Tauziehen zwischen Vatikan und UNO zur “sexuellen Identität“ – „Heute die Gefahren von morgen sehen“

(New York/Rom) Die jüng­ste UNO-Reso­lu­ti­on über die “sexu­el­le Iden­ti­tät“ könn­te die Frei­heit der Kir­che ein­schrän­ken. Soll­te das ideo­lo­gi­sche Mani­fest wört­lich genom­men wer­den, dürf­te man künf­tig kei­ne mora­li­sche oder reli­giö­se Mei­nung mehr über Homo­se­xua­li­tät haben. Des­halb pro­te­stier­te der Hei­li­ge Stuhl gegen die Marsch­rich­tung der Ver­ein­ten Natio­nen zu den Homo-Rech­ten. Die Kir­che kri­ti­siert vor allem, daß die Reso­lu­ti­on die Mei­nungs­frei­heit, aber auch die Reli­gi­ons­frei­heit ein­schrän­ke. Sie erlau­be nicht mehr ver­schie­de­ne Mei­nun­gen, son­dern wol­le eine Ein­heits­mei­nung oktroy­ie­ren. Die Kir­che kön­ne kei­ne mora­li­sche, poli­ti­sche oder auch recht­li­che Dif­fe­ren­zie­rung äußern zu Fra­gen wie Homo-Ehe, Homo-Adop­ti­on oder künst­li­che Befruch­tung.

Der Hei­li­ge Stuhl beton­te das kirch­li­che Nein zur Dis­kri­mi­nie­rung und zur Gewalt gegen Homo­se­xu­el­le. Sie wehrt sich jedoch gegen die ein­sei­ti­ge Fest­le­gung der UNO, daß homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen den hete­ro­se­xu­el­len völ­lig iden­tisch, auch vom mora­li­schen Gesichts­punkt und eben­so von Natur aus, sei­en.

Ein euro­päi­scher UN-Diplo­mat sag­te am Ran­de der Tagung: „Jedes Kind weiß und ver­steht, daß die­se Gleich­set­zung der Homo­se­xua­li­tät von Natur aus ver­kehrt ist. Doch sagen darf man das heu­te nicht mehr, wes­halb auch ich das nie gesagt habe. Wie lan­ge die­ser ideo­lo­gi­sche Hype dau­ern wird, kann ich nichts sagen.“

Der Vati­kan warnt vor dem ver­ord­ne­ten Ein­heits­ge­dan­ken, der per se bereits Mei­nungs­dik­ta­tur ist, ganz unab­hän­gig davon, ob er nun mit der „Aus­mer­zung von Homo­pho­bie“ begrün­det wird oder anders. Laut dem stän­di­gen Beob­ach­ter des Hei­li­gen Stuhls beim Men­schen­rechts­rat der UNO in Genf, Msgr. Sil­va­no Maria Toma­si, sei es „das Ziel, die Homo­se­xu­el­len­rech­te in die inter­na­tio­na­le Agen­da der Men­schen­rech­te auf­zu­neh­men.“ Durch die sich dahin­ter ver­ber­gen­de ideo­lo­gi­sche Unduld­sam­keit dro­he ein ernst­haf­ter Angriff auf die Reli­gi­ons­frei­heit der katho­li­schen Kir­che, so Toma­si.

Wenn die Staa­ten und die inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen bei ihrem Drang nach Erwei­te­rung der Men­schen­rech­te nicht aus­rei­chen­de Sen­si­bi­li­tät für die Wah­rung der bereits defi­nier­ten Men­schen­rech­te hät­ten, könn­te von Staa­ten ver­sucht wer­den, der Kir­che trotz ihrer gegen­tei­li­gen Posi­tio­nen die Homo-Ehe auf­zu­zwin­gen. Dann könn­ten sogar Prie­ster vom Staat gezwun­gen wer­den, Homo-Ehen zu seg­nen und zu zele­brie­ren. „Ein Wider­spruch und eine Absur­di­tät, doch es ent­sprä­che der Logik eini­ger radi­ka­ler Kräf­te“, so der Kuri­en­erz­bi­schof. „Der kirch­li­che Bei­trag zu den Men­schen­rech­ten ist nicht los­ge­löst von der Glau­bens­per­spek­ti­ve auf den Schöp­fer­gott.“

„Des­halb wehrt sich die Kir­che gegen eine Dik­ta­tur der posi­ti­vi­sti­schen Ver­nunft, die Gott aus dem Leben der Gemein­schaft und der öffent­li­chen Ord­nung aus­schließt und den Men­schen sei­ner eigen­sten, spe­zi­fi­schen Ori­en­tie­rungs­maß­stä­be beraubt“, so der stän­di­ge Ver­tre­ter beim UN- Men­schen­rechts­rat.
Der Hei­li­ge Stuhl teilt die Absicht, jede Form von Dis­kri­mi­nie­rung und Gewalt gegen Homo­se­xu­el­le als Per­so­nen künf­tig zu ver­hin­dern. „Die Kir­che kann aber kei­ne Form von staat­li­chem Zwang auf das Gewis­sen akzep­tie­ren“, so Erz­bi­schof Toma­si. „Auf­grund der Hei­li­gen Schrift, der gesam­ten kirch­li­chen Über­lie­fe­rung und des Natur­rechts hat die Kir­che ein kla­re Posi­ti­on zur Homo­se­xua­li­tät, ach­tet und aner­kennt aber jede Per­son auf­grund ihrer unver­äu­ßer­li­chen Men­schen­wür­de. Die­se Posi­ti­on muß die Kir­che auch mor­gen sagen, leh­ren und dafür ein­tre­ten kön­nen, sie ist fester Bestand­teil ihres Glau­bens­gu­tes, in das kein Staat das Recht hat, ein­zu­grei­fen.“

Text: Vati­can Insider/Giuseppe Nar­di
Bild: Chris Ste­fa­nick: Abso­lu­te Rela­ti­vism. The New Dic­ta­tor­ship, mit einem Vor­wort von Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke