Jeder Mensch trägt ein inneres Verlangen nach Gott in sich

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Vor eini­gen Wochen haben wir das Jahr des Glau­bens begon­nen, und ich habe mich ent­schie­den, in die­sem Jahr in den Kate­che­sen das Wesen des Glau­bens in ver­schie­de­nen Aspek­ten zu beden­ken. Heu­te rich­ten wir unser Augen­merk auf die Erfah­rung, daß jeder Mensch irgend­wo ein inne­res Ver­lan­gen nach Gott, nach dem Unend­li­chen in sich trägt. Der Kate­chis­mus sagt uns: »Nur in Gott wird der Mensch die Wahr­heit und das Glück fin­den, wonach er unab­läs­sig sucht« (KKK 28). Die­ses Ver­lan­gen kann der Mensch aus sich selbst nicht befrie­di­gen. Er sucht nach dem Abso­lu­ten, aber sein eige­nes Stre­ben ist zu schwach, um von sich aus ans Ziel zu kom­men. Die Erfah­rung mensch­li­cher Lie­be öff­net eine neue Per­spek­ti­ve. In der Lie­be über­steigt der Mensch sich selbst, »aus dem in sich ver­schlos­se­nen Ich … zur Hin­ga­be und so gera­de zur Selbst­fin­dung, zur Fin­dung Got­tes« (Deus cari­tas est, 6). Durch die Lie­be erle­ben Mann und Frau, einer durch den ande­ren, auf eine neue Wei­se die Grö­ße und Schön­heit des Lebens und der Wirk­lich­keit über­haupt. Aller­dings ist eine Bereit­schaft des Her­zens, eine inne­re Rei­ni­gung des Wil­lens nötig, damit wir das Gute, das wir für uns sel­ber wol­len, für den ande­ren wol­len, und so aus uns her­aus, über uns hin­aus zum Gan­zen, letzt­lich zu Gott hin­fin­den. Das heißt, daß wir uns nie zufrie­den geben dür­fen mit dem schon Erreich­ten, weil wir wis­sen, daß nichts End­li­ches unser Herz erfül­len kann, son­dern nur die »himm­li­sche Beru­fung, die Gott uns in Chri­stus Jesus schenkt«, wie Pau­lus im Phil­ip­per­brief (3,14) gesagt hat. Und schließ­lich braucht es die Rei­ni­gung und die Hei­li­gung unse­res mensch­li­chen Ver­lan­gens, um mehr Abbild Got­tes zu sein und im Ein­klang mit dem Wil­len des Vaters zu leben. So zeigt sich uns der Weg zu Gott, der mit einer inne­ren Unru­he anfängt, mit der Erfah­rung des Schö­nen und Guten wei­ter­führt und uns dann sel­ber zur Rei­ni­gung zwingt, über uns hin­aus­führt und zu Gott selbst hin öff­net, der sei­ne Hand zu uns hin aus­streckt, der in Chri­stus uns ent­ge­gen­geht und uns zu sich hin­auf­zieht.

Sehr herz­lich hei­ße ich die Pil­ger und Besu­cher aus den Län­dern deut­scher Spra­che will­kom­men. In die­sem Jahr des Glau­bens wol­len wir unse­re Erfah­run­gen und unse­re Freu­de mit­ein­an­der tei­len, um gemein­sam den Weg zu gehen, der unser inne­res Ver­lan­gen erfüllt und uns zum wirk­li­chen Glück führt. Der Herr gebe uns allen dazu sei­ne Gna­de.

Bild: Ser­gey Gabdurakhmanov/flickr.com