Kirchenzeitungs-Chefredakteur liefert kritische Bestandsaufnahme des Konzils und seiner „Früchte“ — Der Ausweg?

Stefano Fontana: Das Konzil der Kirche zurückgeben. 10 Fragen an das Zweite Vatikanische Konzil(Tri­est) Ste­fa­no Fon­ta­na, der Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thu­an for the Social Doc­tri­ne of the Church (Kar­di­nal Van Thu­an Beob­ach­tungs­stel­le für die Sozi­al­leh­re der Kir­che) und Chef­re­dak­teur der Kir­chen­zei­tung der Erz­diö­ze­se Tri­est gab im April das Buch Il Con­ci­lio resti­tui­to alla Chie­sa (Das Kon­zil der Kir­che zurück­ge­ge­ben. 10 Fra­gen an das Zwei­ten Vati­ka­num, Turin 2013) her­aus. Der Autor bemüht sich dar­in um eine „Wie­der­ent­deckung“ des Kon­zils durch sei­ne Inter­pre­ta­ti­on als Teil der kirch­li­chen Tra­di­ti­on und aus der Tra­di­ti­on her­aus. Das Vor­wort zum Buch schrieb der Erz­bi­schof von Tri­est, Msgr. Giam­pao­lo Crepal­di.

Fon­ta­na ver­sucht das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und die anschlie­ßen­de Ent­wick­lung bis heu­te aus dem Blick­win­kel eines ein­fa­chen Katho­li­ken zu betrach­ten, der frei von theo­lo­gi­schen und kir­chen­po­li­ti­schen Rich­tungs­in­ter­es­sen ist. „Die­ser Gläu­bi­ge, irgend­ein Gläu­bi­ger, bin ich selbst, sind wir, die wir die­se Zeit erlebt haben, ohne einen Lehr­stuhl an einer päpst­li­chen Uni­ver­si­tät inne­zu­ha­ben, ohne alle fünf Bän­de der Geschich­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils von Giu­sep­pe Albe­ri­go ((Geschich­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils (1959–1965), 5 Bän­de, Mainz 2000–2007, die von der Schu­le von Bolo­gna her­aus­ge­ge­be­ne und von der deut­schen Bischofs­kon­fe­renz stark bezu­schuss­te Kon­zils­ge­schich­te aus pro­gres­si­ver Sicht.)) gele­sen zu haben, ohne Roma­no Ame­rio, den Autor des berühm­ten Iota Unum ((Ame­rio, Roma­no: Iota Unum. Eine Stu­die über die Ver­än­de­run­gen in der katho­li­schen Kir­che im 20. Jahr­hun­dert, Rup­pich­teroth 2000. Einer der füh­ren­den tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Kri­ti­ker des Kon­zils und der nach­kon­zi­lia­ren Ent­wick­lung in der katho­li­schen Kir­che.)) gekannt zu haben, ohne an den in die­sen Jahr­zehn­ten und noch mehr im von Bene­dikt XVI. aus­ge­ru­fe­nen Jahr des Glau­bens, das mit dem 50. Jahr­tag der Kon­zil­s­er­öff­nung am 11. Okto­ber 1962 zusam­men­fällt, so zahl­rei­chen Tagun­gen und Kon­gres­sen über das Zwei­te Vati­ka­num teil­ge­nom­men zu haben“ (S. 14).

Der Autor beginnt mit einem Rück­blick, den Erin­ne­run­gen aus sei­ner Kind­heit, die er in einer durch und durch katho­li­schen Umwelt erleb­te, als die Kin­der von Ordens­frau­en und Prie­stern im Talar unter­rich­tet wur­den; als der Prie­ster beim hei­li­gen Meß­op­fer zu Gott hin gerich­tet war; als die kon­se­krier­te Hostie kniend und in den Mund emp­fan­gen wur­de und auf kei­nen Fall gekaut wer­den durf­te; als man ab Mit­ter­nacht nüch­tern blei­ben muß­te, um die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen zu kön­nen. „Alle die­se Din­ge ende­ten mit dem Kon­zil. Die­ser unser irgend­ein Gläu­bi­ger weiß nicht recht zu sagen, ob sie wegen des Kon­zils ende­ten oder ob sie sich bereits erschöpft hat­ten und das Kon­zil nur die­se Aus­zeh­rung behe­ben woll­te. Der Zusam­men­hang zwi­schen dem Kon­zil und dem Ende einer Epo­che ist in sei­nem Den­ken aber ganz deut­lich prä­sent“ (S. 17).

Die katho­li­sche Publi­zi­stin und Histo­ri­ke­rin Cri­sti­na Sic­car­di schrieb in einer Bespre­chung des Buches: „Es sind nicht die jam­mer­vol­len Trä­nen von einem, der Nost­al­gie nach einer Ver­gan­gen­heit hat, die nicht wie­der­kehrt. Es ist die intel­li­gen­te Fas­sungs­lo­sig­keit von jeman­dem, der plötz­lich und durch eine sol­che Seel­sor­ge einer unver­brüch­li­chen Unter­wei­sung beraubt wur­de, die die See­len nähr­te und ihnen den Weg zeig­te, wie sie har­mo­nisch und ohne Schi­zo­phre­ni­en zum Heil gelan­gen konn­ten. Es ist die Stim­me des Glau­bens, die aus dem Inne­ren des Gläu­bi­gen eine Kohä­renz in den Grund­sät­zen ein­for­dert und die begrei­fen will, war­um plötz­lich, ab einem bestimm­ten Punkt, wäh­rend der Hei­li­gen Mes­se mit Gan­dhi und Mar­tin Luther King gebe­tet, wäh­rend der Ele­va­ti­on die Musik von Pink Floyd gespielt und der Kate­chis­mus auf der Grund­la­ge der Lied­tex­te von Fabri­zio De André und Gior­gio Gaber erteilt wur­de.“

Der Autor stellt sei­ne Über­le­gun­gen zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil mit der kla­ren Absicht an, eine Lösung für das Dilem­ma zu suchen. Eine Lösung, die er dar­in aus­fin­dig macht, das Kon­zil im Dis­kurs einer „rich­ti­gen Inter­pre­ta­ti­on“ zu kana­li­sie­ren, jener Linie einer „Her­me­neu­tik der Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“, die Bene­dikt XVI. auf­zeig­te. „Das Unter­neh­men ist schwie­rig, wie der Chef­re­dak­teur von Vita Nuo­va sel­ber zugibt. Und wir fügen hin­zu, daß es gera­de­zu unmög­lich ist, weil eine rich­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on des Kon­zils allein nicht aus­reicht. Um auf rea­li­sti­sche Wei­se die Pro­ble­me lösen zu kön­nen, müs­sen die Kno­ten in den Kon­zils­do­ku­men­ten gefun­den und ent­wirrt wer­den. Nur auf die­se Wei­se wird das Kon­zil wirk­lich der Kir­che zurück­ge­ge­ben“, so Sic­car­di.

„Fon­ta­na sucht nach einem Heil­mit­tel, weil er die gan­ze Last des Abgrunds sieht, der sich in die­sen 50 Jah­ren der Früch­te des Kon­zils auf­ge­tan hat. Es han­delt sich um eine Bestands­auf­nah­me der Brü­che zwi­schen dem Vor­her und dem Nach­her des Kon­zils ohne jede Heu­che­lei und Ver­schleie­rungs­ver­su­che. Er sieht sich durch die Ehr­lich­keit einer unge­wis­sen und ver­wir­ren­den Situa­ti­on gegen­über. Und letzt­lich ruht sei­ne Hoff­nung, wie bei jedem treu­en Gläu­bi­gen auf einem Ein­grei­fen der Vor­se­hung, die imstan­de ist, die Irr­tü­mer, Feh­ler und Spal­tun­gen zu über­win­den, auch und um so mehr in der Kir­che, deren Haupt und Grün­der allein Chri­stus ist.“

Text: Cor­ris­pon­den­za Romana/Giuseppe Nar­di

10 Kommentare

  1. Anmer­kun­gen:
    1. Ich bedaue­re, nicht Ita­lie­nisch zu kön­nen, und schon gar nicht Bücher in die­ser Spra­che lesen zu kön­nen. Im ita­lie­ni­schen Katho­li­zis­mus wer­den noch leben­di­ge Fra­gen gestellt, die im tod­lang­wei­li­gen deut­schen Katho­li­zis­mus kei­ne Rol­le spie­len.
    2. Es ist eine all­ge­mei­ne Erfah­rung: Wenn man sich ver­lau­fen, die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren hat, muss man an den Aus­gangs­punkt zurück. Und das ist die Kir­che vor dem Kon­zil.
    3. Nicht weil alles wun­der­bar war. Als ich das erste Mal das Buch von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re las: „Das Opfer unse­rer Altä­re“ , da war ich über­zeugt, dass die Kir­che kurz vor dem Kon­zil drin­gend eine Ver­tie­fung des Glau­bens gebraucht hät­te. Aber die­se bequem, behä­big-gemüt­li­che Kir­che war NICHT hete­ro­dox.
    4. Ver­tie­fung wäre not­wen­dig gewe­sen, gekom­men ist die Ver­fla­chung, phi­lo­so­phisch, theo­lo­gisch, zeit­geistan­ge­passt.
    5) Die „Tra­di­ti­on“ ist in einem Dilem­ma, am You­cat ist es zu ver­deut­li­chen. Ich fin­de ihn gut gemacht, er ist anre­gend zu lesen. Die Spal­ten am Ran­de, pas­sen­de Bibel­zi­ta­te, Zita­te von gro­ßen Hei­li­gen, wirk­lich gut gemacht.
    6) Doch lei­der sind inhalt­lich teil­wei­se star­ke Vor­be­hal­te bis Ableh­nung ange­bracht. Die „Kon­zils­theo­lo­gie“ schlägt durch, ver­dun­kelt bei­spiels­wei­se das Bild von der Kir­che, hul­digt einem nicht hin­nehm­ba­ren Öku­me­nis­mus.
    7) Folg­lich muss, wenn man den Glau­ben voll­um­fäng­lich bewah­ren will, der „alte Kate­chis­mus im Dienst blei­ben“. Auch wenn dem ein neu­es Gewand gut ste­hen wür­de. Er könn­te in der Auf­ma­chung erfri­schen­der sein, ohne inhalt­li­che Abstri­che. Doch „die Tra­di­ti­on“ hat kei­ne Auto­ri­tä­ten, kei­ne Bischö­fe, die berech­tigt wären, einen in der Form neu­en Kate­chis­mus, ohne Abstri­che am Glau­bens­gut, her­aus­zu­ge­ben.
    8) Es ist ein Dilem­ma. Aber lie­ber den Glau­ben voll­um­fäng­lich bewah­ren, als dem kon­zi­lia­ren Glau­bens­plu­ra­lis­mus zu ver­fal­len.

  2. „eines ein­fa­chen Katho­li­ken zu betrach­ten, der frei von theo­lo­gi­schen und kir­chen­po­li­ti­schen Rich­tungs­in­ter­es­sen ist“

    So einen Katho­li­ken gibt es gar nicht!

    Spä­te­stens der Besuch einer Mes­se im NOM oder im tra­di­tio­nel­len Ritus, die regel­mä­ssi­ge Beich­te oder auch nicht, das Gebet in der Fami­lie oder des Rosen­kran­zes, ALL DIES sind bereits „Rich­tungs­in­ter­es­sen“.

    Sein Ver­such, das Kon­zil durch eine „Her­me­neu­tik der Erneue­rung in der Kon­ti­nui­tät“ ret­ten zu wol­len, zeigt, dass auch er NICHT frei von Rich­tungs­in­ter­es­sen ist.

    Somit dient die­se Behaup­tung, Leser aus der tra­di­tio­nell-kon­ser­va­ti­ven Ecke zu ködern. Die Pro­gres­si­sten inter­es­sie­ren sei­ne Betrach­tung schon gar nicht.

  3. Somit dient die­se Behaup­tung dazu, Leser aus der tra­di­tio­nell-kon­ser­va­ti­ven Ecke zu ködern. Die Pro­gres­si­sten inter­es­sie­ren sich für sei­ne Betrach­tun­gen schon gar nicht.

    Und die Kno­ten in den Kon­zils­do­ku­men­ten wur­den bereits von vie­len gefun­den. Man soll­te ein­fach ein­mal bereit sein, sich in die Ver­öf­fent­li­chun­gen von Per­so­nen ein­zu­ar­bei­ten, die der FSSPX ver­bun­den sind.

    Ohne ideo­lo­gi­sche Scheu­klap­pen, weil die­se angeb­lich unge­hor­sam sind. Dies trifft auch auf die Pro­gres­si­sten zu, denen man stets den roten Tep­pich aus­rollt und die trotz des Unge­hor­sams unauf­halt­sam beför­dert wer­den.

  4. Fünf­zig Jah­re danach stellt sich die drän­gen­de Fra­ge, ob das Kon­zil wirk­lich ein Werk des Hei­li­gen Gei­stes war. Immer war es die Weis­heit des Hl. Gei­stes, die Kir­che vor Irr­tü­mern und vor den Ver­fol­gun­gen aller Geg­ner und dem Ansturm der Welt zu schüt­zen. Aber im Kon­zil durf­ten die Irr­tü­mer nicht mehr benannt wer­den, und alle Mühe ging dahin, Frie­de mit der feind­li­chen Welt und mit allen Geg­nern zu machen.
    Auf kei­nen Fall war das Kon­zil ein neu­es Pfing­sten, für das man es hielt. Denn vom Pfingst­tag an begann ein unvor­stell­ba­res Wachtum der Kir­che, trotz aller Ver­fol­gung. — Doch seit dem Kon­zil erfährt sie einen unvor­stell­ba­ren Nie­der­gang, der bis heu­te kein Ende fin­det. Und ihre Geg­ner setz­ten alles darn, sie völ­lig zugrun­de zu rich­ten.

  5. Der Kon­zils­text kann wegen der Irr­tü­mer, die er ent­hält, nicht durch­gän­gig in Über­ein­stim­mung mit der tra­di­tio­nel­len Leh­re inter­pre­tiert wer­den. Kla­re Irr­tü­mer sind näm­lich einer Inter­pre­ta­ti­on gar nicht fähig!
    Ein Bei­spiel
    Im Dekret „Uni­ta­tis red­in­te­gra­tio“ über den Öku­me­nis­mus heißt es in Arti­kel 3:
    „Eben­so sind die­se getrenn­ten Kir­chen und Gemein­schaf­ten trotz der Män­gel, die ihnen nach unse­rem Glau­ben anhaf­ten, nicht ohne Bedeu­tung und Gewicht im Geheim­nis des Heils. Denn der Geist Chri­sti hat sich gewür­digt, sie als Mit­tel des Heils zu brau­chen, deren Wirk­sam­keit sich von der der katho­li­schen Kir­che anver­trau­ten Fül­le der Gna­de und Wahr­heit her­lei­tet.“

    Dage­gen ver­kün­de­te das Kon­zil von Flo­renz im 15. Jahr­hun­dert fol­gen­des Dog­ma: „[Die hei­li­ge römi­sche Kir­che, durch das Wort unse­res Herrn und Erlö­sers gegrün­det,] glaubt fest, bekennt und ver­kün­det, daß ‚nie­mand außer­halb der katho­li­schen Kir­che — weder Hei­de noch Jude noch Ungläu­bi­ger oder ein von der Ein­heit Getrenn­ter — des ewi­gen Lebens teil­haf­tig wird, viel­mehr dem ewi­gen Feu­er ver­fällt, das dem Teu­fel und sei­nen Engeln berei­tet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kir­che) anschließt. So viel bedeu­tet die Ein­heit des Lei­bes der Kir­che, daß die kirch­li­chen Sakra­men­te nur denen zum Heil gerei­chen, die in ihr blei­ben, und daß nur ihnen Fasten, Almo­sen, ande­re from­me Wer­ke und der Kriegs­dienst des Chri­sten­le­bens den ewi­gen Lohn erwirbt. Mag einer noch so vie­le Almo­sen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Chri­sti ver­gie­ßen, so kann er doch nicht geret­tet wer­den, wenn er nicht im Schoß und in der Ein­heit der katho­li­schen Kir­che bleibt‘

    • „130 Sind auch nicht­ka­tho­li­sche Chri­sten unse­re Schwe­stern und Brü­der?

      Alle Getauf­ten gehö­ren zur Kir­che Jesu Chri­sti. Des­halb wer­den auch die Getauf­ten, die sich von der vol­len Gemein­schaft der Katho­li­schen Kir­che, in der die Kir­che Jesu Chri­sti fort­be­steht, getrennt fin­den, zu Recht Chri­sten genannt und sind des­halb unse­re Schwe­stern und Brü­der (817–819)

      Die Tren­nun­gen von der einen Kir­che Chri­sti ent­stan­den wegen Ver­fäl­schun­gen der Leh­re Chri­sti, mensch­li­cher Ver­feh­lun­gen und man­geln­der Ver­söh­nungs­be­reit­schaft — meist bei Ver­tre­tern bei­der Sei­ten. …“ (You­cat 130)

      Im nach­kon­zi­lia­ren Jugend­ka­te­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, das Vor­wort ist von Papst Bene­dikt XVI. unter­schrie­ben, ler­nen katho­li­sche Jugend­li­che die „Kir­che Jesu Chri­sti“ und die Katho­li­schen Kir­che, „in der die Kir­che Jesu Chri­sti fort­be­steht“ zu unter­schei­den. Die­se offen­sicht­lich „gei­sti­ge Kir­che Jesu Chri­sti“ besteht in der Katho­li­schen Kir­che fort. Im Anschluss an „Lumen Gen­ti­um 8.
      Die­se „Kon­zils­spra­che“ wider­spricht der katho­li­schen Leh­re, wonach die Katho­li­sche Kir­che die Kir­che Jesu Chri­sti IST.
      Das ist nur ein Bei­spiel. Für mich stellt sich — nicht nur hier — die Fra­ge, wie die FSSPX bei einer kir­chen­recht­li­chen Aner­ken­nung als Per­so­nal­prä­la­tur mit die­sem Jugend­ka­te­chis­mus umge­gan­gen wäre oder umge­hen wird. Eine Per­so­nal­prä­la­tur als Insti­tu­ti­on der katho­li­schen Kir­che hat nicht das Recht auf einen eige­nen Kate­chis­mus.
      „Kla­re Irr­tü­mer sind einer Inter­pre­ta­ti­on gar nicht fähig“, schreibt Dr. Schü­ler. In der Kon­zils­kir­che ist das mög­lich…

  6. Es mag sein, dass das Kon­zil Irr­tü­mer ver­brei­tet hat. Wer das behaup­tet, muss dar­le­gen, wie dies mög­lich wer­den konn­te, denn er rüt­telt mit die­ser Behaup­tung an den Grund­fe­sten der Kir­che, zu deren Selbst­ver­ständ­nis es gehört, dass ein Kon­zil in Ein­heit mit dem uni­ver­sel­len Hir­ten nicht irren kann. Auf die­sem Dog­ma beruht das gesam­te Lehr­amt der Kir­che. Wenn man nun also nach­wei­sen wür­de, dass ein Kon­zil geirrt hat, wäre die logi­sche Kon­se­quenz, dass es ein ver­bind­li­ches, vom Hei­li­gen Geist gelei­te­tes Lehr­amt, das die Kir­che vor Irr­tum bewahrt, gar nicht gibt. Ich fra­ge mich ernst­haft, was letzt­lich das grö­ße­re Übel für den Glau­ben und die Kir­che wäre. Bene­dikt hat des­halb dar­auf gesetzt, das Kon­zil nicht zu ver­ur­tei­len, son­dern zu über­win­den, in dem er an die Tra­di­ti­on anknüp­fen und deren Wahr­heit wie­der zum leuch­ten brin­gen woll­te. Nie­mand ist ihm dabei gefolgt, nie­mand hat ihn unter­stützt, und so geht die Kir­che wei­ter ihren Weg Rich­tung Abgrund.

    • An „den Grund­fe­sten der Kir­che rüt­telt“ nicht nur, son­dern er trennt sich von der Kir­che, wenn er einer defi­nier­ten Glau­bens­wahr­heit wider­spricht, sie leug­net.
      Das 2. Vat. Kon­zil hat sich aus­drück­lich durch die Päp­ste und die Kon­zils­vä­ter als nicht­dog­ma­ti­sches, als Pasto­ral­kon­zil bezeich­net. Es hat nicht eine neue Glau­bens­wahr­heit als ver­bind­lich zu glau­ben defi­niert. Es hat im Gegen­teil durch den Pre­digt- und Rede­stil, der nicht nur unver­bind­li­cher ist, son­dern teil­wei­se wider­sprüch­lich, einen Glau­bens­ge­hor­sam unmög­lich gemacht. Oder kann man im Glau­ben Wider­sprü­chen gehor­chen? Wo bleibt hier die Logik?
      Von daher ist die Unfehl­bar­keit noch nicht ange­ta­stet. Den­noch darf das Pro­blem nicht mit die­sem Hin­weis ver­harm­lost wer­den.
      Es ist aber lös­bar. Ein „dog­ma­ti­sches Kon­zil“ könn­te mit sei­ner unfehl­ba­ren Auto­ri­tät, wenn die­se in Anspruch genom­men wird, die­ses unse­li­ge II. Vati­ca­num ver­wer­fen. So etwas muss aber gei­stig-geist­lich vor­be­rei­tet wer­den. Ich glaub­te, die FSSPX sei von ihrer Geschich­te her dazu beru­fen, die­ses Bewusst­sein zu wecken und wach­zu­hal­ten. Ich mag die­sen Glau­ben nicht auf­ge­ben…

      • Dan­ke, cup­pa, für Ihre Ant­wort. Ich glau­be, hier sind wir am „theo­lo­gi­schen Knack­punkt“ ange­langt. Wenn es gelän­ge, theo­lo­gisch und/oder histo­risch fun­diert zu nach­zu­wei­sen, war­um die­ses Kon­zil so ver­lief, wie es ver­lau­fen ist, dass es und war­um es „Irr­tü­mer“ fabri­zie­ren konn­te, dann wäre wohl die Zeit gekom­men, die­se Kir­chen­ver­samm­lung als kein Ereig­nis des ordent­li­chen Lehr­am­tes anzu­se­hen, weil es böse Früch­te her­vor­brach­te. Aber die Erschüt­te­rung der Heils­ge­wiss­heit wäre den­noch groß. Außer­dem fehlt ja wei­ten Tei­len der Kir­che der Bezugs­punkt zur Wahr­heit des Glau­bens, der zur Erkennt­nis füh­ren wür­de, dass die Früch­te fau­lig sind. Noch immer gibt es eine Unzahl von Gläu­bi­gen, die von Tra­di­ti­on und alter Litu­gie völ­lig unbe­rührt sind oder sein wol­len. Des­halb hielt ich auch immer die Über­win­dung durch bes­se­res Bei­spiel für den ein­zig gang­ba­ren Weg, des­halb habe ich immer plä­diert und gehofft, dass die Tra­di­ti­on und mit ihr natür­lich die „Hüte­rin des Feu­ers“, die FSSPX wie­der in die Kir­che ein­zie­he. Jetzt ist natür­lich vor­erst kein Gedan­ke mehr dar­an.

        • hicest­ho­die, ich glau­be nicht, dass die FSSPX inner­halb der Kir­che die Mög­lich­keit hat­te und der­zeit haben wird, das „Feu­er zu hüten“, um bei Ihrem Bild zu blei­ben. Ich sehe eher die Gefahr, dass es zum Ver­lö­schen gebracht wür­de.
          Nur „im Exil“ (Bischof Tis­sier am Pfingst­fest) kann die Tra­di­ti­on über­le­ben. Sie braucht den Schutz eines Pap­stes, der bewusst an das Lehr­amt der vor­kon­zi­lia­ren Päp­ste anknüpft und sich auch durch­set­zen, d.h. sich auf wich­ti­ge Mit­ar­bei­ter inner­halb der Kurie ver­las­sen kann.
          Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat­te das Abkom­men mit Rom vom 5. Mai 1988 wider­ru­fen und statt­des­sen Bischö­fe geweiht. Es brach­te dem einst­mals geach­te­ten Wür­den­trä­ger die Exkom­mu­ni­ka­ti­on ein. Er nahm sie in Kauf, der Kampf um den bedroh­ten Glau­ben hat­te für ihn Vor­rang. Inner­halb der Kir­che ist die­ser Kampf um den Glau­ben für die FSSPX auch jetzt nicht zu gewin­nen. Die „letz­te Basti­on der Tra­di­ti­on“ wür­de geschlif­fen.
          Es ist schmerz­lich, solch einen Kom­men­tar zu schrei­ben. Doch die Rea­li­tät gebie­tet ist. Davon bin ich über­zeugt.

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