Wahlen in Italien: Abtreibungsbefürworterinnen unterliegen – „Stimme der Kirche zählt“

(Mai­land) Die Wah­len zur Erneue­rung von 13 von 20 ita­lie­ni­schen Regio­nal­par­la­men­ten am 28./20. März 2010 brach­ten einen gro­ßen Erfolg für die Rechts­par­tei­en. Sie konn­ten den Links­par­tei­en vier Regio­nen abneh­men: Pie­mont, Lati­um mit der Stadt Rom, Kam­pa­ni­en und Kala­bri­en. Regier­te die Rech­te bis vor drei Jah­ren nur drei ita­lie­ni­sche Regio­nen, so sind es nun elf.

Mit gro­ßer Span­nung wur­de vor allem das Ergeb­nis von Pie­mont und Lati­um erwar­tet, wo die katho­li­sche Kir­che im Wahl­kampf Stel­lung bezo­gen hat­te. Grund­sätz­lich erfol­ge „kei­ne Ein­mi­schung“ bei Wah­len, erklär­te der Vor­sit­zen­de der ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Ange­lo Bag­nas­co, vor dem Urnen­gang. Wenn aller­dings „unver­han­del­ba­re Wer­te“ auf dem Spiel stün­den, wie der Schutz des mensch­li­chen Lebens, dann müs­se die Kir­che Stel­lung bezie­hen.

Die Stel­lung­nah­me bestand nicht in einer Wahl­emp­feh­lung, son­dern in einer Auf­for­de­rung an die Wäh­ler, nicht Kan­di­da­ten zu unter­stüt­zen, die für die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der ein­tre­ten. Der Auf­ruf rich­te­te sich deut­lich gegen die Spit­zen­kan­di­da­tin­nen der Lin­ken für die Regio­nen Pie­mont und Lati­um.

Pie­mont mit der Haupt­stadt Turin zählt neben der Lom­bar­dei und Vene­ti­en zu den wirt­schafts­star­ken und wohl­ha­bend­sten Regio­nen Ita­li­ens. Dort lie­fer­te sich die schei­den­de Regio­nal­prä­si­den­tin Mer­ce­des Bres­so von den Links­de­mo­kra­ten ein Duell mit dem Her­aus­for­de­rer Rober­to Cota von der Lega Nord. Bres­so regier­te die Regi­on seit 2005 und wur­de von einer brei­ten Links­ko­ali­ti­on von den Kom­mu­ni­sten bis zu den Links­li­be­ra­len unter­stützt. Sie hat­te gegen den Wider­stand der katho­li­schen Kir­che und der Lebens­rechts­be­we­gung die Ver­wen­dung der Abtrei­bungs­pil­le RU 486 frei­ge­ge­ben. Die Kir­che stieß sich des­halb dar­an, daß die klei­ne christ­de­mo­kra­ti­sche Zen­trums­uni­on aus wahl­tak­ti­schen Über­le­gun­gen die Kan­di­da­tur von Bres­so unter­stütz­te.

In Lati­um mit der Haupt­stadt Rom, der Stadt des Pap­stes und dem Zen­trum der Chri­sten­heit, bewarb sich Emma Boni­no an der Spit­ze einer brei­ten Links­ko­ali­ti­on um das Amt des Gou­ver­neurs. Boni­no, füh­ren­de Expo­nen­tin der anti­kle­ri­ka­len Radi­kal­li­be­ra­len, gilt als Iko­ne der ita­lie­ni­schen Abtrei­bungs­be­für­wor­ter. Sie hat­te selbst die Tötung ihres Kin­des vor­neh­men las­sen und kämpf­te in den 70er Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts für die Frei­ga­be der Kin­destö­tung. Ihre Posi­ti­on hat sie weder bereut noch geän­dert. Ihre Kan­di­da­tur wur­de als offe­ne Her­aus­for­de­rung auf­ge­faßt. Wegen ihrer Hal­tung zu Abtrei­bung und Kir­che unter­stütz­te die christ­de­mo­kra­ti­sche Zen­trums­uni­on in Lati­um die Rechts­kan­di­da­tin Rena­ta Pol­veri­ni von den Rechts­na­tio­na­len. Durch eine Pan­ne schien der Sieg Boni­nos jedoch sicher. Die wich­tig­ste Par­tei der Mit­te-rechts-Koali­ti­on, die Par­tei der Frei­heit von Ita­li­ens Mini­ster­prä­si­dent Sil­vio Ber­lus­co­ni, war aus ver­fah­rens­tech­ni­schen Grün­den von der Wahl aus­ge­schlos­sen wor­den. Nur ein inten­si­ver und pola­ri­sie­ren­der Wahl­kampf konn­te die­sen Nach­teil aus­glei­chen und die Anhän­ger den­noch zu den Urnen brin­gen.

Bei­de Ver­fech­te­rin­nen einer Kul­tur des Todes unter­la­gen ihren Her­aus­for­de­rern. Der Sieg ging sowohl im eher roten Pie­mont als auch im zwi­schen rechts und links schwan­ken­den Lati­um an die Kan­di­da­ten der Rech­ten.

Erz­bi­schof Rino Fisi­chel­la, Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben, kom­men­tier­te den Wahl­aus­gang mit Erleich­te­rung. „Wir respek­tie­ren Wahl­er­geb­nis­se. Wenn dies alle täten, wür­den wir ruhi­ger leben. Uns ging es nicht dar­um, eine Mei­nung über die­sen oder jenen Kan­di­da­ten zu äußern. Wenn aber eine Kan­di­da­tur das genaue Gegen­teil der Grund­wer­te der Chri­sten­heit ver­tritt, vor allem beim Schutz des Lebens vor der Geburt und am Ende des Lebens, dann müs­sen wir Stel­lung bezie­hen.“

Lobend hob Fisi­chel­la in sei­nem Inter­view mit dem Cor­rie­re del­la Sera den Erfolg der erklär­ten Katho­li­ken Rober­to For­mi­go­ni und Rober­to Cota her­vor. For­mi­go­ni, von Ber­lus­co­nis Par­tei der Frei­heit, konn­te mit einer sat­ten abso­lu­ten Mehr­heit das Amt des Prä­si­den­ten der Lom­bar­dei behaup­ten. Er ist der bekann­te­ste Kopf der katho­li­schen Bewe­gung Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne, deren Memo­res Domi­ni er mit Keusch­heits­ge­lüb­de ange­hört. Rober­to Cota, von der regio­na­li­sti­schen Lega Nord, die für eine stär­ke­re Selb­stän­dig­keit Nord­ita­li­ens ein­tritt, erober­te erst­mals Pie­mont.

In der Basi­li­ka­ta, einer sel­ten beach­te­ten Regi­on Süd­ita­li­ens, dem alten Luka­ni­en, bewarb sich hin­ge­gen Mag­di Cri­stia­no Allam um das Amt des Gou­ver­neurs. Der gebür­ti­ge Ägyp­ter und ehe­ma­li­ge stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­teur der Tages­zei­tung Cor­rie­re del­la Sera sorg­te für Auf­se­hen, als er vom Islam zum Chri­sten­tum kon­ver­tier­te. In der Oster­nacht 2008 wur­de er von Papst Bene­dikt XVI. im Peters­dom getauft und in die Kir­che auf­ge­nom­men. 2009 wur­de er als Unab­hän­gi­ger auf den Listen der christ­de­mo­kra­ti­schen Zen­trums­uni­on in das Euro­päi­sche Par­la­ment gewählt. Kurz dar­auf grün­de­te er die christ­li­che Bewe­gung „Io amo l’Italia“ (Ich lie­be Ita­li­en). Sei­ne Kan­di­da­tur in Luka­ni­en wur­de jedoch weder von den Rechts­par­tei­en, die einen eige­nen Kan­di­da­ten prä­sen­tier­ten, noch von der Zen­trums­uni­on unter­stützt, die sich der Links­ko­ali­ti­on anschloß. Im Allein­gang konn­te Allam mit einem Ergeb­nis von 8,7 Pro­zent einen uner­war­te­ten Ach­tungs­er­folg erzie­len.

Giu­sep­pe Nar­di