Blasphemische Stücke in Mailand und Hamburg — Vatikan verurteilt, Erzbistum Hamburg schweigt

(Hamburg/Mailand) Zwei euro­päi­sche Groß­städ­te, zwei Kul­tur­städ­te, zwei Thea­ter, zwei blas­phe­mi­sche Stücke. In Mai­land wird im Teatro Paren­ti das Stück „Sul con­cet­to di Volto nel Figlio di Dio“ (Zum Kon­zept des Ant­lit­zes des Got­tes­soh­nes) von Romeo Castel­luc­ci auf­ge­führt. In Ham­burg im Tha­lia Thea­ter „Gol­go­ta Pic­nic“ von Rodri­go Gar­cia.

Bei Castel­luc­ci bil­det ein rie­si­ges Gesicht von Jesus das gesam­te Büh­nen­bild und wird mit Kot beschmiert und Stei­nen bewor­fen. Bei Gar­cia wird zwi­schen Blut, Sex, Geni­ta­li­en, Müll und Erbro­che­nem ganz bewußt die Gestalt von Jesus dem Chri­stus bewußt zer­stört als Akt der Ver­nich­tung des christ­li­chen Glau­bens und des christ­li­chen Erbes, bis hin zur Simu­la­ti­on einer Kreu­zi­gung einer halb­nack­ten Frau mit einem Sturz­helm und so wei­ter und so fort, ein­schließ­lich eines Dar­stel­lers, damit auch der letz­te den Zusam­men­hang ver­steht, der nackt am Kla­vier Haydns „Sie­ben letz­ten Wor­te unse­res Erlö­sers“ am Kreu­ze, spielt.

Bei­de Stücke wur­den zuvor in Frank­reich auf­ge­führt, wo sie star­ke katho­li­sche Pro­te­ste aus­lö­sten. War die Hal­tung der Bischö­fe gegen­über dem Stück Castel­luc­cis ambi­va­lent, war die Ableh­nung von Gar­cia ein­hel­lig.

Inzwi­schen nahm der Vati­kan zu Castel­luc­cis Stück Stel­lung.

Der Argen­ti­ni­er Gar­cia lebt in Madrid und fühlt sich zur Pro­vo­ka­ti­on „beru­fen“. Er bezeich­net Chri­stus als „Dem­ago­gen“, weil er Brot und Fische ver­mehr­te, „statt mit dem Volk zu arbei­ten“. In sei­nem ent­hei­li­gen­den Ver­nich­tungs­wahn wun­dert es daher nicht, daß Gar­cia in sei­nem Stück dazu anstif­tet, die gro­ßen Muse­en der Welt, wie den Pra­do, Lou­vre und Uffi­zi­en samt ihren Kunst­schät­zen abzu­fackeln.

In Frank­reich, Ita­li­en und Deutsch­land pro­te­stie­ren Katho­li­ken durch öffent­li­ches Gebet, Süh­ne­an­dach­ten und Süh­ne­mes­sen, das heißt vor allem mit spe­zi­fisch katho­li­schen Mit­teln, die einer lai­zi­sti­schen Welt fremd sind. Gegen das Thea­ter­stück Gar­ci­as rief Kar­di­nal André Vingt-Trois, der Erz­bi­schof von Paris die Katho­li­ken zu einer Süh­ne­ge­bets­nacht gegen den Angriff auf das Hei­li­ge.

Gegen das Stück Castel­luc­cis nahm das Staats­se­kre­ta­ri­at des Hei­li­gen Stuhls und der Pres­se­spre­cher des Vati­kans, Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di Stel­lung. Pater Lom­bar­di erklär­te, der Hei­li­ge Stuhl hof­fe, daß „jeder Man­gel an Respekt auf die ent­schlos­se­ne und geschlos­se­ne Reak­ti­on der christ­li­chen Gemein­schaft“ sto­ße. Das Staats­se­kre­ta­ri­at erklär­te zuvor, daß Castel­luc­cis Thea­ter­stück „das reli­giö­se Emp­fin­den der Chri­sten belei­digt“. Meh­re­re Bischö­fe ver­ur­teil­ten das Stück und des­sen Auf­füh­rung in Mai­land.

Auch in Ham­burg regt sich der Wider­stand von Chri­sten. Im Gegen­satz zu Paris und Mai­land fehlt aller­dings noch eine Stel­lung­nah­me der Erz­diö­ze­se Ham­burg. Bis­her reich­te es nur zu selbst­ge­fäl­li­ger „Gelas­sen­heit“. Der Beken­ner­mut deut­scher Bischö­fe, wie man auch in Rom weiß, ist rela­tiv dünn gesät. Auch in Ham­burg bevor­zugt das Bis­tum The­men, bei denen man nicht mit der medi­al vor­herr­schen­den kul­tu­rel­len Strö­mung in Wider­spruch gerät.

In allen drei Staa­ten folg­te auf die Kri­tik durch Chri­sten umge­hend als blo­ße Pole­mik ein undif­fe­ren­zier­ter Fun­da­men­ta­lis­mus-Vor­wurf. Das aus­ge­reiz­te lai­zi­sti­sche Kunst- und Kul­tur­ver­ständ­nis erweist sich weit­ge­hend unfä­hig, auch nur eine ande­re Mei­nung und ein ande­res Emp­fin­den wahr­zu­neh­men und zu akzep­tie­ren. Ste­reo­typ spre­chen sich Autoren, Büh­nen und Inten­dan­ten selbst vom Blas­phe­mie­vor­wurf frei und set­zen ihren Kampf gegen das Chri­sten­tum mit media­ler Unter­stüt­zung außer­halb der Thea­ter mit ande­ren Mit­teln fort. In Ham­burg hat unter­des­sen die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Straf­an­zei­ge erstat­tet wegen „Volks­ver­het­zung, Blas­phe­mie und Por­no­gra­phie“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­me­dia