Jordi Carbonell i de Ballester: Historischer linker Katalanenführer wird katholisch

(Bar­ce­lo­na) Jor­di Car­bonell i de Bal­le­ster, 1924 in Bar­ce­lo­na gebo­ren, gilt als einer der gro­ßen Kämp­fer für die Demo­kra­tie in Spa­ni­en. Der ein­fluß­rei­che kata­la­ni­sche Poli­ti­ker und Phi­lo­lo­ge gehör­te ver­schie­de­nen Oppo­si­ti­ons­grup­pen gegen das Fran­co-Regime an, so der Asam­blea de Catalunya, und war einer der Impuls­ge­ber für die sepa­ra­ti­sti­sche kata­la­ni­sche Lin­ke. Von 1996 bis 2004 war er Vor­sit­zen­der der Repu­bli­ka­ni­schen Lin­ken Kata­lo­ni­ens (ERC), seit­her ist er Ehren­vor­sit­zen­der. Die ERC war von 1984 bis 1988 und wie­der von 2003 bis 2010 Regie­rungs­par­tei in Kata­lo­ni­en. Die links-sezes­sio­ni­sti­sche ERC for­dert die Ver­ei­ni­gung aller „Kata­la­ni­schen Län­der“ in einem unab­hän­gi­gen Staat mit der Regi­on von Valen­cia, den Balea­ren und dem zu Frank­reich gehö­ren­den Nord­ka­ta­lo­ni­en.

Nach dem Stu­di­um der roma­ni­schen Phi­lo­lo­gie lehr­te Car­bonell Kata­la­nisch an den Estu­di­os Uni­ver­si­ta­ri­os Cata­la­nes und an der Uni­ver­sidad Auto­no­ma de Bar­ce­lo­na, bis er 1972 aus poli­ti­schen Grün­den ent­las­sen wur­de. Car­bonell ver­ließ Spa­ni­en unter dem Druck des Fran­co-Regimes und lehr­te an der Uni­ver­si­tät von Caglia­ri auf Sar­di­ni­en wie eben­so als Lek­tor für Kata­la­nisch an der Uni­ver­si­tät von Liver­pool. Er gehört zu den Grün­dern der Kata­la­ni­schen Gesell­schaft für Histo­ri­sche Stu­di­en, einem Able­ger des Insti­tuts für Kata­la­ni­sche Stu­di­en, und lei­te­te von 1965 bis 1971 die Her­aus­ga­be der Gro­ßen Kata­la­ni­schen Enzy­klo­pä­die.

Im Juni 2012 ver­öf­fent­lich­te die zum Bene­dik­ti­ner­klo­ster von Mone­stir de Sant Pere de les Puel in Bar­ce­lo­na gehö­ren­de Pfar­rei in ihrem Pfarr­blatt ein Inter­view, in dem der lin­ke Kata­la­nen­füh­rer über sei­ne Bekeh­rung zur katho­li­schen Kir­che und die Grün­de für sei­ne Rück­kehr zum Glau­ben berich­te­te.

Der Tod sei­ner Frau Hor­ten­sia im Jahr 2006 habe sei­nen Weg zur Kir­che ein­ge­lei­tet. Er sei seit sei­ner frü­hen Jugend Agno­sti­ker gewe­sen. Mit sei­ner Frau war er 60 Jah­re „glück­lich“ ver­hei­ra­tet. „Ihr Tod war einer schwe­rer Schlag für mich, ich woll­te mich mit ihrem Ver­lust nicht abfin­den. Die plötz­li­che Vor­stel­lung, daß mit dem Tod alles aus sein soll, wur­de für mich mit einem Schlag völ­lig unver­ständ­lich. Das öff­ne­te in mir die Bereit­schaft, auf Gott und die christ­li­che Bot­schaft zu hören. Bei die­ser inne­ren Ver­wand­lung haben mich Pater Josep Mas­sot i Mun­ta­ner, ein Mönch von Mont­s­er­rat und per­sön­li­cher Freund, sowie Pater Mar­cel Capel­le­des beglei­tet, und mir den Gott der Lie­be nahe­ge­bracht“, so Car­bonell.

Wie er erst jetzt erfah­ren habe, habe man in Sant Pere bereits zu sei­ner Zeit als agno­sti­scher, radi­ka­ler und ein­fluß­rei­cher Poli­ti­ker für sei­ne Rück­kehr zum Glau­ben gebe­tet. Sich selbst bezeich­net Car­bonell heu­te als „einen über­zeug­ten und im Glau­ben ver­an­ker­ten Chri­sten“, der an die Kir­che der Lie­be und der Hoff­nung glau­be „und jeden Tag mit Trä­nen in den Augen zu Gott betet“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons