Österreichs Bischöfe verharren im alpinen Starrsinn und lassen antirömischem Affekt freien Lauf

von Giu­sep­pe Nar­di

(Wien) Öster­reichs Kir­che ist in jeder Hin­sicht eine Schwe­ster der baye­ri­schen Kir­che, wes­halb sie Papst Bene­dikt XVI. bis hin­ein in die inner­sten Aus­drucks­for­men der Volks­fröm­mig­keit beson­ders ver­traut ist. Den­noch berei­ten Öster­reichs Bischö­fe dem Hei­li­gen Stuhl wenig Freu­de.

Bald nach sei­ner Wahl erkann­te Papst Johan­nes Paul II. im Zuge sei­ner Visi­on einer Neue­van­ge­li­sie­rung die Not­wen­dig­keit, die öster­rei­chi­sche Kir­che durch sei­nen Epi­sko­pat zu erneu­ern. Der Weg dazu wur­de durch den Abgang Kar­di­nal Franz Königs frei, der bis dahin domi­nan­ten Gestalt. Es folg­ten die Beru­fun­gen von Pater Hans Her­mann Gro­er zum Erz­bi­schof von Wien (1986), von Kurt Krenn (1987) und Chri­stoph Schön­born (1991) zu des­sen Weih­bi­schö­fen, von Klaus Küng zum Bischof von Feld­kirch (1989), von Georg Eder zum Erz­bi­schof von Salz­burg (1989) und Andre­as Laun zu des­sen Weih­bi­schof (1995) und von Chri­sti­an Wer­ner zum Mili­tär­bi­schof (1992). Die neue Linie bei den Ernen­nun­gen trug die Hand­schrift von Erz­bi­schof Miche­le Cec­chi­ni, der von 1984 bis 1989 Nun­ti­us in Öster­reich war.

Auf­ge­schreckt durch das unbe­irr­te Han­deln Cec­chi­nis bil­de­te sich in der zwei­ten Hälf­te der 80er Jah­re jedoch auch jene bis heu­te hal­ten­de Alli­anz aus kir­chen­fer­ner Pres­se, des pseu­do­ka­tho­li­schen Umwühl­ver­eins „Wir sind Kir­che“ und Tei­len der Amts­kir­che.

Eine erneu­te Trend­wen­de bei den Bischofs­er­nen­nun­gen erfolg­te nach der Ernen­nung von Weih­bi­schof Chri­stoph Schön­born zum neu­en Erz­bi­schof von Wien im Jahr 1995, der seit­her in Öster­reichs Kir­che „das gute und schlech­te Wet­ter macht“ (Pao­lo Roda­ri) und vor allem im Gespräch mit den ein­hei­mi­schen Medi­en zu ger­ne nach deren Mund redet.

Bereits zwei Mal rief Papst Bene­dikt XVI. Öster­reichs Bischö­fe zum Besuch nach Rom ad limi­na apo­sto­lo­rum. Bekannt ist, daß bei­de Begeg­nun­gen einer ordent­li­chen Kopf­wä­sche gleich­ka­men. Eben­so, daß die Bischö­fe, wie­der in ihre Ber­ge zurück­ge­kehrt, in alpi­nem Starr­sinn ver­harr­ten und weder an der Ver­kün­di­gung noch am man­gel­haf­ten Kurs von Ordi­na­ri­ats­äm­tern und katho­li­schen Ver­ei­nen und Ein­rich­tun­gen etwas änder­ten.

Im Jahr 2005 zähl­te der öster­rei­chi­sche Epi­sko­pat zu den ersten, die vom neu­ge­wähl­ten Papst nach Rom geru­fen wur­den. Der Papst fand stren­ge Wor­te. Er warf den öster­rei­chi­schen Bischö­fen vor, zu wich­ti­gen The­men der katho­li­schen Glau­bens- und Moral­leh­re zu schwei­gen. Ein schwer­wie­gen­der Vor­wurf für einen Bischof. Bene­dikt XVI. benann­te auch die Grün­de für die­ses Schwei­gen: Erstens aus Angst vor Pro­te­sten von ehe­ma­li­gen Katho­li­ken, die längst ohne Gott leben, sich aber struk­tu­rell noch im kirch­li­chen Umfeld bewe­gen und sich mit dem Eti­kett katho­lisch umhül­len, und zwei­tens aus Angst vor dem Spott einer glau­bens­fer­nen Welt, die in zahl­rei­chen mei­nungs­füh­ren­den Medi­en ihr Sprach­rohr hat. Wört­lich warn­te der Papst die öster­rei­chi­schen Bischö­fe: „Gebt Euch kei­nen Illu­sio­nen hin! Eine unvoll­stän­di­ge katho­li­sche Ver­kün­di­gung ist ein Wider­spruch in sich und kann auf län­ge­re Sicht kei­ne Frucht brin­gen.“

2009 rief Bene­dikt XVI. erneut Öster­reichs Bischö­fe nach Rom. Nach unge­hal­te­nen Pro­te­sten von Bischö­fen, Prä­la­ten und Gläu­bi­gen muß­te der Papst die Ernen­nung von Pfar­rer Ger­hard Maria Wag­ner zum Weih­bi­schof von Linz zurück­neh­men. Wag­ner wur­de als „zu kon­ser­va­tiv“ abge­lehnt. Die Begeg­nung mit den Bischö­fen fand hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt, den­noch weiß man, daß der Papst sehr hart mit den Ober­hir­ten ins Gebet ging. Sein wenig schmei­chel­haf­tes Urteil über die öster­rei­chi­schen Bischö­fe, die kaum einen Fin­ger rühr­ten, um ihn gegen die Angrif­fe rund um die Rück­nah­me der Exkom­mu­ni­ka­ti­on für die vier Bischö­fe der Pius­bru­der­schaft zu ver­tei­di­gen, hat­te sich nicht geän­dert. Wiens Erz­bi­schof Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born war davon nicht aus­ge­nom­men, obwohl sich die­ser ger­ne, beson­ders außer­halb Öster­reichs, als Schü­ler Ratz­in­gers prä­sen­tiert. San­dro Magi­ster faß­te die Ambi­va­lenz des Wie­ner Erz­bi­schofs bereits im Juni 2009 mit den Wor­ten zusam­men: „Ein sicht­ba­rer Wider­spruch betrifft die Num­mer Eins unter Öster­reichs Bischö­fen, den Kar­di­nal Schön­born: Außer­halb Öster­reichs gilt er als treu­er Freund Ratz­in­gers, in sei­nem Vater­land aber läßt er den anti­rö­mi­schen Strö­mun­gen freie Hand.“ Der eigent­li­che Wider­spruch liegt wohl noch etwas tie­fer. In Öster­reich wie in allen deut­schen Län­dern exi­stie­ren längst zwei Par­al­lel­kir­chen, die nur müh­sam und zum Schein unter einem Dach zusam­men­ste­hen. Viel­leicht wäre ein Schis­ma jener einst zwar im katho­li­schen Milieu auf­ge­wach­se­nen, doch selbst weder zum Gehor­sam berei­ten noch den Kate­chis­mus der Kir­che in vol­lem Umfang akzep­tie­ren­den Krei­se nicht nur ein Gebot der Ehr­lich­keit gegen­über der Welt und der Kir­che, son­dern auch ein Segen für die Kir­che.