen Staats­se­kre­tä­ren der Kir­chen­ge­schich­te stö­ber­te der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster nach.

Der ein­zi­ge Vene­tia­ner, der vor Msgr. Paro­lin die Num­mer Zwei im Vati­kan war, hieß Giam­bat­ti­sta Rubi­ni. Der Kar­di­nal war ein Nef­fe von Papst Alex­an­der VIII. „Bei­de stan­den im Mit­tel­punkt von Vor­sät­zen zur Reform der Kurie, aller­dings auf ent­ge­gen­ge­setz­ten Posi­tio­nen“, so Magi­ster. Die Amts­zeit von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Rubi­ni liegt bereits mehr als drei Jahr­hun­der­te zurück.

Der eng­ste Mit­ar­bei­ter des Pap­stes in der Lei­tung der Kir­che wur­de 1642 in Vene­dig gebo­ren. Im Okto­ber 1689 wur­de er in sein Amt nach Rom beru­fen, das er aller­dings kei­ne zwei Jah­re inne­hat­te. Msgr. Rubi­ni war von 1684 bis 1702 zudem Bischof von Vicen­za, der Hei­mat­diö­ze­se von Msgr. Paro­lin. Für die dama­li­ge Zeit kei­ne Sel­ten­heit, behielt Bischof Rubi­ni das Bis­tum Vicen­za auch wäh­rend sei­ner Zeit als Staats­se­kre­tär bei. Seit Papst Inno­zenz X. ist das Amt des Staats­se­kre­tärs des Hei­li­gen Stuhls unun­ter­bro­chen mit der Kar­di­nal­s­wür­de ver­bun­den.

Beach­tet man nur die geo­gra­phi­sche und kul­tu­rel­le Her­kunft der bei­den Staats­se­kre­tä­re, schei­nen die Gemein­sam­kei­ten bereits zu enden.

Rubi­ni wur­de von Papst Alex­an­der VIII. zum Staats­se­kre­tär ernannt und zum Kar­di­nal erho­ben. Die Beru­fung erfolg­te sofort, nach­dem Pie­tro Kar­di­nal Otto­bo­ni, so der welt­li­che Name von Alex­an­der VIII., 1689 im Kon­kla­ve zum Papst gewählt wur­de. Auch Alex­an­der VIII. stamm­te aus Vene­ti­en, oder um genau zu sein, wie Msgr. Rubi­ni aus Vene­dig. Er war ein Bru­der von Cri­sti­na Otto­bo­ni, der Mut­ter (man­che Quel­len sagen, der Groß­mutter) von Giam­bat­ti­sta Rubi­ni. „Es han­del­te sich letzt­lich um einen klas­si­schen Fall von Nepo­tis­mus“, so Magi­ster.

„Das Pon­ti­fi­kat von Alex­an­der VIII.“, so das Papst-Lexi­kon von Trecca­ni, „erleb­te ein üppi­ges Wie­der­auf­le­ben des Nepo­tis­mus. Man kann sagen, daß Alex­an­der VIII. der letz­te gro­ße Papst der Vet­tern­wirt­schaft war.“

Rubi­ni, der Nef­fe Alex­an­ders VIII. behielt die ein­fluß­rei­che und pre­sti­ge­träch­ti­ge Stel­lung aller­dings kei­ne zwei Jah­re, genau die Dau­er des Pon­ti­fi­kats sei­nes Onkels, der am 1. Febru­ar 1691 starb. Der Nach­fol­ger Inno­zenz XII., gewählt am 12. Juli des­sel­ben Jah­res, ersetz­te den geför­der­ten Vene­zia­ner umge­hend. Neu­er Kar­di­nal­staats­se­kre­tär wur­de der Römer Fabri­zio Spa­da.

Papst Inno­zenz XII. setz­te sofort eine gründ­li­che Rei­ni­gungs­ak­ti­on ins Werk. Mit kon­se­quen­ter Här­te bekämpf­te er den Nepo­tis­mus. Eine Erneue­rung der Römi­schen Kurie, die in der Bul­le Roma­num decet pon­ti­ficem vom 22. Juni 1692 ihren Höhe­punkt erreich­te. Es galt „die Ehre der Römi­schen Kurie zu ver­tei­di­gen, indem jene Übel, die auch der anti­ka­tho­li­schen und anti­rö­mi­schen Pole­mik in die Hän­de spiel­ten, an der Wur­zel aus­ge­ris­sen wur­den“, so Trecca­ni.

Magi­ster sieht auch hier eine gewis­se Ana­lo­gie, aller­dings unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen. Nicht zwi­schen den bei­den Staats­se­kre­tä­ren Rubi­ni und Paro­lin, son­dern zwi­schen Paro­lin und Spa­da und dem Wunsch, einer Erneue­rung der Römi­schen Kurie.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons