Im Chor des Papstes singen bald auch Frauen – Ältester Chor der Welt

(Vati­kan) Der älte­ste Chor der Welt wird nach mehr als 1500 Jah­ren auch Frau­en auf­neh­men. Dem Chor der Six­ti­ni­schen Kapel­le steht unter der Lei­tung des noch kei­ne zwei Mona­te im Amt befind­li­chen neu­en Chor­mei­sters Mas­si­mo Palom­bel­lo eine grund­le­gen­de Neue­rung bevor. Erst­mals wer­den am 9. Janu­ar 2011 auch Frau­en im päpst­li­chen Haus­chor mit­sin­gen. Am Sonn­tag nach dem Drei-Königs-Fest zele­briert der Papst tra­di­tio­nell eine Hei­li­ge Mes­se in der welt­be­rühm­ten Six­ti­ni­schen Kapel­le und spen­det die Tau­fe. Seit eini­gen Jah­ren zele­briert Papst Bene­dikt XVI. bei die­sem Anlaß ver­sus Deum mit Blick auf die Fres­ken des Jüng­sten Gerichts von Michel­an­ge­lo.

Der Sale­sia­ner Mas­si­mo Palom­bel­lo wur­de am 16. Okto­ber 2010 von Papst Bene­dikt XVI. zum neu­en Chor­mei­ster der Six­ti­ni­schen Kapel­le ernannt. Am 4. Novem­ber trat er sei­nen Dienst an. Kurz dar­auf began­nen auch Frau­en an den Pro­ben des Cho­res teil­zu­neh­men, der bis­her aus­schließ­lich Män­nern und Kna­ben vor­be­hal­ten war, wie die Inter­net­sei­te Mes­sa in Lati­no, aus „ver­trau­li­cher Quel­le“ mit­teilt. Die Mulie­res sol­len mit der ersten Teil­nah­me an einer päpst­li­chen Lit­ur­gie am 9. Janu­ar offi­zi­ell in den Chor der Six­ti­ni­schen Kapel­le auf­ge­nom­men wer­den.

Der A‑Cap­pel­la-Chor zur musi­ka­li­schen Gestal­tung der päpst­li­chen Lit­ur­gien wur­de Ende des 6. Jahr­hun­derts von Papst Gre­gor dem Gro­ßen gegrün­det. Mit der Errich­tung der Six­ti­ni­schen Kapel­le als päpst­li­cher Haus­ka­pel­le im Jahr 1473 durch Papst Six­tus IV. erhielt der exklu­si­ve Män­ner­chor Ende des 15. Jahr­hun­derts sei­nen Namen.

Seit dem 19. Jahr­hun­dert sind neben Män­nern auch Sän­ger­kna­ben Teil des Cho­res, die 1956 offi­zi­ell unter dem Ende Novem­ber von Papst Bene­dikt XVI. zum Kar­di­nal erho­be­nen Chor­mei­ster Dome­ni­co Ber­to­luc­ci als Pue­ri Can­to­res mit eige­ner Musik­schu­le kon­sti­tu­iert wur­den.

Mit der Umwand­lung in einen gemisch­ten Chor endet eine 1500jährige Tra­di­ti­on, die noch mit Motu pro­prio über die Kir­chen­mu­sik von Papst Pius X. den Aus­schluß von Frau­en aus lit­ur­gi­schen Chö­ren bekräf­tig­te. Als älte­ster gemisch­ter Chor der Welt gilt die 1791 in Ber­lin gegrün­de­te Sing-Aka­de­mie.

(Giu­sep­pe Nar­di, Bild: lavi­gna­del­si­gno­re)