Brief an die Priester von Kardinal Mauro Piacenza — Weltgebetstag zur Heiligung der Priester

BRIEF AN DIE PRIESTER

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Lie­be Prie­ster,

am kom­men­den Hoch­fest des hei­lig­sten Her­zens Jesu, das auf den 15. Juni 2012 fällt, wer­den wir wie gewohnt den Welt­ge­bets­tag zur Hei­li­gung der Prie­ster bege­hen.
Die Wor­te der Hei­li­gen Schrift: «Das ist es, was Gott will: eure Hei­li­gung!» (1Thess 4,3) sind zwar an alle Chri­sten gerich­tet, aber sie betref­fen in beson­de­rer Wei­se uns Prie­ster, die wir nicht nur die Ein­la­dung ange­nom­men haben „uns zu hei­li­gen“, son­dern auch „Die­ner der Hei­li­gung“ für unse­re Brü­der und Schwe­stern zu wer­den.
Die­ser „Wil­le Got­tes“ hat sich in unse­rem Fall sozu­sa­gen ver­dop­pelt und unend­lich ver­mehrt, so dass wir ihm in jeder Amts­hand­lung, die wir voll­brin­gen, gehor­chen dür­fen und müs­sen.
Das ist unse­re wun­der­vol­le Bestim­mung: Wir kön­nen uns nicht hei­li­gen, ohne an der Hei­lig­keit unse­rer Brü­der und Schwe­stern zu arbei­ten, wir kön­nen nicht an der Hei­lig­keit unse­rer Brü­der und Schwe­stern arbei­ten, ohne dass wir zuvor an unse­rer eige­nen Hei­lig­keit gear­bei­tet haben und wei­ter­hin arbei­ten.
Als der seli­ge Johan­nes Paul II. die Kir­che in das neue Jahr­tau­send führ­te, erin­ner­te er uns an die Nor­ma­li­tät die­ses „Ide­als der Voll­kom­men­heit“, das sofort allen vor­ge­legt wer­den muss: «Einen Katechu­me­nen fra­gen: „Möch­test du die Tau­fe emp­fan­gen?“, das schließt gleich­zei­tig die Fra­ge ein: „Möch­test du hei­lig wer­den?“» ((Apo­sto­li­sches Schrei­ben Novo mill­en­nio ine­un­te, Nr. 31.))
Sicher­lich ist am Tag unse­rer Prie­ster­wei­he die­se Tauf­fra­ge erneut in unse­ren Her­zen erklun­gen und ver­lang­te erneut unse­re per­sön­li­che Ant­wort, aber sie ist uns auch anver­traut wor­den, damit wir sie unse­ren Gläu­bi­gen zu stel­len wis­sen und dabei ihre Schön­heit und ihren Wert hüten.

Die­se Über­zeu­gung steht nicht im Wider­spruch zum Bewusst­sein von uns­rer per­sön­li­chen Unzu­läng­lich­keit und nicht ein­mal der Schuld, mit der eini­ge zuwei­len das Prie­ster­tum in den Augen der Welt ernied­rigt haben.
Nach zwan­zig Jah­ren – und in Anbe­tracht der schlim­men ver­brei­te­ten Nach­rich­ten – müs­sen wir wei­ter­hin in unse­rem Her­zen mit grö­ße­rer Kraft und Dring­lich­keit die Wor­te erklin­gen las­sen, die Johan­nes Paul II. am Grün­don­ners­tag 2002 an uns gerich­tet hat: «In die­ser Zeit erschüt­tern uns als Prie­ster zutiefst die Sün­den eini­ger unse­rer Mit­brü­der, wel­che die Gna­de des Wei­he­sa­kra­men­tes ver­ra­ten haben, indem sie den schlimm­sten Aus­for­mun­gen des myste­ri­um ini­qui­ta­tis in der Welt nach­ge­ge­ben haben. Auf die­se Wei­se ent­ste­hen schwer­wie­gen­de Skan­da­le, die zur Fol­ge haben, daß ein dunk­ler Schat­ten des Ver­dachts auf alle ande­ren ver­dienst­vol­len Prie­ster fällt, die ihren Dienst ehr­lich, kon­se­quent und bis­wei­len mit heroi­scher Lie­be aus­üben. Wäh­rend die Kir­che den Opfern ihre Für­sor­ge zum Aus­druck bringt und ihre Kraft auf­bie­tet, gemäß der Wahr­heit und der Gerech­tig­keit auf jede schmerz­li­che Situa­ti­on zu reagie­ren, sind wir alle – im Bewußt­sein der mensch­li­chen Schwach­heit, aber im Ver­trau­en auf die hei­len­de Kraft der gött­li­chen Gna­de – dazu auf­ge­ru­fen, das myste­ri­um Cru­cis mit Lie­be anzu­neh­men und uns beim Stre­ben nach Hei­lig­keit mehr anzu­stren­gen. Wir müs­sen beten, daß Gott in sei­ner Vor­se­hung einen groß­mü­ti­gen Auf­bruch in den Her­zen zugun­sten des Ide­als der Ganz­hin­ga­be an Chri­stus erwecke, wel­che die Grund­la­ge für den prie­ster­li­chen Dienst bil­det. » ((JOHANNES PAUL II., Brief an die Prie­ster zum Grün­don­ners­tag 2002.))

Als Die­ner der Barm­her­zig­keit Got­tes wis­sen wir also, dass das Stre­ben nach Hei­lig­keit von Reue und Ver­ge­bung aus­ge­hend immer wie­der neu begin­nen kann. Aber wir spü­ren auch, wie not­wen­dig es ist, dar­um zu bit­ten: als ein­zel­ne Prie­ster, im Namen aller Prie­ster und für alle Prie­ster. ((KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Der Prie­ster als Die­ner der gött­li­chen Barm­her­zig­keit. Leit­fa­den für Beicht­vä­ter und geist­li­che Lei­ter, 9. März 2011, 14–18; 74–76; 110–116 (Der Prie­ster als Pöni­tent und geist­li­cher Schü­ler).))

Unser Ver­trau­en wird dann wei­ter­hin gestärkt durch die Ein­la­dung, wel­che die Kir­che selbst an uns rich­tet: von neu­em die Por­ta fidei zu durch­schrei­ten und all unse­re Brü­der und Schwe­stern dabei zu beglei­ten.
Wir wis­sen, dass das Apo­sto­li­sche Schrei­ben, mit dem der Hei­li­ge Vater Bene­dikt XVI. das Jahr des Glau­bens aus­ge­ru­fen hat, die­sen Titel trägt. Es wird am kom­men­den 12. Okto­ber 2012 begin­nen.
Eine Refle­xi­on über die Umstän­de die­ser Ein­la­dung mag uns eine Hil­fe sein.
Die­se Ein­la­dung ergeht in Ver­bin­dung mit dem 50. Jah­res­tag der Eröff­nung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Öku­me­ni­schen Kon­zils (11. Okto­ber 1962) und dem 20. Jah­res­tag der Ver­öf­fent­li­chung des Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (11. Okto­ber 1992). Dar­über hin­aus wur­de für den Monat Okto­ber 2012 die Voll­ver­samm­lung der Bischofs­syn­ode zum The­ma Die Neue­van­ge­li­sie­rung und die Wei­ter­ga­be des christ­li­chen Glau­bens ein­be­ru­fen. Es wird also von uns erwar­tet, dass wir jedes die­ser vier „Kapi­tel“ ver­tie­fen:

– das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil, damit es neu ange­nom­men wird als „die gro­ße Gna­de …, in deren Genuß die Kir­che im 20. Jahr­hun­dert gekom­men ist““: „In ihm ist uns ein siche­rer Kom­paß gebo­ten wor­den, um uns auf dem Weg des jetzt begin­nen­den Jahr­hun­derts zu ori­en­tie­ren“, „ eine gro­ße Kraft für die stets not­wen­di­ge Erneue­rung der Kir­che.“ ((Vgl. Por­ta fidei, Nr.5.))

– den Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che , damit er wirk­lich ange­nom­men und ver­wen­det wird „als gül­ti­ges und legi­ti­mes Werk­zeug im Dienst der kirch­li­chen Gemein­schaft, … als siche­re Norm für die Leh­re des Glau­bens“. ((Ebd., Nr. 11))

– die Vor­be­rei­tung der näch­sten Bischofs­syn­ode, damit sie wirk­lich „eine gün­sti­ge Gele­gen­heit sein wird, um das gesam­te kirch­li­che Gefü­ge in eine Zeit der beson­de­ren Besin­nung und der Wie­der­ent­deckung des Glau­bens zu füh­ren“ ((Ebd., Nr. 4)) .

Fürs erste – als Ein­füh­rung in die gesam­te Arbeit – kön­nen wir kurz nach­den­ken über den Hin­weis des Pap­stes, wor­auf alles zustrebt:

„Die Lie­be Chri­sti ist es, die unse­re Her­zen erfüllt und uns dazu drängt, das Evan­ge­li­um zu ver­kün­den. Heu­te wie damals sen­det er uns auf die Stra­ßen der Welt, um sein Evan­ge­li­um allen Völ­kern der Erde bekannt­zu­ma­chen (vgl. Mt 28,19). Mit sei­ner Lie­be zieht Jesus Chri­stus die Men­schen aller Genera­tio­nen an sich: Zu allen Zei­ten ruft er die Kir­che zusam­men und ver­traut ihr die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums mit einem Auf­trag an, der immer neu ist. Dar­um ist auch heu­te ein über­zeug­te­rer kirch­li­cher Ein­satz für eine neue Evan­ge­li­sie­rung not­wen­dig, um wie­der die Freu­de am Glau­ben zu ent­decken und die Begei­ste­rung in der Wei­ter­ga­be des Glau­bens wie­der­zu­fin­den.“ ((Ebd., Nr. 7))

Men­schen aller Genera­tio­nen“, „allen Völ­kern der Erde“, „neue Evan­ge­li­sie­rung“: ange­sichts die­ser uni­ver­sa­len Per­spek­ti­ve müs­sen vor allem wir Prie­ster uns fra­gen, wie und wo die­se Aus­sa­gen anknüp­fen und wor­aus sie bestehen kön­nen.

Wir kön­nen also zunächst dar­an erin­nern, dass bereits der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che mit einer umfas­sen­den Per­spek­ti­ve beginnt, wenn er aner­kennt: «Der Mensch ist „gott­fä­hig“» ((Erster Teil. Kapi­tel I.)) ; aber er tut dies, indem er als erstes Zitat den fol­gen­den Text des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils wählt:

«Ein beson­de­rer Wesens­zug („exi­mia ratio“) der Wür­de des Men­schen liegt in sei­ner Beru­fung zur Gemein­schaft mit Gott. Zum Dia­log mit Gott ist der Mensch schon von sei­nem Ursprung her auf­ge­ru­fen: er exi­stiert näm­lich nur, weil er, von Gott aus Lie­be („ex amo­re“) geschaf­fen, immer aus Lie­be („ex amo­re“) erhal­ten wird; und er lebt nicht voll gemäß der Wahr­heit, wenn er die­se Lie­be nicht frei aner­kennt und sich sei­nem Schöp­fer anheim­gibt. Vie­le unse­rer Zeit­ge­nos­sen erfas­sen aber die­se innig­ste und lebens­vol­le Ver­bin­dung mit Gott („hanc inti­mam ac vita­lem coni­unc­tio­n­em cum Deo“) gar nicht oder ver­wer­fen sie aus­drück­lich.» ((Gau­di­um et Spes, Nr. 19 und Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, Nr. 27.))

Wie soll­te man ver­ges­sen, dass sich die Kon­zils­vä­ter mit dem eben zitier­ten Text – gera­de mit dem Reich­tum der gewähl­ten For­mu­lie­run­gen – direkt an die Athe­isten wen­den woll­ten, um die uner­mess­li­che Wür­de der Beru­fung zu bekräf­ti­gen, von der die­se sich schon allein als Men­schen ent­frem­det hat­ten? Und sie taten dies mit den­sel­ben Wor­ten, die dazu die­nen, die christ­li­che Erfah­rung auf der Höhe ihrer mysti­schen Inten­si­tät zu beschrei­ben!
Auch das Apo­sto­li­sche Schrei­ben Por­ta Fidei beginnt mit der Bekräf­ti­gung, dass die­se Tür „in das Leben der Gemein­schaft mit Gott führt“, was bedeu­tet, dass sie es uns ermög­licht, uns direkt in das zen­tra­le Glau­bens­ge­heim­nis zu ver­sen­ken, dass wir beken­nen müs­sen: „Den Glau­ben an die Tri­ni­tät – den Vater, den Sohn und den Hei­li­gen Geist – zu beken­nen ent­spricht an einen ein­zi­gen Gott, der die Lie­be ist, zu glau­ben.“ (Ebd., Nr. 1).

Dies alles muss unser Herz und unse­ren Ver­stand erfül­len, damit wir uns bewusst wer­den, was das größ­te Dra­ma unse­rer heu­ti­gen Zeit ist.
Die bereits chri­stia­ni­sier­ten Natio­nen sind nicht mehr ver­sucht, einem gene­ri­schen Athe­is­mus zu erlie­gen (wie in der Ver­gan­gen­heit), son­dern es besteht die Gefahr, dass sie Opfer jenes beson­de­ren Athe­is­mus wer­den, der daher kommt, dass man die Schön­heit und lebens­spen­den­de Innig­keit der Offen­ba­rung der Drei­fal­tig­keit ver­ges­sen hat.
Heu­te sind es vor allem die Prie­ster, die in ihrer täg­li­chen Anbe­tung und in ihrem täg­li­chen Dienst alles zur drei­fal­ti­gen Gemein­schaft zurück­füh­ren müs­sen: nur von ihr aus­ge­hend und sich in sie ver­sen­kend kön­nen die Gläu­bi­gen wahr­haft das Ant­litz des Soh­nes Got­tes und sei­ne Zeit­ge­nos­sen­schaft ent­decken und wirk­lich das Herz jedes Men­schen und die Hei­mat errei­chen, zu der alle beru­fen sind. Und nur so kön­nen wir Prie­ster den Men­schen von heu­te neu die Wür­de schen­ken, Per­son zu sein, sowie ihnen einen Sinn ver­mit­teln für mensch­li­che Bezie­hun­gen und das sozia­le Leben und das Ziel der gesam­ten Schöp­fung.
An den einen Gott glau­ben, der Lie­be ist“: eine Neue­van­ge­li­sie­rung wird nur dann wahr­haft mög­lich sein, wenn wir Chri­sten in der Lage sind, die Welt erneut zum Stau­nen zu brin­gen und ihr Herz anzu­rüh­ren durch die Ver­kün­di­gung des Wesens der Lie­be unse­res Got­tes in den drei gött­li­chen Per­so­nen, die die­se Lie­be aus­drücken und uns in ihr drei­fal­ti­ges Leben ein­be­zie­hen.

Die Welt von heu­te mit ihren immer schmerz­haf­te­ren und besorg­nis­er­re­gen­den Spal­tun­gen braucht den drei­fal­ti­gen Gott, und ihn zu ver­kün­den, das ist Auf­ga­be der Kir­che.
Damit die Kir­che die­sen Auf­trag erfül­len kann, muss sie unauf­lös­lich mit Chri­stus ver­eint blei­ben und darf sich nie von ihm tren­nen las­sen: sie braucht Hei­li­ge, die „im Her­zen Jesu“ woh­nen und fro­he Zeu­gen der drei­fal­ti­gen Lie­be Got­tes sind.
Und um der Kir­che und der Welt zu die­nen, müs­sen die Prie­ster Hei­li­ge sein!

Aus dem Vati­kan, 26. März 2012
Hoch­fest der Ver­kün­di­gung des Herrn

Mau­ro Kar­di­nal Pia­cen­za
Prä­fekt

Cel­so Mor­ga Iru­zu­bie­ta
+ Titu­lar­bi­schof von Alba Marit­ti­ma
Sekre­tär

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LESUNGEN UND TEXTE
ZUR VERTIEFUNG ODER FÜR DEN GOTTESDIENST

 

BIBLISCHE LESUNGEN

Aus dem Johan­nes­evan­ge­li­um, 15, 14–17

Aus dem Lukas­evan­ge­li­um, 22, 14–27

Aus dem Johan­nes­evan­ge­li­um, 20, 19–23

Aus dem Hebrä­er­brief, 5, 1–10

 

AUS DEN KIRCHENVÄTERN

HL. JOHANNES CHRYSOSTOMUS, Über das Prie­ster­tum, III, 4–5; 6.

ORIGENES, Homi­li­en zu Levi­ti­kus, 7, 5.

 

AUS LEHRAMTLICHEN TEXTEN

Gau­di­um et Spes, Nr. 19 und Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che , Nr. 27.

JOHANNES PAUL II., Brief an die Prie­ster zum Grün­don­ners­tag, 2001.

BENEDIKT XVI., Pre­digt am Grün­don­ners­tag, 13. April 2006.

 

AUS DEN SCHRIFTEN DER HEILIGEN

HEILIGER GREGOR DER GRO­ßE, Dia­lo­ge, 4, 59.

HEILIGE KATHERINA VON SIENA, Dia­log der gött­li­chen Vor­se­hung, Kap. 116; vgl. Sl 104, 15.

HEILIGE TERESA VON LISIEUX, Ms A 56r; LT 108; LT 122; LT 101; Pr Nr. 8.

SELIGER CHARLES DE FOUCAULD, Ecrits Spi­ri­tu­els, pp. 69–70.

HEILIGE TERESA BENEDICTA A CRUCIS (EDITH STEIN), WS, 23.

 

GEBET FÜR DIE HEILIGE KIRCHE
UND DIE PRIESTER

O mein Jesus, ich bit­te Dich für die gesam­te Kir­che;
schen­ke ihr Lie­be und Erleuch­tung Dei­nes Gei­stes.
Ver­lei­he den Wor­ten der Prie­ster Kraft,
auf dass ver­stei­ner­te Her­zen
erwei­chen und zu Dir, Herr, zurück­keh­ren.
Herr, gib uns hei­li­ge Prie­ster.
Du Selbst erhal­te sie in der Hei­lig­keit.
O Gött­li­cher und Höch­ster Prie­ster,
möge die Macht Dei­ner Barm­her­zig­keit
sie über­all­hin beglei­ten und sie beschüt­zen
vor den Fal­len und Schlin­gen des Teu­fels,
die er unent­wegt den See­len der Prie­ster stellt.
Möge die Macht Dei­ner Barm­her­zig­keit, o Herr,
alles, was die Hei­lig­keit eines Prie­sters ver­dü­stern könn­te,
zer­mal­men und zunich­te machen,
denn Du ver­magst alles.
Gelieb­te­ster Jesus,
ich bit­te Dich um den Tri­umph der Kir­che,
um den Segen für den Hei­li­gen Vater und alle Prie­ster;
um Gna­de der Bekeh­rung für ver­stock­te Sün­der;
um beson­de­ren Segen und Erleuch­tung
bit­te ich Dich, Jesus, für die Prie­ster,
bei denen ich in mei­nem Leben beich­ten wer­de.
(Hei­li­ge Schwe­ster Fausty­na Kow­alska)

 

GEWISSENSERFORSCHUNG FÜR PRIESTER

1. » Und ich hei­li­ge mich für sie, damit auch sie in der Wahr­heit gehei­ligt sind. « (Joh 17,19)
Habe ich als Prie­ster ernst­haft den Vor­satz, hei­lig­mä­ßig zu leben? Bin ich davon über­zeugt, dass die Frucht­bar­keit mei­nes prie­ster­li­chen Dien­stes von Gott kommt und dass ich mich, mit der Gna­de des Hei­li­gen Gei­stes, mit Chri­stus iden­ti­fi­zie­ren und mein Leben für das Heil der Welt hing eben muss?

2. » Das ist mein Leib « (Mt 26,26)
Ist das hei­li­ge Mess­op­fer der Mit­tel­punkt mei­nes inne­ren Lebens? Berei­te ich mich gut dar­auf vor, feie­re ich es andäch­tig und ver­sen­ke ich mich danach in dank­ba­res Gebet? Ist die hl. Mes­se für mich an jedem Tag ein regel­mä­ßi­ger Bezugs­punkt für mein Got­tes­lob und mei­nen Dank an Gott für sei­ne Wohl­ta­ten? Neh­me ich dabei immer wie­der Zuflucht zu sei­ner Güte und Nach­sicht und lei­ste ich Wie­der­gut­ma­chung für mei­ne Sün­den und für die Sün­den aller Men­schen?

3. » Der Eifer für dein Haus ver­zehrt mich. « (Joh 2,17)
Feie­re ich die hl. Mes­se nach den fest­ge­setz­ten Riten und Nor­men, mit ech­ter Moti­va­ti­on, nach den appro­bier­ten lit­ur­gi­schen Büchern? Gehe ich sorg­fäl­tig mit den im Taber­na­kel auf­be­wahr­ten geweih­ten Hosti­en um, erneue­re ich sie in regel­mä­ßi­gen Abstän­den? Bewah­re ich die sakra­len Gefä­ße mit Sorg­falt auf? Tra­ge ich in Wür­de die von der Kir­che vor­ge­schrie­be­nen lit­ur­gi­schen Gewän­der, in dem Bewusst­sein, dass ich in per­so­na Chri­sti Capi­tis, in der Per­son Chri­sti des Haup­tes der Kir­che, hand­le?

4. » Bleibt in mei­ner Lie­be! « (Joh 15,9)
Berei­tet es mir Freu­de, bei mei­ner Medi­ta­ti­on und stil­len Anbe­tung vor Jesus Chri­stus zu ver­wei­len, der im aller­hei­lig­sten Sakra­ment gegen­wär­tig ist? Hal­te ich treu an dem täg­li­chen Besuch vor dem aller­hei­lig­sten Sakra­ment fest? Ist mein Schatz im Taber­na­kel?

5. » Erklä­re uns das Gleich­nis « (Mt 13,36)
Hal­te ich gewis­sen­haft täg­lich mei­ne Betrach­tung, indem ich mich bemü­he, jede Art von Ablen­kung, die mich von Gott trennt, zu über­win­den? Indem ich nach dem Licht des Herrn suche, dem ich die­ne? Medi­tie­re ich regel­mä­ßig die Hei­li­ge Schrift? Spre­che ich gewis­sen­haft mei­ne gewohn­ten Gebe­te?

6. » Alle­zeit beten und dar­in nicht nach­las­sen « (Lk 18,1)
Bete ich voll­stän­dig, wür­dig, gewis­sen­haft und andäch­tig das täg­li­che Stun­den­ge­bet? Bin ich in die­ser wich­ti­gen Dimen­si­on mei­nes Dien­stes, näm­lich im Namen der gan­zen Kir­che zu beten, mei­ner Ver­pflich­tung gegen­über Chri­stus treu?

7. » Komm und fol­ge mir nach « (Mt 19,21)
Ist er, unser Herr Jesus Chri­stus, die wah­re Lie­be mei­nes Lebens? Kom­me ich mit Freu­de der Ver­pflich­tung mei­ner Lie­be gegen­über Gott nach, indem ich die zöli­ba­tä­re Ent­halt­sam­keit lebe? Habe ich mich bewusst auf unrei­ne Gedan­ken, Wün­sche oder Hand­lun­gen ein­ge­las­sen; habe ich unziem­li­che Unter­hal­tun­gen geführt? Habe ich mich unmit­tel­bar in eine Gele­gen­heit bege­ben, gegen die Keusch­heit zu sün­di­gen? Habe ich mei­nen Blick in Acht genom­men? War ich vor­sich­tig im Umgang mit den ver­schie­de­nen Men­schen­grup­pen? Ist mein Lebens­wan­del für die Gläu­bi­gen ein Zeug­nis für die Tat­sa­che, dass die Rein­heit etwas ist, das mög­lich, frucht­bar und froh­ma­chend ist?

8. » Wer bist Du? « (Joh 1,19)
Fin­de ich in mei­nem gewohn­heits­mä­ßi­gen Ver­hal­ten Anhalts­punk­te für Schwä­che, Faul­heit oder Schlaff­heit? Ent­spre­chen mei­ne Gesprä­che der mensch­li­chen und über­na­tür­li­chen Gesin­nung, die ein Prie­ster haben soll­te? Ach­te ich dar­auf, dass sich in mein Leben kei­ne ober­fläch­li­chen oder ordi­nä­ren Ele­men­te ein­schlei­chen? Ste­hen all mei­nen Hand­lun­gen im Ein­klang mit mei­nem Prie­ster­stand?

9. » Der Men­schen­sohn aber hat kei­nen Ort, wo er sein Haupt hin­le­gen kann. « (Mt 8,20)
Lie­be ich die christ­li­che Armut? Mache ich mein Herz in Gott fest und bin ich inner­lich los­ge­löst von allem übri­gen? Bin ich bereit, um Gott bes­ser zu die­nen, auf all mei­nen der­zei­ti­gen Kom­fort, auf mei­ne per­sön­li­chen Plä­ne und auf mei­ne legi­ti­men Nei­gun­gen zu ver­zich­ten? Besit­ze ich über­flüs­si­ge Din­ge, habe ich für unnö­ti­ge Din­ge Geld aus­ge­ge­ben oder las­se ich mich von Kon­sum­gier beherr­schen? Tue ich das mög­lich­ste, die Zei­ten der Ruhe und der Erho­lung in der Gegen­wart Got­tes zu leben, im Bewusst­sein, dass ich immer und über­all Prie­ster bin, auch in die­sen Zei­ten?

10. » Weil du all das den Wei­sen und Klu­gen ver­bor­gen, den Unmün­di­gen aber offen­bart hast « (Mt 11,25)
Gibt es in mei­nem Leben Sün­den des Hoch­muts: über­trie­be­ne Emp­find­lich­keit, Reiz­bar­keit, Wider­stand gegen das Ver­zei­hen, Nei­gung zu Mut­lo­sig­keit, usw.? Erbit­te ich von Gott die Tugend der Demut?

11. » Und sogleich floss Blut und Was­ser her­aus « (Joh 19,34)
Habe ich die Über­zeu­gung, dass ich, wenn ich „in per­so­na Chri­sti“ hand­le, unmit­tel­bar in den Leib Chri­sti, die Kir­che, ein­be­zo­gen bin? Kann ich ehr­lich sagen, dass ich die Kir­che lie­be und dass ich mit Freu­de ihrem Wachs­tum, ihren Anlie­gen, einem jeden ihrer Mit­glie­der und der gan­zen Mensch­heit die­ne?

12. » Du bist Petrus « (Mt 16,18)
Nihil sine Epi­scopo
– nichts ohne den Bischof – pfleg­te der hl. Igna­ti­us von Antio­chi­en zu sagen: Lie­gen die­se Wor­te mei­nem prie­ster­li­chen Dienst zu Grun­de? Habe ich die Anwei­sun­gen, Rat­schlä­ge und Zurecht­wei­sun­gen mei­nes Bischofs gehor­sam ange­nom­men? Bete ich beson­ders für den Hei­li­gen Vater, in vol­ler Über­ein­stim­mung mit sei­nen Leh­ren und Anlie­gen?

13. » Liebt ein­an­der! « (Joh 13,34)
Habe ich im Umgang mit mei­nen Brü­dern im Prie­ster­stand mit Eifer die Lie­be gelebt oder habe ich mich im Gegen­teil aus Ego­is­mus, Teil­nahms­lo­sig­keit oder Gleich­gül­tig­keit nicht für sie inter­es­siert? Habe ich mei­ne Brü­der im Prie­ster­stand kri­ti­siert? Habe ich denen bei­gestan­den, die an kör­per­li­cher Krank­heit oder see­li­schem Schmerz lei­den? Lebe ich die Brü­der­lich­keit, damit kei­ner allein ist? Behand­le ich alle mei­ne Brü­der im Prie­ster­stand und auch die gläu­bi­gen Lai­en mit der­sel­ben Lie­be und Geduld Chri­sti?

14. » Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben « (Joh 14,6)
Ken­ne ich von Grund auf die Leh­ren der Kir­che? Eig­ne ich sie mir an und gebe ich sie wahr­heits­ge­treu wei­ter? Bin ich mir der Tat­sa­che bewusst, dass es einen schwe­ren Miss­brauch dar­stellt, der den See­len Scha­den zufügt, wenn ich etwas leh­re, was nicht mit dem fei­er­li­chen oder ordent­li­chen und all­ge­mei­nen Lehr­amt der Kir­che über­ein­stimmt?

15. » Geh und sün­di­ge von jetzt an nicht mehr! « (Joh 8,11)
Die Ver­kün­di­gung des Wor­tes Got­tes führt die Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten. Beich­te ich regel­mä­ßig und häu­fig, wie es mei­nem Stand und den hei­li­gen Din­gen, mit denen ich umge­he, ange­mes­sen ist? Spen­de ich groß­zü­gig das Sakra­ment der Ver­söh­nung? Bin ich weit­ge­hend ver­füg­bar für die geist­li­che Lei­tung der Gläu­bi­gen, indem ich ihnen eine bestimm­te Zeit wid­me? Berei­te ich die Pre­digt und die Kate­che­se sorg­fäl­tig vor? Pre­di­ge ich mit Eifer und spricht aus mei­ner Pre­digt die Lie­be zu Gott?

16. » Und er rief die zu sich, die er erwählt hat­te, und sie kamen zu ihm « (Mk 3,13)
Bemü­he ich mich lie­be­voll dar­um, die Kei­me der Beru­fun­gen zum Prie­ster­tum und zum geweih­ten Leben zu ent­decken? Tra­ge ich Sor­ge dafür, dass sich unter allen Gläu­bi­gen ein stär­ke­res Bewusst­sein der all­ge­mei­nen Beru­fung zur Hei­lig­keit aus­brei­tet? Bit­te ich die Gläu­bi­gen, um Beru­fun­gen und für die Hei­li­gung der Prie­ster zu beten?

17. » Der Men­schen­sohn ist nicht gekom­men, um sich die­nen zu las­sen, son­dern um zu die­nen « (Mt 20,28)
Habe ich danach gestrebt, mich im All­tag den ande­ren zu wid­men, indem ich ihnen dem Evan­ge­li­um ent­spre­chend die­ne? Mache ich die Lie­be zum Herrn auch in Wer­ken sicht­bar? Sehe ich im Kreuz die Gegen­wart Chri­sti und den Sieg der Lie­be? Ist mein All­tag vom Geist des Die­nens geprägt? Betrach­te ich auch die Aus­übung der mit dem Amt ver­bun­de­nen Auto­ri­tät als eine uner­läss­li­che Form des Die­nens?

18. » Mich dür­stet « (Joh 19,28)
Habe ich für die See­len, die Gott mir anver­traut hat, gebe­tet und mich tat­säch­lich und mit Groß­mut für sie auf­ge­op­fert? Erfül­le ich mei­ne seel­sor­ger­li­chen Pflich­ten? Sor­ge ich mich auch um die See­len der Ver­stor­be­nen?

19. » Frau, sie­he, dein Sohn! …Sie­he, dei­ne Mut­ter! « (Joh 19,26–27)
Wen­de ich mich vol­ler Hoff­nung an die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria, die Mut­ter der Prie­ster, damit sie mir hilft, ihren Sohn Jesus mehr zu lie­ben und auch die Lie­be ande­rer zu ihm zu ver­meh­ren? Pfle­ge ich die maria­ni­sche Fröm­mig­keit? Neh­me ich mir jeden Tag Zeit für den hei­li­gen Rosen­kranz? Neh­me ich im Kampf gegen den Satan, die Begehr­lich­keit und das Stre­ben nach eit­lem Ver­gnü­gen, Zuflucht zu ihrer müt­ter­li­chen Für­spra­che?

20. » Vater, in dei­ne Hän­de lege ich mei­nen Geist. « (Lk 23,46)
Bin ich eif­rig, den Ster­ben­den bei­zu­ste­hen und ihnen die Sakra­men­te zu spen­den? Betrach­te ich in mei­ner per­sön­li­chen Medi­ta­ti­on, in der Kate­che­se und in der nor­ma­len Pre­digt­tä­tig­keit die Leh­re der Kir­che über die Letz­ten Din­ge? Erbit­te ich die Gna­de der Beharr­lich­keit bis zum Ende und ermah­ne ich die Gläu­bi­gen das­sel­be zu tun? Brin­ge ich häu­fig und andäch­tig das Mess­op­fer und Für­bitt­ge­be­te für die Ver­stor­be­nen dar?
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