Erzbischof Luigi Negri über Summorum Pontificum und die „Zuneigung“ für traditionsverbundene Gläubige

Erzbischof Luigi Negri von Ferrara-Comacchio(Fer­ra­ra) Am 19. Mai wur­de in der Mari­en­wall­fahrts­kir­che von Pog­get­to in der Erz­diö­ze­se Fer­ra­ra eine Hei­li­ge Mes­se in der außer­or­dent­li­chen Form des Römi­schen Ritus zele­briert. Erz­bi­schof Lui­gi Negri hielt die Pre­digt.

Da das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum durch Äuße­run­gen von Bischö­fen Apu­li­ens nach einer Audi­enz bei Papst Fran­zis­kus neue Auf­merk­sam­keit fand, sol­len Aus­schnit­te der frei vor­ge­tra­ge­nen Pre­digt von Erz­bi­schof Negri abge­druckt wer­den, der bei die­ser Gele­gen­heit  zum ersten Mal den Gläu­bi­gen sei­ner Erz­diö­ze­se begeg­net ist, die den alten Ritus pfle­gen.

Die­se machen Unter­schie­de im Umgang der Bischö­fe mit dem Motu pro­prio sicht­bar. Unter­schie­de zwi­schen jenen Bischö­fen, die sich in Gehor­sam und inne­rer Bereit­schaft von Papst Bene­dikt XVI. füh­ren las­sen und des­sen Wei­sun­gen wohl­wol­lend nach­kom­men. Und sol­chen, die die Umset­zung des Motu pro­prio in ihren Diö­ze­sen behin­der­ten, kei­ne per­sön­li­che Bereit­schaft zei­gen, sich mit dem lit­ur­gi­schen Reich­tum der Kir­che und dem Anlie­gen des Pap­stes zu befas­sen und die erste Gele­gen­heit nütz­ten, um – aller­dings ver­geb­lich – den neu­en Papst um Auf­he­bung des Motu pro­prio zu bit­ten.

Auszüge aus der Predigt von Erzbischof Luigi Negri

Bene­dikt XVI. hat es mit bewun­derns­wer­ter Klar­heit im Motu pro­prio gesagt: er woll­te die Mög­lich­keit erwei­tern, den Reich­tum der Lit­ur­gie der Kir­che zu leben. Aus die­sem Grund hat er die gan­ze Kir­che gebe­ten, ange­fan­gen von den Bischö­fen, die­ser sei­ner Absicht mit Respekt zu begeg­nen, die Schät­ze der Kir­che aus­zu­brei­ten, indem sie jenen gewährt wer­den, die in legi­ti­mer Wei­se den Wunsch ver­spü­ren, das Recht zu för­dern, Zugang zu die­sem „alten“ Schatz zu erhal­ten und ihn in Fül­le für die Glau­bens­wahr­heit heu­te und für die Mis­si­on von heu­te zu leben.

[…] Ihr nützt die­se Lit­ur­gie und ich bin froh dar­über, daß Ihr es auch in die­ser Diö­ze­se macht, deren Erz­bi­schof ich seit weni­gen Mona­ten bin. Nicht gegen jemand oder um Mei­nun­gen durch­zu­set­zen, son­dern um das Myste­ri­um der Kir­che gemäß jener Tie­fe und Wahr­heit zu leben, mit der ihr die Pflicht und das Recht spürt, es zu leben. Und die Kir­che macht auch dies mög­lich. Bene­dikt XVI. – und ich bin nicht jemand, der Wor­te ein­fach nur so ver­wen­det – hat eine gro­ße pasto­ra­le Barm­her­zig­keit gezeigt, indem er im Dienst für den Glau­ben die­se Mög­lich­keit so groß­zü­gig gewährt hat, klei­nen Grup­pen oder sogar ein­zel­nen Chri­sten, sodaß sie im stren­gen Sinn des Wor­tes zah­len­mä­ßig nicht ein­mal erfaßt wer­den müs­sen: „Coe­tus“ meint alle Gläu­bi­gen, alle haben das Recht und die Pflicht Zugang zu die­ser Lit­ur­gie zu haben. Es liegt in Eurer Hand. Die Kir­che gewährt sie in völ­li­ger Frei­heit wie­der ein­zu­füh­ren. Und es kann nie­mand geben, kei­ne Diö­ze­se in Ita­li­en oder auf der Welt, die Euch Nein sagen kann.

Soll­te es auch nur ein ein­zi­ges „Nein“ geben, müßt Ihr den Bischof anru­fen. Davor ist das Gespräch zwi­schen den Gläu­bi­gen, die die alte Lit­ur­gie wün­schen und der Kir­che, ein Dia­log zwi­schen den Gläu­bi­gen und dem zustän­di­gen Prie­ster, der geru­fen ist, Euch in die­sem Euren Anlie­gen und die­sem Euren Wil­len am alten und wun­der­schö­nen Ritus teil­zu­neh­men, zu unter­stüt­zen. Ein Ritus, der für eine ange­mes­se­ne Teil­nah­me eine ent­spre­chen­de Vor­be­rei­tung ver­langt, wie Ihr sie sicher habt.

Damit er eine Erfah­rung für die Vie­len wird, die ihn nicht ken­nen, bedarf es, den­ke ich, einer Zeit der For­mung und der Vor­be­rei­tung. Ich habe ver­sucht, das Motu pro­prio ohne beson­de­re Wider­stän­de in einer klei­nen Diö­ze­se wie San Mari­no-Mon­te­fel­tro umzu­set­zen. Dort wo es sol­che gab, habe ich sie gesam­melt und in einem Bericht dem Hei­li­gen Vater zukom­men las­sen, in dem ich dar­ge­legt habe, wie die Situa­tio­nen gehand­habt wur­den, weil damals noch die Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen fehl­ten, die erst mehr als zwei Jah­re spä­ter erlas­sen wur­den.  Ich habe dar­auf einen kur­zen per­sön­li­chen Brief von Bene­dikt XVI. erhal­ten, der die Art lob­te, mit der ohne Span­nun­gen die alte Mes­se in die Diö­ze­se San Mari­no-Mon­te­fel­tro zurück­ge­bracht wur­de.

Prak­ti­ziert die alte Lit­ur­gie für Euch, für die Wahr­heit Eures Glau­bens, für die Wahr­heit Eurer Lie­be, für den Vor­satz Eurer Mis­si­on. Wie jene, die sie mit der refor­mier­ten Lit­ur­gie prak­ti­zie­ren müs­sen für die Wahr­heit ihres Glau­bens und ihrer Lie­be: es sind zwei Schät­ze, die einem ein­zi­gen Volk die­nen. Und die­ses ein­zi­ge mün­di­ge Volk nährt sich aus dem eige­nen Glau­ben, wenn es die Frei­heit zu leben weiß, die ihm von der Kir­che gewährt wird. Die lit­ur­gi­sche Frei­heit, die die Kir­che im kon­kre­ten Fall nicht nur gewährt, son­dern garan­tiert.

[…] Der Erz­bi­schof von Fer­ra­ra-Com­ac­chio hat eine ein­zi­ge Mei­nung: die Wahr­heit des Herrn, das Evan­ge­li­um, die Tra­di­ti­on der Kir­che, das Lehr­amt des Hei­li­gen Vaters und sein eige­nes, das immer in Ver­bin­dung mit dem des Hei­li­gen Vaters steht. Das ist der Rah­men, in dem Bene­dikt XVI. sie [die alte Mes­se] gewährt hat. Ich gehö­re zu den Bischö­fen, um ehr­lich zu sein, zu den nicht sehr vie­len, die dadurch eine Ver­tie­fung ihrer eige­nen Iden­ti­tät in Bezug auf die Erfah­rung Got­tes gewon­nen haben. Es ist etwas Groß­ar­ti­ges nicht nur für jene, die sie prak­ti­zie­ren, son­dern für die gan­ze Diö­ze­se.

[…] Ich beglei­te Euch mit Zunei­gung. Ich ermu­ti­ge Euch auf Eurem Weg […] Habt kei­ne ande­re Sor­ge als jene, in Tie­fe das zu leben, was die Kir­che für Euer Wohl und für das Wohl der gan­zen Kir­che gewährt hat. Seit gewiß, daß Euch weder mei­ne Auf­merk­sam­keit noch mei­ne Unter­stüt­zung feh­len wer­den. […] Betet nun für mich, für die­se nicht leich­te Last, die ich auf mei­nen Schul­tern füh­le und die ich gegen Ende mei­nes Lebens in Gehor­sam gegen­über dem Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden, der mich mit Nach­druck dar­um gebe­ten hat, auf mich genom­men habe.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Fr. Z’s Blog

1 Kommentar

  1. S. E. Mal­colm Kar­di­nal Ran­jith,
    Erz­bi­schof von Colom­bo
    anläss­lich der 20. Gene­ral­ver­samm­lung der Inter­na­tio­na­len Foe­de­ra­ti­on Una Voce in Rom“:

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    „Lit­ur­gie kann des­halb nie­mals von Men­schen geschaf­fen wer­den.
    Wenn wir Gott so ver­eh­ren, wie wir das wol­len, und uns selbst die Regeln geben;
    dann lau­fen wir Gefahr, erneut Aarons Gol­de­nes Kalb
    zu pro­du­zie­ren.

    Wir müs­sen fest dar­auf bestehen, dass Got­tes­dienst unse­re Teil­nah­me an dem ist, was Gott selbst tut- sonst sind wir in der Gefahr, Göt­zen­dienst zu bege­hen.
    Der Sym­bo­lis­mus der Lit­ur­gie hilft uns dabei, uns über das, was mensch­lich ist, zum Gött­li­chen zu erhe­ben.
    In die­ser Hin­sicht, das ist mei­ne feste Über­zeu­gung , ist der 
    „Vetus Ordo“ [die alte Mes­se] in hohem Maße und in größ­ter Erfül­lung der mysti­sche und tran­szen­den­te Ruf zur Begeg­nung mit Gott in der Lit­ur­gie.

    Daher ist für uns die Zeit gekom­men, nicht nur durch radi­ka­le Ver­än­de­run­gen den Inhalt der refor­mier­ten Lit­ur­gie zu erneu­ern,
    son­dern auch immer stär­ker auf eine Rück­kehr der alten Mess­ord­nung hin­zu­wir­ken, der den Weg zu einer wahr­haf­ten Erneue­rung der Kir­che bie­tet, wie sie die Väter des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils so sehr erhoff­ten.
    Eine sorg­fäl­ti­ge Lek­tü­re der Kon­zils- Kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um über die hei­li­ge Lit­ur­gie zeigt, dass die über­eil­ten Ver­än­de­run­gen, die spä­ter in die Lit­ur­gie ein­ge­führt wur­den, kei­nes­falls im Sin­ne der Kon­zils­vä­ter waren.

    Daher ist es jetzt an der Zeit, ent­schlos­sen auf eine wahr­haf­te Reform der Reform hin­zu­ar­bei­ten und auch 
    auf eine Rück­kehr zu der wah­ren Lit­ur­gie der Kir­che, die sich in ihrer zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te in einem bestän­di­gen Fluss ent­wickelt hat.
    Ich hof­fe und bete, dass das geschieht.“

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