Papst Bergoglios Theologie? – Abtreibung und „Homo-Ehe“ Ausdruck eines Globalisierungsimperialismus – Kein Dialog mit dem „Fürst der Welt“. „Nie!“

Papst Franziskus von welcher Theologie geprägt? Abtreibung und "Homo-Ehe" Ausdruck des Antichristen und eines imperialistischen Konzepts der Globalisierung, des gefährlichsten Totalitarismus der Postmoderne. Mit dem "Fürst der Welt" kann es keinen Dialog geben. "Nie!"(Rom) Die Fra­ge ist noch nicht aus­rei­chend beant­wor­tet, von wel­cher theo­lo­gi­schen Strö­mung Papst Fran­zis­kus geprägt ist. Das hängt zu aller­erst mit der geo­gra­phi­schen Ent­fer­nung zu Argen­ti­ni­en zusam­men und den man­geln­den Kennt­nis­sen der kirch­li­chen und theo­lo­gi­schen Situa­ti­on in dem latein­ame­ri­ka­ni­schen Land, wie ins­ge­samt auf dem Halb­kon­ti­nent, der für Euro­pä­er nach wie vor in erster Linie als exo­tisch wahr­ge­nom­men wird.

Einen ersten Ver­such, die Fra­ge zu beant­wor­ten, unter­nahm bereits der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Histo­ri­ker Rober­to de Mattei (hier sein Bei­trag). Einen wei­te­ren ver­sucht nun der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Ihm geht es dar­um, auf die seit dem Kon­kla­ve viel­fach anklin­gen­de Gleich­set­zung eines Pap­stes aus Latein­ame­ri­ka mit der Befrei­ungs­theo­lo­gie zu ant­wor­ten. Wie bereits de Mattei stößt auch Magi­ster dabei auf den Jesui­ten und Karl Rah­ner-Schü­ler Juan Car­los Scan­no­ne, einen Ver­tre­ter der „Volks­theo­lo­gie“.

Die­se wird als nicht-mar­xi­sti­scher Zweig der Befrei­ungs­theo­lo­gie betrach­tet und ist als „Argen­ti­ni­sche Schu­le“ der Befrei­ungs­theo­lo­gie bekannt. Pater Scan­no­ne gehört zur soge­nann­ten „Befrei­ungs­phi­lo­so­phie“. Er lie­fer­te 1972 einen Bei­trag zum Sam­mel­band des 2. Argen­ti­ni­schen Phi­lo­so­phie­kon­gres­ses, der unter dem Mot­to Hacia una filosofà­a de la libe­r­ación lati­no­ame­ri­ca­na (Für eine latein­ame­ri­ka­ni­sche Phi­lo­so­phie der Befrei­ung) stand.

Mit den eigent­li­chen Befrei­ungs­theo­lo­gen ver­bin­det Scan­no­ne die Tat­sa­che, wie die­se ein Libe­r­acio­ni­sta (Ver­tre­ter der Befrei­ung) zu sein. Die Ant­wort auf die Fra­ge, wie sich Latein­ame­ri­ka poli­tisch, sozi­al und kul­tu­rell eman­zi­pie­ren, sprich „befrei­en“ könn­te, fiel aller­dings grund­ver­schie­den aus.

Die Ver­su­che der Befrei­ungs­theo­lo­gen und ande­rer, den neu­en Papst zu ver­ein­nah­men, sei­en, so Magi­ster, daher zum Schei­tern ver­ur­teilt. Der Papst sei anders, als sich vie­le in ihrem ver­klär­ten Latein­ame­ri­ka­bild vor­stel­len. Dies zei­ge die For­de­rung nach recht­li­chem Schutz für das Leben, wie sie der Papst zum Aus­druck brach­te mit sei­ner Gruß­bot­schaft und Soli­da­ri­sie­rung mit dem Marsch für das Leben vom 12. Mai in Rom und der Auf­for­de­rung die euro­päi­sche Peti­ti­on One of us-Einer von uns zu unter­stüt­zen. Dem ent­spre­che sein Wider­stand als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires und Pri­mas von Argen­ti­ni­en gegen die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung und der „Homo-Ehe“.

In die­sen For­de­run­gen sehe der Papst, so Magi­ster, einen Angriff des Anti­chri­sten und eine „impe­ria­li­sti­sche Auf­fas­sung von Glo­ba­li­sie­rung“ am Werk, die er vor weni­gen Jah­ren in einem Vor­wort zu einem Buch als „gefähr­lich­sten Tota­li­ta­ris­mus der Post­mo­der­ne“ bezeich­ne­te. Der Papst sei für den Dia­log zwi­schen den Men­schen, weil es die­sen des Frie­dens wegen brau­che. Mit dem „Fürst der Welt“ kön­ne es aller­dings kei­nen Dia­log geben. „Nie!“, so Papst Fran­zis­kus in einer sei­ner jüng­sten Pre­dig­ten.

Bergoglio, Revolutionär sui generis

von San­dro Magi­ster

Die Befrei­ungs­theo­lo­gen loben ihn, doch zwi­schen ihm und ihnen liegt ein Abgrund. Die Pro­gres­si­sten ver­su­chen ihn zu ver­ein­nah­men, er aber hält sich von ihnen fern. Der wirk­li­che Fran­zis­kus ist ganz anders als vie­le ihn sich vor­stel­len.

In den fort­dau­ern­den Flit­ter­wo­chen mit der ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung hat sich Papst Fran­zis­kus auch das Lob des Bar­ri­ka­den­theo­lo­gen und Ex-Fran­zis­ka­ners, des Bra­si­lia­ners Leo­nar­do Boff erwor­ben: „Fran­zis­kus wird der Kir­che eine Lek­ti­on ertei­len. Wir gehen raus aus einem eisi­gen und dunk­len Win­ter. Mit ihm kommt der Früh­ling.“

In Wirk­lich­keit hat Boff schon vor lan­gem sei­ne Kut­te abge­legt, gehei­ra­tet und die Lie­be zu Marx hat er durch die öko­lo­gi­sti­sche zu Mut­ter Erde und Schwe­ster Son­ne ersetzt. Er ist aber immer noch der bekann­te­ste und am häu­fig­sten zitier­te Befrei­ungs­theo­lo­ge.

Als Jor­ge Mario Ber­go­glio, kaum drei Tage nach sei­ner Wahl zum Papst eine „arme Kir­che und für die Armen“ aus­rief, schien sei­ne Auf­nah­me in die Rei­he der Revo­lu­tio­nä­re eine gemach­te Sache.

In Wirk­lich­keit gibt es einen abgrund­tie­fen Unter­schied zwi­schen der Sicht­wei­se der latein­ame­ri­ka­ni­schen Befrei­ungs­theo­lo­gen und der Sicht­wei­se die­ses argen­ti­ni­schen Pap­stes.

Ber­go­glio ist kein Autor zahl­rei­cher Bücher. Was er aber geschrie­ben hat, ist mehr als aus­rei­chend, um zu ver­ste­hen, was er im Sinn hat, wenn er dar­auf beharrt, sich unter das „Volk“ zu mischen.

Die gemein­hin bekann­te und von Rom ver­ur­teil­te Befrei­ungs­theo­lo­gie kennt er sehr gut, er sah ihre Ent­ste­hung und ihre Aus­brei­tung, auch unter sei­nen Mit­brü­dern. Er hielt sich jedoch immer von ihr fern und dies in einem deut­li­chen Wider­spruch. Auch zum Preis, sich im eige­nen Orden iso­liert zu sehen.

Die Theo­lo­gien, die für ihn Bezugs­punkt sind, waren weder Boff noch Gusta­vo Gut­ier­rez oder Jon Sobri­no, son­dern der Argen­ti­ni­er Juan Car­los Scan­no­ne, auch er ein Jesu­it. Scan­no­ne war der Grie­chisch­leh­rer Ber­go­gli­os. Als Ant­wort auf die drän­gen­de sozia­le Fra­ge, die in Latein­ame­ri­ka durch das Vor­drin­gen des Mar­xis­mus und die in die­sem Kon­text ent­ste­hen­de Befrei­ungs­theo­lo­gie explo­siv wur­de, ent­wickel­te Pater Scan­no­ne eine „Volks­theo­lo­gie“ oder „Theo­lo­gie des Vol­kes“, die sich auf die Kul­tur und die Reli­gio­si­tät der nor­ma­len Bevöl­ke­rung, vor allem der Armen kon­zen­triert, auf deren tra­di­tio­nel­le Spi­ri­tua­li­tät und ihre Sen­si­bi­li­tät für Gerech­tig­keit.

Pater Scan­no­ne, heu­te 81 Jah­re alt, gilt als der bedeu­tend­ste leben­de argen­ti­ni­sche Theo­lo­ge, wäh­rend über das, was von der Befrei­ungs­theo­lo­gie bleibt, Kar­di­nal Ber­go­glio bereits 2005 mit den Wor­ten urteil­te: „Nach dem Zusam­men­bruch des ‚real exi­stie­ren­den Sozia­lis­mus‘ sind die­se Rich­tun­gen in der Ver­wir­rung ver­sun­ken. Unfä­hig sowohl zu einer radi­ka­len Neu­for­mu­lie­rung als auch zu neu­er Krea­ti­vi­tät haben sie wegen Träg­heit über­lebt, auch wenn es noch heu­te nicht an jenen fehlt, die sie auf ana­chro­ni­sti­sche Wei­se noch immer vor­an­trei­ben möch­ten.“

Die­ses ver­nich­ten­de Urteil Ber­go­gli­os gegen die Befrei­ungs­theo­lo­gie fin­det sich in einer sei­ner wich­tig­sten Ver­öf­fent­li­chun­gen: dem Vor­wort zu einem Buch über die Zukunft Latein­ame­ri­kas, das sein eng­ster Freund an der Römi­schen Kurie, der Uru­gu­ay­er Guz­man Car­ri­qui­ry Lecour, der Gene­ral­se­kre­tär der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on für Latein­ame­ri­ka ver­faß­te. Car­ri­qui­ry Lecour, ver­hei­ra­tet, mit Kin­dern und Enkel­kin­dern, ist der rang­höch­ste Laie, der an der Kurie tätig ist.

Nach der Mei­nung Ber­go­gli­os hat der latein­ame­ri­ka­ni­sche Kon­ti­nent bereits einen Platz in der mitt­le­ren Liga in der Welt­ord­nung erreicht und wird in der Zukunft noch mehr Gewicht gewin­nen. Die­ses Latein­ame­ri­ka ist aber auch gera­de in dem gefähr­det, was das wich­tig­ste Ele­ment sei­ner Iden­ti­tät ist, dem Glau­ben und der „katho­li­schen Weis­heit“ sei­nes Vol­kes.

Die gefähr­lich­ste Bedro­hung sieht er in dem, was er „jugend­li­chen Pro­gres­sis­mus“ nennt, einen Enthu­si­as­mus für den Fort­schritt, der sich in Wirk­lich­keit gegen die Völ­ker und Staa­ten rich­tet, gegen ihre katho­li­sche Iden­ti­tät: „in engem Zusam­men­hang mit einer Staats­auf­fas­sung, die weit­ge­hend ein mili­tan­ter Lai­zis­mus ist“, so Kar­di­nal Ber­go­glio.

Am Sonn­tag, den 12. Mai brach der Papst eine Lan­ze für den recht­li­chen Schutz des unge­bo­re­nen Lebens in Euro­pa. In Bue­nos Aires, was man sich ver­ges­sen soll­te, lei­ste­te er erbit­ter­ten Wider­stand gegen die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung und der „Homo-Ehe“. In der welt­wei­ten Aus­brei­tung sol­cher Geset­ze sieht er „eine impe­ria­li­sti­sche Auf­fas­sung von Glo­ba­li­sie­rung“, die „den gefähr­lich­sten Tota­li­ta­ris­mus der Post­mo­der­ne dar­stellt“.

Es han­delt sich für Kar­di­nal Ber­go­glio um einen Angriff, der das Zei­chen des Anti­chri­sten trägt, wie im Roman Der Herr der Welt, den Ber­go­glio ger­ne zitiert. Der Roman stammt vom angli­ka­ni­schen Kon­ver­ti­ten Robert H. Ben­son (1871–1914). Ben­son, der Sohn des angli­ka­ni­schen Erz­bi­schofs von Can­ter­bu­ry und selbst angli­ka­ni­scher Pastor, kon­ver­tier­te 1903 zum katho­li­schen Glau­ben und wur­de katho­li­scher Prie­ster.

In sei­nen Pre­dig­ten ist die unge­wohnt häu­fi­ge Erwäh­nung des Teu­fels nicht eine bloß rhe­to­ri­sche Flos­kel. Für Papst Fran­zis­kus ist der Teu­fel eine rea­le, han­deln­de Grö­ße, er ist „der Fürst der Welt“, den Jesus für immer besiegt hat, der aber noch frei ist, Böses zu tun.

Papst Fran­zis­kus ermahn­te vor weni­gen Tagen in einer Pre­digt: „Der Dia­log ist zwi­schen uns not­wen­dig, für den Frie­den. Aber mit dem Für­sten der Welt kann es kei­nen Dia­log geben. Nie.“

Text: Set­ti­mo Cie­lo
Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Set­ti­mo Cie­lo

13 Kommentare

  1. Vie­len Dank für die­sen Bei­trag!

    Bei Papst Bene­dikt hat es unge­fähr ein Jahr gedau­ert, bis mir auf­ge­gan­gen ist, welch gro­ßes Geschenk des Hl. Gei­stes er für uns ist. Ja, damals war ich mit mei­nen 62 Jah­ren auch „noch nicht reif fürs Inter­net“

    Dank katholisches.info und kath.net sehe ich mich nun bestens infor­miert.

    Schon die ersten Wor­te unse­res Hl. Vaters haben bei mir die „Irri­ta­tio­nen“ durch sein Ver­hal­ten ganz mas­siv gedämpft: Kei­ne roten Schu­he, aber „beten wir für­ein­an­der“. Der Teu­fel ist hin­ter sei­nem, von Theo­lo­gen erzeug­ten Nebel­vor­hang wie­der sicht­bar gemacht usw. Die Befrei­ungs­theo­lo­gie war ja schon vor­her durch Kar­di­nal Ratz­in­ger ent­tarnt wor­den. Der oben zitier­te Aus­spruch von 2005 trifft ja nicht nur für die Befrei­ungs­theo­lo­gen zu, son­dern in etwas modi­fi­zier­ter Form eben­so auf die stock­kon­ser­va­ti­ven 65-er-Fun­da­men­ta­li­sten. Dabei ist hier kon­ser­va­tiv als vom „Geist des Kon­zils“ ange­rich­te­ter Ein­topf zu sehen.

    Beten wir für ein­an­der.

    Ich glau­be, daß die­ses Han­deln der Welt mehr Segen brin­gen kann, als das ego­isti­sche Beten für eige­ne Inter­es­sen. Die Armen brau­chen kei­ne Waf­fen, um macht­voll zu wir­ken, aber die Gesin­nung von Hei­li­gen wäre sehr hilf­reich.

    • Ich gehe, wie Sie, ger­ne auf bei­den Nach­rich­ten-Sei­ten spa­zie­ren.
      Bei­de müs­sen sich nicht zwangs­läu­fig als Kon­kur­renz sehen, son­dern als Ergän­zung.

      Papst Fran­zis­kus ist wohl ein Mari­en­ver­eh­rer und das freut mich sehr.
      Auch bezeich­net er den Teu­fel als das, was er in Wirk­lich­keit ja auch ist: Teu­fel.
      Selbst mein Sohn, erklär­ter Agno­sti­ker, sag­te schon, das vie­le Böse und Destruk­ti­ve in der Welt kön­ne man kaum anders als mit der Exi­stenz Satans erklä­ren.

      Mit Papst Fran­zis­kus habe ich in eini­gen Punk­ten noch so mei­ne Pro­ble­me.
      Es ist die man­geln­de Klar­heit in sei­nem eige­nen Lebens­um­feld, das mir zu schaf­fen macht.
      Ich bin bestrebt, die­se Hür­den zu über­win­den, sobald er sich zu die­sen Punk­ten ein­mal erhel­lend für alle äussern wür­de.
      Das wäre sicher auch für ande­re sehr hilf­reich!
      Ja, Sie haben recht: Beten wir für­ein­an­der!

      • „Mit Papst Fran­zis­kus habe ich in eini­gen Punk­ten noch so mei­ne Pro­ble­me.
        Es ist die man­geln­de Klar­heit in sei­nem eige­nen Lebens­um­feld, das mir zu schaf­fen macht.“

        Wier mei­nen Sie das?? Das klingt irgend­wie, als habe er „Frau­en­geschich­ten“ oder sonst­was Unwür­di­ges“. Aber davon ist doch rein gar nichts bekannt. Selbst sei­ne anfangs etwas dif­fus aus­se­hen­de „Rol­le“ wäh­rend der argen­ti­ni­schen Mili­tär­dik­ta­tur wur­de ja längst zu sei­nen Gun­sten geklärt. Und alle, die ih in Argen­ti­ni­en seit Jahr­zehn­ten ken­nen, erklä­ren, was für ein vor­bild­li­cher, tief gläu­bi­ger Prie­ster Ber­go­glio war.

  2. Ach, wie lan­ge ist das her. Frü­her mal, da haben sich Katho­li­ken nicht den Kopf zer­bro­chen, von wel­cher Theo­lo­gie der Papst geprägt ist. Dar­auf wären sie nie gekom­men. Dass der Papst an die Wirk­kraft Satans glaubt, das war so selbst­ver­ständ­lich, dass nie­mand das beson­ders erwähnt hät­te. Wel­cher Theo­lo­ge Bezugs­punkt für den Papst ist, wer hat danach gefragt? Der katho­li­sche Glau­be war Bezugs­punkt für den Papst, wenn ich das mal ein­fach sagen darf. Und er hat den Glau­ben ver­kün­det, mit Auto­ri­tät.
    Aber damals gab es noch kei­nen ‚Glau­bens­plu­ra­lis­mus‘ in der Kir­che. Der Glau­be war ein­heit­lich. Es gab auch kei­nen „Volks­glau­ben“- Was ist ein „Volks­glau­be“? Die Armen hat­ten jeden­falls frü­her kei­ne „eige­ne Spi­ri­tua­li­tät“, der Knecht war so katho­lisch gläu­big wie sein Herr. Es gab unter­schied­li­che Ver­ei­ni­gun­gen, natür­lich. Aka­de­mi­ker stel­len mit­un­ter ande­re Fra­gen als Arbei­ter, sicher.
    Aber es gab frü­her mal nur einen katho­li­schen Glau­ben. Man konn­te sei­nen Kate­chis­mus auf­schla­gen oder das Dog­ma­tik-Lehr­buch, ein Hei­li­gen-Leben lesen oder eine Enzy­kli­ka des Pap­stes. Es ging immer um den einen Glau­ben. Ob man nun in Bue­nos Aires leb­te oder in Bux­te­hu­de.
    Ach, das ist so lan­ge her…

    • Dann müs­sen Sie „frü­her“ in einer gänz­lich ande­ren Welt gelebt haben als die mei­sten ande­ren. Sor­ry, aber die­se total ver­klä­ren­de Sicht à la „Frü­her war alles gut, weil ein­heit­lich katho­lisch“ erin­nert doch sehr an die, wel­che immer wein­se­lig ihr „Wir wol­len uns­ren alten Kai­ser Wil­helm wie­der­ha­ben“ ange­stimmt haben…

      • Wer hat gesagt, frü­her war alles gut, Sie Dun­kel­ka­tho­lik? Die Kir­chen­ge­schich­te ist auch eine Geschich­te ihrer Kri­sen. Aber nicht nur das. Es gab eine orga­ni­sche Ent­fal­tung des Glau­bens, die jedoch nie den frü­he­ren Glau­ben obso­let mach­te. Des­halb ver­al­ten gro­ße Hei­li­ge des Mit­tel­al­ters nie, sie blei­ben stets aktu­ell, auch wenn die­se Zeit unwi­der­ruf­lich vor­bei ist.
        In der katho­li­schen Kir­che gab es nie GLAUBENSPLURALISMUS. Den hat Johan­nes XXIII. offi­zi­ell zuge­las­sen in sei­ner Eröff­nungs­re­de zum 2. Vat. Kon­zil. Als er hoff­nungs­los naiv-opti­mi­stisch ver­kün­de­te, Häre­si­en, Irr­leh­ren müs­sen nicht mehr bekämpft wer­den, sie erle­di­gen sich von selbst, wenn die Kir­che nur die Leh­re ver­kün­det.
        Das Ergeb­nis ist all­seits bekannt…

  3. Papst Ber­go­glio ist theo­lo­gisch nicht auf einen Nen­ner zu brin­gen. Er lässt sich nicht in eine der klas­si­schen kir­chen­po­li­ti­schen Kate­go­rien wie „pro­gres­siv“, „libe­ral“ oder „kon­ser­va­tiv“ ein­ord­nen. Aller­dings ist bis­lang auch noch kein roter Faden sei­nes Pon­ti­fi­kats erkenn­bar und abseh­bar. Es stellt zudem die Fra­ge, wel­che Agen­da mit sei­ner Wahl zum Nach­fol­ger Petri ver­bun­den war und ist und was davon auf wel­che Wei­se umge­setzt wer­den soll. Ob Ber­go­glio tat­säch­lich das For­mat und das per­sön­li­che Cha­ris­ma hat, die gegen­wär­ti­ge Glau­bens­kri­se wenig­stens ansatz­wei­se zu über­win­den, wird sich erst noch her­aus­stel­len.

  4. Cup­pa sagt es: Es gibt nur eine wah­re Theo­lo­gie — es ist fürch­ter­lich, wenn wir über­haupt die Fra­ge nach der „rich­ti­gen“ Theo­lo­gie stel­len müs­sen. Ich kann — wie ande­re hier auch — bei F. kei­ne kla­re geislti­che Linie erken­nen. Eher bedient er For­meln, die der einen oder ande­ren theo­lo­gi­schen Rich­tung so etwas wie „Stall­ge­ruch“ ver­mit­telt .
    Genau das aber brau­chen wir gera­de nicht: wir brau­chen jemand mit einer kla­ren, erkenn­ba­ren geist­li­chen Linie, über die wir nicht auch noch rät­seln müs­sen. Das ist doch ein Armuts­zeug­nis! (Ver­zei­hung!) Bei Bene­dikt war das erheb­lich anders. Aller­dings waren Jxxiii.. ganz schlimm Paul vi. und JP ii. eben­falls in sich teil­wei­se wider­sprüch­lich, und es war schwer, eine Linie zu erken­nen.
    Der Schlin­ger­kurs, den eben­so auch die deut­schen Bischö­fe bis zum tota­len geist­li­chen Zusam­men­bruch pfle­gen wer­den wie’s aus­sieht, führt nur zur Irri­ta­ti­on und dazu, dass kei­ner mehr weiß, um was es eigent­lich geht. Die Idee, es gebe eine „Katho­li­zi­tät“ (= Wei­te) und einen vor­kon­zi­lia­ren „Katho­li­zis­mus“ (= Enge) ist ein­fach nur Blöd­sinn. Man kann nicht nach allen Sei­ten hin offen sein. Ein sol­ches Haus hat schlicht und ein­fach kei­ne Mau­ern mehr und bricht über sei­nem Fun­da­ment zusam­men. Und so sieht es der­zeit aus. F. macht wei­ter wie sei­ne Vor­gän­ger (außer B.) und wird am Schluss in den Trüm­mern der Kir­che in Rom sit­zen und sehen, wie er noch davon­kommt, ohne von den her­ab­fal­len­den Brocken erschla­gen zu wer­den. Ent­we­der einer ist ergrif­fen und geführt vom Hl. Geist oder er schlin­gert hin und her. Man kann nicht zwei­en Her­ren die­nen. Daher ist es gut, wenn man nicht zu leicht­fer­tig vom Teu­fel redet — wer von uns bedürf­te nicht der per­ma­nen­ten Hil­fe des gesam­ten Him­mels, um die­sem Ver­klä­ger und Durch­ein­an­der­schmei­ßer nicht in die Hän­de zu fal­len? Es ist eine abgrund­tief böse Rea­li­tät, der Teu­fel, ohne tota­le Hin­ga­be an Jesus, ist der Kampf nicht zu bestehen. Das Reden über den Bösen bedeu­tet dann eher sein Her­auf­be­schwö­ren! Das müss­te F. doch wis­sen!

  5. „Ent­we­der einer ist ergrif­fen und geführt vom Hl. Geist oder er schlin­gert hin und her. Man kann nicht zwei­en Her­ren die­nen.“
    Und wel­chem „zwei­ten Herrn“ dient Papst Fran­zis­kus Ihrer Mei­nung nach??

    Und noch etwas: hät­te Bene­dikt wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats so oft den Teu­fel erwähnt, Sie wären die ersten gewe­sen, die dar­über eupho­risch geju­belt hät­ten. Was ler­nen wir dar­aus: wenn zwei das Glei­che tun, dann ist es nicht das Glei­che…

  6. „Papst Ber­go­glio ist theo­lo­gisch nicht auf einen Nen­ner zu brin­gen. Er lässt sich nicht in eine der klas­si­schen kir­chen­po­li­ti­schen Kate­go­rien wie „pro­gres­siv“, „libe­ral“ oder „kon­ser­va­tiv“ ein­ord­nen“.
    Gern, sehr gern, wür­de ich die­sen Sät­zen zustim­men. Weil sie die Situa­ti­on tref­fend beschrei­ben.
    Nur ist die­se Situa­ti­on ein­fach nur schlimm. In der katho­li­schen Kir­che, als sie sich noch heils­not­wen­dig, allein selig­ma­chend ver­stand, von Jesus Chri­stus gegrün­det, hat­ten Kate­go­rien wie pro­gres­siv, libe­ral, kon­ser­va­tiv über­haupt kei­nen Sinn. Gibt es EINE KONSERVATIVE, LIBERALE, PROGRESSIVE WAHRHEIT? Das ist Non­sens, absurd, bizarr. Kein Papst bis Pius XII. wur­de jemals in eine sol­che Kate­go­rie ein­ge­ord­net. War der Gott­mensch Jesus Chri­stus kon­ser­va­tiv, libe­ral, pro­gres­siv? Mei­ne Fin­ger sträu­ben sich, das zu tip­pen, denn das ist Blas­phe­mie.
    Päp­ste kön­nen fromm oder unfromm, durch­set­zungs­fä­hig oder schwach, intel­li­gent oder töricht, macht­gie­rig oder demü­tig, eif­rig oder lau, streng oder mild sein, das alles sind mensch­li­che Eigen­schaf­ten. Mit die­sen Eigen­schaf­ten kön­nen Päp­ste die Kir­che stär­ken oder schwä­chen, doch die Wahr­heit des Glau­bens ist nicht DIREKT betrof­fen.
    Soll­ten die Kate­go­rien „pro­gres­siv, libe­ral, kon­ser­va­tiv“ wirk­lich kir­chen­po­li­tisch klas­sisch sein, ist es mit dem Wahr­heits­an­spruch der katho­li­schen Kir­che zu Ende. Dann gibt es kei­ne end­gül­tig geof­fen­bar­ten Glau­bens­wahr­hei­ten, dann ist die Wahr­heit rela­tiv, die katho­li­sche Kir­che ist ein from­mer Ver­ein, der sich auf Jesu Chri­sti zwar noch beruft, sich jedoch ein­bil­det, er kön­ne ihn jeweils der Zeit ent­spre­chend inter­pre­tie­ren. In einem Ver­ein kann man kon­ser­va­tiv, libe­ral oder pro­gres­siv sein. Nur kann er dann nicht bean­spru­chen, heils­not­wen­dig zu sein. Man kann ihn ohne Gewis­sens­not ver­las­sen.
    Ich den­ke, das macht die­se Kir­chen­kri­se so bedroh­lich. Die Wahr­heit selbst steht auf dem Spiel.

  7. Um es noch mal zu prä­zi­sie­ren: einer­seits glaubt F., wir bräuch­ten den Dia­log für den Frie­den der Welt, ande­rer­seits aber kann es kei­nen Dia­log mit dem Teu­fel geben („Der Dia­log ist zwi­schen uns not­wen­dig, für den Frie­den. Aber mit dem Für­sten der Welt kann es kei­nen Dia­log geben. Nie.“).
    Ich wür­de zustim­men, wenn da nicht die­se genaue­re Ein­schrän­kung des Dia­logs wäre, die­ses „für den Frie­den“. Was soll das wie­der hei­ßen? Meint F. damit, dass man sozu­sa­gen tak­tiert und diplo­ma­ti­sche, rhe­to­ri­sche Kräf­te spie­len lässt, den „Für­sten der Welt“ gewis­ser­ma­ßen übers Ohr haut?
    Das ist wie­der ein Bei­spiel für die­se Wider­sprüch­lich­keit, die ich mei­ne:
    Der Teu­fel ist für ihn also zum Bei­spiel in der Homo­ge­setz­ge­bung und der Abtrei­bung „aktiv“. Dem­nach glaubt er ja, es gebe Berei­che, in denen man einen Dia­log füh­ren kön­ne, weil da der Fürst der Welt wohl doch nicht der Fürst der Welt ist. Und: man kön­ne da Frie­den schaf­fen durch „Dia­log“.
    Sag­te nicht schon Jesus: „Beugt euch nicht mit Ungläu­bi­gen unter das glei­che Joch! Was haben denn Gerech­tig­keit und Gesetz­wid­rig­keit mit­ein­an­der zu tun? Was haben Licht und Fin­ster­nis gemein­sam? Was für ein Ein­klang herrscht zwi­schen Chri­stus und Beli­ar? Was hat ein Gläu­bi­ger mit einem Ungläu­bi­gen gemein­sam?“ (2. Korin­ther 6) Dia­log ja — aber nur i.S. der Mis­si­on um die See­len!
    Was F. will, ist ein run­des Qua­drat — genau so wirkt sei­ne „Theo­lo­gie“. Sie folgt Jesus … und folgt ihm bewusst nicht!
    Noch ein pro­ble­ma­ti­scher Punkt ist sei­ne wirk­lich per­fi­de Ver­teu­fe­lung des „jugend­li­chen Fort­schritts­en­thu­si­as­mus“:
    1. gehört Unrei­fe nicht zur Jugend? Nicht die Jugend ist das größ­te Pro­blem, son­dern wir, die wir ihnen Müt­ter­lich­keit und Väter­lich­keit in Lie­be und Rei­fe ver­wei­gern!
    2. kann ich — habe mit Jugend­li­chen zu tun durch mei­ne Arbeit — bei der Jugend oft nur noch ver­zwei­fel­ten Mate­ria­lis­mus wahr­neh­men, unsi­che­re Sehn­sucht, kla­re Ori­en­tie­rung und Lie­be durch uns Älte­re zu erfah­ren.
    Es sind die Alten, die stur auf dem Pro­gres­sis­mus behar­ren!

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