Instruktionen zu Summorum Pontificum vor Veröffentlichung

(Vati­kan) Die Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen für das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum sol­len vor­aus­sicht­lich im März ver­öf­fent­licht wer­den. Mit dem Motu pro­prio hol­te der Papst die triden­ti­ni­sche Lit­ur­gie als außer­or­dent­li­che Form des römi­schen Ritus zurück in das täg­li­che Leben der katho­li­schen Kir­che. Mit der nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form von 1970 war sie im Kel­ler weg­ge­sperrt und fak­tisch unter Ver­bot gestellt wor­den. Hat­te bereits Papst Johan­nes Paul II. erste Schrit­te zu ihrer „Befrei­ung“ unter­nom­men, erfolg­te unter Papst Bene­dikt XVI. ihre Renais­sance. Seit­her befin­det sich die latei­ni­sche Chri­sten­heit gewis­ser­ma­ßen auf dem Weg zu einer biri­tu­el­len Kir­che.

Bereits 2007 hat­te der Papst fest­ge­legt, ihm nach den ersten drei Jah­ren nach Inkraft­tre­ten des Motu pro­prio Bericht über des­sen welt­wei­ter Umset­zung zu erstat­ten. Die Infor­ma­tio­nen dazu wur­den in der zwei­ten Hälf­te des Jah­res 2010 ein­ge­holt.

Die bereits vor drei Jah­ren ange­kün­dig­ten Instruk­tio­nen für Bischö­fe, Prie­ster und Gläu­bi­ge sind noch aus­ste­hend. Dar­in sehen Beob­ach­ter einen Grund für die in man­chen Län­dern oder Diö­ze­sen andau­ern­den Blocka­den durch Bischö­fe oder Diö­ze­san­gre­mi­en. Zuletzt hat­te der Bischof von San Mari­no-Mon­te­fel­tro, Msgr. Lui­gi Negri, öffent­lich kri­ti­siert, daß die Instruk­tio­nen noch nicht erlas­sen wor­den sei­en.

Die­se Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen sol­len aus­ge­ar­bei­tet und von Papst Bene­dikt XVI. bereits ange­nom­men wor­den sein. Ihre Ver­öf­fent­li­chung sei für Anfang März vor­ge­se­hen. Dies berich­tet der ame­ri­ka­ni­sche Prie­ster John Zuhls­dorf auf sei­nem Inter­net-Blog. Damit, so Zuhls­dorf, sei ihre Unter­zeich­nung durch den Papst für das Fest der Kathe­dra Petri am 22. Febru­ar, denk­bar. Das Doku­ment soll „aus­ge­zeich­net“ sein, wie die der alten Mes­se ver­pflich­te­te Inter­net­sei­te Mes­sa in Lati­no unter Beru­fung auf „gut infor­mier­te Krei­se“ berich­te­te.

Die Instruk­tio­nen wer­den vor allem recht­li­cher Natur sein, um die Umset­zung des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum zu regeln. Kon­kret wird es dabei vor allem um die Klä­rung unge­nau­er oder unkla­rer Aspek­te bei Zustän­dig­keits­fra­gen und im Pro­ze­de­re gehen. Der Tra­di­ti­on ver­bun­de­ne Grup­pen erhof­fen sich vor allem kla­re Anwei­sun­gen, um oft hart­näcki­gen Wider­stand gegen den alten Ritus bei Bischö­fen und Prie­stern über­win­den zu kön­nen.

Zudem tauch­te erst durch die kon­kre­te Umset­zung oder zumin­dest den Ver­such dazu eine Rei­he von Fra­gen auf. Was bedeu­tet zum Bei­spiel genau „außer­or­dent­li­che“ Form des römi­schen Ritus? Besteht die Mög­lich­keit, die Lesun­gen und/oder das Evan­ge­li­um in der Lan­des­spra­che statt in Latein vor­zu­tra­gen? Gilt das Motu pro­prio auch für die ande­ren latei­ni­schen Riten, etwa den Ambro­sia­ni­schen Ritus in der Lom­bar­dei oder jenen von Bra­ga in Por­tu­gal? Was genau macht eine „stän­di­ge Grup­pe“ aus, die Vor­aus­set­zung für die Zele­bra­ti­on des alten Ritus für eine Gemein­de ist? Wel­che Wir­kung ent­fal­tet der gel­ten­de Codex Iuris Cano­ni­ci und ande­re recht­li­che sowie lit­ur­gi­sche Bestim­mun­gen für älte­re Prak­ti­ken (Hand­kom­mu­ni­on, fik­ti­ve Sub­dia­ko­ne, Volks­ge­sang, lit­ur­gi­schen Kalen­der)? Kann es eine Ver­mi­schung von Ele­men­ten der ordent­li­chen und der außer­or­dent­li­chen Form des Ritus geben?

Mit Zuhls­dorf ist anzu­neh­men, daß es sich nicht um die letz­ten Instruk­tio­nen han­deln wird. Die sich aus­brei­ten­de Umset­zung des Motu pror­prio Summorum Pon­ti­fi­cum wird, wie jede Pra­xis, wei­te­re Fra­gen auf­wer­fen, die einer Klä­rung bedür­fen. Vor allem in dem Papst nahe­ste­hen­den Krei­sen gilt die lit­ur­gi­sche Erneue­rung im biri­tu­el­len Sinn als wesent­li­ches Ele­ment für die Erneue­rung des katho­li­schen Glau­bens und die von Bene­dikt XVI. ange­streb­te Neue­van­ge­li­sie­rung.

(Giu­sep­pe Nar­di, Bild: Novus Motus Lit­ur­gi­cus)