Benedikt XVI. bringt „Vorhof der Völker“ wieder auf Kurs: nicht Dialog als Selbstzweck, sondern Evangelisierung

(Vati­kan) Mit einer uner­war­te­ten Bot­schaft kor­ri­gier­te Papst Bene­dikt den Vor­hof der Völ­ker. Der Vor­hof geht auf eine Idee des Pap­stes zurück, mit deren Umset­zung er Gian­fran­co Kar­di­nal Rava­si beauf­trag­te. Eine Initia­ti­ve, die zunächst viel Medi­en­in­ter­es­se fand. Der 2010 von Papst Bene­dikt XVI. zum Kar­di­nal erho­be­ne Vor­sit­zen­de des Päpst­li­chen Kul­tur­rats sucht durch inter­na­tio­na­le Ver­an­stal­tun­gen in ver­schie­den­sten Städ­ten der Welt den Dia­log mit Agno­sti­kern und Athe­isten. Die­se zur Gott­su­che her­aus­zu­for­dern, das ist die vom Papst mit die­ser Initia­ti­ve ver­bun­de­ne Idee. Papst Bene­dikt XVI. stell­te nun jedoch klar, daß es nicht um den Dia­log als Selbst­zweck gehe. Sinn und Zweck des Vor­hofs der Völ­ker müs­se die Evan­ge­li­sie­rung der Ungläu­bi­gen sein. Ledig­lich ein Forum  zu sein, um ihnen zuzu­hö­ren genü­ge nicht, wie der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster berichtet.

Initiative Benedikts XVI., um bei Ungläubigen wieder Frage nach Gott zu wecken

Als Papst Bene­dikt XVI. kurz vor Weih­nach­ten 2009 einen  Vor­hof der Völ­ker anreg­te, steck­te er des­sen Ziel­set­zung ab: die Suche nach Gott unter den Agno­sti­kern und Athe­isten als „ersten Schritt“ zu ihrer Evan­ge­li­sie­rung fördern.

Die kon­kre­te Umset­zung sei­ner Idee, die auf den auch den Hei­den zugäng­li­chen Vor­hof zum Tem­pel von Jeru­sa­lem zurück­geht, über­trug  er dem Vor­sit­zen­den des Päpst­li­chen Kul­tur­rats, dem dama­li­gen Kuri­en­erz­bi­schof Gian­fran­co Rava­si, der als intel­lek­tu­el­ler Kopf und als fähi­ger Orga­ni­sa­tor von Kul­tur­er­eig­nis­sen bekannt ist.

Am 24. und 25. März 2010 stell­te Rava­si mit einer ersten Ver­an­stal­tung die Initia­ti­ve in Paris vor, die gro­ße media­le Auf­merk­sam­keit fand und Neu­gier­de unter Nicht-Gläu­bi­gen weck­te. Papst Bene­dikt XVI. selbst wand­te sich mit einer Video­bot­schaft an die auf dem Platz vor der Kathe­dra­le Not­re Dame du Paris ver­sam­mel­te Jugend.

„Vorhof der Völker“ wurde Einbahn zur Selbstdarstellung von Agnostikern

„Bei den fol­gen­den Ver­an­stal­tun­gen blieb der Papst jedoch stumm“, so Magi­ster. Der Vor­hof der Völ­ker wan­der­te in einer schnel­len Sequenz von Ver­an­stal­tun­gen und Tref­fen durch zahl­rei­che Län­der. Den Höhe­punkt bil­de­te die Ver­an­stal­tung am 5. und 6. Okto­ber 2012 in Assi­si mit einem neu­en Rekord an illu­stren Teil­neh­mern auf der Büh­ne, ange­fan­gen vom ita­lie­ni­schen Staats­prä­si­den­ten Gior­gio Napo­li­ta­no, einem Agno­sti­ker mar­xi­sti­scher Prägung.

Dem Cre­scen­do auf der Büh­ne ent­sprach aber nicht ein wach­sen­des all­ge­mei­nes Inter­es­se. Viel­mehr nahm mit dem zuneh­men­den Gedrän­ge im Schein­wer­fer­licht das Inter­es­se der nicht-akti­ven Teil­neh­mer und der Medi­en immer mehr ab. Die Tat­sa­che, daß Ungläu­bi­ge auf einer vom Hei­li­gen Stuhl orga­ni­sier­ten Ver­an­stal­tung das Wort ergrif­fen, war nach dem sech­sten, sieb­ten Mal für die Pres­se ver­ständ­li­cher­wei­se kei­ne wirk­li­che Nach­richt mehr.

Trotz der Bewun­de­rung, die die Ver­an­stal­tung unter den Teil­neh­mern fand, droh­te der Vor­hof der Völ­ker auf die­se Wei­se zu einem Leer­lauf zu wer­den, der im Bereich der Evan­ge­li­sie­rung nichts oder kaum etwas beweg­te. Wenn es den­noch beim bis­her jüng­sten Tref­fen am 16. und 17. Novem­ber in Por­tu­gal Bewe­gung gab, dann kam die­se von außen und von oben. Zum ersten Mal seit Paris wand­te sich Papst Bene­dikt XVI. wie­der per­sön­lich an die Teilnehmer.

Sinn und Zweck des Vorhofs ist die Evangelisierung

Mit sei­ner Bot­schaft kor­ri­gier­te der Papst die Aus­rich­tung der Initia­ti­ve und stell­te wie­der die ursprüng­li­che Inten­ti­on des Vor­hofs der Völ­ker her, näm­lich jenen, die fern­ste­hen von Gott zu spre­chen, um in ihnen den Wunsch nach der Suche Got­tes neu zu wecken und jene Fra­gen auf­zu­wer­fen, die sich dem „unbe­kann­ten“ Gott annä­hern lassen.

Die Bot­schaft war ihrer Spra­che nach offen­sicht­lich direkt der Feder Bene­dikts XVI. ent­flos­sen. Es stell­te mit der Gott­su­che Wert und Wür­de des mensch­li­chen Lebens in den Mit­tel­punkt. Um sogleich die Kon­se­quenz auf­zu­zei­gen, daß das Leben eines jeden Men­schen, beson­ders wenn es geliebt wird, nicht anders kann, als Gott ins Spiel zu bringen.

Die Frage nach Gott herausfordern, wie Paulus auf dem Areopag

Der Wert des Lebens wird nur offen­kun­dig, wenn es Gott gibt. Des­halb wäre es gut, wenn die Nicht-Gläu­bi­gen leben möch­ten, als „wenn es Gott gäbe“. Wenn sie auch noch nicht die Kraft haben zu glau­ben, soll­ten sie auf der Grund­la­ge die­ser Hypo­the­se leben. Im gegen­tei­li­gen Fall funk­tio­niert die Welt nicht. Es gibt vie­le Pro­ble­me, die gelöst wer­den müs­sen, aber dies ist nicht mög­lich, wenn Gott nicht in den Mit­tel­punkt gestellt wird, wenn Gott nicht wie­der sicht­bar in der Welt und ent­schei­dend in unse­rem Leben wird.“

„Glück­lich jene, die die Wahr­heit besit­zen“, so der Papst, und sie immer mehr suchen, um sie stän­dig zu erneu­ern, zu ver­tie­fen „und den ande­ren zu schenken“.

Kardinal Ravasi kündigte „Vertiefung“ der Initiative an

„Die offen­kun­di­ge Kor­rek­tur, die Papst Bene­dikt XVI. an der Initia­ti­ve Vor­hof der Völ­ker vor­nahm, wur­de von den Medi­en nicht wahr­ge­nom­men, nicht ein­mal von den katho­li­schen Medi­en“, so Magi­ster. Aber Kar­di­nal Rava­si wird es bemerkt haben, wor­auf der Arti­kel im Osser­va­to­re Roma­no vom 23. Novem­ber über den por­tu­gie­si­schen Vor­hof der Völ­ker hin­weist, in dem der Kar­di­nal mit den Wor­ten zitiert wird, daß der Vor­hof der Völ­ker bei den näch­sten Ter­mi­nen in einer „ver­tief­ten“  Form statt­fin­den werde.

Papst Bene­dikt XVI. beauf­trag­te unter­des­sen den Kar­di­nal damit, den drit­ten Band sei­nes Werks „Jesus von Naza­reth“ der inter­na­tio­na­len Pres­se vor­zu­stel­len. Zei­chen, daß er wei­ter­hin gro­ßes Ver­trau­en in ihn setzt.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nardi
Bild: cortiledeigentili.com

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