Gott nimmt das Unsrige, unsere Schwachheit, an, damit wir das Seinige, seine Größe, annehmen können

Lie­be Brü­der und Schwe­stern!

Die ersten Tage des Jah­res ste­hen in der Lit­ur­gie der Kir­che ganz im Zei­chen von Weih­nach­ten und Epi­pha­nie: In Jesus Chri­stus wird der ewi­ge Gott Mensch in unse­rer Zeit und zeigt uns sozu­sa­gen greif­bar sei­ne Lie­be. Die Lit­ur­gie der Kir­che lädt uns ange­sichts die­ses Geheim­nis­ses zur Freu­de ein, so wie auch der Engel den Hir­ten in der Hei­li­gen Nacht kund­ge­tan hat: »Ich ver­kün­de euch eine gro­ße Freu­de« (Lk 2,10). Wir freu­en uns, daß Gott da ist, daß es ihn gibt, und nicht nur irgend­wo gibt, son­dern daß er zu uns kommt, der wirk­li­che Gott, bei uns bleibt; daß der Ewi­ge, Star­ke und Hei­li­ge, das Leben und die Freu­de sich mit uns ver­bin­det, die wir von uns aus schwach, sün­dig, lei­dend und sterb­lich sind. Und voll Freu­de stau­nen wir über den wun­der­ba­ren Tausch zwi­schen Gott und Mensch. Gott nimmt das Uns­ri­ge, unse­re Schwach­heit, an, damit wir das Sei­ni­ge, sei­ne Grö­ße, anneh­men kön­nen, damit Got­tes Natur in unse­re mensch­li­che Exi­stenz her­ein­reicht und sie hin­auf­hebt zur Höhe Got­tes. Ein wei­te­res Schlüs­sel­wort der weih­nacht­li­chen Tex­te in Schrift und Lit­ur­gie ist »Licht«. Die Hir­ten, so haben wir eben gehört, wur­den bei der nächt­li­chen Erschei­nung des Engels vom Licht der Herr­lich­keit des Herrn umstrahlt (vgl. Lk 2,9). Chri­stus, der als Kind gekom­men ist – das wirk­li­che Licht, das in der Fin­ster­nis leuch­tet (vgl. Joh 1,5.9) –, und uns sagt, was es mit dem Men­schen ist, was es mit der Welt ist, daß sie nicht ein­fach aus Zufall und Not­wen­dig­keit besteht, daß eine Idee dahin­ter­steht, und eine Idee die Lie­be ist, und daß wir uns dar­auf ver­las­sen kön­nen. Dies ist das Licht, das wir haben und dem wir nach­ge­hen in unse­rem Leben, damit wir uns in der rich­ti­gen Rich­tung bewe­gen. Durch Chri­stus erstahlt der Glanz Got­tes auf dem Ange­sicht des Men­schen. Er will, daß wir selbst in unse­rem Innern hell wer­den, wahr wer­den, gut wer­den, licht wer­den und daß wir so von uns aus Licht zu den Men­schen hin­brin­gen. Er sagt, ein Licht stellt man nicht unter einen Schef­fel, son­dern auf den Leuch­ter (vgl. Mt 5,15). Es soll aus uns her­aus­leuch­ten, daß wir Gott begeg­net sind, und so die Welt hel­ler machen. Bit­ten wir den Herrn dazu, daß die­ses Weih­nach­ten in uns etwas von sei­ner Hel­lig­keit wie­der neu ent­zün­det, von der Zuver­sicht und der Freu­de des Glau­bens, und daß davon etwas aus­strahlt in die­se Welt hin­ein, die des­sen so sehr bedarf.

Mit Freu­de grü­ße ich die deutsch­spra­chi­gen Pil­ger und Besu­cher und dan­ke den All­gäu­er Blä­sern für ihre wun­der­schö­ne Musik. Neh­men wir Chri­stus, das Kind, in dem Gott Mensch gewor­den ist, immer wie­der neu in uns sel­ber, in unse­re Her­zen auf. Las­sen wir ihn in uns leben, damit sei­ne Gedan­ken unse­re Gedan­ken, sein Han­deln unser Han­deln wird. Dann wer­den auch wir von sei­ner Freu­de und sei­nem Licht erfüllt sein. Euch allen wün­sche ich ein geseg­ne­tes und gutes neu­es Jahr.