Wenn der Papst in den Iran reisen würde? – Der Iran und seine religiösen Minderheiten

(Tehe­ran) Irans Staats­prä­si­dent Mah­mud Ahma­di­ned­schad lud Papst Bene­dikt XVI. ein, das Land der Per­ser zu besu­chen. Der ira­ni­sche Bot­schaf­ter wie­der­hol­te bereits die Ein­la­dung. „Soll­te der Papst sich ent­schei­den, die­se Rei­se anzu­tre­ten, wer­den wir bereit sein, ihn in gebüh­ren­der Form und mit Begei­ste­rung zu emp­fan­gen“, erklär­te AlଠAkbar Nase­ri, der ira­ni­sche Bot­schaf­ter beim Hei­li­gen Stuhl.

Die Ein­la­dung durch den Staats­prä­si­den­ten des Iran sei bereits im Novem­ber 2010 erfolgt, wie der Bot­schaf­ter bekannt­gab. Sie geht auf einen Besuch von Kar­di­nal Jean Lou­is Tau­ran, den Prä­si­den­ten des Päpst­li­chen Rats für den inter­re­li­giö­sen Dia­log im Iran zurück. Anlaß war das 7. Dia­log­tref­fen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und dem Iran in Tehe­ran.

Damals über­brach­te der Kar­di­nal eine per­sön­li­che Bot­schaft Bene­dikts XVI. für Staats­prä­si­dent Ahma­di­ned­schad. Bot­schaf­ter Nase­ri beton­te gegen­über der Pres­se die „sehr herz­li­chen und auf­rich­ti­gen“ Bezie­hun­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und dem Iran. Die Zusam­men­ar­beit auf kul­tu­rel­ler und wis­sen­schaft­li­cher Ebe­ne sei inten­siv, der inter­re­li­giö­se Dia­log gut geglie­dert. Die Dia­log­tref­fen fän­den im Rhyth­mus von zwei Jah­ren statt. Das näch­ste ist für Okto­ber 2012 in Rom geplant.

Ira­ni­sche Gerich­te ver­ur­tei­len Evan­ge­li­sie­rung als „anti-isla­mi­sche Pro­pa­gan­da“

Lei­la Moham­ma­di, eine zum Chri­sten­tum kon­ver­tier­te Ira­ne­rin wur­de Ende Janu­ar von einem ira­ni­schen Gericht in Tehe­ran zu zwei Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt. Die Frau habe „die natio­na­le Sicher­heit gefähr­det, indem sie anti-isla­mi­sche Pro­pa­gan­da und Pro­se­ly­tis­mus“ betrie­ben habe. Die Chri­stin habe, wie es in der Urteils­be­grün­dung heißt, „in ihrem Haus nicht geneh­mig­te Ver­samm­lun­gen abge­hal­ten“. Dies berich­te­te die Inter­net­sei­te für Men­schen­rech­te Her­ana.

Lei­la Moham­ma­di war im August 2011 von Agen­ten des ira­ni­schen Geheim­dien­stes ver­haf­tet wor­den. Nach fünf Mona­ten U‑Haft im Evin-Gefäng­nis von Tehe­ran, war sie auf Kau­ti­on auf frei­en Fuß gesetzt wor­den. Ihr Rechts­bei­stand gab bekannt, ein Beru­fungs­ver­fah­ren anzu­stre­ben.

Laut Oppo­si­ti­ons­an­ga­ben sei­en 2011 mehr als 200 zum Chri­sten­tum kon­ver­tier­te Ira­ner ver­haf­tet wor­den. Dut­zen­de von ihnen wur­den zu mehr­jäh­ri­gen Gefäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt. Die Scha­ria erlaubt kei­ne Kon­ver­sio­nen. Eine Abkehr vom Islam gibt es für die isla­mi­sche Rechts­ord­nung nicht. Sie kann mit der Todes­stra­fe geahn­det wer­den. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist die Zahl der Kon­ver­ti­ten, die Chri­stus nach­fol­gen, im Iran stark ange­stie­gen, vor allem unter den Jugend­li­chen. Das Phä­no­men löste eine har­te poli­tisch-reli­giö­se Repres­si­on durch die Isla­mi­sche Repu­blik aus.

Das schwie­ri­ge Ver­hält­nis des Iran mit den reli­giö­sen Min­der­hei­ten

Ein Bericht von Human Rights schil­dert eine dra­ma­ti­sche Situa­ti­on für die reli­giö­sen Min­der­hei­ten im Iran. Die Mög­lich­kei­ten der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen, die tat­säch­li­che Lage im Iran zu erkun­den, sind sehr ein­ge­schränkt, wes­halb ein Groß­teil der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen unbe­kannt blei­ben, wie die christ­li­che Inter­net­sei­te Moha­bat News den Human Rights-Bericht kom­men­tier­te.

Der Bericht stell­te fest, daß in der Isla­mi­schen Repu­blik Iran gegen jede „Abwei­chung“ vom offi­zi­el­len schii­ti­schen Islam vom Staat star­ker Druck aus­ge­übt wird. 2011 wur­den von der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on 2751 Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen regi­striert. Die Orga­ni­sa­ti­on erstell­te dar­aus eine Hoch­rech­nung von 1,12 Mil­lio­nen Ver­let­zun­gen. 2011 wur­den 498 Todes­ur­tei­le ver­hängt und 529 Per­so­nen hin­ge­rich­tet.

Human Rights doku­men­tier­te 214 bekannt gewor­de­ne Fäl­le, in denen Ira­ner wegen ihres „abwei­chen­den“ Glau­bens ver­ur­teilt wur­den. In min­de­stens neun Fäl­len, die bekannt wur­den, wur­den reli­giö­se Min­der­hei­ten an der Durch­füh­rung ihrer reli­giö­sen Hand­lun­gen gehin­dert.

13 Häu­ser von reli­giö­sen Min­der­hei­ten oder von reli­giö­sen Min­der­hei­ten genützt, wur­den zer­stört oder geschlos­sen. 116 Ver­tre­ter reli­giö­ser Min­der­hei­ten wur­den zu Gefäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt. Gegen Ver­tre­ter reli­giö­ser Min­der­hei­ten wur­den Geld­stra­fen in der Höhe von 25 Mil­lio­nen Rial und 250 Peit­schen­hie­be ver­hängt. Die Ver­let­zung der Reli­gi­ons­frei­heit betraf 876 Per­so­nen. Die Bahai ste­hen zah­len­mä­ßig an erster Stel­le der Ver­fol­gungs­sta­ti­stik, die Der­wi­sche an zwei­ter Stel­le, gefolgt von den Chri­sten an drit­ter Stel­le. Ins­ge­samt betref­fen 14 Pro­zent aller Ver­let­zun­gen der Reli­gi­ons­frei­heit Chri­sten. Soweit die bekann­ten Zah­len. Human Rights geht davon aus, daß das wirk­li­che Aus­maß der Ver­fol­gung weit grö­ßer ist.

Text: Vati­can Insider/Giuseppe Nar­di
Bild: Vati­can Insi­der